• Lieber Forianer,


    im Rahmen eines kontrafaktisches Romanprojekts stellt sich folgendes Problem: Ein Flugzeug wird entlang der amerikanischen Ostküste zu einem konkreten Ziel gelenkt. Es handelt sich um einen Anschlag, also muss das Ganze unentdeckt ablaufen. Über den Atlantik "hangelt" sich das Flugzeug entlang von Funkbaken z.B. auf Spitzbergen, Grönland und Labrador und zusätzlich Funkbaken auf aufgetauchten U-Booten Richtung Osten.


    Zwei Fragen habe ich konkret:

    (1) Wäre es überhaupt denkbar, Funkbaken auf aufgetauchten U-Booten zu montieren? Wie groß wären die? Kommen dafür konkrete Geräte in Frage, die es damals schon gegeben hat?

    (2) Wie würde die weitere Zielführung "über Land", also entlang der Ostküste, funktionieren? Auch über U-Boote? Oder wäre es denkbar, dass es (von Agenten) versteckte (mobile) Landfunkeinrichtungen gibt? Wie könnte man sich diese Geräte vorstellen?


    Wie gesagt, es geht um eine kontrafaktische Story. Diese liegt im Plot bereits vor, aber die technischen Aspekte machen mir noch Bauchschmerzen. Ich möchte sie so plausibel wie möglich einbauen. Dass dadurch der Stand der damaligen Technik gedehnt würde, wäre nicht schlimm, aber es sollte nicht absurd werden.


    Vielen Dank für eure Hilfe.

    Gruß

    Dirk

  • Danke, Nicco.


    Ich werde mich da gerne mal einlesen. Vielleicht ist was dabei, was ich gebrauchen kann. Bin für jede Quelle dankbar.


    Viele Grüße

    Dirk

  • Hallo Dirk.

    Funkbaken werden z.B. im Amateurfunk benutzt. Es dürfte sich dabei um ein normales Funkgerät handel das allerdings in

    der Lage ist im Morsecode seinen Namen und Standort in regelmäßigen abständen und automatisch zu senden. Diese Statinonen dienen

    der beobachtung der Ausbreitungsbedingungen der Funksignale. Also aktuelle Technik.

    Da das Signal bei deiner Anwendung aus allen Richtungen empfangen werden sollte, hat es sich vermutlich nur um eine Antenne

    mit Rundstrahlkarakter gehandelt. Die äusseren Abmaße dürften der einer Autoradioantenne geähnelt haben. Vorausgesetzt

    die benutzte Frequenz lag vermutlich über 50MHz. Also kein besonderer Anspruch an Gerät und Antenne. Für Sendestellen nicht ganz ungefährlich.

    Das zu führende Flugzeug und der Gegner waren gleichermassen interessiert.

    Das Flugzeug mußte ein Peilmöglichkeit zur Richtungsbestimmung haben. Zum anpeilen muß das Sendesignal schon einen "Moment"

    empfangbar sein und kann dann immer wieder kommplett abgeschaltet werden. Die oben beschriebene unbemannte Amateurbake kann

    in deinem fall auch durch einen Funker manuell betrieben werden bzw. worden sein. Eine Bake ist für mich zunächst also kein besonderes

    Gerät sondern eine besondere Betriebsart einer Funkstation.

    Das waren so meine Gedanken und Anregungen zu Baken. Wäre interessant deine Erkenntnisse hier zu lesen.

    Herzliche Grüße, Wilfried

    Suche z. Zt. alles zur Aufklärungs Ersatzabteilung 5

  • Hallo Dirk,


    ein paar Gedanken zu Deinen Überlegungen von mir:


    Quote

    (…)

    im Rahmen eines kontrafaktisches Romanprojekts stellt sich folgendes Problem: Ein Flugzeug wird entlang der amerikanischen Ostküste zu einem konkreten Ziel gelenkt. Es handelt sich um einen Anschlag, also muss das Ganze unentdeckt ablaufen.

    (…)

    Hier ist imho ein unauflösbarer Widerspruch zwischen Grundvoraussetzungen des Szenarios und den zur Umsetzung angedachten Mitteln zu finden. Da die geschilderte Situation sehr wahrscheinlich im Jahr 1942 oder später anzusetzen ist, kann eine Funkführung nicht unbemerkt verlaufen. Fernpeilanlagen sind von Beginn des Krieges an bei allen beteiligten Kriegsparteien durchaus erfolgreich in Benutzung (so führt z.B. eine Erfolgsmeldung von U 158 am 30.06.1942 zum Verlust des Bootes) und Nahfeldpeilanlagen wie HF/DF sind bei den Alliierten ab Frühjahr 1942 einsatzbereit.


    Quote

    (…)

    Über den Atlantik "hangelt" sich das Flugzeug entlang von Funkbaken z.B. auf Spitzbergen, Grönland und Labrador und zusätzlich Funkbaken auf aufgetauchten U-Booten Richtung Osten.

