Frontaufklärungstrupp 256 - Einsatzgebiet? - Einsätze?

  • Hallo an alle,

    ich bin neu hier.

    Ich recherchiere nach meinem Großvater Willi Preiss.


    Vom Bundesarchiv habe ich folgendes mitgeteilt bekommen:

    Den Erkennungsmarkenverzeichnissen und Veränderungsmeldungen der Wehrmacht

    ist zu Preis, Wilhelm, geboren am 08.12.1912 in Karlsbad (hier in dieser Schreibweise

    registriert) Folgendes zu entnehmen:

    • 3. Kompanie Infanterie-Regiment 439 gemeldet: 1940 Bundesarchivsignatur: B 563/82361

    • 3. Kompanie Infanterie-Regiment 439 gemeldet: 1942 Bundesarchivsignatur: B 563/82361

    • Marsch-Kompanie Infanterie-Ersatz-Batail-lon 440, Zittau gemeldet: 1943 Bundesarchivsignatur: B 563/66022

    • 1. Kompanie Infanterie-Regiment 439 gemeldet: 1943 Bundesarchivsignatur: B 563/82359

    3. Kompanie Lehrregiment Kurfürst gemeldet: 1944 Bundesarchivsignatur: B 563/48821

    • Frontaufklärungs-Trupp 256 gemeldet: 1944 Bundesarchivsignatur: B 563/21402


    Am Kriegsende hat mein Großvater sich in Südtirol, im Pragser Tal, auf dem Hanslerhof oberhalb von Schmieden versteckt und dort als Knecht gearbeitet. Dies ist bezeugt. Ich war selbst schon dort. Leider zu spät, um noch genaueres herausfinden zu können.


    Was der der Frontaufklärungs-Trupp 256 gemacht, bei dem er am Kriegsende vermutlich dabei war? Nachdem was ich bisher gelesen habe war dies ja eine ziemlich gefährliche Verwendung für mutige und draufgängerische Männer. So habe ich aber meinen Großvater nicht in Erinnerung.


    Durch das Buch von Hans-Günter Richardi „SS-Geiseln in der Alpenfestung“ (http://www.mythoselser.de/niederdorf.htm) wurde mein Interesse geweckt. Mein Großvater war zu dieser Zeit, als dies geschah, genau in diesem Tal. Er hat aber nie von diesen Ereignissen erzählt. Das muss aber doch bekannt geworden sein, dass dort in Niederdorf die Wehrmacht die SS entwaffnet hat und die prominenten Geiseln befreit hat.


    Mir stellen sich viele Fragen::?::?:


    Auf welcher Seite stand er? Auf der Seite der Wehrmacht oder der SS, oder war er unbeteiligt.


    Hatte er was zu verbergen?


    Warum hat er sich auf dem Bauernhof versteckt. Es bestehen immer noch freundschaftliche Beziehungen. Meine Eltern und Großeltern haben dann in der Nachkriegszeit oft Urlaub dort gemacht.


    Wir wissen auch nicht, seit wann er auf dem Hanslerhof war. Hatte er schon vor der Kapitulation die Truppe verlassen und musste er sich zuerst vor der Wehrmacht oder der SS und dann vor italienischen Partisanen und den Amerikanern verstecken?


    Er hat mir auch von einer sehr schweren Verwundung erzählt, die er sich in Jugoslawien bei der Partisanenbekämpfung zugezogen hatte. Da hatte man ihn schon für tot gehalten. Anscheinend in einem Lazarett in Meran wurde er dann behandelt, da ich davon ein Bild in seinen Unterlagen gefunden haben.


    Es wäre schön wenn einer von Ihnen mit helfen könnte wie ich an weitere Information über meinen Großvater und dem Frontaufkärungstrupp 256 kommen kann.


    Vielen herzlichen Dank im Voraus!


    Peter Schmidt

  • Grüß Gott Peter,


    herzlich willkommen hier im Forum der Wehrmacht !


