Infanterie-Regiment 489 / Erlebnisbericht Tauroggen 22.Juni 1941

  • Hallo,

    nachfolgend eine Abschrift eines Erlebnisberichts des Regimentskommandeurs und späteren Ritterkreuzträgers, Oberst Curt Badinski, zum Einmarsch des Infanterie-Regiment 489 in die Sowjetunion und der Einnahme der Stadt Tauroggen / Tauragė am ersten Tag des "Unternehmen Barbarossa". Der im Text genannte, gefallene Oberfeldwebel Meinke ist auch beim Volksbund verzeichnet, der ebenfalls genannte Leutnant tom Diek anscheinend nicht.

    Quelle: Jeversches Wochenblatt, Folge 179 vom 2.August 1941, Seite 3 (gleichlautend auch Ostfr. Tageszeitung vom 27.Juli 1941)

    Gruß, J.H.

    Wie die Oldenburger am 22.Juni Tauroggen stürmten

    Erster Tag des Ostfeldzuges 1941

    Die nachstehende Schilderung des Kampfes um Tauroggen, die den „Brem. Nachrichten“ von dem Regimentskommandeur, Oberst Badinsky, aus dem Felde zuging, wird in ganz Nordwestdeutschland, der Heimat der Eroberer von Tauroggen und besonders auch in Bremen, mit stolzer Freude über diese kühne deutsche Waffentat gelesen werden. Fünf Tage Krieg gegen das rote Russland und welche gewaltigen Erfolge krönen bereits die kühne, Schicksalshafte Tat des Führers. Erfährt die Heimat zuerst auch keine Einzelheiten des Geschehens, wir hier draußen am Feinde sehen und erleben sie täglich!

    Mit unwiderstehlicher, wirklich imponierender Kraft und Wucht wälzt sich wie eine Sturmflut der Riesenapparat des siegesgewohnten deutschen Heeres nach Osten. Wer Augenzeuge der zwingenden Arbeit dieser gewaltigen Kriegsmaschine ist, getragen und angetrieben von der geistigen Kraft einer genialen Führung, der physischen und seelischen Energie und Hingabe des auf der Erde und in der Luft kämpfenden Soldaten, der kann am siegreichen Ausgang der deutschen Waffen nicht zweifeln. Der Eindruck ist wahrhaft imponierend.

    Doch nun zum eigentlichen Thema, dem Kampf des Regiments um den schnellen Besitz von Tauroggen, dem ersten und für den Beginn und Fortgang der Operationen im Gebiet der baltischen Staaten entscheidenden ersten Kriegstag am 22.Juni 1941.

    Seit Wochen hatten wir aus unserem Grenzabschnitt, dem landschaftlich wirklich schönen Juratal, die Feindstellungen beobachtet. Von jeder nur möglichen Beobachtungsstelle studierten die verantwortlichen Männer am frühen Morgen, über Tage und am späten Nachmittag, wenn für uns die Sonne besonders günstig im Rücken stand, das feindliche Ufergelände und trugen mit Sorgfalt und Andacht in die Karten ein, was das Auge, das Glas erspähen konnte. Hieß es doch Unterlagen zu schaffen für das große Beginnen, daß wir alle hier draußen ahnten und das auf Befehl des Führers überraschend an einem uns unbekannten Tage seinen Anfang nahm. Welchen Befehl das Regiment hatte und wie wir ihn ausführten, soll nun in Kürze geschildert werden. Er war kurz und eindeutig und lautete: „Verstärktes Inf.-Rgt. X nimmt Tauroggen, stößt vor bis zum Nordostrand der Stadt und öffnet den Weg nach Osten. Es kommt darauf an, die beiden Eisenbahnbrücken über den Jeziorupa-Bach und den Jura-Fluß unzerstört in die Hände zu bekommen.“

    Ein ehrenvoller, schöner, aber auch ebenso schwerer Auftrag, denn der Russe war nicht untätig gewesen, wir sahen es ja jeden Tag. Bunker, Feldstellungen raffiniertester Art, Drahtverhaue, Tankgräben, Scheinstellungen und Hinterhalte, die nur ein asiatisches Hirn ersinnen kann, warteten in einem Gelände, daß durch die tiefen Einschnitte des Jeziorupa-Baches und Jura-Flußes, etagenförmig zur Stadt Tauroggen selbst ansteigend, schon von Natur aus fast 10 Kilometer tief, genug der Schwierigkeiten bot. Häusergruppen, Buschreihen, Zäune, Dämme und Mauern taten das Ihre dazu.

