Wirtschaftliche Mobilmachung

  • Liebe Freunde!

    Allgemein für das Thema Polizeiwesen interessiert, hätte ich heute eine spezielle Frage.


    Ich bearbeite gerade die sogenannte "Graue Bücherei" des Ludwig Voggenreiter Verlages, Potsdam.

    Darin haben hochkarätige Militärs aus dem In- und Ausland zwischen 1935 und 1938 jeweils in 80-seitigen Abhandlungen neueste Militärthemen bearbeitet.

    Es erschienen beispielsweise Bücher von UK-Liddell Hart, UK-General Fuller, FR-Colonel de Gaulle, US-Colonel Marshall und DR-Oberstleutnant Erwin Rommel.


    Ein Justus SCHMITT hat 1935 das Buch "Wirtschaftliche Mobilmachung" geschrieben. Sehr sehr detaillierte Auseinandersetzung mit diesem Thema.

    Leider kann ich über diese Person rein gar nichts finden. Schön langsam glaube ich, dass dies ein Pseudonym sein könnte.


    Wer kann mir helfen?

    Wer war Justus SCHMITT?


    Gernod Fuchs, Salzburg

  • Hallo,

    ... Ein Justus SCHMITT hat 1935 das Buch "Wirtschaftliche Mobilmachung" geschrieben ...

    im Bundesarchiv ist ein Justus Schmitt in einem Bestand zu den Einheiten der Ordnungspolizei in Polen namentlich genannt, es handelt sich dabei anscheinend um seine Personalakte aus der SD-Außenstelle in Tschenstochau. Nachfolgend die Daten zum Eintrag:

    Quelle: Bundesarchiv/Invenio


    Gruß, J.H.


    VBS 1038 (R 70-POLEN)/ZB 6185

    Schmitt, Justus

    Bestandsbezeichnung: R 70-POLEN

    Geburtsdatum: 19.3.1905

    Unterlagenart: Sachakte

    Benutzungsort: Berlin-Lichterfelde

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo zusammen,


    es gab tatsächlich einen Justus Schmitt in Czestochowa. Anbei eine Seite aus dem Verzeichnis der Girokonten der Emissionsbank in Polen vom 20.02.1941.

    (http://dlibra.umcs.lublin.pl/dlibra/plain-content?id=19536 )


    Ein Dr.Justus Schmitt war wohl vornehmlich im Reichswirtschaftsministerium tätig. In polnischen Archiven gibt es Hinweise auf Arbeiten wie z.B. ein Bericht über wirtschaftliche und politische Unternehmungen im Generalgouverment (1940). Möglicherweise war er Leiter der Zweigniederlassung der Industrie- und Handelskammer Radom mit Sitz in Tschenstochau.


    Grüße Frank

  • Guten Tag zusammen,


    Justus Claus Gottfried Schmitt wurde am 19.03.1905 in Dresden geboren, er verstarb am 09.12.1979 in Zehlendorf (StR Nr. 2807/1979 StA Zehlendorf).


    Das Geburtsregister Dresden hält ferner in einem Seitenvermerk fest: Laut Namensänderungsurkunde des Senats der freien und Hansestadt Hamburg vom 19. Dezember 1953 Aktenzeichen 476/1953 führt das nebenbezeichnete Kind ab 21. Januar 1954 anstelle des bisherigen Familiennamens den Familiennamen "Buekschmitt".


    Im Hamburger Telefonbuch ist er auch bis mindestens 1978 zu finden; allerdings ohne den Zusatz "Dr.".


    Beste Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo Gernod,


    klingt interessant. Auch wenn ich nichts beitragen kann zu deiner Frage, hättest Du eine entsprechendes Titelverzeichnis dieser Reihe zur Hand, welches Du weitergeben könntest?


    Beste Grüße


    OB

  • Hallo Freunde !

    Bin überrascht von den verschiedenen Antworten.

    Da ergibt sich vielleicht doch ein Bild zur Person Justus SCHMITT.


    Für "Odenwälder Bub" - ich habe nur eine vorläufige Übersicht über die prominentesten Verfasser dieser "Grauen Bibliothek"

    In einigen Wochen werde ich eine vorläufige Gesamtübersicht weitergeben. Bis dahin das beiliegende Bild.

    Gernod

  • Hallo Gernod,

    ... In einigen Wochen werde ich eine vorläufige Gesamtübersicht weitergeben. Bis dahin das beiliegende Bild ...

    an einer Übersicht der in dieser Verlagsreihe erschienen Titel hätte ich auch Interesse... 8) Ist bei Voggenreiter damals auch die Erstausgabe von Guderians "Achtung Panzer" (1937) erschienen?