    Falls noch nicht bekannt, hier die Einträge im Lexikon zu den Einheiten,

    IR 439

    https://www.lexikon-der-wehrma…rieregimenter/IR439-R.htm

    Division dazu

    https://www.lexikon-der-wehrma…teriedivisionen/134ID.htm

    IEB 440

    https://www.lexikon-der-wehrma…ErsBat/InfErsBat440-R.htm


    Hier etwas zum Lehr Regiment Kurfürst, gehörte zur Abwehr

    https://de.wikipedia.org/wiki/Regiment_Kurf%C3%BCrst

    Front Aufklärungstrupp 256 gehörte zur Armeegruppe von Zangen Befehlshaber i.d. OZAK ,

    https://de.wikipedia.org/wiki/…iatisches_K%C3%BCstenland

    und

    https://www.lexikon-der-wehrma…lung/ArmeeAbtZangen-R.htm

    sowie

    https://www.deutsche-digitale-…UWOLU6S2NG6COTRSVJ7NPJ3I6


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

    P.S. Suche läuft auch hier

    https://www.militaria-fundforu…fund-ss-urkunde-kroatien/

    Edited 2 times, last by Eumex ().

  • Hallo Peter, hallo an alle,


    dein Großvater gehörte zu einer Einheit die aus dem Amt Ausland/ Abwehr unter Admiral Canaris hervorging und ab Sommer 1944 dem sog. MilAmt D im Reichssicherheitshauptamt unterstand. Da sich die SS insbesondere nach dem Attentat vom 20. Juli gegen die Abwehr durchgesetzt hatte, wurde das sog. MilAmt D, welches die Frontaufklärungseinheiten II "betreute"/ administrierte, vom SS-Obersturmbannführer Otto Skorzeny geleitet. Dieser tanzte jedoch auf vielen Hochzeiten und so konnte das MilAmt D und die Frontaufklärungseinheiten II bis Kriegsende ihre Autonomie durchaus bis zu einem gewissen Grad gegenüber der SS behaupten. Aber diese Verwaltungskämpfe und Zuständigkeiten sind recht komplex. Vereinfacht gesagt war das FAT 256 eine Einheit der Wehrmacht. Die Einsätze der Frontaufklärungseinheiten wurden vom Ic einer Heeresgruppe bzw. Armee und dessen Stab angefordert. Aufgabe war Sabotage und Diversion "hinter den feindlichen Linien". Manche Soldaten sind dazu selbst ins Feindesland eingesickert, andererseits wurde oft ausländisches Personal genommen, was zuvor in Trainingslagern hinter der Front ausgebildet wurde. Ein Angehöriger eines FAT 2xx muss nicht zwingend Feindkontakt gehabt haben.


    Quellen siehe auch hier:


    https://forum.axishistory.com/…ilit=Frontaufkl%C3%A4rung



    Die Informationen aus den beigefügten Bildern stammen mit Masse aus dem Verhörprotokoll von Dr. Walter Keilholz, der ebenfalls in der Frontaufklärung II in Italien eingesetzt war. Das Dokument kann aktuell wahrscheinlich sogar kostenlos runtergeladen werden, zumindest war dies bei mir letzte Woche noch so.


    https://discovery.nationalarch…ov.uk/details/r/C11090191




    Mit besten Grüßen

    Robert

  • Hallo zusammen,


    anbei noch Bilddateien zum FAT 256.


    20220131_001659.jpg


    Untenstehend der Link zur DRK Vermisstenbildliste. In Band AA auf Seite 66 findet sich der FAT 256.


    https://vbl.drk-suchdienst.online/Feldpostnummer/FPN.aspx


    20220131_005059.jpg20220131_005125.jpg


    Allerdings bringe ich die "Vermisstenorte" Riga und Kurland nicht mit Italien bzw. ab Dezember 1944 dem AOK 19 in Einklang, wie auch hier dargestellt:

    https://www.lexikon-der-wehrma…ngen/Armeen/19Armee-R.htm


    Ich weiß, dass das Frontaufklärungskommando 212 von Italien an die Ostfront verlegt wurde ohne die unterstellten Frontaufklärungstrupps mitzunehmen, aber umgekehrt ist mir derartiges nicht bekannt.


