Fotos "24.6 Tobruk" (Kilometerstein?) vom April 1941

  • Hallo und guten Tag,


    in einem Familienalbum habe ich die letzten Fotos meines am 2.5.1941 vor Tobruk gefallenen Onkels Oskar (Feldpostnummer 02600/C) entdeckt. Er kam am Abend des 14.4.1941 (Ostermontag) nach 65 Stunden auf See von Neapel mit dem Schiff in Tripolis an, und am Abend des 15.4.1941 ging es weiter Richtung Ägypten.


    Am 29.4.1941 schrieb er den letzten Brief nach Hause: "Vor großen Ereignissen schreibe ich euch heute diesen Berief. Wir stehen kurz vor dem Einsatz gegen Tobruk. Wenn dieser Brief euch erreicht, dann ist schon alles vorbei. Bis jetzt hat alles geklappt, und so hoffen wir alle, dass ihr am 1. oder 2. Mai die Sondermeldung hört, dass Tobruk gefallen ist". Wie es tatsächlich ausgegangen ist, hat Oskar nicht mehr erlebt. Ich konnte es im Internet bereits nachlesen.


    Die angehängten Fotos müssen also Ende April 1941 entstanden sein. Der markante Kilometerstein, auf dem Oskar sitzt, zeigt die Aufschrift "24.6 TOBRUK" (oder "24,6 TOBRUK"). Fragen meinerseits:


    Kann man mit dieser Info herausfinden, wo genau das Foto entstanden ist?


    Hat jemand solch einen Stein bzw. ein ähnliches Foto bereits irgendwo gesehen?


    Bedeutet die Aufschrift, dass es noch 24,6km bis nach Tobruk sind?



    Vielen Dank für die Hilfe und viele Grüße, Jörg


    Tobruk 24.6 Bild 1_vkl.jpg


    Tobruk 24.6 Bild 2.jpg


    Ergänzungen:


    ich habe die Fotos mit einem Wasserzeichen versehen. Falls das hier verpönt ist, bitte ich um einen Hinweis.


    Oskar schreibt von seiner Überfahrt am 12.-14.4. von U-Boot-Angriffen und Torpedofliegern. Was mit dem 2 Tage später fahrenden Konvoi geschah, konnte ich hier nachlesen...: https://de.wikipedia.org/wiki/…asse#Verbleib_der_Schiffe

  • Hallo Jörg,


    1. Die Orientierung entlang der Via Balbia anhand der Kilometersteine scheint üblich gewesen zu sein.

    Allgemein bekannt bei den Landsern war das "Weiße Haus" bei KM 31 westlich von Tobruk. Fotos von weißen Haus und dem davor liegenden Friedhof gibt es hier, leider ohne den Kilometerstein:

    Nordafrika: Friedhof am "Weißen Haus"


    2. Die Verluste bei Schiffstransporten von Italien nach Libyen waren 1941 sehr hoch. Einzelheiten über einzelne Transporte findest Du hier, leider aber nicht vom April 1941:

    Schiffstransporte von Italien nach Nordafrika 1941


    Gruß Christa

    Edited once, last by cmzander: Verluste vergessen ().

  • Hallo Jörg,


    Du liegst richtig, der Onkel posiert auf einem "Hektometer-Stein" * für das Erinnerungsbild.


    Wo das Bild entstanden sein könnte, ist schwierig zu sagen, da auf dem Bild keinerlei Landmarken abgebildet sind - nur "flache Ebene"... Verbleibt wohl nur der Abgleich des Vormarschweges der Einheit mit den damals bereits aus der Vorkriegszeit vorhandenen Straßen. ( wer kann hier richtig zuordnen? )


    Herzliche Grüße und viel Erfolg

    Uwe


    (* = Hektometer, da ja der Wert in 100 Meter Differenz angegeben wird.)

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo Jof,


    ein Ogefr. mit Vornamen Oskar der 6./SR 115 stirbt am 2.5.41 durch PAK-Volltreffer.

    Als Todesort wird bei WAST Rasel Medauuar genannt.

    Grablage Soldatenfriedhof Casa Cantomirra.


    Vielleicht hilft das bei der Bestimmung.


    Gruß Roland

    Als ich hätte fragen sollen, war ich zu jung.
    Als ich hätte fragen wollen, waren Sie zu alt.

