Informationen gesucht zum Einsatz von Orpo-Angehörigen des Stabs BDO Triest (Kintrup) beim Kosaken-Reiterregiment 1 in 1944/1945

  • Sehr geehrte FdW-Mitglieder,


    Dies ist mein erster Beitrag im Forum und daher bitte ich um Verständnis, wenn an der ein oder anderen Stelle ggfs.noch Optimierungsbedarf bestehen sollte.


    Ich habe im Rahmen der Suche nach Informationen bezüglich des Werdegangs meines Vaters 1939 bis 1945 auf einen Umstand gestossen, der sich mir nicht 100%ig erschließt. Es wäre schön, wenn über das Forum zumindest ein paar der sich daraus ergebenen Fragen beantwortet werden könnten.


    I. Vorgeschichte

    Mein Vater wurde 1912 in Lodz (damals Provinz Weichselland im russischen Reich) als Angehöriger der deutschen Minderheit geboren und erhielt nach Gründung der 2. polnischen Republik die polnische Staatsbürgerschaft. Er wurde nach dem deutschen Einmarsch in die "Blaue Volksliste" aufgenommen und verstarb 1982 als Bürger der Bundesrepublik Deutschland.

    Hinsichtlich seines Einsatzes bei der Ordnungspolizei gibt es nur spärliche offizielle Informationen, da die Unterlagen der Polizeiverwaltung Litzmannstadt (dt. Name von Lodz) durch Kriegseinwirkung verloren gegangen sein sollen. Im Nachlass meins Vaters fanden sich keine offiziellen Dokumente seine Dienstzeit betreffend.

    Nach eigenen Angaben wurde er bereits am 14.09.1939 (also wenige Tage nach Einnahme von Lodz durch die Wehrmacht) zur Deutschen Hilfspolizei einberufen.

    Nach Absolvierung der 1. Lehrabteilung an der Polizeischule Gnesen von April bis September 1940 versah er bis Juli 1944 Polizeidienst als Hundeleitmann auf den Revieren 23, 24 und 27 (Aussagen aus eidesstattlichen Zeugenerklärungen von 1953/54).

    Als das 10. SS-Polizeiregiment im Juni/Juli 1944 von der Ostfront abgezogen und - zumindest ein Teil von ihm - im Warthegau (annektiertes polnisches Gebiet) - aufgefrischt wurden, kam er in diese Einheit, die im Juli 1944 nach Görz (Goriza) in der Operationszone Adriatisches Küstenland verlegt wurde. Offenbar erfolgte danach zumindest noch eine weitere Versetzung.

    Anfragen bei verschiedenen Stellen des Bundesarchivs ergaben nur eine spärliche Auskünfte aus Unterlagen seiner britischen Kriegsgefangenschaft:

    - Letzter Dienstgrad: Revieroberweachtmeister (Feldwebeldienstgrad)

    - Verwendung: Hundeführer

    - Einheit: Stab BDO Triest, Kosaken-Reiter-Regiment 1

    - Gefangennahme: 14.05.1945 in Lienz, Österreich

    - Aufenthalt in diversen britischen Gefangenlagern (B P.W. Rep. Centre, U P.W. Camp, 214. P.W. Camp, 206 P.W. Camp, Sep. Ctre. CM, 370 P.W. Camp, "Reclass to SEP. and Trs. to cage 5") in Italien

    - Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft im Juni/Juli 1947 (Ort: Rimini, Italien)


    II. Bisheriger Hinweis zur Verbindung Orpo und Kosaken Reiterregiment 1

    Aus einem Betrag des Axis Forums geht hervor, dass die Kosakeneinheiten in der OZAK auch ein Unterstellungsverhältnis zum dortigen HSSPF Odilo Globocnik hatten. Beim HSSPF AK gab es einen Stab für Kosakeneinheiten. (Leitung SS-Obersturmführer Peter Feistritzer). Quelle: https://forum.axishistory.com/viewtopic.php?t=37746

    Es geht aus dem o.g. Beitrag aber nicht hervor, ob und inwieweit der dem HSSPF AK zugeordnete BDO Triest ebenfalls hier eine Schnittstelle zu den Kosakeneinheiten hatte.


    III. Fragen (speziell OZAK betreffend)

    1) Inwieweit wurden Orpo-Angehörige direkt bei Kosakeneinheiten eingesetzt?

    2) Welche Aufgaben nahm die Orpo dort wahr (Verbindungskommando, Unterstützung bei polizeilichen Angelegenheiten, Ausbildung)?

    3a) Aus 2 ergebend: Nahmen die Orpo-Angehörigen direkt an militärische Aktionen der Kosakenverbände teil und wenn ja

    3b) Bei welchen Einsätzen?

    3) Waren die Orpo-Angehörigen den Kosakeneinheiten dauerhaft oder nur tempörär zugeteilt?

    4) Waren die Orpo-Angehörigen dem BDO Triest zugeordnet oder wurden sie auf dessen Befehl hin von den SS-Polizeiregimentern dorthin abgestellt?