    Mit besten Grüßen

    Robert

  • Vielen, vielen Dank an alle,


    ich muss jetzt erstmal die vielen Informationen aufarbeiten. Das dauert einige Zeit.


    Das Verhörprotokoll von Dr. Walter Keilholz konnte ich mir herunterladen, nachdem ich mich angemeldet hatte.

    In der Personenliste in dem Verhörprotokoll ist er nicht mit aufgeführt. Soweit ich weiß war mein Großvater Mannschaftsdienstgrad, vielleicht deshalb.

    Die Bilder von Robert konnte ich aber nicht finden. Kannst du mir da nochmal den Link senden.

    Wie erfahre ich die Feldpostnummer, die ich beim DRK Suchdienst eingeben muss?


    Er hat mir in meiner Kindheit erzählt, dass er in einer Kirche ein Tasche mit Sprengstoff ablegen sollte. Nach seinen Angaben hat er es nicht getan und die Tasche in einen Fluss geschmissen. Auch von Schuhsohlen, die explodieren, wenn man sie auf die Schuhe nageln will. Ich hab das damals alles nicht verstanden und mich auch nicht getraut das alles zu hinterfragen.


    Wie schon oben erwähnt hat er sich am Kriegsende in Südtirol, im Pragser Tal, auf dem Hanslerhof oberhalb von Schmieden versteckt und dort als Knecht gearbeitet.

    Er hat sich dann vermutlich im Juni/Juli 1945 zu Fuß auf den Weg nach Hause nach Neu-Rolau (Nova-Role) gemacht, um zum Geburtstag seiner Tochter Christl am 25.08. zu Hause zu sein.

    Er wurde dann in Matrei (Osttirol oder Brenner, weiß ich nicht) von den Amerikanern gefangen genommen, aber schnell wieder frei gelassen. Mein Großvater Willi Preiß war musikalisch sehr begabt und hatte seine Geige immer dabei. Nach seinen Erzählungen hat er für die amerikanischen Soldaten Musik gemacht und wurde deshalb schnell wieder frei gelassen.

    Laut meiner Mutter war er dann ein oder zwei Tage vor ihrem Geburtstag zu Hause in Neu-Rolau bei Karlsbad.

    Nach dem Krieg hat meine Mutter mit meinem Vater 1958 bei der auf dem Hanslerhof 2 Wochen Urlaub gemacht. Meine Mutter erzählte, dass sie von meinem Großvater immer wieder gedrängt wurde, auf dem Hanslerhof Urlaub zu machen. Seltsamerweise ist mein Großvater zuerst selbst nicht nach Südtirol gefahren, als hätte er etwas zu befürchten und wolle meine Mutter vorschicken um zu sehen wie die Stimmung dort ist. Meine Eltern wurden dann bei ihrer Ankunft in Schmieden mit Blasmusik empfangen. Warum ihnen diese Ehre zustatten kam, konnte mir leider keiner mehr erzählen.


    Im September war ich dann selbst dort, da hab ich von einem der Söhne des Bauern erfahren, dass sein verstorbener Vater (Johann Putzer) ihn einmal erzählt hat er wäre bei der Brandenburger Division gewesen.

    Weiterhin hab ich erfahren, dass sich ein weiterer ehemaliger Soldat (Walter Baur oder Bauer) gleichzeitig mit meinem Großvater dort versteckt hatte.

    Dann hat man mir noch erzählt, dass nach Kriegsende mein Großvater in der Kirche in Niederdorf (nächster größerer Ort) im Gottesdienst Geige gespielt hat.

    Das sind schon sehr seltsame Zusammenhänge, die man nicht richtig zusammenbringt.


    Nochmals vielen Dank für die tolle Unterstützung.

    Wenn ich noch was herausbringe melde ich mich.


    Viele Grüße

    Peter




    Ich häng noch ein paar Bilder von meinem Großvater mit ran.

    1944 Abbazia.jpg

    1944 Italien Südtirol Weihnachten.jpg Das Kennzeichen an dem Motorrad kann man mit der Lupe lesen: WH 262578

    1944 Italien Gorizia.jpg

  • Hallo Peter, hallo an alle,


    vielen Dank für deine persönlichen Worte zu deinem Großvater. Irgendwie auch berührend diese kleinen Geschichten hinter den größeren Entwicklungslinien
    und sehr interessant sowieso.