  • Hallo Eumex,


    ich muss Dich leider korrigieren. Für dem Todeszeitpunkt 02.05.1941 war die FPN mit dem Kennbuchstaben C noch der 7. Kompanie zugewiesen, steht so auch im LdW:


    Feldpost-Nummer : 02600


    (Mobilmachung-1.1.1940) Stab II Infanterie-Regiment 115,

    (28.4.1940-14.9.1940) Stab II u. 5.-8. Kompanie Infanterie-Regiment 115,

    (15.9.1940-31.1.1941) Stab II u. 6.-10. Kompanie Schützen-Regiment 115,

    (27.1.1942-14.7.1942) Stab II u. 5.-8. Kompanie Schützen-Regiment 115,

    (15.7.1942-24.1.1943) Stab II u. 5.-8. Kompanie Panzergrenadier-Regiment 115,

    (25.1.1943-31.7.1943) gestrichen, (Tunis),

    Mit freundlichem Gruß aus dem Norden

    Achim

    In Memoriam: Richard Möller *06.06.1907 MIA 16.01.1945 und Wolfgang Möller *04.02.1936 +11.05.2012

  • Hallo Jof,


    ein Nachtrag.


    Die Grablage könnte auch Casa Cantoniera heißen.

    Das wäre das hier schon erwähnte weiße Haus.

    Im www findet sich eine Beschreibung des Friedhofes.

    Dort mit 18 km vor Tobruk. Am Ende des Einsatzes in

    Nordafrika liegen dort über 4000 Soldaten.




    Gruß Roland

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  • Hallo,


    und vielen herzlichen Dank für die Kommentare. Der Name meines Onkels ist Oskar Fischer, Obergefreiter, geb. 2.11.1917. Vom Grab im Feld (in der Wüste?) gibt es ein Foto, das wohl noch mit seiner Kamera gemacht wurde (die Kamera wurde zurückgeschickt und existiert noch):


    Grab Oskar Tobruk_vkl.jpg


    Er war in der 6. Kompanie, 6. SR 115. Die Einheiten- bzw. Feldpostnummer ist mit 02600/C korrekt. Sie taucht auch auf den offiziellen Schreiben auf, nicht nur auf Oskars Absenderangabe.


    Ich habe einen Brief vom Hauptmann und Kompaniechef (Heinz) Voigt ("Feldeinheit 02600/C) vom 27. Juni 1941 in dem er schreibt: "Ihren Brief vom 18. Juni 1941 habe ich erhalten. Den Heldentod Ihres Sohnes, unseres Kameraden Oskar, habe ich Ihnen in meinem Brief vom 16. Juni 1941 geschildert. (...) Der Nachlass wurde von der Kompanie am 14.6. zum Versandt gebracht. Leider wurde die von Ihnen angeführte Armbanduhr und die Brieftasche nicht mehr bei ihm gefunden. Der Fotoapparat mit 4 Filmen liegt dem Nachlass bei".



    Leider ist der genannte "Brief vom 16. Juni 1941" im (ungeordneten) Nachlass aktuell nicht zu finden, es könnte sein dass die Großeltern ihn eingerahmt hängen oder anderweitig weggelegt haben. Daher kenne ich die Todesursache und die Begleitumstände nicht.


    Von einem Feldpost-Einschreiben, abgestempelt am 7.5.1941 existiert nur der Umschlag.


    Dann habe ich hier noch einen "Zettel" der Wehrmachtauskunfststelle vom 25.8.1941. Hier wird mitgeteilt, dass "die Beurkundung des Sterbefalls beim Standesamt Nieder-Ramstadt in die Wege geleitet worden ist". Das Aktenzeichen der WAST lautet Az.Ref.I. 2/2602/41


    Die Großeltern haben 1960 eine Reise zum Ehrenmal in Tobruk unternommen, organisiert vom VdK. Davon habe ich auch Fotos.


    Vielen Dank nochmals und viele Grüße,


    Jörg



    Ergänzung:


    ein Ogefr. mit Vornamen Oskar der 6./SR 115 stirbt am 2.5.41 durch PAK-Volltreffer.

    Als Todesort wird bei WAST Rasel Medauuar genannt.


    Hallo Roland, der Ort passt genau zu den Ereignissen. Der bevorstehende Angriff auf Tobruk ab dem 30.4.1941, den Oskar brieflich ankündigt, erfolgt bei Ras el Madauar (siehe folgende Karte):


    Einbruchstelle Tobruk 30.4.1941.jpg


    Quelle: https://www.weltkrieg2.de/belagerung-von-tobruk/

    Edited once, last by jof ().

  • Guten Abend Achim,


    scheinbar stimmt die 6./ Kp vom SR 115 doch, siehe Grabkreuz....

    Fehler können passieren , selbstverständlich auch mir....aber Danke fürs aufpassen !


