Vernichtungslager usw.

  • Hallo und guten Abend !
    Heute möchte auch ich einmal eine Frage an die Veteranen unter uns stellen, welche mich schon länger beschäftigt. Zu welchem Zeitpunkt etwa habt Ihr von den furchtbaren Geschehnissen in den KZs, den Deportationen usw. gehört und wie war danach Eurer Empfinden. Ich weiß, der ganze Krieg, ( wie übrigends alle Kriege ) war furchtbar. Aber in diesem Fall geht es mir speziell um die o.g. Greuel. Ich denke dabei immer an die Worte meiner verst. Mutter. Sie sagte und das glaubte ich ihr auch: Von all dem haben wir nichts gewußt. Erst auf der Flucht von der Niederlausitz, östlich um Berlin herum und dann Richtung Schwerin hätte eine jüngere Schwester gefragt, als sie Insassen des KZ Oranienburg sah, ( welches schon befreit war :( "Warum laufen diese Leute in Schlafanzügen herum?"
    Mit besten Grüssen aus der Heide Joachim

  • Ein Veteran berichtete mir folgendes:


    Sie machten Pause; (Ort mir unbekannt)
    Unten im Tal fielen immer wieder Schüsse, Kampfhandlungen waren keine im Gange.
    LKWs mit Männern, Frauen und Kindern kamen an, alle gingen ins Tal. Es fielen wieder Schüsse. Es kam ein weiterer LKW, so ging es längere Zeit. Keiner der LKW-Insassen wurde wieder gesehen.
    Den Bereich zum Tal riegelte eine Polizeieinheit ab;
    Die Landser schauten sich untereinander entsetzt und ratlos an, sagen durfte man nichts, jeder hatte Angst um sein Leben.


    So die einzige Begebenheit, die mir ein SS-Veteran erzählt hat.
    Dabei war ihm nicht wohl ums Herz, das könnt ihr glauben.


    KZs waren ihm nicht bekannt. Auch wurde in seiner Einheit / Kompanie / Trupp nicht über so etwas gesprochen.

  • Hallo,


    von meinem Großvater (gestorben 1964) ist überliefert, dass er schon sehr früh (1941 / 1942) zumindest geahnt hat, was geschah. Er war Kaufmann in einem ostfriesischen Dorf und viele seiner jüdischen Geschäftspartner waren plötzlich verschwunden.


    Man hat sie alle umgebracht, so seine in der Familie geäußerte Vermutung. Gewusst hat er nicht, aber das Fehlen der Juden ist ihm aufgefallen. Ich glaube nicht, dass er der Einzige war.


    Aber manche fragten damals vielleicht nicht. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß...


    Arnold

  • Zum Thema gibt es ein interessantes Buch: Peter Longerich "Davon haben wir nichts gewusst"!Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933-1945.


    Dort wird geschildert, was man mitbekommen hat...haben muss...und welche Schlüsse man unweigerlich daraus ziehen musste.
    Nur wollte man?
    Dieses Buch gibt es für kleines Geld bei der bpb,2 oder 4 Euro...
    Grüsse Thomas

  • Hallo
    Ein Veteran antwortete auf meine direkte Frage ,ob die Leute damals von den KZ wussten:
    "wir wohnten in Gera, da war nicht weit ein Kz, die meisten Leute wussten das, aber niemand traute sich, was zu sagen, sonst wäre man da selber rein gekommen"


    Ich habe in anderen Themen auch schon von dem Gespräch zitiert.
    Es ist ein beeindruckendes Erlebnis, mit einem Veteranen offene Gespräche über die Zeit zu führen.


    Wir dürfen hier nicht das
    "was ich nicht weiss,macht mich nicht heiss" verurteilen
    oder schimpfen von wegen:


    "warum habt ihr weggeschaut und nichts getan?"
    Wer hat sich damals getraut was zusagen. Ich bin in der DDR aufgewachsen und habe es kennengelernt, wenn man immer aufpassen musste, wem man was sagt.,Denke die Gestapo war radikaler als die Stasi und es gab viele faschistische Fanatiker, die einen lächelnd an den Henker ausgeliefert hätten, wenn man nicht im Gleichschritt mitlief.


