Feldpostnummer 20430 AC - Heeres-Waffenamt Frankreich Versuchs-Abteilung 7

  • Ich grüße alle interessierten Forumsteilnehmer, Moderatoren und anderweitig interessierte.


    Wie aus meinen bisherigen Beiträgen bereits hervorgeht, versuche ich im Rahmen der Familiengeschichte die Kriegserlebnisnisse meines Großvaters zu rekonstruieren. Da er Mitglied der Abwehr II in Frankreich war, ist dies nicht ganz einfach. Die Geheimhaltung macht eine Nachverfolgung oft schwierig. Im Jahr 1943 hat er mehrere Feldpostnummern in seinem Briefwechsel mit seinen Eltern verwendet, unter anderem die "20430 AC". Lt. Angaben des "Lexikons der Wehrmacht" gehört diese Feldpostnummer im betreffenden Zeitraum zur "OKH-Heeres-Waffenamt Frankreich Versuchs-Abteilung 7".


    Briefe und Personalunterlagen geben zu diesem Thema leider nichts her. Daher bitte ich alle, die etwas zur "OKH-Heeres-Waffenamt Frankreich Versuchs-Abteilung 7" beitragen können, um Mitarbeit. Was war das für eine Abteilung? Mit welchen Aufgaben war sie betraut? Ich habe schon Internet-Suchen durchgeführt und auch im Bundesarchiv recherchiert, jedoch nichts konkretes finden können? Kann mir hier jemand weiterhelfen? Die Hilfestellung muss kein "fertiges" Ergebnis sein, ich wäre schon dankbar für Tipps, wo ich Informationen zu dieser Abteilung bekommen könnte. Oder könnte es sich auch nur um eine "Fake"-Feldpostnummer handeln, die aus Geheimhaltungsgründen mit einer nicht existierenden Abteilung bezeichnet wurde?


    Ich wäre für jede Art von Hilfe zu diesem Thema dankbar. Irgend jemand hat doch bestimmt einen Hinweis... Danke schon mal im voraus!

  • Danke für den Link Eumex,


    jedoch führt mich die Archivtektonik wieder nur zu den von mir im Ausgangspost bereits verlinkten Quellen. Dort findet sich zwar viel allgemeines zum Heereswaffenamt, was ich bereits gelesen habe, jedoch habe ich keinerlei Stellen über eine "OKH-Heeres-Waffenamt Frankreich Versuchs-Abteilung 7" gefunden. Selbst weniger spezifische Informationen, etwa allgemeinere Angaben zu Projekten des Heeres-Waffenamtes in Frankreich konnte ich nicht finden. Im Grunde widerspricht es ja auch der Aufgabe des Waffenamtes. Die Entwicklung neuer Waffen, die Erprobung und Beschaffung waren auf "Reichsgebiet" besser geheim zu halten. Warum also eine solch sensible Aufgabe im besetzten Frankreich durchführen, wo eine Geheimhaltung deutlich erschwert war?


    Auch wenn ich bislang noch nicht weitergekommen bin, bedanke ich mich nochmal ausdrücklich für Eumex' Hilfe. Es ist halt problematisch mit den Geheimdiensten, da es in deren Natur liegt, wenig nach außen dringen zu lassen. Vielleicht ist es ja tatsächlich nur eine Tarnadresse, um den wahren Empfänger zu verschleiern. Jedoch würde ich ja dann eher "Feldbäckerei 234" oder ähnliches nehmen, da es für gegnerische Informanten uninteressanter ist, als "OKH-Heeres-Waffenamt Frankreich Versuchs-Abteilung 7". Da guckt man doch als SOE-Agent oder Résistance-Späher doch gleich noch mal genauer hin.


    Die einzig mir bekannten Informationen, bei der neue Waffentechnik in Frankreich erprobt wurde, waren die V1-Anlagen. Dazu gibt es reichlich Informationen, insbesondere in Kombination mit der Abwehrstelle Arras (Sorry, das ich ausgerechnet Wikipedia verlinke). Aber das ist alles deutlich später, ab Ende 1943. Da wurde die Feldpostnummer "20430 AC" bereits wieder gestrichen. Den Zeitraum, den ich meine, ist das 2 und 3. Quartal 1943. Leider wieder keine Spur. Aber vielleicht hat ja jemand noch den entscheidenden Hinweis.

  • Hallo


    Lt. der VBL des DRK war die FP 20430 auch der Propaganda-Staffel Südwest zugeteilt.