    Doch Bange machen gilt nicht. Die Männer von der Wasserkante sind harte, zähe Burschen. Sie sagen nicht viel, sie denken einfach und handeln in beispielhafter Selbstverständlichkeit. Das harte „Muß und Dennoch“ ist ihnen ein guter Lebenskamerad. Und was ist schließlich unmöglich? Dem deutschen Soldaten schon nichts, also wird auch dieses geschafft und „Tauroggen“ ist eine klangvolle Parole.

    Die diesseitigen, noch auf deutscher Seite liegenden, schluchtenreichen, bewaldeten Steilhänge des Jura-Tales, die weiten, mit Kopfweidenreihen durchzogenen Wiesen liegen am 22.Juni früh noch im tiefen Frieden. Der Kuckuck ruft, der Wachtelkönig schnarrt, der Ziegenmelker klatscht mit den Flügeln, ab und zu wiehert ein Pferd, sonst ist nichts zu hören, auch drüben beim Feinde fast unheimliche Stille. Nichts erinnert an Krieg und doch hämmern tausende von Soldatenherzen in den seit Mitternacht eingenommenen Bereitstellungsplätzen in höchster Spannung der Stunde entgegen, wo um 3,05 Uhr das große Kriegswecken für den Feind beginnen soll. Ein Erleben vorweg, nur zu begreifen für den, der selbst in ihm stand.

    Die Stoßtrupps brechen vor.

    Ein letzter Blick fliegt auf den Uhrzeiger, Radiozeit 3,05 Uhr – aus tausenden von Rohren aller Kaliber bricht es los, ein gewaltiger Orkan fegt durch die Luft und wirft den Feind aus seinem Sonntagsschlaf. Die Erde zittert, die Luft bebt, das ist die deutsche Kriegserklärung an das rote Räterußland, so und nicht anders hat dieses Menschenunwürdige System es verdient. Die vorher eingeteilten Stoßtrupps brechen vor, in kurzem, schnellen Lauf ist die nahe Grenze, der Jura-Fluß auf Floß-Säcken überschritten, die ersten Gewehr- und MG-Schüsse knattern, die Oldenburger greifen an.

    Das 3.Bataillon, rechts im Angriffsabschnitt eingesetzt, hat schnell den Ufer-Wechsel vollzogen und nach kurzem Waldkampf Pojurze erreicht. Oberfeldwebel Meinke, mit wenigen beherzten Männern seines Zuges an Pojurze vorbeistoßend, erreicht die Eisenbahnbrücke über den Jura, er fällt tödlich getroffen im Siegesrausch, doch die Aufgabe ist gelöst, die Jura-Brücke, der einzige Übergang über diesen Fluß im Abschnitt des Regiments, ist unser.

    Der befohlene Vorstoß des 3.Bataillons über Pojurze zur Furt dicht nördlich des Ortes gelingt im ersten Anlauf nicht, ein verbissen und zäh kämpfender, gut versteckter Gegner verteidigt den Ort und nahegelegenen Friedhof. Ein erbittertes Ringen beginnt. Pak und IG hämmern auf die erkannten Feindnester und Feldstellungen, doch auch das nützt nichts. Die Russen, die gegenüberliegen, sind Soldaten, die mit der Konsequenz des Wahnsinns kämpfen für den Glanz des Menschenleben verachtenden Sowjetsterns. Eine Haubitz-Batterie macht Stellungswechsel und fährt im Galopp nach vorn, mit direktem Schuß auf Pojurze will sie mithelfen. Granate auf Granate fegt in die Häuser und Feldstellungen dort, Feuer lodert auf, Pojurze brennt. Doch immer noch hält der Feind.

