Kurlandband

  • Hallo zusammen, ich stehe ganz am Anfang meiner Recherche. Ich bin auf einige interessante Sachen meines Großvater gestoßen. Ich bin im Besitz eines Kurlandbandes welches auch mit Datum der Verleihung im Wehrpass aufgeführt ist, April 45. Ich weiss von meiner Mutter das er im Mai 49 aus der Gefangenschaft in Russland heimgekehrt ist, hab auch dafür einen Beleg. Mutter hat gesagt aus Erzählungen meines Opas das er das Band bei der Heimkehr in den Schuhsohlen versteckt hatte. 1. Frage, weshalb? Hatten die Heimkehrer aus Kurland was zu befürchten? 2. Frage, im Wehrpass gibt es nach dem Mai 45 keine Einträge mehr, ich fand einen Beleg in den Unterlagen, datiert 1954, für eine Entschädigung der Gefangenschaft vom 1.1.47 bis 11.5.49 das waren damals für 25 Monate Gefangenschaft 1020 DM. Wo war mein Großvater zwischen 45 und 47???? Ist es möglich das er nach der Kapitulation in Lettland untergetaucht ist? Später dann 47 in Gefangenschaft gegangen ist. Die Unterlagen welche ich nun in den Händen halte zuvor versteckt hatte und dann nach der Entlassung im Mai 49 wieder an sich genommen hatte und mit nach Deutschland zurück gebracht hat??? Vielleicht hatte er auch gemeint das es damals auf russischen Boden gefährlich gewesen wäre wenn man das Kurlandärmelband bei ihm 47 bei Gefangennahme gefunden hätte!? Fragen über Fragen. Vielleicht kann mir jemand etwas zu meinen Schilderungen sagen.

    Gruss Werner

  • Weiter weiß ich das er als Maurer in Riga wohl mitgearbeitet hat Bahnhöfe wieder herzustellen und deshalb keine schlechte Zeit hatte was Verpflegung und so betrifft. Ich weiß aber nicht ob diese Arbeiten während der Gefangenschaft statt gefunden haben oder eher bevor er dann 47 in Gefangenschaft ging!?

  • Hallo Werner,


    der Grossvater wird definitv seit dem 8.Mai 45 insowjetischer Kriegsgefangenenschaft gewesen sein!

    Deshalb finden sich natürlich auch keine Einträge mehr im Wehrpass.

    Seine Entschädigung wurde nach dem 1954 erlassenen "Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz" für sogenannte "Spätheimkehrer" berechnet:

    Für jeden Kalendermonat ab 1.1.1947 wurden 30 DM gezahlt, ab dem 1.1.1949 60 DM.


    "Grundsätzlich" wurden Kriegsgefangenen in der UdSSR (wenn möglich) Orden etc. abgenommen und vielen Soldaten war es letzlich egal. Andere hingegen versuchten, ihre wichtigsten Orden durch alle "Filzungen" nachhause zu bringen.

    Ich kenne den Fall eines Ritterkreuzes, das im Doppelboden eines Kästchens 1950 zurück nach Deutschland kam.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • War es dann üblich das Entlassenen aus der Gefangenschaft ihre Abzeichen, Kurlandärmelband, Verwundetenabzeichen, Infantrie-Sturmabzeichen, Wehrpass usw. zurückgegeben wurde?? Ich kann nur sicher sagen das die Entschädigung 1954 nur für die Zeit von 01. 01.47 bis Mai 49 gezahlt wurde. Von der Zeit der Kapitulation, bis 01.01.47 gab es dann keine Entschädigungszahlung, meinen sie?

  • HALLO WERNER,

    wie ich bereits schrieb, wurden Ehrenzeichen etc. am Beginn der Gefangenschaft oder späteren Kontrollen abgenommen und wahrscheinlich entsorgt. Solche, in den Augen der UdSSR "Nazi-Devotionalen" wurden bei der Entlassung NICHT zurückgegeben.


