Staatliche Hilfen für Bombenopfer

  • Hallo zus.


    bei der jetzigen Flutkatastrophe und den nun anlaufenden staatlichen Hilfen für Betroffene

    habe ich mich gefragt, ob die damalige Reichsregierung für Bombengeschädigte auch Wiederaufbauhilfen geleistet hat.


    Als 1939 erste Bomben auf Deutschland fielen und der Reichmarschall "Meier" zugeben musste dass er mit seiner Luftwaffe

    nicht in der Lage war das zu verhindern kann ich mich an etliche zeitgenössische Berichte in Illustrierten u.Zeitungen erinnern

    wo großzügige Hilfe für die Bombenopfer anlief. NSV und DRK gaben Essen, Bekleidung, Decken usw. aus.

    Betroffene kamen in Notquartiere und eine Welle der Hilfsbereitschaft der Bevolkerung setzte ein.


    Aber wie schaute es in den ersten Jahren 1939-41 mit den Wiederaufbauhilfen für zerstörte Wohngebäude aus,

    da sind mir keine Berichte/Ankündigungen in Erinnerung dass die Reichsregierung und die Versicherungen

    Bombengeschädigen Wiederaufbauhilfen versprochen bzw.ausgezahlt hätten.


    Als ab 1942 die Luftangriffe immer heftiger wurden und zehntausende von Wohngebäuden in Schutt und Asche fielen

    war es natürlich utopisch und nicht mehr umsetztbar, das ist klar.


    Vielleicht hat jemand aus dem Forum was dazu.


    Viele Grüße, ZAG

  • Hallo allerseits.

    Ich muss mal nachsehen, ich glaube ich hab noch irgendwelche Bescheinigung über Zahlungen für Bombenschäden an meine Grosseltern. Kleiderkarten etc. für Fliegergeschädigte, hieß das meine ich, habe ich auch noch. Aber das sollte ja soweit bekannt sein. Zudem kann ich heute Abend mal meine Elt fragen.

    Grüße Uwe

  • Moien,

    in Trier wurden die am 1. April 1943 bei einen Tiefangriff britischer Mosquito-Bomber zerstörten Häuser (drei oder vier) wieder komplett auf Staatskosten aufgebaut.

    h.

  • Guten Tag ans Forum,


    staatliche Hilfen an Bombenopfer waren natürlich gesetzlich geregelt.

    Um sich eine Erstübersicht zu verschaffen, füge ich mal einen Link zur entsprechenden "Kriegssachschädenverordnung" bei: https://de.wikipedia.org/wiki/…achsch%C3%A4denverordnung


    In diesem Artikel ergeben sich weitere Recherchehinweise.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Tag allerseits,


    die "Kriegssachschädenverordnung" des NS-Staates funktionierte im Bombenhagel der letzten Kriegsjahre kaum noch. Es ging nur noch darum, die Bombengeschädigten mit dem

    Nötigsten zu versorgen und sie anderweitig unterzubringen.


    Das in der Nachkriegszeit geschaffene Lastenausgleichsgesetz versuchte auch die im Bombenkrieg entstandenen Schäden festzustellen und zu begleichen. Ein typisches Beispiel:

    die Hausratsentschädigung für Betroffene des Bombenkrieges. Das LAG erbrachte bis Ende 1982 Leistungen in Höhe von 115 Mrd. DM. Damals waren die Entschädigungsleistungen

    noch immer nicht restlos abgeschlossen. In dem genannten Betrag sind als "großer Brocken" auch die sog. Vertreibungsschäden enthalten.


    Grüße

    Bert

  • Hallo zusammen.