    Die meisten Menschen, die am Anfang vom Nationalsozialismus begeistert und mitgerissen waren, wollten kein Krieg oder Antisemitismus in dieser Form.
    Die Deutschen litten am Trauma nach dem 1.Weltkrieg und der Weltpolitik, die Deutschland am liebsten als Agrarstaat gesehen hätten.
    Deutlich im Versuch der Ächtung deutscher Produkte durch Aufschrift "Made in Germany".
    In dieser Situation war der Nährboden für eine Partei die propagandierte, dass Deutschland wieder stark und frei sein soll, sehr fruchtbar.


    Die Nachkriegsaussage "Das haben wir nicht gewollt" - ist sicher bei den meisten ehrlich über die Lippen gekommen.

    Edited 2 times, last by alterpapa ().

  • Die Tatsache, dass es KLs gegeben hat, war JEDEM bewusst. Es gab ja auch das geflügelte Wort "sonst kommst du in KZ" Oder auch im Rundfunk, Wochenschauen taucht das Wort auf.
    ABER!!!


    Das Greuel mit den KZs war allen bekannt, so wie es in der Anfangsphase des Regime war und die SA in den Strassen wütete.
    Daraus aber einen Rückschluss zu ziehen, dass alle wussten was später in den KZ passierte ist ein Trugschluss. Das Buch von Longerich stellt die Sache sicherlich treffend dar.



    Die Ausstellung Topf und Söhne zeigt, wie z.B. Ziviliisten von den Gaskammern und vom geplanten Massenmord erfahren haben. Ich denke, was WOLLTE man wissen, trifft die Sache im Kern.
    ich entziehe mich aber einer Bewertung.


    http://www.topfundsoehne.de/
    http://www.bpb.de/publikatione…n_wir_nichts_gewusst.html


    http://hsozkult.geschichte.hu-…de/rezensionen/2006-2-189

    Glück Auf!
    "Basil"


    "Ich bin ein Egoist und kümmere mich nicht um andere?. Sogar behinderte Delphine kommen zu mir, um mit mir zu schwimmen" (Stromberg)

    Edited once, last by basil ().

  • Hallo Leute!
    Danke Basil für die Verlinkung zur bpb...das Buch von Longerich ist wirklich lesenswert.
    Gut, es kostet halt 6 Euro, war mir da nicht mehr sicher, hab schon so oft da bestellt, da kann man schonmal was verwechseln.

    Quote

    Ich denke, was WOLLTE man wissen, trifft die Sache im Kern.

    Das ist heute nicht anders...wegschauen ist leichter als hinschauen...obwohl man es schwer vergleichen kann.
    Gruß Thomas

  • OT: Auch für heute entziehe ich mich einer Bewertung ;)

    Glück Auf!
    "Basil"


    "Ich bin ein Egoist und kümmere mich nicht um andere?. Sogar behinderte Delphine kommen zu mir, um mit mir zu schwimmen" (Stromberg)

  • Quote

    Original von basil
    OT: Auch für heute entziehe ich mich einer Bewertung ;)

    Schade mein Lieber...auf deine Bewertung hätte ich grossen Wert gelegt! =)
    Aber da ich deine Prinzipien kenne...
    Gruß Thomas

  • Hallo,


    etwas gewußt haben mit Sicherheit nahezu alle, Konzentrationslager waren kein Staatsgeheimnis:


    http://de.wikipedia.org/wiki/K…nalsozialistischen_Presse


    Hier ein Foto aufgenommen wohl 1942 bei Lemberg, von meinem Uropa auf Dienstreise für die DAF:


    http://imageshack.us[Blocked Image: http://img177.imageshack.us/img177/9864/lagerfd4.67ff6305ce.jpg][/IMG]


    Die Frage ist, wie ging man mit dem Wissen um, wie gelang es, zunächst bei den Befehlsausführenden, die als Multiplikatoren das Bild der Öffentlichkeit prägten, etwas im Prinzip ethisch Falsches als richtig hinzustellen.