    Bezüglich des aufgeführten Sabotagematerials muss ich da an den von Abwehr II geführten TripleAgenten "ZigZag" und vorherigen britischen Safeknacker Eddy Chapman denken (verfilmt als " Triple Cross" mit Christopher Plummer, Yul Brynner, Romy Schneider und Gerd Fröbe), der den Auftrag hatte ich glaube in Lissabon in Kohlebriketts verpackten Sprengstoff an Bord von feindlichen Handelsschiffen zu platzieren.


    Zum Thema Johann Putzer und Südtirolern bei den Brandenburgern soll immer noch ein Buch von Johannes Kramer erscheinen, was ich mir evt. zulegen werde:


    https://www.kulturkaufhaus.de/…ohannes/Kampfgemeinschaft



    Die Frontaufklärungseinheiten auf dem italienischen Schauplatz wurden ab 1943 aus dem Wehrkreis in Klagenfurt ausgehoben, geht man nach den Aussagen von Keilholz. => https://www.lexikon-der-wehrma…gen/Wehrkreise/WK18-R.htm


    Auf jeden Fall waren logischerweise auch Südtiroler in den "italienischen" FAT, was ja hinsichtlich der Sprachfertigkeiten sinnvoll in der Region sinnvoll war.


    Die Feldpostnummer des FAT 256 war: 08897

    20220201_224705.jpg


    https://vbl.drk-suchdienst.online/Feldpostnummer/FPN.aspx


    Die 08897 bei Feldpostnummer eingeben, dann in der Liste bei 08897 nachschauen und dort findest du dann für den FAT 256 die AA 66. Du kannst aber auch gleich ohne die FPN mit AA 66 zur entsprechenden Seite kommen.


    20220201_225037.jpg


    Mit besten Grüßen

    Robert

  • Hallo Robert,

    ich habe die PDF rundergeladen. Aber das sind eingescannte Dokumente. Wie bist du auf die Seite gekommen aus der du die Screenshot herausgeholt hast?


    pasted-from-clipboard.png


    Wenn ich über den Link https://discovery.nationalarch…ov.uk/details/r/C11090191 reingehe komme ich auf folgende Seite:

    pasted-from-clipboard.png


    Mit den Links hier komme ich nicht weiter.


    Vielen Dank und viele Grüße


    Peter

  • Hallo Peter,


    ich bin mir nicht sicher ob ich deine Frage richtig verstehe. Wenn du die fünf Screenshots aus meiner ersten Antwort in diesem Thread meinst, dann stammen diese aus einem mittlerweile mehrere hundert Seiten starken "living document" über MilAmt D, die Leitstellen für Frontaufklärung II und die FAK und FAT II, in dem ich aus Büchern, Aufsätzen, dem Internet und Verhörprotokollen usw. Daten zu den Personen und Einheiten zusammentrage und versuche auszuwerten hinsichtlich Auffälligkeiten (Herkunft aus dem Ausland wie Palästin/ Afrika, Hoher Bildungsgrad, kaum Berufsoffiziere etc.) in den Lebensläufen, Relevanz für die deutsche Kriegsführung bzw. Vergleich zu gegnerischen Einheiten wie den sowjetischen NKWD bzw. SMERSH und Nachkriegskarrieren der Offiziere.


    Der nächste Sprung in der Arbeit wäre mal das auffinden, bestellen/ ordern von Akten aus dem Bundesarchiv, da bin ich bisher noch nicht vorangeschritten aus einer Vielzahl von noch auszuräumenden Gründen.


    Leider ist ausgerechnet der FAT 256 eine der Einheiten über die ich bis dato besonders wenig habe. Was ich ausdrücken wollte, ist dass ich über andere Einheiten die Informationen mitunter aus mehreren Quellen habe, beim FAT 256 aber vorrangig aus KV-2/976 Walter Keilholz.


    Mit besten Grüßen


    Robert