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Schön langsam entwickle ich mich zum Panzer-Fachmann (?!?)


    Die vielleicht wichtigsten Aussagen im Voggenreiter-Verlag zur Panzertruppe dürften in den Arbeiten von De Gaulle (Frankreichs Stoßarmee) und Walter Nehring (Heere von morgen) erschienen sein.


    Ob Guderians "Achtung Panzer" bei Voggenreiter erschienen ist, ist mir nicht bekannt.

    Jedenfalls hat Guderian in verschiedenen Ausgaben des Koppenreiter-Verlages dessen "Graue Bücherei" wie folgt beworben:


    „Man kann nicht leichter, kürzer, vollständiger aber auch nicht billiger in die so ungeheuer vielseitigen, wichtigen und umwälzenden Zeitströmungen auf dem Gebiet der militärischen Rüstungen eingeführt werden, als durch die „Graue Bücherei“. (Guderian, Oberst und Chef des Stabes der Inspektion der Kraftfahrtruppe.)


    Gernod

  • Hallo Freunde!

    Anbei nur eine Übersicht über die von mir bearbeiteten Veröffentlichungen des Voggenreiter-Verlages. Es gibt sicher noch einige mehr.


    30.-er Jahre. - Neue Militärliteratur bei VOGGENREITER.

    UK-Captain Liddel Hart, UK-Generalmajor J.F.C. Fuller, FR-Colonel Charles de Gaulle, SU-General S.M. Kriwoschein, US-Colonel George C. Marshall, DR-Oberstleutnant Erwin Rommel aber auch einige heute weniger bekannte deutsche Militär-Autoren haben zwischen 1934 und 1937 im Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam, ihre Erkenntnisse aus dem Krieg und/oder ihre Gedanken zur Fortentwicklung der Kriegskunst veröffentlicht.

    Unter dem Namen „Graue Bücherei“ erblicken revolutionäre militärische Tendenzen das Licht der Welt. Manche Länder nehmen daraus Ideen auf und manche Theorie wird in ihren Militärplanungen zögerlich aber auch sehr konsequent umgesetzt.

    Spätestens zur Zeit dieser Veröffentlichungen mußte die militärische Welt auf diese Verfasser aufmerksam geworden sein. Es ist dies ein „Who is Who“ der Militärtheorie zur Zwischenkriegszeit. Fast alle diese Militärs haben später die Karriereleiter erklommen und sitzen heute noch auf den besten Plätzen des Olymps der Kriegskunst.


    1934 - INFANTERIE VON MORGEN, von Captain Liddel Hart, Deutsch von Arthur Erhardt.


    1934 - RUßLANDS RÜSTUNG. Die Sowjetunion und ihre Machtmittel, von Frey Rydeberg, C. Kempff, G. Gärdin.


    1935 - TAKTIK SCHNELLER VERBÄNDE. Russische Ansichten über die Verwendung motorisierter und mechanisierter Verbände, von Oberst M.J. Kurtzinsky. (2 Themen von W. Kryschanowski und S.M. Kriwoschein).


    1935 - GENERÄLE VON MORGEN. Betrachtung über militärisches Führertum von Generalmajor J.F.C. Fuller, Deutsch von Arthur Erhardt.


    1935 – FRANKREICHS STOßARMEE. Das Berufsheer – die Lösung von morgen von Colonel Charles de Gaulle. Deutsch von Gallicus.


    1935 – WIRTSCHAFTLICHE MOBILMACHUNG. Von Justus Schmitt.


    1935 – HEERE VON MORGEN. Ein Beitrag zur Frage der Heeresmotorisierung des Auslandes von Oberstleutnant im Generalstab Walther Nehring.


    1936 – PROBLEME DES LUFTKRIEGES. Von Oberstleutnant a.D. Georg Wilhelm Feuchter.


    1936 – INFANTERIE IM KAMPF I. und 2.Teil. Kriegserfahrung gegen Friedensirrtümer von Colonel George C. Marshall, Deutsch von Arthur Erhardt.


    1937 – INFANTERIE GREIFT AN. Erlebnis und Erfahrung, Oberstleutnant Erwin Rommel. (EINZIGES Buch als Originalversion mit 384 Seiten)


    1935 - KLEINKRIEG. Geschichtliche Erfahrungen und künftige Möglichkeiten von Arthur Erhardt.