    Quote

    Diese „Reinheit der Idee“ durfte durch nichts korrumpiert werden, nicht durch Parteiintrigen, institutionelle Erstarrung, christliche Rücksichtnahme oder persönliche Sentimentalität. Charakteristisch für diese Haltung sind die in den letzten Kriegswochen geäußerten Forderungen nach einer „heiligen Nüchternheit“ und einer „Überwindung des Menschlichen“, Forderungen, die seit der Übernahme der KZs durch die SS auch im Hinblick auf die Vernichtung der Juden eine Rolle gespielt hatten. Schon in einer der ersten Ausgaben hatte „Das Schwarze Korps“ über die „radauantisemitischen Krawalle“ geschrieben, diese „verbrecherischen Machenschaften“ seien „mit aller Energie“ zu verhindern, damit der Kampf der nationalsozialistischen Partei für die heiligsten Güter der Nation nicht zu „Straßenaufläufen und Sachbeschädigungen umgefälscht“ werde. Auch Reinhard Heydrich, der Chef des Sicherheitsdienstes (SD), hatte in seiner Aufsatzserie „Wandlungen unseres Kampfes“ darauf hingewiesen, daß mit aller Härte gegen Juden vorgegangen werden müsse, ohne dabei Grausamkeit, also Haß und Sadismus, walten zu lassen. Während eigensüchtige oder sexuelle Mordmotive unter Strafe gestellt wurden, sollte eine rein politische Zielsetzung erlaubt sein. So wurde im Zusammenhang mit der Vernichtungspolitik eine Normativität gefordert, um keine Willkür aufkommen zu lassen und einer später zunehmend arbeitsteilig und systematisch ausgeführten Endlösung den Anschein der Rechtmäßigkeit zu geben.


    (...)


    Quote

    Wie angesichts der Greueltaten des Zweiten Weltkriegs Sachlichkeit und Nüchternheit auf perfide Weise als menschliche Tugenden angesehen wurden, zeigt die Reaktion Rudolf aus den Ruthens auf die Deportation der letzten Berliner Juden im Frühjahr 1943. In einem Brief vom 4. März 1943 an den persönlichen Referenten Himmlers, Rudolf Brandt, beschwerte sich der stellvertretende Chefredakteur des „Schwarzen Korps“ über den Ablauf der sogenannten Fabrikaktion. Rudolf aus den Ruthen konnte den Abtransport von seinem Büro aus beobachten, weil die Redaktionsräume in der Zimmerstraße 88 direkt gegenüber dem zum Sammellager IV umfunktionierten ehemaligen Konzerthaus „Clou“ lagen: „Während die Heranbringung durch Lastwagen ordnungsgemäß vor sich ging, wurden die Juden ohne ersichtlichen Grund von einem Mann mit Hundepeitsche verprügelt. Ein Mann der Waffen-SS hatte anscheinend einem Juden einen dicken Handstock weggenommen und schlug nun seinerseits genau so blödsinnig auf Juden ein. Wenn ich Ihnen diesen Vorgang schildere, so deshalb, weil ich glaube, daß es vielleicht einmal gut wäre, intern alle zuständigen Stellen darauf aufmerksam zu machen, daß das mit Humanität oder Gefühlsduselei aber auch nicht das Geringste zu tun hat, wenn verlangt wird, daß jede Amtshandlung, ganz gleich, was geschieht, unter strengster Wahrung der Form zu geschehen hat, gerade in solchen Fällen.“


    (aus: http://www.dalquen.info/leute/gunter1.html)


    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    genau diese Frage habe ich meinen Großeltern auch gestellt.
    Sie sagten, dass sie nichts genaues wussetn, aber geahnt haben sie es, spätestens ab Mitte des Krieges, als Gerüchte darüber im Umlauf waren (sie lebten im Raum Verden auf dem Lande).


    Meine Oma meinte, damals kam die geflügelte Drohung auf: "Sei ruhig, sonst kommst du ins Lager! Und von da kommt keiner mehr zurück!"


    Mein Opa hat im Osten keine Massenerschießungen erlebt, aber er sagte mir, dass sie alle wussten, was mit den Juden passierte. Sie hatten sogar Befehl, sich nicht an Morden und Ausschreitungen zu beteiligen, das sei nicht ihre Sache.


    Auch wenn sie damals sicher nciht die ganzen Ausmaße der Verbrechen kannten, sie haben es geahnt. Viele wollten es aber nicht wissen.


    Mein Onkel sagte, als er in Bergen auf Lehrgang war (Ende 1944) haben sie die Gefangenenkolonnen gesehen, die nachts (nur nachts?) von der Rampe zum Lager getrieben wurden. Und sie sind oft am Lager vorbeigekommen, und, wie er sagte, wurde aus dem Lager in der Kaserne auch kein Geheimnis gemacht.