    Wie ich weiterhin schrieb, wurde die Entschädigung gemäß KgfEG ERST für andauernde Gefangenschaft AB dem 1.1.1947 für sogn. "Spätheimkehrer" gezahlt. Das heisst: Für die Zeit vom 8.5.45 bis 31.12.46 wurde nix gezahlt, da dieser Zeitraum wohl als "noch zumutbare Gefangenschaft" galt, nach der sich die Gefangenen wohl eher problemlos in die "Friedensgesellschaft" integrieren konnten.


    GRÜSSE

    Ingo

  • OK, verstehe... das kann gut möglich sein! Dann stellt sich die Frage wie er die Abzeichen und Dokumente mit nach Hause gebracht hat. In Gefangenschaft war er wohl definitiv, was ja der Heimkehrerausweis, und der Bescheid für die Auszahlung 54 bestätigen. Es ist sogar ein Text mit drauf auf dem Schrieb, das die Zahlung aufgrund der Aussagen und des Entlassungspapiers mit russischen Stempeln und Datum drauf bestätigt. Ich halte das Kurlandband in Ehren. Es war definitiv von ihm, es ist im Ausweis namentlich vermerkt. Zusätzlich noch aufgeführt auf einem separaten Schriftstück, verliehen durch Stellungskämpfe in Kurland bis 45 und Teilnahme an der 4. Kurlandschlacht.

    Danke aber nochmal für Ihre Antwort

  • Halllo zus,


    den meisten deutschen Gefangenen wurden durch die Russen alle Orden abgenommen, sie mussten auch Schulterklappen, Adler, Ärmelbänder entfernen.

    Daher is es sehr unwahrscheinlich dass er seine Sachen durch die Gefangenschaft gebracht hat. Papiere gingen da eher.


    Ab den 1950 er Jahren fanden in Westdeutschland viele Kameradschafts- , Wiedersehenstreffen aller möglichen Einheiten statt.

    Dabei gab es die Möglichkeit verlustige Orden, Ärmelbänder usw. wieder nachzubestellen.

    Manche Ordenshersteller warben auch in div. Veteranen-Heftchen usw. dafür.

    So das in vielen Nachlässen solche nachbestellte Orden vorhanden sind und nach jahrzehnten als "Originale" auftauchen.


    Ich kenne mehrere solche Fälle, speziell mit Ärmelbändern und natürlich mit EK-I, Sturmabzeichen, Flugzeugführer, Spangen etc.


    So könnte es m.M.n.auch mit Deinem Ärmelband Kurland gesesen sein.


    Grüße, ZAG

  • Hallo Zag, kann sein daß es so war.... lt. Aussage meiner Mutter weiß ich allerdings das es zwei Dinge waren auf welche Opa bei seiner Rückkehr besonderes Augenmerk hatte, ein alter Mantel... kein Soldatenmantel und sein provisorisch eingeschweißtes Ärmelband. Diese zwei Sachen sollten das Haus niemals verlassen. Soll sich nicht "romantisch" anhören aber ich glaube nicht das er es im Nachhinein erworben hat. Er hat auch immer betont das es ihm während der Gefangenschaft nicht schlecht gegangen wäre und hatte auch immer genug zu essen, er war gelernter Maurer und war eingesetzt worden bei Wiederaufbauarbeiten bei Bahnhöfen etc. nähe Riga! Waren solche Arbeitsdienste üblich in sowjetischer Gefangenschaft?

    Gruss Werner

  • Hallo Werner,


    ja, Arbeitsdienste und Wiederaufbauarbeiten aller Art in der Kriegsgefangenschaft waren - insbesonders im sowjetischen Gewahrsam - die Haupttätigkeit und der wesentliche Grund für die lange Gefangenschaft der Ex-Soldaten wie auch der Zivilgefangenen bis in die 50er Jahre.


    Gruss

    Ingo