    Ist vllt. noch ein Ansatz Nov./Dez. 42 - Juli 43 - (Propaganda-Staffel Südwest.- Kriegsstärkenachweisungen, 1. Nov. 1942, 1. Dez. 1942 und 20. Juli 1943) - link


    Grüße Thomas

  • Hallo Wiesmeier,

    Quote

    Es ist halt problematisch mit den Geheimdiensten, da es in deren Natur liegt, wenig nach außen dringen zu lassen. Vielleicht ist es ja tatsächlich nur eine Tarnadresse, um den wahren Empfänger zu verschleiern. Jedoch würde ich ja dann eher "Feldbäckerei 234" oder ähnliches nehmen, da es für gegnerische Informanten uninteressanter ist, als "OKH-Heeres-Waffenamt Frankreich Versuchs-Abteilung 7". Da guckt man doch als SOE-Agent oder Résistance-Späher doch gleich noch mal genauer hin.


    Tarnadresse ist eine Möglichkeit aber ich in den Jahren festgestellt das die Kreativität in der Beziehung sehr in Grenzen gehalten hat.

    Weil alles seine "Ordnung" haben musste wurden schon mal schöne große Schilder gemalt und die Bezeichnung gut sichtbar neben der

    Tür platziert. ...man war ja Zuhause und wollte gefunden werden. Hinzu kam noch das die Anzahl der "Verwaltungsdienstellen" ziemlich umfangreich

    war das viele Köche etwas zusammen gerührt haben das sehr "Bauchnabel-Zentriert" war.


    Ich habe feststellt das der Weg über die Funktion am "schnellsten "Licht" in die Sachen bringt.


    Das soll nicht heisen das tarnen und verschleiern nicht betrieben wurde. Ein Beispiel Oberst Max Wachtel, Kdr. der Flak-Regimentes 155(W) V 1 Erprobung und Einsatz

    trug zur Verschleierung Uniformen des Heeres und der Organisation Todt

    Gruss Dieter

  • "OKH-Heeres-Waffenamt Frankreich Versuchs-Abteilung 7"

    Moin Wiesmeier,

    auf dem Gebiet des 2.WK bin ich eher Laie, würde aber trotzdem mal eine Vermutung wagen, aufgrund meiner Erfahrungen im Studium des 1. WK. Sowohl im 1. WK als auch im 2. WK kam ja nach der militärischen Besatzung die Ausbeutung ziviler und militärischer Resourcen des Feindes und die Verwendung dieser für eigene Zwecke. In diesem Sinne könnte ich mir vorstellen, dass die in Frankreich verortete Versuchsabteilung 7 des Waffenamtes damit beschäftigt war Waffenentwicklungen des französischen Militärs aufzuspüren, zu evaluieren und bei festgestelltem Nutzen für deutsche Entwicklungen zu verwenden.

    Reine Spekulation, aber eventuell ein Gedanke, dem nachzugehen sich lohnen könnte.

    Gruß,

    JR

  • Recht herzlichen Dank erst einmal für Eure Beiträge!


    Ich war auch nicht faul und habe noch mal weiter recherchiert. In den Akten des Bundesarchives habe ich über eine Online-Recherche das Dokument "RW 5/110 - Abwehrdienststellen im Reich und in den besetzten Gebieten - Auflistung" gefunden. Es hilft mir bei meiner Fragestellung noch nicht wirklich weiter, da es thematisch jedoch gut zu diesem Themenbereich passt, wollte ich es hier zumindest erwähnen. Unter anderem gibt es in diesem Dokument eine Auflistung der Feldpostnummern diverser Abwehrleitstellen, Abwehrstellen und Abwehrnebenstellen. Des weiteren sind Adressen für "Stalags" (Stammlager) für Kriegsgefangene enthalten, nach Charakter des Dokuments ebenfalls mit "Abwehr"-Bezug. Aber Informationsgewinnung durch das Verhör von Kriegsgefangenen gehört offensichtlich zum Werkzeugkasten eines Geheimdienstes. Zusätzlich sind noch die Postadressen der Abwehrstellen im Reich und den eingegliederten Gebieten (Protektorat etc.) zumindest teilweise aufgeführt.


    Wie bereits oben erwähnt, hat das Dokument mir persönlich nicht weitergeholfen, aber eventuell kann ich jemand anderem mit ähnlicher Fragestellung damit helfen.


    Mit freundlichen Grüßen

    Wiesmeier