    Suche alles zur 2. Marineinfanteriedivision und zur 5. FallschJgDiv

  • Viele Außenlager waren ja auch innerhalb von Großstädten oder lagen nahe an Städten.
    In Essen z.B. konnte man die Kolonnen von den Außenlagern Buchenwald zur Arbeit ziehen sehen.
    In der Umgebung von Buchenwald gab es Beschwerden über den Gestank aus den Krematorien usw...

    Glück Auf!
    "Basil"


    "Ich bin ein Egoist und kümmere mich nicht um andere?. Sogar behinderte Delphine kommen zu mir, um mit mir zu schwimmen" (Stromberg)

  • Man darf doch hier nicht alles durcheinanderwerfen. Der Thread wurde mit Vernichtungslager eröffnet. Daraus das es KZ gab im Sinne von sog. Arbeits-,Straf-oder Umerziehungslagern in Deutschland haben die Nazis schon allein zur Abschreckung gar kein Geheimnis gemacht. Im Gegenteil, Dachau z. B. war als eine Art „Musterlager“ allg. bekannt, und nicht nur durch viele Sozis und Kommunisten die in den 30ern da einsaßen und wieder entlassen wurden.


    Das hat aber nichts mit den Vernichtungslagern zu tun, die bekanntlich nicht in Deutschland waren und auch erst ab 1942 anliefen. Hier dürfte die Kenntnis darüber und vor allem über den Verwendungszweck schon sehr gering gewesen sein, selbst unter Insidern. Denn auch hier überwog ja nach außen hin der Charakter eines Arbeitslagers. Die Massentötungen von Juden begannen zudem auch erst zum Ende des Krieges hin.


    Man muß weiterhin zwischen Deportation und Vernichtung trennen. Auch daraus das die Nazis beabsichtigten, die Juden aus der Öffentlichkeit zu entfernen, wurde ja kein Geheimnis gemacht. Die Deportationen der dt. Juden, die Ende 1941 begannen und sich bis 1943 hinzogen, ließen sich ja auch nicht verheimlichen. So wie ich es von älteren Menschen gehört habe hieß es damals, die werden „weggebracht“. Und auch hier nahm man an, daß es um Arbeitslager ging. Was ja bis 1942/43 auch durchaus zutreffend war. Wer konnte sich überhaupt die Dimension von VL vorstellen? Selbst aktive Hitlergegner in durchaus wichtigen Positionen glaubten Gerüchte über so etwas nicht, weil sie sich so etwas auch gar nicht vorstellen konnten. Man sollte auch mal bedenken, daß auch die Alliierten Berichten über die VL zu einem Zeitpunkt als diese bereits auf Hochtouren liefen so zunächst keinen Glauben schenkten und nicht einmal ihren eigenen Luftaufnahmen trauten. Nicht zuletzt war das Thema selbst dt. Militärs oder anderen Personen aus dem engsten Umfeld Hitlers nicht bekannt, weil dieses Thema tabu war und blieb. Was war also zum Thema VL dem "einfachen Zivilisten" ohne große Systemnähe oder zumindest gewisse Positionen im Apparat möglich?


    Und selbst heute mit dem vielfältigen Wissen darüber, fällt das Begreifen dieser Dimension schwer. Was will man also den Menschen damals unter dem Druck der Bespitzelung, der Pflicht zur strengen Geheimhaltung schon auf einfachsten Gebieten des tägl. Lebens u. a. Dingen in einer Diktatur und der strengen Geheimhatltung der Nazis zumThema VL an tatsächlichem Wissen zumuten?


    Zum anderen muß man sicher auch demographisch unterscheiden. Die Landbevölkerung wird deutlich weniger mitbekommen haben als vor allem Menschen in Großstädten oder Ballungsgebieten, in denen natürlich weit mehr Juden wohnten als auf dem Land. Wie gesagt, hiermit ist die Deportation gemeint.


    Man sollte auch nicht ständig versuchen, Gerüchte mit Wissen oder Wissenmüssen zu verwechseln. Gerüchte sind Gerüchte, man kann sie glauben oder nicht, deshalb kann man aber nicht daraus folgern, nur weil es Gerüchte gab, hätten oder haben die Menschen vom Schicksal der Juden wissen können oder gar wissen müssen.


    Im Sinne des Themas des Threads denke ich, daß man hier eben zwischen dem Wissen um Deportation und Vernichtung trennen muß. Daß die Juden „verschwanden“ war allg bekannt, wohin und was mit ihnen geschah, nur einem kleinen Kreis direkt Involvierter, die sich wohl auch zumeist an die strenge Geheimhaltung auch aus Gründen der eigenen Sicherheit gehalten haben dürften.