    Komme gerade von meinen Eltern. Mutter ist da sehr redsam wenn man etwas erfahren will. Oder erzählt zwar immer die selben Geschichten, wenn ich aber merke das ihr das zu nahe geht höre ich auf. Papa muss man schon überlisten, meistens kommt immer : ich kann mich nicht erinnern, oder ich will von dem Mist nix mehr hören. Gibt immer schlechte Laune zwischen den beiden. Das ein wenig OT. Also, Mutter meinte, nach dem Bombenangriff im Oktober 1944 der über Duisburg zwei Tage dauerte, gab es für sie als Totalgeschädigte zwei mal 500 Mark. Im Jahr 1942 wurden nur eine Wand von innen neu verputzt. Ob es da noch Geld für Schäden am Inventar gab weiß sie nicht mehr. Für die Bezugscheine für Bombengeschädigte , die ich heute teilweise noch habe, gab es natürlich nichts. Es war halt nichts da. Da die Sirenen am zweiten Tag nicht mehr funktionieren, wurden sie von der nächsten Welle überrascht und schafften es nur bis in den Keller, und verließen diesen über das Nachbarhaus. Das einzige was gerettet wurde war das was sie am Laib trugen.


    Papa weiß natürlich nichts. Das war mir eigentlich klar.


    Ich gucke gleich mal in den alten Unterlagen im Keller, die ich dann wohl in einen der oberen Etagen lagern werde.


    Grüße

  • Tag allerseits,


    der Uwe kann natürlich noch die Frage stellen, was die Eltern an Leistungen nach dem LAG bekamen. Das wäre sicherlich interessant.


    Grüße

    Bert

  • Hallo zus.


    danke für euere Beiträge.


    Über jahrzenhte sind mir vieleierlei Nachlässe untergekommen, darin natürlich auch

    Fliegergeschädigtenausweise, Umsiedlung usw. usw. auch manchmal detaillierte Auflistungen von Hausrat, bereits im Kriege erstellt

    und dann beim Lastenausgleich eingereicht. Aber mir ist nichts in Erinnerung was wirklich durchgeführte Wiederaufbaumaßnahmen

    von Bombegeschädigten Privathäusern während des Krieges dokumentiert hätte.

    Auch bei Fotos kenne ich nur sehr viele Nachkriegsaufnahmen von Wiederaufbaumaßnahmen von Ruinen oder von Grundauf.


    Nach dem wiki-Artikel soll es ja bis mitte 1944 per Gesetz staatlich Unterstützt durchgeführt worden sein, was mich erstaunt.

    Selbst wenn Zahlungen erfolgten, was ich mir auch nicht durchgängig vorstellen kann, wie hätten die Geschädigten es machen sollen?

    Der großteil der Männer war ja bei der Wehrmacht, oder in kriegswichtigen Betrieben, dazu auch sehr viele Frauen.

    Die vielen Bauten der Wehrmacht überall in Europa verschlangen verfügbares Baumaterial und Arbeitskräfte.

    Wie sollten da bei besten Willen zerstörte Privathäuser während des Krieges wieder aufgebaut worden sein.?

    Dazu das Risiko, dass ein wieder aufgebautes Haus beim nächsten Luftangriff wieder zerstört worden wäre.

    Notdächer und solche Aushilfsmaßnahmen wurden bestimmt gemacht.


    Vielleicht kommt ja noch was.

    Vielen Dank schon mal

    Grüße, ZAG

  • Moien,

    in von mir geschildertem Fall war es die Firma Holzmann aus Frankfurt. Da sie eh in der Stadt mit Luftschutzbauten-Errichtung beauftragt war, bekam sie auch den Wiederaufbau zu gewiesen. Das Personal bestand aus deutschen Fachkräften und z.T. niederländischen Fremdarbeitern. Wahrscheinlich waren auch frz. Kriegsgefangene aus dem StaLag XII mit eingebunden. In meiner Heimatstadt wurden während des Krieges 67 Luftschutzbauten errichtet, eine erstaunliche Anzahl für eine Stadt mit nur ca. 80.000 Einwohnern.

    h.

  • Wie sollten da bei besten Willen zerstörte Privathäuser während des Krieges wieder aufgebaut worden sein.?

    Dazu das Risiko, dass ein wieder aufgebautes Haus beim nächsten Luftangriff wieder zerstört worden wäre.

    Notdächer und solche Aushilfsmaßnahmen wurden bestimmt gemacht.

    Tag allerseits,


    es gab während der letzten Kriegsjahre derartige Materialprobleme, dass ein Wiederaufbau bombenzerstörter Häuser in aller Regel nicht durchführbar war.


