Hat sich der Wehrmachtsstiefel/ Marschstiefel bewährt?

  • Hallo,


    hier im FdW gibt es einige Beiträge, die sich mehr oder weniger mit dem Marschstiefel* der dt. Infanterie befassen, aber


    > welche Erfahrungen gab es im und durch den I. WK ,denn dort wurden auch schon ähnliche Stiefel getragen?

    > Wurden diese Erfahrungen ausgewertet und umgesetzt?

    > Was haben die Soldaten dazu gesagt?

    > Besser Fußlappen oder Socken? ( Beides wurde getragen)

    > Was haben die Sanitäter und Ärzte diagnostiziert?

    > Gibt es medizinische/ wissenschaftliche Berichte/Stellungnahmen/Untersuchungen hierzu?( Einschließlich der leidvollen Trageversuchen im KZ und teilweise, in abgemilderter Form im SS - Straflager Matzkau)

    > Hat sich also der Marschstiefel aus damaliger Sicht bewährt?


    Gruß Karl

  • Guten Morgen Karl,


    ein kleinen Beitrag zu den Stiefeln kann ich aus der Erzählung meines Großvaters beitragen. Dieser war bei den Panzerjägern und hat immer gesagt, dass es ein Vorteil bei den Panzerjägern war, dass sie keine „Knobelbecher“ tragen mussten. Ihm taten immer die Soldaten leid, die damit marschieren mussten.


    Grüsse

    Alex

  • Grüß Gott Karl,


    mein Vater sagte ,,Fußlappen richtig getragen/gewickelt, waren besser als die Socken"

    Beim Knobelbecher waren die Nägel im Winter kälteleitend....


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Hallo Karl,

    Quote from karl

    welche Erfahrungen gab es im und durch den I. WK ,

    1. Mein Vater, Kriegsfreiwilliger 1914 bis 1918, seit 1916 Unteroffizier und Meldereiter an der Somme, bevorzugte bis April 1945 Reitstiefel, mit denen er auch zivil wandern ging.

    Sie waren massgeschneidert. Morgens schlüpfte er -schwup-di-wutt- ohne Schuhlöffel rein. Er zog sie immer mit einem Stiefelknecht aus.

    Manchmal musste ich als Dreikäsehoch dem Vati abends beim Abziehen der Stiefel helfen.

    2. Vermute, dass der Knobelbecher geschätzt wurde, weil man im Alarmfall/Zeitmangel schnell reinspringen und genauso schnell ohne Stiefelknecht wieder rauskam.

    3. Im weiten Schaft steckten manchmal Stiel- Handgranaten. Sah ich in der Wochenschau.

    4. Angeblich hat man drückendes Stiefel-Leder über Nacht mit Urin-Füllung erweicht und an den Fuß angepasst.

    5. Im Gelände schützte der Schaft die Waden vor Gestrüppholz , Schlamm, Wasser und niedrigen Temperaturen.

    Auch der Knöchelschutz beim Hindernis-Übersprung war hilfreich.

    6. Nachteilig war, dass man weder einen lockeren Fuss-Teil noch Wadenschutz einschnüren konnte.

    Kaum Schutz vor Staub und Sand.

    7. Die Nägel erhöhten die Griifigkeit auf unebenen Böden.

    8. Knobelbecher waren mit Schaft schwerer als hohe Schnürstiefel und Gamaschen.

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    Die Luftwaffen-Piloten der Alarmrotte trugen in den 1960er Jahren überhohe Schnürstiefel mit mittigem Reißverschluss von zwei Lederstreifen mit Schnürsenkeln und dicke Kunststoff - Sohlen. mit Fix-Haken. am Schleudersitz.

    Man kam im Alarmfall schnell in die Stiefel.

    Beim Schleudersitz-Ausstieg dämpften die dicken Sohlen den Boden-Aufprall .

    Bei Notwasserung konnte man die Stiefel schnell abschütteln durch Öffnen des Mittel-Reiss-Verschlusses.

    Gruss jostdieter

  • Hallo,


    wenn ich Filme oder Fotos sehe, wo die Soldaten mit den Knobelbechern hüfthoch im Wasser stehen, denke ich immer an meine Blasen, die ich nach nassen Füßen und Socken bekam. Dann längere Zeit darin gehen/marschieren/kämpfen...muss eine Qual gewesen sein, denn die Stiefel liefen ja komplett voll Wasser und wenn dies ausgeleert wurde, war man trotzdem naß. Darum kenn ich auch Bilder, auf denen die Soldaten die Stiefel beim Gewässerübergang in der Hand tragen.


    Ab und zu ging mal ein Nagel aus der Sohle verloren, der dann bei Gelegenheit ersetzt wurde. Trotzdem wundere ich mich, wie lang solche Stiefelnägel in der Ledersohle -mal naß, mal trocken - hielten. Die Nägel waren nicht geschraubt, zumindest in den Stiefeln, die ich gesehen habe.


    Habe hier noch einen alten Beitrag gefunden:


    Genagelte oder Gummisohle ?