    Edited 5 times, last by Hoth ().

  • Hallo!


    Mein Zeitzeuge hat mir mal erzählt, dass nach jedem Flugplatz-Bombardement „KZ-Häftlinge“ zum ’Blindgänger-Aufspüren’ losgeschickt wurden, mit primitivsten ’Hilfsmitteln’. Meine konstatierte Reaktion: „Das waren doch ’Himmelfahrtskommandos’?“ tat er fast lächelnd mit ’ner Bemerkung ab wie: „Wir lebten alle gefährlich – Krieg ist nun mal lebensgefährlich, im nächsten Augenblick konnte doch jeder tot sein…“


    Er hat mir auch mal erzählt, ab wann er definitiv wusste, dass es Massen-Tötungen gab [nachtr.Anm.: ab Sommer 1943]; allerdings handelte es sich dabei nicht um „Lager“.
    _______
    P 8)TAK

    Wer verurteilt kann irren – wer verzeiht irrt nie.

    Edited once, last by *AK* ().

  • Man darf doch hier nicht alles durcheinanderwerfen.
    --Nein, das darf man nicht. (Siehe mein Posting) Der Begriff KZ/KL hat aber versch. Bedeutungen gehabt.


    Der Thread wurde mit Vernichtungslager eröffnet.
    -- Nein mit "Vernichtungslager usw." und mit dem Begriff KZ


    Hier dürfte die Kenntnis darüber und vor allem über den Verwendungszweck schon sehr gering gewesen sein, selbst unter Insidern.
    -- Das bezweifle ich. Guck doch mal z. B. auf die Seite von Topf und Söhne. Und die waren nur eines von vielen Unternehmen, die KZ belieferten.


    So wie ich es von älteren Menschen gehört habe, hieß es damals, die werden „weggebracht“. Und auch hier nahm man an, daß es um Arbeitslager ging.
    -- Nahm man an oder wollte man annehmen? ;)


    Wer konnte sich überhaupt die Dimension von VL vorstellen?
    -- Was war mit denen, die es gesehen haben? ich verweise wieder exemplarisch auf oben (T+S)


    Nicht zuletzt war das Thema selbst dt. Militärs oder anderen Personen aus dem engsten Umfeld Hitlers nicht bekannt, weil dieses Thema tabu war und blieb.
    --???? Spätestens nach der Posener Rede war doch allen klar, worum es ging!


    Was war also zum Thema VL dem "einfachen Zivilisten" ohne große Systemnähe oder zumindest gewisse Positionen im Apparat möglich?
    -- Guck doch mal in den Welzer.


    Und selbst heute mit dem vielfältigen Wissen darüber fällt das Begreifen dieser Dimension schwer. Was will man also den Menschen damals unter dem Druck der Bespitzelung, der Pflicht zur strengen Geheimhaltung schon auf einfachsten Gebieten des tägl. Lebens u. a. Dingen in einer Diktatur und der strengen Geheimhatltung der Nazis zumThema VL an tatsächlichem Wissen zumuten?
    -- Einer Bewertung sollten wir uns enthalten, das steht uns nicht zu!




    Im Sinne des Themas des Threades denke ich, daß man hier eben zwischen dem Wissen um Deportation und Vernichtung trennen muß. Daß die Juden „verschwanden“ war allg bekannt,
    -- und du meinst, es hat sich keiner Gedanken gemacht, wohin und wie es denen dort ging? das glaube ich nicht. Aber es geht wieder ums "wollen".



    wohin und was mit ihnen geschah nur einem kleinen Kreis direkt Involvierter, die sich wohl auch zumeist an die strenge Geheimhaltung auch aus Gründen der eigenen Sicherheit gehalten haben dürften.
    ---- Wie schon gesagt, Buchenwald und auch Ausschwitz hatte "Probleme" mit dem Gestank aus den Schornsteinen und der Reaktion der Nachbarschaft..



    Weitere Stichwort zur angeblichen "Geheimhaltung":
    - T 4, Gahlen usw.


    http://de.wikipedia.org/wiki/H…stkenntnis_von_Zeitzeugen

    Glück Auf!
    "Basil"


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    Edited 2 times, last by basil ().

  • Du kannst doch bezweifeln wie und was Du willst. Du weißt DIE Wahrheit genauso wenig wie jeder andere hier.