    Als in den letzten Kriegsmonaten in dem damaligen Haus, in dem wir wohnten, durch den Luftdruck anlässlich von Fliegerangriffen, Fensterscheiben zu Bruch gingen, gab es keinen Ersatz in Form von Glasscheiben.

    Presspappe wurde von einem Glaser eingebaut. Auch die Fenster der damaligen Personenwagen der DR waren teilweise ebenfalls mit Presspappe "nachgerüstet".


    Und wenn Häuser zerstört waren, dann zogen manche Bewohner in die Kellerräume und wohnten dort oft noch Monate nach Kriegsende.


    Grüße

    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Nach dem wiki-Artikel soll es ja bis mitte 1944 per Gesetz staatlich Unterstützt durchgeführt worden sein, was mich erstaunt.

    Halo ZAG,


    ich hatte vor 30 Jahren ca. 30 lfd.m Akten verzeichnet, die allesamt mit der Regulierung der durch die "Terrorluftangriffe" entstandenen Schäden zu tun hatten. Es wurden Angaben zum Ort, Art und Umfang der Schäden gemacht. Es wurde auch die Frage nach Neupreis und Alter des geschädigten Gegenstandes gemacht. Bei den Volltreffern wurden gerundeten Beiträge eingetragen.


    Die umfangreichere Akten enthielten nicht zwingend größere Schäden. Die dickste Akte enthielt den Schriftwechsel eines "alten Kämpfers" mit den Behörden und mit der sich dazu gesellten NSDAP-Kreisleitung. Bei dem Schaden handelte es sich um einen zerbrochenen Glas und um eine darin befindliche Zahnbürste im Wert von 1,50 RM. Es wurden gegenseitig Vorträge über die Rolle und Bedeutung des Kampfes im Jahr 1944 gehalten, es wurde mit den Zitaten von höchsten "Führer" argumentiert... Schließlich wurde auch dieser Fall positiv beschieden, obwohl der Ort des Geschehens ca. 1,5 km von einem Bombeneinschlag lag.


    Für mich war damals nur eine Frage interessant - wo überhaupt im Stadtgebiet die Bomben fielen. Danach erstellte ich einen Stadtplan, der bei den Investoren und Planer Anfang der 90-er Jahe sehr gefragt war.

    Gruß Viktor

  • Hallo zus,


    danke für Euere Beiträge. Ja, das habe ich auch vermutet, mit der Materialknappheit und konzentration auf Luftschutz, Verteidigungs und Rüstungsbauten.

    Zerstörte Privathäuser waren da nicht in der Dringlichkeit.


    Viktor: das ist in der tat Interessant, waren bei diesen Akten auch welche aus Kriegszeiten, oder waren dies alle diese Nachkriegs Lastenausgleichs-Abwicklungen?

    Der braune Bonze sollte sich was schämen, was er sicherlich ganz anders sah.


    Gerade bringen sie im Fernsehen berichte über Plünderer im Katastrophengebiet, auch das gab es damals wie heute, wie man sieht.

    Ich glaube im Museum Stammheim haben wir ein Original-Pappschild "Wer plündert wird erschossen!" - ganz nach damaliger Verfahrenweise.......

    Da muss ich morgen mal nachschauen.


    Danke Euch,

    Grüße,ZAG

  • waren bei diesen Akten auch welche aus Kriegszeiten, oder waren dies alle diese Nachkriegs Lastenausgleichs-Abwicklungen?

    Hallo ZAG,


    das waren alles Akten aus der Zeit unmittelbar nach den Luftangriffen, also im konkreten Fall von 1944. Es waren die Akten der Finanzverwaltung der Stadt, aber heute nach über 30 Jahren kann ich nicht genau sagen. Es wäre aber durchaus möglich, dem Archiv, wo ich damals tätig war ein Besuch abzustatten.


    Dieser Bestand hat aus unerklärlichen Gründen die Zeit überlebt, genauso, wie ein Konvolut aus den Aufsätzen der 5-klässler zur Rolle des 1. Mai in der Geschichte Deutschlands aus dem Jahr 1935... Man kann sich vorstellen, was dort zu lesen war!

    Gruß Viktor

  • Guten Abend,


    nach einem Luftangriff auf Bielefeld im November 1944, wurde einem Bauer, der auch Schafe züchtete,

    eine Entschädigung für seine durch Bomben durchpflügte Weideflächen gewährt.