    (…)

    Welches deutsche Flugzeugmuster des Zweiten Weltkrieges wäre in der Lage gewesen, die angedeutete Flugstrecke von etwa 6300 km von Spitzbergen nach Norfolk in Virginia als ungefähre Mitte der amerikanischen Ostküste überhaupt zu bewältigen? An eine Rückkehr in heimische oder wenigstens in sichere Gefilde ist dabei noch gar nicht gedacht.


    Quote

    (…)

    Zwei Fragen habe ich konkret:

    (1) Wäre es überhaupt denkbar, Funkbaken auf aufgetauchten U-Booten zu montieren? Wie groß wären die? Kommen dafür konkrete Geräte in Frage, die es damals schon gegeben hat?

    (…)

    Warum sollten die U-Boote extra Funkbaken mitführen müssen, um von dem fraglichen Flugzeug gepeilt zu werden. Die deutschen U-Boote des Zweiten Weltkrieges waren mit ihrem Gerätesatz an Funkausrüstung schon „von Haus aus“ in der Lage, sowohl Peilzeichen zu senden (z.B. als eine Grundlage der Rudeltaktik) als auch derartige Signale zu empfangen.


    Quote

    (…)

    (2) Wie würde die weitere Zielführung "über Land", also entlang der Ostküste, funktionieren? Auch über U-Boote?

    (…)

    In dem anzusetzenden Zeitrahmen und dazu dicht unter der amerikanischen Ostküste eher nicht. Zu den Gründen: siehe oben den Abschnitt zu den Peilanlagen!


    Quote

    (…)

    Oder wäre es denkbar, dass es (von Agenten) versteckte (mobile) Landfunkeinrichtungen gibt?

    (…)

    Wie sollen diese Agenten und deren Ausrüstung vor Ort gekommen sein?


    Das sind so Gedanken, die mir in Bezug auf Deine Fragen in den Sinn gekommen sind.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

    Edited once, last by Schorsch ().

  • Hi Schorsch,


    erst einmal vielen Dank für deine ausführlichen, für mich sehr wertvollen Ausführungen.


    Dazu nun von mir ein paar Anmerkungen:

    Hier ist imho ein unauflösbarer Widerspruch zwischen Grundvoraussetzungen des Szenarios und den zur Umsetzung angedachten Mitteln zu finden.

    Ich habe mich da nicht gut ausgedrückt. "Unbemerkt" im eigentlichen Sinne wird es nicht sein, aber es gibt keine Abwehrmöglichkeit.

    Welches deutsche Flugzeugmuster des Zweiten Weltkrieges wäre in der Lage gewesen, die angedeutete Flugstrecke von etwa 6300 km von Spitzbergen nach Norfolk in Virginia als ungefähre Mitte der amerikanischen Ostküste überhaupt zu bewältigen? An eine Rückkehr in heimische oder wenigstens in sichere Gefilde ist dabei noch gar nicht gedacht.

    Auch da möchte ich keine Details verraten. Aber der Punkt ist im Plot abgeklopft.

    Warum sollten die U-Boote extra Funkbaken mitführen müssen, um von dem fraglichen Flugzeug gepeilt zu werden.

    Sehr wichtiger Hinweis! Das muss ich ändern bzw. dadurch hat sich ein Problem gelöst. Wären diese mitgeführte Funkausrüstung in der Lage gewesen, ein Flugobjekt zu leiten, das in großer Höhe fliegt?

    In dem anzusetzenden Zeitrahmen und dazu dicht unter der amerikanischen Ostküste eher nicht.

    Ich habe das bereits geändert und eine Alternative gefunden "an Land". Ich werde da mit dem Überraschungsmoment arbeiten, in dem Sinne, dass die "Funkattacke" aus heiterem Himmel und unerwartet kommt, und bevor die Amerikaner geeignete Gegenmaßnahmen einleiten können, ist es auch schon passiert.

    Wie sollen diese Agenten und deren Ausrüstung vor Ort gekommen sein?

    Das war damals nicht so weit hergeholt. Da gab es z.B. die (fehlgeschlagene) Operation Pastorius. Nazi-Agenten in den USA, z.B. eingesickert über Argentinien, finde ich im Rahmen eines fiktionalen Werks im Bereich des Möglichen.


    Viele Grüße

    Dirk

  • Hallo Dirk,


    vielleicht hatte ich mich in Bezug auf die Agenten missverständlich ausgedrückt. Das "vor-Ort-Sein", das ich meinte, bezog sich auf die Einsatzbereitschaft derer, die die Funkbaken zu bedienen hätten. Dafür reicht es imho nicht aus, die fraglichen Agenten einfach auf den Strand zu kippen, wo sie dann zu sehen hätten, wie sie mitsamt ihres Krempels ihre Einsatzräume erreichen. Und ausgerechnet die Operation Pastorius anzuführen, wenn ein Beispiel für eine mögliche erfolgreiche Infiltration gesucht wird, das hat schon was. Für mich wäre diese Operation und die anderen fehlgeschlagenen deutschen Unternehmungen ähnlicher Art eher der Beweis, dass die Annahme einer erfolgreichen Agententätigkeit in den USA zu dieser Zeit die Wirklichkeit mehr als "überdehnen" würde und ein finales Rendezvous der Angehörigen der deutschen Agentengruppe(n) mit Old Sparky der wahrscheinlichste Ausgang einer solchen Unternehmung wäre.