    Und T+S sind für mich überhaupt kein Beleg für ein Wissen quer durch die Bevölkerung, sondern nur dafür was völlig unstrittig ist. Das es einige direkt Involvierte gab, auch einige wenige zivile, die davon wußten, nicht mehr und nicht weniger. Einen Schluß auf Wissen im Gesamtvolk läßt das ja wohl nicht zu. Mal davon abgesehen, daß zumindest ich nicht annehme, daß die gesamte Firma nebst letztem Laufburschen zur Thematik konkret bescheid wußte, sondern nur der kleine Teil direkt Beteiligter. Der Link zur Ausstellung nennt konkret 2 Leute der Firma die unmittelbar mit der SS zusammenarbeiteten. Auch vor Ort.


    Insofern ist auch der Hinweis auf die Posener Rede im Bezug dazu was die Bevölkerung wissen konnte seltsam. Mir ist nicht bekannt, daß diese Rede im Radio der Bevölkerung zu Ohren kam. Der kleine Kreis der dort "speziellen" Anwesenden hat weiterhin nichts mit dem Kreis zu tun den ich meinte. Was soll also "ALLEN" klar gewesen sein und wer ist ALLE? Die Bevölkerung jedenfalls nicht.


    Und auf Deine Andeutung des kollektiven Nichtwissenwollens noch kurz einzugehen, was sollte denn Deiner Meinung Jemand tun, der nun tatsächlich wissen wollte, was mit dem angeholten jüdischen Nachbarn geschieht? Zur nächsten NSDAP-oder Polizeidienststelle gehen und mal nachfragen? Man sollte also mit solchen Pauschalisierungen sehr vorsichtig sein.

    Edited 2 times, last by Hoth ().

  • Vielen Dank an alle. die bisher auf meine Frage geantwortet haben. Allerdings muß ich feststellen: Es war "noch" kein Veteran darunter.Vielleicht meldet sich ja doch noch einer. Ich weiß um die Brisanz dieses Themas, aber diese Frage beschäftigte mich schon länger:
    MfG Joachim

  • Hallo Hoth!
    Gerade du müsstest doch wissen, dass ich großen Wert darauf lege NICHT zu pauschalisieren.
    In einem Wiki Artikel ist die Rede von über 300 tsd. involvierten Personen, sprich 300 tsd. mögliche Multiplikatoren!
    Da ich aber nicht vermuten möchte, sollte sich vielleicht nochmal huba melden, der das Buch von Longerich bestens kennt!?
    T+S ist aber nur ein Beispiel für eine Fremdfirma, davon gab es viele. Auch in T+S wurde geredet, es gab Schriftverkehr, Personal "vor Ort" usw...


    Die Posener Rede bezog sich konkret auf deine Aussage:

    Quote

    Nicht zuletzt war das Thema selbst dt. Militärs oder anderen Personen aus dem engsten Umfeld Hitlers nicht bekannt, weil dieses Thema tabu war und blieb.

    Glück Auf!
    "Basil"


    "Ich bin ein Egoist und kümmere mich nicht um andere?. Sogar behinderte Delphine kommen zu mir, um mit mir zu schwimmen" (Stromberg)

    Edited once, last by basil ().

  • Quote

    Original von joachim schulz
    Vielen Dank an alle. die bisher auf meine Frage geantwortet haben. Allerdings muß ich feststellen: Es war "noch" kein Veteran darunter.Vielleicht meldet sich ja doch noch einer.


    Stell die Frage doch mal im Veteranenstammtisch!

    Glück Auf!
    "Basil"


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  • Mein Zeitzeuge (1913-2003) hat mir mal erzählt … sinngemäßes Zitat: „Wir lebten alle gefährlich – Krieg ist nun mal lebensgefährlich, im nächsten Augenblick konnte doch jeder tot sein…“
    Allerdings muß ich feststellen: Es war "noch" kein Veteran darunter. Vielleicht meldet sich ja doch noch einer.
    Ich, P-TAK habe also den Zeitzeugen sprechen lassen; er kann es seit bald 5 Jahren nun nicht mehr. Aber ich habe schriftliche Aufzeichnungen, Video und Audio-Kassetten; darauf stütze ich mich – ich selbst habe hier in diesem Thread nicht „gesprochen“.


    Soll ich mich lieber zurückhalten?
    Gruß P 8)TAK

    Wer verurteilt kann irren – wer verzeiht irrt nie.