    Dies wären meine Kernfragen. Sofern es weitere Erkenntnisse gibt, wäre ich für selbige sehr dankbar.


    Vielen herzlichen Dank im Voraus fürs Antworten


    Freundliche Grüße

    RASIB64

  • Guten Morgen Eumex,


    Vielen herzlichen Dank für die Email mit den Links!


    Zur Frage der genauen Truppenbezeichnung: Ich gehe stark davon aus, dass es sich um das Don Kosaken Reiter Regiment 1 handelt.

    https://www.axishistory.com/li…saken-kavallerie-division


    Der Zusatz "Don" findet sich allerdings nicht in den Unterlagen zur britischen Kriegsgefangenschaft meines Vaters.


    Werde den Inhalt der Links sichten, inwieweit dort Hinweise enthalten sind, die bei der Beantwortung meiner Fragen helfen können. Gebe dann auf jeden Fall Bescheid über die "Ausbeute".


    Die Informationen zu den Kosaken-Einheiten sind auf jeden Fall interessant. Die damit verbundene Geschichte der Überstellung der Kosaken und ihrer Familien ist bedrückend.


    Noch einen angenehmen Sonntag und guten Wochenstart für morgen!


    Freundliche Grüße aus dem stürmischen Norden

    RASIB64

  • Hallo,


    wurden beim Bundesarchiv PA explizit die Kriegsgefangenenunterlagen angefragt? Desweiteren empfiehlt sich eine Anfrage beim ICRC Archives in Genf bzgl. der britischen Gefangenschaft.

    Wo lebte dein Vater nach der Gefangenschaft? Möglicherweise gibt es Entnazifizierungsakten die noch mehr Hinweise liefern, obwohl du ja schon relativ genaue Informationen besitzt.


    Zu den Einheiten kann ich dir leider keine Hilfe anbieten.


    Viele Grüße

    Alex

  • Grüß Gott RASIB64,


    ja , das war bedrückend.... aber so von den Alliierten ausgemacht...

    Stichwort,, Linzer Kosaken" etliche nahmen sich ja das Leben, bevor sie ausgeliefert wurden.....


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Hallo zusammen,


    Merci vielmals an Henry Jones für den Hinweis "Genf". Daran hatte ich noch gar nicht gedacht!


    Da ich auf zwei Fotos meines Vaters keine Orpo-Zeichen auf den Uniform-Ärmeln erkennen konnte, fragte ich bei BA PA zunächst grundsätzlich nach dessen militärischen UND polizeilichen Werdegangs. Bei BA war "im ersten Durchgang" nur der Hinweis zur Nummer der Erkennungsmarke der PV Litzmannstadt und die Auflistung der verschiedenen KG-Lagern vorhanden. Im Nachgang erhielt ich noch das Entlassungsdokument und die Eintragungen über die Verlegungen. Anfragen bei Bundesarchiv BE und MA brachten keinerlei Ergebnisse.


    Mein Vater ging nach seiner Freilassung nicht zurück nach Lodz, sondern zu Verwandten in eine Kleinstadt im nördlichen Niedersachsen (britische Besatzungszone). Aber ob dort ein Spruchkammerverfahren vonstatten ging?! Da werde ich mal das Stadt-Archiv ansprechen.


    Zu der Auslieferung der Kosaken fand ich kürzlich einen recht brauchbaren Artikel, der von einem Historiker verfasst wurde. Er äussert sich kritisch über den gesamten Auslieferungsprozess wie auch über die Reaktionen der Lienzer Bevölkerung.

    http://www.fluchtwege.eu/kosaken


    Freundliche Grüße

    RASIB64

  • Hallo RASIB64,


    Willkommen hier im Forum.

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    Hinsichtlich seines Einsatzes bei der Ordnungspolizei gibt es nur spärliche offizielle Informationen, da die Unterlagen der Polizeiverwaltung Litzmannstadt (dt. Name von Lodz) durch Kriegseinwirkung verloren gegangen sein sollen. Im Nachlass meins Vaters fanden sich keine offiziellen Dokumente seine Dienstzeit betreffend.

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    Meines Wissens existieren durchaus Unterlagen zu PV Litzmannstadt, wenn auch nicht vollständig.

    Daher schadet der Name deines Vaters nicht, denn nur so kann man in diversen Quellen nach ihm suchen, auch zukünftig.


    Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Hallo Policeman,


    Herzlichen Dank für Deine Email, die in der Tat einen Hoffnungsschimmer hinsichtlich Unterlagen der PV Litzmannstadt aufkommen lässt. Meine Aussage aus dem ersten Eintrag fußt auf Angaben (1953) des damaligen Leiters des Polizeireviers 24 (eidesstattliche Erklärung bzgl. Dienstzeit) sowie einem Telefonat mit BA, Abt. PA.


    Der Name meines Vaters lautet Alfred Schulz.


    Freundliche Grüße

    RASIB 64