    Ein anderer Bauer bekam keine Entschädigung, weil er die Kartoffelsaat noch nicht ausgebracht hatte.

    Ziel war das Panzerreparaturwerk in Bielefeld - Oldentrup


    Quelle: Liegenschafts - und Katasteramt Bielefeld


    PS: Luftkriegsschäden mit Toten mussten dem Interministeriellen Luftkriegsschadenausschuß gemeldet werden.

    PS1: ich hab einen älteren Thread gefunden, der sich mit Versicherungsschäden im Bezug auf Luftkriegsschäden beschäftigt

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

    Edited 3 times, last by Gerd Wolf ().

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für Euere Beiträge, die Dokumente mit Schadenersatz für Hausrat, die erstaunlichen Akten,

    und den Hinweis auf den älteren Beitrag bez.Versicherungsregulierung.


    Könnte ich also für mein Verständnis zusammenfassend daraus schließen, dass es bereits während des Krieges

    staatliche Unterstützung für Bombenschäden gab, vor allem für Hausrat, in Reichsmark ausgezahlt.


    Dass es aber nicht oder kaum tatsächlich wiederaufgebaute Gebäude (mit Hilfe dieser Auszahlungen) während des Krieges gab,

    was am Mangel an Baumaterial und Arbeitskräften lag.


    Danke nochmals

    Grüße, ZAG

  • Hallo,


    es wurden auch Behelfsheime geplant. Ob sie in nennenswertem Umfang auch gebaut wurden, weiß ich nicht.

    Hier ein Artikel "Gestaltung und Ausführung des Behelfsheimes" aus

    "Der Wohnungsbau in Deutschland" vom Januar 1944:

    https://dlibra.bibliotekaelbla…37-1943-1944_44_09-10.pdf


    Viele Grüße

    Bernhard

  • es wurden auch Behelfsheime geplant

    Moin Bernhard,


    die von dir gezeigten Projekte haben vermutlich nicht viel mit Schadenregulierung zu tun. Diese kenne ich sowohl als provisorische Sommer-KiGa und als Verwaltungsgebäude. Die Kriegseinheitstypen wurden anscheinen bis weit in die 70-er Jahre in der DDR gebaut worden zu sein. In so einem unter der Bezeichnung "Typ Berlin" saß ich 12 Jahre lang.

    Gruß Viktor

  • Hallo zusammen,


    ich kann die vorhergehenden Beiträge insoweit ergänzen, dass eine Reparatur bzw. vollständige Instandsetzung eines Gebäudes während des Krieges in aller Regel, zumindest bei privaten Gebäuden, nicht erfolgte.


    So hat es meine Großmutter jedenfalls erzählt, nachdem das Dach des Hauses Mitte 1944 durch Fliegerbomben schwer beschädigt wurde. Es wurde, aus den bereits genannten Gründen, insbesondere der Sorge vor weiteren Beschädigungen nur behelfsmäßig repariert und gesichert. Eine Entschädigung wurde weder angeboten, noch hätte mein Großvater sie angenommen.


    Erstaunlicherweise erfolgte der Reparaturauftrag bereits am 8. April 1945 an eine ortsansässigen Firma, nachdem amerikanische Truppen am 26. März 1945 die Gegend erreicht hatten.


    Viele Grüße

    Nicco

  • Tag allerseits,


    als der Großraum Augsburg im April 1945 von den US-Truppen besetzt wurde, begannen Teile der deutschen Bevölkerung die Kasernen und ein Verpflegungsamt der Wehrmacht zu plündern.

    Die US-Truppen waren in den ersten Wochen gar nicht sonderlich interessiert, alle Kasernen zu beziehen. Und so konnte die deutsche Zivilbevölkerung alles klauen, was mitnehmbar war: Vom Feuerlöscher, bis zum Marmeladeeimer. Das ging tagelang so. Und letztendlich stiegen die wackeren Zivilisten sogar auf die Kasernendächer und begannen sie großflächig abzudecken. Dann endlich griff die MP der US-Truppen ein.

    Und damit war das Klauen beendet.


    Grüße

    Bert