    Das 2.Bataillon wird von rückwärts vorgezogen und flankierend von Norden her eingreifend mit Teilen zur Unterstützung eingesetzt. Auf Biegen und Brechen tobt der Kampf, die Entscheidung naht. Immer wieder stürmen die Männer vom 2. und 3.Bataillon unter dem Schutz von MG, Granatwerfern und Artillerie, Pojurze ist ein Feuermeer, in Staub und Rauch gehüllt. Ein schaurig schöner Anblick. Da endlich bricht die Kraft und der Wille des Verteidigers, das 3.Bataillon meldet: „Pojurze nach hartem Häuserkampf genommen.“

    Das war ein wahrhaft ehrenvoller schwerer Waffengang für das 3.Bataillon und besonders die 10.Kompanie, der jetzt um die Mittagszeit mit dieser Meldung endet. Auch das 2.Bataillon hat zusammen mit den schweren Waffen des Regiments und der unermüdlich schießenden Artillerie sein gut Teil zum Gelingen beigetragen, das darf hier nicht vergessen und muß erwähnt werden. Das 1.Bataillon, in vorderster Linie links vom 3.Bataillon, nördlich des großen Jura-Bogens, direkt auf Tauroggen angesetzt, kommt im Dunst und Nebel gut vorwärts, schon eine halbe Stunde nach Angriffsbeginn meldete es die Wegnahme des Eisenbahnviaduktes über die Jeziorupa und das Überschreiten dieses ersten Angriffsabschnittes. Vom nahen „Hochsitz“ des Regiments in einer alten Korbweide sieht man, wie sich in breiter Front die rückwärtigen, dicht aufgebliebenen Teile des Bataillons in eiligen Schritten nach vorne schieben. Ein herzerfrischender Anblick, ein Zeugnis von Draufgängertum, Mut und Tapferkeit.

    Weiße Leuchtkugeln steigen in Richtung Tauroggen auf, sie werden abgeschossen vom Stoßtrupp Leutnant Eberl, der das Erreichen der großen Eisenbahnbrücke über den Jura der Führung und feuernden Artillerie anzeigt. An dieser für das Angriffsgelingen entscheidenden Brücke trafen sich in diesem Augenblick fast gleichzeitig die angesetzten Stoßtrupps des 1. und 3.Bataillons. Eine gewaltige Detonation übertönt den Lärm der einschlagenden Granaten. Was ist geschehen? Der eben vom 1.Bataillon unversehrt genommene und passierte Eisenbahnviadukt über die Jeziuropa ist nun doch gesprengt worden. Eine zweite, nicht auffindbare Fernzündleitung ist von den Russen zur Sprengung genutzt worden. Der Führer der 2.Kompanie, Oberleutnant Rieckhoff, der gerade mit seinem Kompanietrupp den Viadukt passierte, ist mit der Sprengung in die Luft geflogen. Zwar lebt er und kann sich weiterschleppen, doch einige seiner Leute hat es schlimmer gefaßt. Egal, die 2. stürmt weiter, Leutnant tom Diek hat jetzt das Kommando übernommen, schon steht er dicht vor der Stadt Tauroggen, da trifft auch ihn die tödliche Kugel. Der jüngste Leutnant im Bataillon, Leutnant Eberl, bereits als erster mit seinem Stoßtrupp in Tauroggen selbst, übernimmt die 2. und führt sie sehr schneidig durch die Stadt, hierhin und dorthin sich wehrend gegen Häuserschützen und Handgranatenwerfer, und erreicht ihren Nordostrand, wo er eine feindliche motorisierte Batterie durch das Feuer seiner Kompanie zwingt, zwei ihrer Geschütze stehen zu lassen.

