Bitte um Hilfe: Opa bei der Waffen-SS SV-Verfügungstruppe Deutschland/4. + 13. Kompanie Regiment Deutschland/KFZ-Sammelstelle Hamburg-Langenhorn/Breslau-Lissa

  • Hallo liebe Forumsmitglieder,


    bis die Unterlagen aus Berlin-Reinickendorf und Lichterfelde zu meinem Großvater eingetroffen waren, hatte ich mir die Zeit mit dem Lesen im Forum vertrieben. Nun sind die Infos angekommen und lassen mich ratlos. Vielleicht kann das Forum weiterhelfen? Ich muss vorausschicken, dass ich null Kenntnisse über Militärangelegenheiten habe...


    Ich versuche mal zu strukturieren, was ich bisher an Informationen aus den Unterlagen herausziehen konnte. Als Quelle das Heiratsgesuch, die Krankenkarte und die Spruchkammerakte:


    Eintritt 1938 zur SS-Verfügungstruppe Deutschland München-Freimann

    daraufhin RAD ab 01.10.38

    ab 01.04.39 13. Kompanie SS-Regiment Deutschland (für 4,5 Jahre verpflichtet)

    Feldzüge in Polen, Westen, Balkan, Russland als Melder zu Fuß und Krad (was bitte macht ein Melder? und wo könnte er genau gewesen sein?)

    Auszeichnung im Westfeldzug mit Infantriesturmabzeichen (wo und warum?)

    ist jemandem bekannt, ob seine Einheit in Ahlen/Westfalen gewesen sein könnte? So 40/41/42 rum?

    im Verlobungs- und Heiratsgesuch gibt es vom 12.03.42 den Absender KFZ-Sammelstelle der Waffen-SS Hamburg-Langenhorn / ein Hauptsturmführer der Abt. V SS mot / Jnstz hat eine Vorlagegenehmigung des Heiratsgesuchs unterzeichnet (was hat er in Hamburg gemacht? seinen Führerschein? sein Krad abgeholt?)

    am 01.09.42 Beförderung zum SS-Sturmmann bei 4. Kompanie SS-Regiment Deutschland

    am 01.02.43 Beförderung zum SS-Rottenführer (ich konnte nachlesen: bis zu 8 Mann unter sich - als Melder???)

    am 01.09.43 Beförderung zum SS-Unterscharführer (was macht ein Melder-Unterscharführer?)

    am 26.12.43 Verwundung in Kremenez Ukraine und Lazarettaufenthalt in Breslau (im Monat seiner Verwundung bekam er 119,75 Mark ausgezahlt... bekamen alle Soldaten Geld überwiesen?)

    danach Inf. Gesch Ausb. u. Ers. Bataillon 1 Breslau-Lissa (Tätigkeit? wie muss ich mir das Kriegsende dieses Bataillons in Breslau vorstellen? Ist das Besslein gewesen?)

    danach Flucht aus russ. Gefangenschaft zusammen mit seinem Vorgesetzen (keine Ahnung wer das sein könnte... und vorallem: wo war wohl das "Sammellager", aus dem er flüchten konnte, bevor seine "Kollegen" nach Russland kamen?); eine Anfrage beim Roten Kreuz München läuft...

    nach langem Fußmarsch seine Frau gefunden...


    Ich bitte um Hilfestellung des Forums. Vermutlich ist das schon ganz schön viel, was zusammengetragen werden konnte. Allerdings fehlt mir die Vorstellung, wie und wo das alles genau vonstatten ging...


    Viele Grüße

    Ines

  • ich habe noch was vergessen:


    es gibt in der Familie die Aussage, dass mein Opa - wenn er nicht verwundet worde wäre - nach Stalingrad gemusst hätte - aber das war doch schon 42? könnte Leningrad gemeint sein?