    Gernod Fuchs

  • Moin Gernod,


    mir sträuben sich beim Lesen deiner begeisterten und völlig unkritischen Einleiitung die Nackenhaare =O


    Angesichts der Millionen Kriegs- und Ziviltoten wenige Jahre später verbietet es sich meiner Meinung einfach, heute von "Kriegskunst" und "Olymp der Kriegskunst" zu sprechen. Wenn die einleitende Text von dir stammen sollte hätte ich mir gewünscht, daß du beschreibst worin das "revolutionäre" tatsächlich bestand. Eine historische Einordnung fehlt völlig ...


    Zum Ludwig Voggenreuther-Verlag nur dieses: er bemühte sich - aus dem Umfeld der bündischen Jugend stammend - redlich und letzendlich erfolgreich ums Überleben im NS-Staat (http://www.polunbi.de/bibliothek/1937-leitheft.html).


    Viele Grüße

    Frank

  • Hallo Frank !


    Ich hatte nur die Absicht einem Mitglied dieser Gruppe eine Liste der von mir bearbeiteten Bücher der Grauen Bibliothek" zu liefern.


    Wenn ich den Begriff "revolutionär" benutzte, dann in dem Zusammenhang, dass die Inhalte dieser Arbeiten meist sehr neu, oft unbekannt waren. Weiter wollte ich nichts darstellen. Eine historische Einordnung, die Ihrer Meinung nach "völlig fehlt" fand ich einfach nicht als notwendig.


    Dass der Begriff "Kriegskunst" in der heutigen Zeit abgekommen ist, bedeutet nicht, dass ich ihn als historisch interessierter ehemaliger Berufssoldat nicht benutzen darf. In der mich interessierenden Zeit von den Befreiungskriegen bis zu den Personen, die mich in diesem Voggenreiter-Umfeld interessieren, ist der Begriff "Kriegskunst" noch ganz selbstverständlich.


    Jetzt aber Kritik von meiner Seite:

    Sie schreiben: "Zum Ludwig Voggenreuther-Verlag nur dieses: er bemühte sich - aus dem Umfeld der bündischen Jugend stammend - redlich und letzendlich erfolgreich ums Überleben im NS-Staat (http://www.polunbi.de/bibliothek/1937-leitheft.html)."


    In meinen Unterlagen, ich berufe mich ebenfalls auf dieses SS-Leitheft lese ich es etwas anders: "In einer Ausarbeitung des Reichsführers-SS aus dem März 1937, dem SS-Leitheft Verlagswesen, wurde dieser Schritt folgend beschrieben: „Während der Voggenreiter-Verlag, Potsdam, z.B. den Anschluss an den Nationalsozialismus suchte und auch fand, gelang dies dem zweiten deutschen großen bündischen Verlag, dem Günther Wolff-Verlag in Plauen, nicht und er wurde 1936 auf Drängen der Gestapo aufgelöst“. Hier ist von "redlicher Bemühung ums Überleben" nichts zu lesen, sondern von der "Suche nach dem Anschluss an den Nationalsozialismus". Übrigens ist der letzte Eigentümer des Voggenreiter-Verlages im sowjetischen Nachfolgelager eines deutschen KZ nach dem Krieg umgekommen. Seine redlichen Bemühungen dürften ihm nicht angerechnet worden sein.


    Übrigens habe ich dieses Voggenreiter-Thema gestern abgeschlossen und zwar in der Form, dass ich laut nun bekannter Liste, jeden Verfasser mit kurzem Lebenslauf vorstelle und anschließend den Inhalt durch eigene oder fremde veröffentlichte Kritik, darstelle. So sind alle erwähnten Büchlein auf jeweils einer Seite dargestellt. Wann und wo diese 15-seitige Arbeit veröffentlicht wird ist noch unklar, jedenfalls in einem Verlag, der den Begriff Kriegskunst in seiner ursprünglichen Bedeutung versteht. Ich werde diese kleine Arbeit aber trotzdem daraufhin durcharbeiten, um auch besonders kritischen Lesern keinen Anlaß zu geben, mich politisch unkorrekt geäußert zu haben.


    Der Ausgangspunkt meiner Befassung mit diesem Voggenreiter-Verlag war mein derzeitiges Thema, der "Generalstab der US-Army in der Zeit zwischen 1938 und 1942". Dabei habe ich mich mit dem Generalstabschef George C. Marshall näher befaßt und bin darauf gestoßen, dass er im Voggenreiter-Verlag publizieren ließ. Dies und die dabei erkannten Mit-Verfasser dieser "Grauen Bibliothek" haben mein Interesse erweckt und ich werde mich wieder dem von Marshall kreierten "stromlinienförmigen" neuen Generalstabs-System zuwenden. Die damals dort geschaffenen Organisationsformen zur Überwindung des kriegstreibenden Faschismus lassen mich galuben, dass damals die "Kriegskunst" wieder auferstanden war.


    Gernod Fuchs