    Sieger nach schwerem Kampf

    Beim Regiment geht um 7,35 Uhr eine Meldung ein, sie kommt vom 1.Bataillon, Major Behrend: „1.Bataillon hat Tauroggen um 6,30 Uhr genommen und ist zum Nordostrand durchgestoßen. Die Stadt wird z.Z. vom Bataillon, das bereits ganz in Tauroggen-Süd eingedrungen ist, vom Feind gesäubert.“

    Nun, daß es dem 1.Bataillon gelingen würde, Tauroggen zu nehmen, daran zweifelte wohl keiner. Daß dies aber in so kurzer Zeit bei einer Strecke von fast 10 Kilometern Tiefe, die im Feindfeuer durch eine feste Feindstellung zu überwinden war, gelingen könnte, daran zu glauben hatte keiner, auch die höhere Führung nicht gedacht. In der Tat standen also 3 ½ Stunden nach Angriffsbeginn die Oldenburger und unter ihnen das 1., genannt das Friesen-Bataillon, als die Sieger von Tauroggen auf dem befohlenen Platz und hatten damit einen Erfolg von entscheidender Bedeutung für den Beginn und den Gesamtablauf der Operationen dieses Krieges im Osten errungen. Als wenige Stunden später auch das 3.Bataillon, die Kämpfer um Pojurze, nach Wegnahme mehrerer Bunker und Pallisaden-Stellungen südlich des Bahnhofs Tauroggen, das Eindringen in die Stadt meldeten, war die Freude rein, stolz und groß. Warf der Feind in der Folge auch Bomben schwersten Kalibers auf die Stadt und schoß seine Artillerie ihren Ostteil vollständig in Brand, an der Tatsache des Verlustes der Stadt änderte das nichts, Tauroggen war und blieb unser.

    Hatte das 2.Bataillon an diesem ersten Kriegstag im Osten auch die Aufgabe, Verfügungsbataillon zu sein, so wirkte sich dies bei der verschlagenen Kampfesweise des Feindes doch so aus, daß gerade dies Bataillon noch hinter der Front des 1. und 3.Bataillons einen schweren Kampf auszufechten hatte gegen alle die Bunker, Feldstellungen und vom Feind besetzten Gehöfte, die besonders das 1.Bataillon im Frühnebel durchlaufen hatte. Dieses Aufräumungsgefecht des 2.Bataillons wurde Zug um Zug unter Einsatz der ganzen Artillerie-Abteilung bis zum späten Nachmittag geführt und hat manchem braven Kämpfer des Bataillons noch das Leben gekostet.

    Als spät am Abend feindwärts des brennenden Tauroggen der Kampflärm verstummte, da hatte jeder vom Regiment das stolze Gefühl der gelungenen Tat. Schwere Opfer waren gebracht – mit Hingabe und hoher Begeisterung wurden sie gegeben. Das muß jeder zugeben, der Augenzeuge dieses Angriffs war. Und unseren Toten zur Ehre, denen wir in hohem Maße den Erfolg verdanken, wollen wir vom Regiment uns „die Sieger von Tauroggen 1941“ nennen. Dabei dürfen wir allerdings nicht vergessen, was wir unserer Panzer-Division, ihrer vortrefflichen Artillerie und unserem linken Nachbarn, dem Schützen-Regiment W. verdanken.

    Wenn ich diese Zeilen heute der Öffentlichkeit übergebe, so soll das kein Lobgesang auf das Regiment sein, sondern ein Tatsachenbericht, den ich als Regimentskommandeur meinen lebenden und gefallenen tapferen Kameraden schuldig zu sein glaube. Mir als Kriegsteilnehmer 1914/18 hat dieser schneidige Angriffsgeist der Oldenburger imponiert.

    Badinski

    Oberst und Regimentskommandeur

  • Hallo,

    ... es könnte sich um Paul tomDick handeln ...

    Danke für den Hinweis, alleine vom Todesdatum und der Grablage ist das wohl der Genannte. Ich suche gerade in den regionalen Quellen nach entsprechenden Informationen zur Bestätigung, beim Bundesarchiv gibt es leider anscheinend keine passenden Bestandseinträge. Der Familienname tom Diek ist bei uns im Norden auch ziemlich geläufig, tom Dick war mit so noch nicht bekannt. Mal schauen, ob sich noch weiteres finden lässt...

    Danke & Gruß, J.H.