    Viele Grüße

    Ines

  • Hallo Ines,

    ein Melder macht, was der Name andeutet. Er transportiert Meldungen "per Pedes" bzw. per Krad zwischen verschiedenen Einheiten bzw. Befehlsstellen hin und her zur Aufrechterhaltung der Kommunikation-

    zur Kaserne in HH-Langenhorn gibt es ein paar Zeilen hier:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg-Langenhorn

    Gruß,

    JR

  • Grüß Gott Ines,


    herzlich willkommen hier im Forum der Wehrmacht !


    dass SS -Regiment Deutschland, gehörte zur 2.SS Panzergrenadier Division,später SS-Panzer-Division Das Reich,

    hier sind Ortsangaben zur Division

    http://www.maparchive.ru/nara-…ER-DIVISION_DAS_REICH.pdf

    und

    https://www.lexikon-der-wehrma…Divisionen/SSDivReich.htm


    das mit Stalingrad gehört ins Reich der Fabeln, dort war die Division nie !!


    Hier die Kaserne der SS-Verfügungstruppe SS Standarte 1 Deutschland

    https://de-academic.com/dic.nsf/dewiki/753006


    hier etwas zu den Meldern,

    Tätigkeit eines Melders im täglichen Dienst???


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

    Edited once, last by Eumex ().

  • Hallo Ines,


    das sind viele Fragen auf einmal.

    Vielleicht können wir diese langsam abarbeiten.

    - Die 13.(Infanteriegeschütz)Kompanie des SS Regiments Deutschland, lag vom 25. Januar 1940 bis ca. Anfang Mai 1940 im Raum Ahlen-Beckum-Oelde südöstlich von Münster.

    - Ein SS Rottenführer (Obergefreiter im Heer) war als "Zeitsoldat" Gehaltsempfänger, dessen Sold überwiesen wurde.

    - Im Raum Stalingrad ist das SS Regiment Deutschland nie gewesen.

    - Ein Rottenführer musste nicht in jedem Fall 8 Soldaten befehligen. In Kradstaffeln waren fast alle erfahrenen Melder bald Rottenführer.

    - Ist es sicher, dass er als SS Unterscharführer noch in der 13./ SS oder 4./ SS Deutschland war?

    Als Unterscharführer wird er 1943 eher als Gruppenführer einer Infanteriekompanie verwendet worden sein.?


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo an alle,


    vielen Dank für die Links und Antworten. Das ist so toll, dass Ihr mir helft!


    IR75 Leider steht bei Wikipedia nur etwas über SS-Panzer-Grenadier-Ausbildungs-Bataillon 18 und das SS-Wehrgeologen-Ersatzbataillon in Hamburg-Langenhorn. Vermutlich war auch dort diese KFZ-Sammelstelle. Aber darüber konnte ich noch nichts finden.


    Eumex Durch diese Tabelle der Einsatzorte erklärt sich, wie mein Opa meine Oma kennenlerrnen konnte. Was ich aber nicht finden konnte, war der Einsatz in Amsterdam. Oder gehörte die Geschichte (besoffen mit dem Krad in die Gracht...) vielleicht auch ins Fabelreich? Was bedeuten denn die Abkürzungen AK14, AOK 18 etc.? >Nachtrag, ich konnte es entschlüsseln: Armeekorps Armeeoberkommando. Aber was bedeutet das?


    korpowo Das kannte ich noch nicht, sehr interessant!


    Atlantis Weißt Du, was das Regiment genau in Ahlen gemacht hat? Bei Eumex Aufstellung steht "Training, formation". Da müssen auch Abendveranstaltungen zum Programm gehört haben... Omi + Opa haben sich sicher beim Tanz kennengelernt... Bei seiner Verwundung 12/43 war er laut Krankenakte Uscha in "SS Pz. Gr. Rgmt. "D" 8. Daneben war geschrieben (vermutlich 61 oder 65) "= 2. SS Pz. Div. "Das Reich"


    @alle: kennt/hat jemand das Buch York Helm: Die Ausbildung des InF.-Kompanietrupps, zweite neubearbeitete Auflage, Berlin 1940 "werden die Aufgaben des Melders auf elf Seiten abgehandelt" aus Eumex' Link über die Melder?

