Soldat der 8. Kompanie des Fallschirm-Panzer-Ersatz- und Ausbildungs-Regiment 2 Hermann Göring berichtet via Feldpost nach Hause Januar-Februar 1945 (mit Fragen an euch)

  • Hallo zusammen,

    habe heute einen mehrere hundert Briefe umfassenden Nachlaß aus dem 2. WK an einen Soldaten an der Ostfront erstanden. Darunter sind auch Briefe von Freunden und Verwandten, u.a. seinem Cousin Fritz Dölling. Die drei Briefe von ihm sind datiert:

    1)

    23.01.1945, Stempel von Potsdam. Abs.: Fhj. Gefr. Fritz Dölling, z.Z. bei Frau Stubbe in Potsdam,

    Am Kanal 38.

    Er schreibt u.a.: „Eben gerade telefonierte ich mit euch. Jetzt möchte ich noch kurz die jetzige Lage brieflich mitteilen. Also in Rippin war schon alles weg und wir haben keinen mehr angetroffen. Es ist alles zum Einsatz gekommen. Wären wir einen Tag früher gekommen, so wären wir dabei gewesen. Was nun weiter mit mir geschieht weiß ich nicht. Es kann zum Einsatz gehen, welches ich allerdings nicht glaube. Außerdem kann der Lehrgang nur hier in Berlin stattfinden. Also es ist noch ein großes Fragezeichen. Sobald ich Näheres erfahre, werde ich telefonieren, wenn nicht, dann telegrafisch benachrichtigen...."


    Eine Woche später gibt es Neuigkeiten. Mittlerweile ist er einer 2. Marschkompanie zugeteilt worden:

    2.)

    31.01.1945 Tarnstempel, Abs.: Fhj. Gefr. Fritz Dölling, Berlin-Velten Flak-Barackenlager, 2. Marschkompanie. Die Ortsangabe im Briefkopf ist Henningsdorf, den 30.01.1945, unleserlicher Formationsstempel.

    Er schreibt: „Bis jetzt bin ich immer noch in Berlin und zwar immer noch in der Marschkompanie. Mir stinkt es hier ganz gewaltig. Das Essen hier ist recht mäßig. Man kommt einfach nicht aus, wenn man sich nicht...auf krumme Touren etwas besorgt. Ausgang bekommen immer nur 10 Mann von 190 Mann und wenn, dann nur bis 12 Uhr....Wie lange ich nun noch in diesem Haufen sein werde, ist nicht bestimmt. Ich hoffe nur, daß es recht bald los geht um nur hier wegzukommen. Als Panzermann hinaus zu kommen ist wohl soviel wie aussichtslos. Man muß sich heute mit allem zufrieden geben... Die Lage im Osten wird sich wohl in den nächsten Tagen wieder festigen. Jedenfalls kein Grund deswegen zum Pessimisten zu werden..."


    Wieder eine knappe Woche später folgt die letzte mir vorliegende Nachricht. Was wohl aus ihm geworden ist?

    3.)

    06.02.1945, Tarnstempel, Abs. Abs.: Fhj. Gefr. Fritz Dölling, Berlin-Velten Flak-Barackenlager, 8. Kompanie. Formationsstempel mit der FPNr: 51685 [event. noch Buchstabe "c"] Briefkopf: Hohenschöpping, den...

    „Immer noch bin ich in Berlin und werde sehr wahrscheinlich auch noch hier bleiben. Von der Marschkompanie bin ich wieder zur Panzerschulkompanie gekommen. Man hat mich als Panzermann wieder herausgeholt. Als Grenadier werde ich wohl nur eingesetzt, wenn der Russe bis nach Berlin kommt. Doch das scheint ja nicht mehr der Fall zu sein. Ausgang gibt es hier nicht, da wir im dauernden Alarmzustand sind. Man gammelt also regelrecht hier im Ersatzhaufen herum. Leider haut die Verpflegung hier nicht so recht hin. man hat andauernd Kohldampf....Gestern haben die Engländer wieder ganz schön in berlin gewütet....“

    Soweit erstmal die Auszüge. Es scheint sich bei dem Schreiber also um einen Fahnenjunker Gefreiten beim Ers. u. Ausb. Rgt. 2. Fallschirm-Panzergrenadier-Division Hermann Göring zu handeln, der großes Glück hatte in Rippin niemanden mehr anzutreffen, denn so weit ich weiß, wurden die Truppenteile der HG Truppen später komplett in Graudenz aufgerieben.

    Und damit fangen meine Fragen schon an. Zum einen bin ich mir über die korrekte Bezeichnung der Einheit des Absenders nicht im Klaren. Unter der FPNr. L 51685 [event. C] steht in der mir zur Verfügung stehenden Liste der axis-history Stab II u. 8.-12. Kompanie, Fallschirm-Ersatz- u. Ausbildungs-Regiment Hermann Göring. Das scheint mit der Bezeichnung „8. Kompanie“ auf dem Brief vom 06.02.1945 zumindest was die Kompanie-Bezeichnung angeht, hinzukommen. Allerdings finde ich im Netz auch die Bezeichnung Fallschirm-Panzer-Ersatz- und Ausbildungs-Regiment 2 Hermann Göring. Das würde wiederum hinkommen, wenn man bedenkt, daß er in einer Panzerschulkompanie war. Im Forum hier gibt es dann noch die Bezeichnung Ersatz u. Ausbildungs Rgt. 2. Fallschirm-Panzergrenadier-Division Hermann Göring. Was ist denn nun die korrekte Bezeichnung? Siehe #26 unter:

    Fallschirmjäger-Ersatz - u. Ausbildungsregiment 1, aka Regiment Major Kratzert

    Außerdem findet sich im gleichen Post #26 der Hinweis:

    „Mitte Januar 1945 [ist die 9./Ers. u. Ausb. Rgt. 2. Fallschirm-Panzergrenadier-Division Hermann Göring] von der Barackenkaserne in Höhenschöpping (bei Velten) mit LKW nach Greiffenberg gefahren worden und dann weiter nach Günterberg. Hier haben sie Stellung bezogen bzw. Stellungen gebaut. Im weiteren Verlauf waren sie auch in Biesenbrow und sind dann von dort täglich nach Günterberg marschiert... Am 18. April sind sie dann über Angermünde, Berlin mit dem Zug in Richtung Calau abtransportiert worden.“

    Anscheinend blieb die 8. Kompanie (als Teil des II. Btl.?) von den Verlegungen der 9. Komp. (III. Btl.?) unberührt, denn der Absender schreibt ja noch von der gleichen Adresse (Hohenschöpping) am 06.02.1945. Mich wundert, dass nicht alles an die Front geworfen wurde. Allerdings verweist Ulf in #24 unter dem gleichen link, dass laut

    ww2.dk für das Regiment zumindest für 1944 folgendes angegeben wird: I. 1-5, II. 6-10, III. 11-15.

    Außerdem scheint es einen Widerspruch zu geben, zwischen den Aussagen des Absenders vom 23.01.1945, dass sie schon vor diesem Datum, als er ja schon wieder in Potsdam war, in Rippin niemanden mehr angetroffen hatten, obwohl im Netz (https://www.ww2.dk/ground/goering/ersrgt.htm) behauptet wird, dass das Fallschirm-Panzer E. u. A. Regiment HG am 25.01.1945 in zwei Regimeter geteilt worden wäre. Kann das jemand bestätigen? Und wenn dem so ist, warum schreibt es der Zeitzeuge anders? Immerhin, folgt man dem link zum 2. E. u. A. Regiment HG, findet sich dort der Hinweis, dass das IV. Btl. wohl in Berlin-Velten geblieben ist (https://www.ww2. dk/ground/ goering/ ersrgt2.htm).

    Würde das dann bedeuten, die 8. Komp. gehört zum IV. Btl? Das kommt doch auch irgendwie nicht hin.

    Würde mich über eure Beiträge diesbezüglich freuen. Vielleicht sind die Auszüge ja auch darüber hinaus für Spezialisten interessant.

    Schöne Grüße und danke für die Hilfe!

    JR

  • IR75

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  • Hi

    Das in Reppin keiner mehr war, erklärt sich das die Brigade Richtung Graudenz marschierte und dort unterging.

    Die Brigade gliederte sich in Reg.1 und 2.

    Nach der Vernichtung wurde eine 2.Brigade aufgestellt in Velten.

    Zum Reg.2. Das kann nicht ganz passen. Das Reg. gliederte sich in I.-III.Btl.

    Das I.Btl. war das Pi.Btl..

    Das II.Btl. war die Art.Abt..

    Das III.Btl. war die Pz.Abt.. Da er in der Pz.Fahrschul-Kp. war gehörte er also dem III.Btl. an.


    Das Fj.Ers./Ausb.Reg.1 Kratzert hat nichts mit der Brigade zu tun. Es gehörte der 1.Fj.Ers./Ausb.Div. an.

    Hoffe das ich etwas Licht ins Dunkel gebracht habe.

    Gruss Jan

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten. (Johann Wolfgang Goethe)

  • Moin Jan,

    vielen Dank. Wuße nicht, dass die Brigade nach Vernichtung erneut aufgestellt wurde. Auch der Hinweis auf Kratzert war interessant, da ich dachte, dass der Truppenteil dazugehörte. Allerdings bin ich noch nicht ganz sicher was die zeitliche Differenz bei der Aufstellung der 1. u. 2. Regimenter durch die Brigade angeht. Da habe ich im Netz (ww2dk und anderswo) gefunden, sie seien am 25.01.1945 in Rippin aufgestellt worden. Allerdings war der Gefreite Dölling nachweislich bereits VOR dem 25.01.1945 in Rippin, und laut seiner Aussage waren da schon alle weg. D.h. nach seinen Angaben muß die Unterteilung entweder vor dem 25.01.1945 in Rippin stattgefunden haben, oder am 25.01. (oder später), aber eben nicht in Rippin sondern eventuell in Graudenz oder dem Weg dahin.

    Danke auch für die Zuordnung zum III. Btl.!

    Schöne Grüße,

    JR

  • Hi

    Der 25. ist der Aufstellungstag der Brigade. Also wo es offiziell wurde.

    Die Brigade wurde schon vorher zusammen gezogen und dem endsprechend gegliedert bevor sie abzog. Rückwirkend hat man den Tag dann benutzt.

    Jan

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten. (Johann Wolfgang Goethe)