  • Hallo Johann Heinrich,

    hier ergänzende Angaben zu Paul tom Dick aus dem Beständen von Ancestry

    Paul tom Dick

    Stab I/Infanterie-Regiment 489

    gefallen durch Herzschuss

    verheiratet mit Hertha tom Dick

    Lg Andre

    Erst wer den Dreck des Lebens gegessen hat, weiß wie schön dieses ist !!!

  • Hallo zusammen,

    Im Buch MIT EICHENLAUB UND SCHWERTERN, Karl Alman (Bericht über Generalmajor Hermann Heinrich Behrend) steht auch tom Diek. Dann hätte ich noch folgenden Link dazu

    https://www.jade-hs.de/en/unsere-hoch…/tom-diek-paul/

    Wie Johann schon erwähnt hat, gibt es den Namen tom Diek (bzw. tom Dieck) hier im Norden häufiger. Bedeutet im Hochdeutschen zum Teiche

    Mehr dazu hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Dieck

    Unter tom Dick als Namen finde ich immer nur diese Variante: TOM (Vorname) DICK (Zuname).


    Euch einen schönen Sonntag

    Christian

  • Hallo,

    ... Dann hätte ich noch folgenden Link dazu

    https://www.jade-hs.de/en/unsere-hoch…/tom-diek-paul/ ...

    nach ewiger Suche in verschiedenen Archiven lässt sich der beim Volksbund unter den Namen tom Dick verzeichnete und hier im Thread auch als tom Diek und tom Dieck genannte inzwischen als der ehemalige Hauptlehrer an der damaligen Hochschule Wilhelmshaven, Paul tom Diek (im Oldenburger Jahrbuch abweichend als tom Dieck genannt) identifizieren. Seltsamerweise sind anscheinend weder in den Regionalarchiven noch im Bundesarchiv unter dem Familiennamen (und Abwandlungen) Aufzeichnungen zu diesem Lehrer zu finden.

    ... Von unseren Mitgliedern starben den Heldentod für Führer, Volk und Vaterland (soweit bis Ende 1941 bekannt geworden):

    Hauptlehrer P. tom Dieck, Accum, gefallen als Leutnant vor Tauroggen ...

    Quelle: Jahresbericht 1939-1941 des Oldenburger Vereins für Landesgeschichte und Altertumskunde/Oldenburger Jahrbuch 1940/41

    Gruß, J.H.

    Edit: Streiche tom Dick und tom Dieck, setze den Familiennamen tom Diek. In dieser Schreibweise ist er auch in einer Funktion als früherer Naturschutzbeauftragter des Landkreises Friesland zu finden. Im Nieders. Landesarchiv in Oldenburg liegt auch seine Lehrer-Personalakte, in der Inhaltsangabe wird er ebenfalls als Gefallen genannt.

    Quelle: Jeversches Wochenblatt Nr.159 vom 10.Juli 1941, Seite 4, Nr.161 vom 12.Juli 1941, Seiten 5 u. 6 und NLA OL, Best. 160-1, PA 1 Nr. 2079

  • Guten Tag in die Runde,

    die Familien tom Diek und tom Dieck stammen aus dem Ort Ohmstede bei Oldenburg. Die Form des Nachnamens ist den in den Jahren von 1300 bis heute wechselnden Gepflogenheiten im hochdeutsch-plattdeutschen Raum geschuldet. Zudem sind auch in den letzten 150 Jahren die Schreibformen Diek und Dieck gerne mal durchgetauscht worden. Paul hieß tatsächlich tom Diek mit Nachnamen, seine Vorfahren kann ich bis 1600 im Rahmen meiner Familie nachweisen.

    Der Ursprung liegt in der Ortsbezeichnung "zum Teiche". Hat nichts mit dem gerne kolportierten "zum Deiche" zu tun.

    Alle bekannten Dokumentationen sind im Thread schon angelegt.