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Hallo zusammen,


    Quote

    der Ort passt genau zu den Ereignissen. Der bevorstehende Angriff auf Tobruk ab dem 30.4.1941, den Oskar brieflich ankündigt, erfolgt bei Ras el Madauar (siehe folgende Karte):

    zur besseren Einordnung und Übersicht eine Overlay. Die rote Linie zeigt ziemlich genau den Radius 24,5 km von Tobruk Zentrum

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    • Tobruk.jpg

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    Gruss Dieter

  • Hallo Jörg


    Hie noch die Daten aus der Gräberkartei


    Name: Oskar Fischer

    Rang: Obergefreiter

    Geburtsdatum: 2. Nov 1917

    Geburtsort Nohfels: Ostmark

    Militärische Einheit: 6 Komp Schützen Regt 115 (mot)

    Sterbedatum: 2. Mai 1941

    Sterbeort: Rasel Medauuar


    Todesursache: Pak Volltreffer


    Bei Bedarf kann ich dir die Gräberkartein per privater Nachricht schicken.


    Gruß Stefan

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    • Bild.jpg

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    Suche alles zu Gerätepark 661 und Sturm-Bataillon AOK 8.

  • Hallo,


    hier eine Karte, aus der zu entnehmen ist, welche Straßen nach Tobruk Kilometersteine und Telegrafenleitungen wie auf dem Bild hatten, da kommt nur die Küstenstraße Via Balbia in Frage.


    http://legacy.lib.utexas.edu/m…a/txu-oclc-6540189-19.jpg


    Müßte südlich Zawiyat al Murassas sein, schade daß es in Libyen kein Streetview gibt.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Jörg


    Auf deine Frage hin ob an diesen Tag noch mehr von dieser Einheit dort gefallen sind

    hier die Funde dazu

    Wie bei Oskar Fischer (Grab 787 ) gibt es auch hier leichte Abweichungen beim Todesdatum in den Gräberkartein

    einmal steht da 1 Mai und dann wieder 2 Mai


    Johann Josef Zimmer, 6/115 Grab 792

    Hans Ebert, 6/115, Grab 794

    Alfred Neuschwender, 6/115, Grab 788, Pakgeschoss Todesort laut Gräberkartei Ras el Medauuar

    Rudolf Brüny, 6/115, Grab 790

    Willi Walker, 6/115, Grab 791, Kopfschuss


    Gruß Stefan

    Suche alles zu Gerätepark 661 und Sturm-Bataillon AOK 8.

    Edited once, last by Heinz1982 ().

  • Guten Abend,


    und nochmals vielen herzlichen Dank für die vielen Informationen.


    Ich habe zwischenzeitlich im (stark unsortierten Nachlass) weitere Dinge gefunden. Z.B. den Feldpostbrief vom 24.4.1941, wo Oskar Bezug auf das Foto nimmt:


    "(...) Wir sind jetzt in Stellung auf Tobruk. Vor meinem Loch steht an der Straße ein Kilometerstein: 24,6 Kilometer bis Tobruk. Weit und breit ist kein Baum oder Strauch zu sehen. Alles nur Sand und Steine. Da wars in Frankreich schöner. Vor uns liegt noch italienische Artillerie. Wir selbst waren noch nicht im Kampf. Wir passen nur auf, dass der Eongländer aus Tobruk nicht ausreißt. Gestern haben wir beim Graben eine Schildkröte und einen Skorpion gefunden. Sonst ist alles langweilig. (...)"


    Gibt es eigentlich von der 6. Kompanie des Schützenregiments 115 Tages- oder Wochenberichte, die öffentlich zugänglich oder ggf. im Internet abrufbar sind?


    Da interessiert mich natürlich von der 6./115 der Zeitraum von etwa 10.4. bis 10.5.1941. Damit könnte ich dann Oskars letzte Tage nachvollziehen.


    Und ich bin im Nachlass auf einen Brief gestoßen, in dem Oskar im April 1942 - also ein knappes Jahr nach seinem Tod - die "Afrika-Erinnerungsmedaille" zuerkannt wird. Aus heutiger Sicht etwas verstörend. Hätten die Eltern diese Medaille nun an das Portraitfoto des toten Sohnes hängen sollen...? Denn gerade war Sohn Nr. 2 eingezogen worden (der hat dann im Januar 1943 den Stalingrader Kessel nicht überlebt).


    Afrikamedaille_vkl_b.jpg


    Danke nochmals für die tolle Hilfe und viele Grüße,


    Jörg