    Außerdem habe ich gerade entdeckt, dass auf der Krankenakte steht: "laut Kriegsgefangenformblatt vom 15.6.45" Wo könnte dieses Formblatt sein? Meint Ihr das ist in einem Archiv zu finden?


    Danke vielmals!

    Ines

  • Und noch eine Frage: sind für dieses Regiment eigentlich irgendwelche Gräueltaten bekannt? Dass der Krieg kein Spiel war, ist mir natürlich bewußt und, dass bereits ein "normaler" Krieg eine Erklärung für Opas nächtliche Alpträume war, auch. Kennt man in der Regimentshistorie z. B. auf dem Balkan bezüglich Partisanen oder sonstwo irgendwelche Vorkommnisse, initiert von den Deutschen oder den jeweiligen Gegnern? Blöde Frage, ich weiß...


    Viele Grüße

    Ines

  • Hallo Ines,


    es gibt hier keine "blöden Fragen".;)... Wir lernen hier alle täglich dazu, vor allem wenn es um historische Fakten bzw. Wahrheiten geht.


    Die 2. SS Division "Das Reich" und damit auch das unterstellte SS Regt."Deutschland" war auch an Kriegsverbrechen und wohl auch am Holocaust beteiligt.


    Dem SS Regt Deutschland werden erste Verbrechen im "Balkanfeldzug" im April 1941 in Jugoslawien zugeordnet. An der "Ostfront" kam es ab 1941 zu Gefangenenerschiessungen und zur Beteiligung am Holocaust.

    Im Sommer 1944 war das Regt in Frankreich an Geisel- und Partisanenerschießungen beteiligt.


    Nähere Einzelheiten müsste ich erst (wieder) nachschlagen.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo Ingo ( Atlantis),


    1944 war er bereits in Breslau, da ist er um Frankreich rumgekommen.

    Es wäre sehr nett, wenn Du nachschlagen könntest und mich informierst. Meinst Du, ein Melder war da auch beteiligt? Holocaust und Kriegsverbrechen hört sich furchtbar an...


    Danke im Voraus!

    Viele Grüße

    Ines

  • Hallo Eumex,


    vielen Dank für die Links. Ich versuche mein Glück mit den Büchern mal bei der Fernleihe unserer Stadtbibliothek...

    Und ja, nicht jeder Soldat war automatisch ein Kriegsverbrecher... ich würde es jetzt von meinem Opa nicht erwarten, aber davon zu hören, dass es in dieser Division vorgekommen ist...


    Kannst Du mir bitte noch erklären, was die AK und AOK-Aufstellungen in der Tabelle bedeuten?

    http://www.maparchive.ru/nara-…ER-DIVISION_DAS_REICH.pdf

    Heißt das, dass bei dem betreffenden Einsatzort auch andere Divisionen beteiligt waren, die zusammengelegt dieses Korps bildeten?


    Grüße nach Bayern!

    Ines

  • Hallo Ines,


    im Ortsquartier im Raum Ahlen waren die Soldaten in Unterkünften wie Schulen, Sälen von Gasthäusern, Scheunen etc. - zum geringerrn Teilen auch als Einquartierung in Privathäusern (z.B. Gehöften) untergebracht.

    Es lief der "normale" Ausbildungsdienst weiter.

    Mit Sicherheit kam es auch zum Anbandeln mit der weiblichen Bevölkerung, was in manchen Fällen auch zu Eheschliessungen führte.

    Ab Anfang Mai 1940 war das Regt zu letzten Übungen (u.a. Scharfschiessen u Gefechtsübungen) auf dem nahen Truppenübungsplatz Sennelager nordöstl. von Paderborn.

    Von dort aus ging es direkt in den "Westfeldzug".