    Besten Gruß

  • Hallo zusammen,

    wie schon zuvor erwähnt, habe ich über dieses Gefecht von Tauroggen am 22. Juni 1941 in dem Buch MIT EICHENLAUB UND SCHWERTERN von Karl Alman gelesen. Darin wird u.a. die Geschichte von Hermann Heinrich Behrend, welcher zu Beginn des Russlandfeldzuges Kommandeur des I. Bataillons des IR 489 war, beschrieben. Der Bericht über Behrend beginnt mit der Schlacht von Tauroggen am 22. Juni 1941. Es werden neben Behrend auch diverse andere Offiziere erwähnt. Den Werdegang des damaligen Regimentskommandeurs, Oberst Curt Badinski, konnte ich schon nachvollziehen. Ebenso habe ich etwas über den Zug- bzw. Kompanieführer 2. Kompanie, I. Bataillon, tom Diek , in Erfahrung gebracht.

    Aber wie verhält es sich bei folgenden Offizieren

    1. ) Hauptmann Gunowski (Chef 3. Kompanie)

    2. ) Hauptmann Fastenau (Chef 1. Kompanie)

    3. ) Oberleutnant Rieckhoff (Chef 2. Kompanie)

    4. ) Leutnant Eberl (Stosstruppführer)

    5. ) Leutnant Segelken (Adjutant)

    Mich würde interessieren, wer diese Herren waren und was aus ihnen geworden ist. Haben sie den Krieg überstanden oder hat es sie später irgendwo erwischt? Ich konnte bislang im Netz Nichts weiter über diese Offiziere finden. Kann mir jemand mehr berichten?

    Gruss

    Christian

  • Hallo, Christian,

    drei Personen konnte ich finden.

    Grüße

    Jörg

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    Alexander Gunowski

    *30.06.1909

    Friedenstruppenteil: Infanterie-Regiment 47 [Wehrkreis X]

    RDA: Hauptmann, 01.06.38, Major 01.02.42(73)

    1939: Adressbuch Hamburg, Hauptmann, Uelzener Str. 24

    03.01.39: erwähnt als Chef 4. Kompanie, Ersatz-Bataillon/Infanterie-Regiment 47

    13.11.42: "Deutsches Kreuz in Gold", I./Infanterie-Regiment 489

    xx.xx.xx: Kommandeur I./Infanterie-Regiment 489, laut St. bis zum 15.11.42

    xx.xx.xx: Sonderführerreserve OKH, Zossen

    08.11.43: zur Schule IV Thorn versetzt als Lehr-Offizier

    xx.xx.xx: Führerreserve OKH (WK XII), Teilnehmer des 18. Regimentsführer-Lehrgangs

    01.09.44: versetzt in 569. Volksgrenadier-Division zur Verwendung als Rgt.Fhr.

    23.09.44: mit dem 01.09. mit der Führung des Grenadier-Regiments 953 (361. VGD) beauftragt

    25.09.44: mit dem 27.09. mit der Führung des Grenadier-Regiments 671 (371. ID) beauftragt. Nachfolger von Oberst Heilmann

    04.10.44: vorstehende Versetzung und Beauftragung nicht wirksam

    04.10.44: mit dem 01.10. mit der Führung des Grenadier-Regiments 284 (96. ID) beauftragt

    27.11.44: 96. ID Beurteilungsnotizen übersandt

    12.12.44: noch nicht zur vorzugsweisen Beförderung geeignet

    15.12.44: Zeitpunkt, zu dem G. zum Rgt.Kdr. ernannt werden kann, ist zu melden

    18.12.44: vom OB der 17. Armee von der Dienststellung enthoben. Aufgrund Tatbestandes jetzige Stellung ausgeschlossen.

    19.12.44: an 96. ID Personalpapiere zur weiteren Bearbeitung übersandt

    24.12.44: Heeresgruppe A meldet, wann über G. verfügt werden kann, sowie Gründe die zu einem kriegsgerichtlichen Verfahren geführt haben.

    Bundesarchiv (invenio): Personalunterlagen von Angehörigen der Reichswehr und Wehrmacht, Major, PERS 6/273903

    Quellen: NARA T78 R906-2114, R917-1307f, T78 R921-1734, https://www.tracesofwar.com/persons/5621/G…i-Alexander.htm

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    Fastenau

    Hauptmann d. R., Major d. R.

    12.06.42: Kommandeur Infanterie-Ersatz-Bataillon 154 [Wehrkreis X]

    01.11.42: Kommandeur Infanterie-Ausbildungs-Bataillon 154

    01.05.43: Kommandeur Grenadier-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon 154

    Quelle: NARA T78 R909-2450

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    Rieckhoff

    Oberleutnant d. R., Hauptmann d. R.