    Gruß Karl

    .

  • Tag allerseits,


    viele Infanteristen hatten im 1. Kriegsjahr im Osten teilweise massive Probleme mit ihren Knobelbechern. Es kam bei den strengen Frösten, die im Winter in der UdSSR herrschten, vielfach zu Erfrierungen der Zehen. Dies lag nicht nur daran, dass die Knobelbecher keine warme Fütterung hatten, einer Gründe war auch, dass die Stiefel

    genau nach der vorgegebenen Schuhnummer angepasst wurden. Die Sowjets war da schon etwas besser dran; sie trugen im Winter ihre Filzstiefel, die eine Nummer

    größer angepasst und teilweise mit Zeitungsresten aus der PRAWDA ausgestopft waren.


    Grüße

    Bert

  • Hallo,


    Ingo Petersson: " "Ein sonderlicher Haufen -Sturmbataillon 500" über seinen Aufenthalt im SS - Straflager Matzkau bei Dresden:

    "Die anderen ( Die nicht zum Strafexerzieren eingeteilt waren) wurden zum "Stiefelkommando" befohlen und haben jeder etliche Paar Knobelbecher empfangen...........Die Trillerflöte schrillt, die Männer vom Stiefelkommando winkeln die Arme an und traben los. Immer hübsch im Kreis herum, immer schön im Laufschritt. Die Kameraden an der Front brauchen Stiefel, in denen sie marschieren und stürmen können, Stiefel, die nicht mehr hart sind und nicht mehr drücken.Hier werden sie eingelaufen. Alle paar Minutengellt die Flöte, jeder springt an seinen Stiefelhaufen und zieht ein anderes Paar an. Dann geht es wieter.Die Füße lassen sich diese Behandlung natürlich nicht so ohne weiteres gefallen......"


    ...und im KZ:

    https://www.rnz.de/panorama/ma…mfallen-_arid,186271.html


    Wehrmachtsstiefel


    Hilfe Stiefel


    Gruß Karl.

  • Tag allerseits,


    die Offiziersstiefel, wie unter "Wehrmachtsstiefel" abgebildet, waren alles andere als kriegstauglich. Vor allem die dünnen Ledersohlen waren wasserdurchlässig. Auch

    das Präparieren dieser Sohlen mit Firnis machte sie nicht wasserdicht.


    In seinem letzten Fronturlaub (Ende 1944) ließ mein Vater diese Stiefel in unserer damaligen Wohnung zurück. Er stieg auf "anderes Schuhwerk" um.


    Grüße

    Bert

  • Hallo,


    da zu einem angenehm tragbaren Marschstiefel/Kampfstiefel auch die entsprechende Pflege gehört, soll er sich bewähren, dazu ein paar Worte:


    Reibert: "Der Dienstunterricht im Heere" Auf der gezeichneten Abbildung eines Marschstiefels wird dieser in 2 Kategorien unterteilt:

    1. Schaft und Kappe geputzt

    2. Blatt und Gelenk geschmiert

    Text: "Ledersachen sind mit Holzspan und Bürste zu reinigen und durch häufiges Einreiben mit Lederfett weich zu erhalten ( besonders das Schuhzeug) Dabei wird das Fett mit der Hand in das Leder geroeben ( geknetet).

    Abgelaufene und verlorene Nägel sind sofort nachschlagen, kleine Risse ausbessern zu lassen. Die sorgfältige Beobachtung der kleinster Schäden verlängert die Tragezeit des Schuhzeugs. Das selbständige Nachschlagenvon Schuhnägeln ist verboten.

    Um Schmutz und Schweiß aus dem Schuhzeug zu entfernen, muss es öfter mit einem feuchten Lappen ausgerieben werden.


    Leibriemen, Patronentaschen, Seitengewehrtasche, Tornisterriemen, Schanzeugfutterale usw. sind mit einer fetthaltigen Lederwichse zu putzen.

    Ein guter Putz wird erreicht,, wenn die Poren des Leders mit einem Korkengeglättet werden ( Bild 14 zeigt die kreuzweise Poliererei), die Lederwichse mit einem feinen Lappen in das Leder gerieben ( Bild 15 zeigt kreisförmige Poliererei) und mit einem Wolllappen blankgputzt wird."


    Nun kann ich mir aus eigener Erfahrung nicht verkneifen, dass mich ( Nach dem Krieg) die leidige Lederzeugpoliererei oft genervt hat. Man hat Zigarettenasche, Watte, alte Seidenstrümpfe, Flaschen, Wolllappen, den Handballen, manche sogar Spucke und was nicht alles verwendet um den gewünschten Glanz zu erzielen um beim Appell nicht aufzufallen, was sich auf den Ausgang ( in die Stadt) auswirken konnte. Das galt natürlich auch für das andere Lederzeug..

    Das "Ende vom Lied" war dann meist eine verschmierte Uniform unter dem Koppel und die Reinigungskosten der Ausgehuniform, wenn das Fleckenwasser "Trill" nicht weiter half.


    Gruß Karl