    @ Kriegsverbrechen:

    Die deutsche Wehrmacht und die Waffen SS haben wohl in grösserem Umfang Kriegsverbrechen begannen, als man bis vor wenigen Jahren angenommen hatte, bzw. erforscht war.

    Das heißt im Umkehrschluß aber nicht, dass alle Wehrmachts- oder SS Soldaten an derartigen Taten beteiligt waren.

    Wie Eumex schon schrieb, bestand eine solche SS Division 1941/43 zeitgleich aus bis zu 18.000 Soldaten. Dabei dürfte der überwiegende Teil nicht aktiv in Kriegsverbrechen verwickelt gewesen sein.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo Ines,


    die Verweise auf AK, AOK etc. verweisen auf die jeweilige, zeitweise Unterstellung (Chain of command) der 2. SS Division.

    Einem Armeekorps (AK) unterstanden 3-5 Divisionen, einer Armee (Armeeoberkommando AOK) oder einer Panzergruppe (PzGr) unterstanden in der Regel 2-5 AK oder auch Panzerkorps (PzK).


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo Ingo,


    wow! Woher weißt Du das mit den Unterkünften in Ahlen? Vermutlich wird man das nicht mehr rausfinden, ob mein Opa im selben Haus wie Omi wohnte... Opas Division war ja nur zu dem Zeitpunkt in Ahlen, später ja wohl nicht mehr. Wenn Opa dann im Westfeldzug war, konnten beide ja nur per Brief in Kontakt geblieben sein. Schade, dass da nix erhalten geblieben ist...


    Weißt Du vielleicht noch etwas zu den Punkten "laut Krankenakte Uscha in "SS Pz. Gr. Rgmt. "D" 8" und "laut Kriegsgefangenformblatt vom 15.6.45". Heißt 8, dass das die 8. Kompanie war? Und er als Uscha folglich kein Melder mehr war? Und wie und wo könnte ich dieses Kriegsgefangenenformblatt finden?


    Vielen Dank für Deine Hilfe! Ich werde mich hoffenlich bald in die Regimentsgeschichte einlesen können...


    Viele Grüße

    Ines

  • Grüß Gott Ines,


    wie lange war er den in russ.Gefangenschaft...?

    Weil man beim DRK-Suchdienst dann seine Gefangenenakte anfordern könnte, falls eine angelagt wurde...


    Die 8 könnte für die 8.Kompanie stehen...


    Auch Uscha/Unteroffiziere waren als Melder eingesetzt.


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Hallo Eumex,


    er war nur kurz in Gefangenschaft (wahrscheinlich bei Kriegsende in Breslau ergeben) und flüchtete dann mit Vorgesetztem und noch ein paar aus der russ. Gefangenschaft (vermutlich irgendein Sammellager um Breslau herum). Er ist nicht nach Russland deportiert worden. Sondern es ging zu Fuß nachts nach Westen.


    Eine Anfrage beim Suchdienst vom Roten Kreuz München läuft, aber ich habe erst gestern das mit dem Kriegsgefangenenblatt entdeckt. Ich muss noch mal dahingehend Kontakt aufnehmen.


    Viele Grüße

    Ines

  • Grüß Gott Ines,


    in Breslau gab es die Auffang-und Durchgangslager,

    Breslau Burgheide

    Breslau Fünfteichen

    Breslau Hundsfeld

    Breslau Hundsfeld Lazarett

    Breslau Odertor


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Hallo Eumex,


    danke! Weiß man auch, welches Regiment wo "gelagert" wurde? Oder gibt es sogar Gefangenenlisten? Also, wenn er beim Inf. Gesch Ausb. u. Ers. Bataillon 1 Breslau-Lissa (= Besslein?) war, dann haben sich die doch gesammelt ergeben, oder? Weiß man da über die Regimentshistorie noch irgendwas? Und wenn ja, wo könnte man das finden? Das Kriegsgefangenformblatt war vom 15.6.46, vermutlich von den Amerikanern.


    Viele Grüße

    Ines