    20.12.41: Versetzung in die 30. Infanterie-Division [Wehrkreis X] bleibt bestehen

    15.06.44: Führerreserve Wehrkreis X, Btl.Kdr.

    Quelle: NARA T78 R913-1546

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  • Hallo,

    ... Alexander Gunowski

    03.01.39: erwähnt als Chef 4. Kompanie, Ersatz-Bataillon/Infanterie-Regiment 47 ...

    Alexander Gunowski war im Dienstgrad Hauptmann im Januar 1939 Kompaniechef der 4./Ersatz-MG-Kompanie im Inf.-Rgt. 47, er ist auch in den Stellenverzeichnissen der zur 22.Inf.-Div. gehörenden Truppenteile bei historic.de verzeichnet: http://www.historic.de/Militar/22.%20…IR47Okt1938.htm

    Im BA/MA in Freiburg liegt seine Personalakte:

    Quelle: Bundesarchiv/Invenio

    PERS 6/273903

    Gunowski, Alexander

    Bestandsbezeichnung: Personalunterlagen von Angehörigen der Reichswehr und Wehrmacht

    Geburtsdatum: 30.6.1909

    Amtsbezeichnung/Dienstgrad: Major

    Unterlagenart: Personalakte

    Alte Signatur: PA/16883

    Benutzungsort: Freiburg

    Gruß, J.H.

  • Hallo Jörg,

    vielen lieben Dank. Das ist schon deutlich mehr, als ich erwartet habe. Somit scheint auch der Satz aus dem oben erwähnten Buch zu stimmen, dass Gunowski der einzige aktive Offizier des Bataillons (außer dem Kommandeur) zu der Zeit gewesen ist.

    Wie ich sehe, habe ich mir offenbar auch die falsche NARA Rolle heruntergeladen (über WWII digitalArchives). Die T 315 R1858 beinhaltet "nur" Infos über die übergeordnete Division. Für Personen muss man wohl - wie ich sehe - auf die T78er Rollen (OKH) gehen. Wie sieht das überhaupt auf Regiments- bzw. Bataillonsebene aus? Diese ganze Numerierung ist mir noch nicht so ganz klar.

    Gruss

    Christian

    PS: Auch Dir Johann, vielen Dank für die Info.

  • Hallo Christian,

    das freut mich natürlich. Die T78er-Rollen enthalten u.a. Personaldaten in alphabetischer Ordnung (nach verschiedenen Kategorien, wie Infanterie, Panzer, Generalstab). Ganz weniges ist nach Einheiten oder (höheren) Kommandobehörden geordnet.

    Grüße

    Jörg

  • Hallo zusammen,

    alle oben genannten Offiziere gehörten zum sogenannten "Friesen-Bataillon". Ich arbeite seit längerem an einer Geschichte dieser Einheit. Paul tom Diek war ein guter Freund meines Vaters. Mir liegt eine Postkarte vor, die er wenige Tage vor seinem Tod an ihn schrieb. Paul tom Diek ist übrigens der Schöpfer des ledergebundenen Bandes des Friesen-Bataillons im Westfeldzug, den er nach dem Westfeldzug zusammenstellte. Es ist richtig, tom Diek war Hauptleherer in Accum, Ornithologe und Autor mehrere Bücher/Veröffentlichungen. Beim VDK ist tom Diek falsch geschrieben worden "tom Dick".

    Von den übrigen Offizieren haben mindestens drei überlebt.

    Grüße

    Christian

  • Noch eine Ergänzung. Tom Diek gehörte als Oberleutnant (nicht Leutnant, wie immer wieder zu lesen ist) zum Stab des I./IR 489 unter Major Hermann Heinrich Behrend. Er übernahm beim Angriff auf Tauroggen am Morgen des 22. Juni 1941 nach Ausfall des Kompaniechefs die 2. Kompanie. Oblt. Segelken, der Adjutant, hat den Krieg überlebt.

  • Hallo,

    zum "Friesen-Bataillon" noch etwas gefunden, nachfolgend eine Abschrift.

    Gruß, J.H.

    Gefechtskalender des "I. Friesen-Bataillon" im Oldenburgischen Inf.-Rgt. 489 der 269. Inf.-Div.

    1939 bis 1945

    Denkwürdige Stationen auf unserem Weg

    3.9.39 - 10.5.40

    Aachen Westwall

    11.5.40 - 28.5.40

    Belgien

    Albertkanal, Namur, Conde, Hergnies

    Juni 40 - 28.6.40

    Frankreich

    Vormarsch bis vor Lyon

    2.8.40 - 28.3.41

    Dänemark

    Ringstedt auf Seeland

    April 41 - 21.6.41

    Ostpreußen, Litauen, Lettland Rußland (bis 30.10.42)

    22.6.41 Tauroggen

    15.7. - 20.7. Gorodonjka

    10.8. - 17.8. Luga

    9.9. - 13.9. Kranogwardeisk (1941)

    24.9. - 23.11. Pulkowo-Kamenje, 6 km bis Leningrad

    17.12.41 - 15.1.42 Stützpunktkämpfe vor Schlüsselburg, Tossno, Stpt. "Waldi" u.a.

    14.3. Konduja, Pogostje, Winjagolowo "am Heuweg", Waldlager "Rhön", Tigodastellung

    4.6.42 - 30.10.42 Kirischi am Wolchow

    Norwegen

    9.11.42 Kopervik auf Insel Karmoy u. Insel Utsera

    2.11.43 bis Oktober 44 Haugesund am Karmsund

    Elsaß

    Oktober 44 vor Gerardmer, Höhe 999

    November bis Dezember 44 Bussang Paßhöhe

    1.1.45 Ranspach

    ab 20.1.45 Schlesien

    24.1.45 Ulfertsdorf-Gimmel, Flugplatz Oels

    Febr. Teile im Kessel Breslau

    16.3. - 25.4. südöstl. d. Zodtem?

    26.4. - 5.5.45 Abwehrkämpfe südw. Bautzen

    8.Mai 45 24.00 Uhr Waffenruhe - Bad Schandau/Elbe

  • Hallo !

    Bei der Ortsbezeichnung für die Zeit 16.3,-25.4. 1945 ist der Zobten gemeint - ein Bergmassiv mit dem gleichnamigen "Hausberg" von Breslau.

    Gruß Herbert

  • Hallo zusammen,

    es gibt aus einem Nachbarverband des I.R. 489 einige Bleistiftskizzen, welche ein durchaus begabter Zeichner vom Vormarsch dieser Einheiten angefertigt hat:

    Joseph O.
    August 28, 2016 at 5:43 PM

    Gruß,

    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo,

    ...Bei der Ortsbezeichnung für die Zeit 16.3,-25.4. 1945 ist der Zobten gemeint - ein Bergmassiv mit dem gleichnamigen "Hausberg" von Breslau ...

    vielen Dank für die Aufklärung der Ortsangabe, ich hatte mir schon den Kopf zerbrochen und einen Flussnahmen, einen falsch übertragenen Ortsnamen oder ähnliches vermutet. Wieder etwas dazugelernt, Danke!

    Gruß, J.H.

  • Hallo,

    ... es könnte sich um Paul tomDick handeln ...

    https://www.volksbund.de/erinnern-geden…7e2357620359d1d

    die Verlinkung zum Volksbund funktioniert leider nicht mehr, der Datenbankeintrag für Paul tom Diek wurde inzwischen überarbeitet, nachfolgend die korrigierten Daten:

    Quelle: Gräberdatenbank Volksbund

    Gruß, J.H.

    Name: tom Diek

    Vorname: Paul

    Dienstgrad: Hauptmann

    Geburtsdatum: 19.03.1903

    Geburtsort: Ohmstede

    Todes-/Vermisstendatum: 22.06.1941

    Todes-/Vermisstenort: Tauroggen

    Paul tom Diek ruht auf der vom Volksbund hergerichteten Kriegsgräberstätte in Tauroggen / Taurage.