    Aber die Gedanken sind ja bekanntlich frei und es freut mich, dass ich Dir bei einigen Deiner Fragen weiterhelfen konnte.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

  • Hallo Schorsch,


    Zitat: "Welches deutsche Flugzeugmuster des Zweiten Weltkrieges wäre in der Lage gewesen, die angedeutete Flugstrecke von etwa 6300 km von Spitzbergen nach Norfolk in Virginia als ungefähre Mitte der amerikanischen Ostküste überhaupt zu bewältigen? An eine Rückkehr in heimische oder wenigstens in sichere Gefilde ist dabei noch gar nicht gedacht."


    Die geplanten Serienmaschinen des 4mot- Musters Me 264 (Amerika-Bomber) sollten mit neuartigen Integral-Tanks in den Tragflächen ausgerüstet werden.

    Aufgrund des dadurch um ca. 30% erhöhten Treibstoffvorrats sollte eine Reichweite von 12-15.000 km (bei 1800kg Bombenladung) erzielt werden.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo,

    das ich meinte, bezog sich auf die Einsatzbereitschaft derer, die die Funkbaken zu bedienen hätten.

    Ah, jetzt verstehe ich. Aber in diesem Punkt habe ich, glaube ich, eine ganz gute "Lösung" im Plot gefunden. Das läuft verdeckt ab. Natürlich bewege ich mich dann immer noch auf dem Gebiet der Fiktion, aber da habe ich in Filmen/Büchern schon Gewagteres erlebt.

    Und ausgerechnet die Operation Pastorius anzuführen, wenn ein Beispiel für eine mögliche erfolgreiche Infiltration gesucht wird, das hat schon was.

    Nee, das meinte ich jetzt wiederum anders. Pastorius sollte nur ein Beispiel dafür sein, dass die Infiltration versucht wurde. Dass das mit Glanz und Gloria gescheitert ist, weiß ich. Ich wollte nur ausdrücken, dass es prinzipiell erfolgreiche Agententätigkeit auf dem amerikanischen Kontinent gegeben haben könnte. Das sehe ich nicht so skeptisch, aber auch hier der Verweis darauf, dass ich mich auf kontrafaktischem Terrain bewegen (möchte).


    Noch mal zurück zu den U-Booten: Hätte es sein können, dass diese zusätzlich zu ihren bordeigenen Funkmöglichkeiten separate Drehfunkbaken mitführen, die nur für eine begrenzte Zeit "aufgebaut" werden. Um die Reichweite ihrer Funkfeuer zu erhöhen?


    Ich danke für euer aller Gedankenanstöße.


    Viele Grüße

    Dirk

  • Hallo zusammen,


    Quote

    dass diese zusätzlich zu ihren bordeigenen Funkmöglichkeiten separate Drehfunkbaken mitführen,

    die nur für eine begrenzte Zeit "aufgebaut" werden. Um die Reichweite ihrer Funkfeuer zu erhöhen?

    Quote

    Wie gesagt, es geht um eine kontrafaktische Story. Diese liegt im Plot bereits vor, aber die technischen Aspekte machen mir noch Bauchschmerzen.

    in Friedenszeiten wäre das ganze Unterfangen hoch ambitioniert und teuer, gut die Kosten fallen weg dazu kam in der Zeit der Gegner.....

    Möglicherweise gab es zu der Zeit die oder eine ähnliche Idee aber wie groß war die Mohrrübe die es zu gewinnen gab :/

    Gruss Dieter

  • Hallo Dirk!


    Hier eine Bemerkung zu Deiner letzten Frage:

    (...)

    Noch mal zurück zu den U-Booten: Hätte es sein können, dass diese zusätzlich zu ihren bordeigenen Funkmöglichkeiten separate Drehfunkbaken mitführen, die nur für eine begrenzte Zeit "aufgebaut" werden. Um die Reichweite ihrer Funkfeuer zu erhöhen?

    (...)

    Das ist definitiv nicht möglich. Wenn Dein Drehfunkfeuer z.B. nach Art der ELEKTRA-SONNE arbeiten soll, muss die Antennencharakteristik sich in nachvollziehbarer Art zeitlich im Raum verändern können. Dafür ist aber eine räumlich stabile Antennenanordnung des Senders unbedingte Voraussetzung. Solange Du also in Deinem Plot das betreffende Boot nicht auf einen Strand setzen kannst/willst, wird die Eigenbewegung des U-Bootes und damit die der Sendeantenne durch Seegang und Wind Deinen Plan undurchführbar machen.


    Ein weiterer limitierender Grund könnte u.U. die schiere Größe der notwendigen Antennenanordnung sein, die von der verwendeten Wellenlänge der Funksignale abhängt. Da Du Dich aber, was technische Details anbelangt, sehr zurückhältst, ist diesbezüglich keine endgültige Aussage möglich.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch