Lesehilfe erbeten - Briefe meines Großvaters von der Front

  • Hallo zusammen,


    ich arbeite seit geraumer Zeit an der Geschichte meines Großvaters - der nie vom Krieg erzählt, aber dafür umso mehr erlebt hat (siehe Originalthread hier). Tatsächlich sind einige Feldpostbriefe aufgetaucht, die ich beim besten Willen nicht entziffern kann. Mein Vater war mir eine große Hilfe, aber bei manchen Passagen kommt er auch nicht weiter. Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand hier hin und wieder etwas übersetzen kann.

    Es geht um folgende Textstelle (geschrieben in der Nähe von Charkow, 01.01.1942):


    "Wir haben hier ja die Front nicht mehr allzu weit weg und erfahren ja ein wenig mehr vom Kriegsglück + Unglück unserer Truppen als Ihr zu Hause. Es sind hier allerhand.....................? vorgekommen. Es weht ja überhaupt ganz plötzlich ein anderer Wind."

    Heißen die beiden gesuchten Worte "personelle Veränderungen" ?


    x01011942.jpg


    Vielen Dank im voraus!


    @Moderatoren: Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich hier ein eigenes Thema aufmache - ich dachte, hier ist mein Anliegen besser aufgehoben.
    Wenn ich gegen Forenregeln verstoße, verschiebe ich den Beitrag gerne in den anderen Thread.


    Viele Grüße

    Hannes









  • Guten Abend Hannes,


    soweit wie ich es entziffern kann, würde ich deinem Vorschlag, dass es „personelle Veränderungen“ heißt, zustimmen. Inhaltlich passt es doch auch. Vielleicht meldet sich bald noch einer von den Experten.


    Viele Grüße und einen schönen Abend

    Tobias

  • Hallo zusammen,


    anbei habe ich einen längeren Brief und würde mich sehr freuen, wenn mir jemand bei der Übersetzung helfen könnte. Mir geht es um den 2. Abschnitt - leider kann ich einige Worte / Stellen nicht entziffern.


    Hier mein Versuch:


    "Wir sind am 23 (?).abends hier eingetroffen und haben die Rückfahrt besser und leichter überstanden als die Hinfahrt. Als wir in unserem Nest ankamen, war die Ko abgerückt und nur ein Nachkommando noch da. Die war an den Einbruchstellen (?) als Sicherung eingeteilt. Aber schon am Pfingstmontag kam sie zurück, aber nur, um alles zu verladen. Nun sind wir mitten in dem Raum der Schlacht bei ?????, immer dicht hinter den Russen her um die Zerstörungen an den Bahngleisen wieder auszubessern. Eine große Menge abgeschossener russischer Panzer liegen herum + fast noch alle Toten(?).Erst jetzt geht man daran, sie zu sammeln. Wir unterstützen dabei die Sa. Komp. durch zuführen (?).

    Sonst ist es erstaunlich friedlich. Wenn man bedenkt,dass die Front sehr nah ist – vor 48 Stunden waren hier noch die Russen - staunt man, dass überhaupt keine sowjetischen Flugzeuge kommen."


    Vielen herzlichen Dank im voraus und viele Grüße


    Hannes

  • Hallo Hannes,


    nachfolgend die korrigierte Textpassage:


    "Wir sind am 23. abds hier eingetroffen und haben die Rückfahrt besser + leichter überstanden als die Hinfahrt. Als wir in unserem Nest ankamen, war die Kp abgerückt und nur ein Nachkommando noch da. Die war an der Einbruchstelle als Sicherung eingeteilt. Aber schon am Pfingstmontag kam sie zurück, aber nur, um alles zu verladen. Nun sind wir mitten in dem Raum der Schlacht von Charkow, immer dicht hinter den Russen her um die Zerstörungen an den Bahngleisen wieder auszubessern. Eine große Menge abgeschossener russischer Panzer liegen herum + fast noch alle Toten. Erst jetzt geht man daran, sie zu sammeln. Wir unterstützen dabei die San.-Komp. durch zuführen.

    Sonst ist es erstaunlich friedlich. Wenn man bedenkt, dass die Front sehr nah ist – vor 48 Std. waren hier noch die Russen - staunt man, dass überhaupt keine sowjetischen Flugzeuge kommen."



    Gruß Stefan

  • Hallo zusammen,


    ich habe noch einen weiteren etwas längeren Brief von der Front und würde mich ein weiteres Mal sehr über Hilfe freuen.


    Hier meine Übersetzung:


    "Ich habe Euch einmal vom Ferienheim Münzhof (?) geschrieben, welch gewaltiges Bild es war, als die Flieger auf ihren Probeflügen zum Reichsparteitag täglich über uns wegzogen. Jetzt verblasst dieses Bild vor der Wirklichkeit.

    Gestern ??? 21 Uhr begann in unserem Abschnitt die Offensive und seit heute morgen 2 Uhr brausten die Geschwader ohne Unterbrechung über uns hinweg zur Front. Ein Stuka- Geschwader, das hier auf unserem Flugplatz liegt, startete heute um 2 Uhr und jetzt um 19 Uhr sind sie immer noch unterwegs. Alle sieben Stück (?) kamen hier zurück, holten neue Bomben und starteten. So gings ??? zu. Russen haben wir den ganzen Tag nicht gesehen. Sie werden aber wohl heute Nacht – wie alle Nächte ??? erscheinen. Es sind aber im Vergleich zu den ? unsrigen immer nur einzelne Flugzeuge. Wenn einmal, wie eben jetzt einige Minuten lang Ruhe ist, so erscheint einem das nach einem solchen Tag richtig unnatürlich.

    ??? rollen unaufhörlich ??? nach vorne , so dass es ganz ??? zugeht bei uns ??? (im Krieg?)

    Hier lag auch Artillerie mit der so altbekannten Nummer 53! Aber diese Division ist nun schon weiter vorgerückt, sonst hätte ich mich einmal ein wenig umgesehen."


    Viele Grüße in die Runde

    Hannes

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  • Hallo Hannes,


    ich gebe hier meine Korrekturen bzw. Vorschlag, so wie ich das lese. Die Handschrift ist eine Herausforderung.


    Dieses Ferienheim in der ersten Zeile fängt m. M. mit "W" an, nicht mit "M".

    Die ersten Sätze sind soweit korrekt, ab .....um 1900 Uhr sind sie immer noch unterwegs, lese ich:

    Alle halbe Stund kamen sie zurück, holten neue Bomben +starteten. So ging's pausenlos zu.

    ....so wie alle Nächte auch erscheinen.

    ....Tag richtig unnatürlich. Nachts rollen unaufhörlich Panzer nach vorne, so daß es ganz ..?... zugeht bei uns.


    Euer Brief vom 7. kam vor ein paar Tagen an. Herzlichen Dank dafür. Wir haben hier ein .?. nettes Quartier, mit ganz wundervollen Quartiersleuten, die uns jede Freundlichkeit erweisen, den sie fähig sind. Milch, Eier, hier gar rare Artikel, sind ..?.. ..?.. da. Heute haben wir ganz köstliche frische Kartoffeln bekommen. Die haben uns geschmeckt wie das feinste Gericht. So leben wir ganz gemütlich, wenn auch nachts oft die Bude wackelt. Aber dafür sind wir ja im Krieg.

    Der letzte Absatz ist soweit wieder korrekt.


    Hoffe das hilft soweit

    Gruß Armin



  • Guten Morgen zusammen,


    ich würde das Ganze gerne wie folgt ergänzen:


    "Ich habe Euch einmal vom Ferienheim Wurzhof

    geschrieben, welch gewaltiges Bild es war, als die Flieger

    auf ihren Probeflügen zum Reichsparteitag täglich über uns

    wegzogen. Jetzt verblaßt dieses Bild vor der Wirklichkeit.

    Gestern aber 21 Uhr begann ein neuer Abschnitt der

    Offensive hier + seit heute morgen 2 Uhr brausen die Geschwa-

    der ohne Unterbrechung über uns hinweg zur Front. Ein Stuka-

    Geschwader, das hier auf unserem Flugplatz liegt, startete heute

    um 2 Uhr und jetzt um 19 Uhr sind sie immer noch unter-

    wegs. Alle halben Stunde kamen sie zurück, holten

    neue Bomben + starteten. So gings pausenlos zu. Russen

    haben wir den ganzen Tag nicht gesehen. Sie werden aber wohl

    heute Nacht – wie alle Nächte wieder erscheinen. Es sind aber

    im Vergleich zu den unsrigen immer nur einzelne Flug-

    zeuge. - Wenn einmal, wie eben jetzt einige Minuten lang

    in der Luft Ruhe ist, so erscheint einem das nach einem solchen

    Tag richtig unnatürlich. Nachts rollen unaufhörlich Panzer nach

    vorne, so daß es ganz ...voll zugeht bei uns.

    Euer Brief vom 7. kam vor ein paar Tagen an. Herzlichen Dank dafür.

    Wir haben hier ein sehr nettes Quartier mit ganz wundervollen

    Quartierleuten, die uns jede Freundlichkeit erweisen, der

    sie fähig sind. Milch, Eier, hier gar rare Artikel sind immer

    wieder da. Heute haben wir ganz köstliche frische Kartoffel

    bekommen. Die haben uns geschmeckt wie das feinste Gericht.

    So leben wir ganz gemütlich, wenn auch nachts oft die Bude

    wackelt. Aber dafür sind wir ja im Krieg.

    Hier lag auch Artillerie mit der so wohlbekannten Nummer 53!

    Aber diese Division ist nun schon weiter vorgerückt, sonst hätte

    ich mich einmal ein wenig umgesehen."


    Vielleicht hat ja noch jemand eine Idee, was vor ....voll stehen könnte? Evtl. "lärmvoll"? Würde zumindest Sinn machen.


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo Ihr beiden,


    berufsbedingt konnte ich erst jetzt wieder ins Forum schauen. Habt herzlichen Dank für Eure Arbeit!!


    Liebe Grüße

    Hannes

  • Hallo Natu, hallo Hannes,


    ich denke auch, dass sa "lärmvoll" steht. Das macht auch im Kontext Sinn.


    Liebe Grüße, Lotti

  • Hallo zusammen,


    bei einem weiteren Brief benötige ich leider wieder Hilfe. Ich würde mich freuen, wenn sich jemand das hier mal ansehen könnte.


    Meine Übersetzung:


    "Seit 2 Tagen bin ich nun bei der Komp. nach drei Wochen Irrfahrten endlich angekommen. ….... äußeren Schicksale (??) weiter: Am 15. abends Abfahrt nach Woroschba, wo wir schon einmal waren. Dort warteten wir vom 17. - 21.. Am 21. fand ich endlich die Kp. Und führte meinen Haufen hin. 7 km von Woroschba entfernt hat sie sich am Tag vorher eingefunden. Vorhanden ist überhaupt nichts mehr. Unser ganzes Gerät, der Rest der Bauzüge (?) kaputt, keine Küche (?) mehr! Unser Gepäck abtransportiert nach Kiew.

    So fanden (?) wir uns nur mit dem,was wir bei uns hatten. Glücklicherweise hatte ich zuhause vorsorgend eine 2. Garnitur Wäsche mitgenommen, so dass ich wenigstens rausgehen konnte. - So mit dem geringsten auskommend,lebt es sich auch ganz gut.

    Post hat die Kp. auf ewig keine mehr erhalten, alles ist ja zurück, 6 Mann (?) suchen (?)das F.P. Amt. Ich sende Euch in den nächsten Tagen noch ein Päckchen mit ...(Herkunftsbezeichnung?) Schinken, den ich auf der Reise eingespart habe.

    Nun habe ich eine Bitte.In dem kleine Gestell in meinem Zimmer ,li. unter dem Schreibtisch waren ganz hinten (?) eine Anzahl Reclambändchen,meist philosophischen Inhalts. Mögt Ihr mir die, soweit es die gegenwärtige Gewichtsgrenze zulässt, bitte schicken!

    Ich hoffe, dass es Euch gut geht, so wie mir auch. Wir sind ja so weit, dass man alles unwichtig (?) ansieht,als nur sein Leben zu erhalten.Alles andere ist entbehrlich.


    Herzlichen Dank im voraus und habt einen guten Start in die neue Woche!


    Hannes

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  • Hallo,


    Quote

    "Ich habe Euch einmal vom Ferienheim Wurzhof

    geschrieben, welch gewaltiges Bild es war, als die Flieger

    auf ihren Probeflügen zum Reichsparteitag täglich über uns

    wegzogen.

    der Wurzhof ist heute eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, beim Ort Postbauer-Heng zwischen Nürnberg und Neumarkt/Opf.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Hannes,


    zum letzten Brief zwei kleine Korrekturen:


    ...eine 2. Garnitur Wäsche mitgenommen, sodaß ich wenigstens wechseln konnte.


    ....suchen das F.P. Amt. Ich werde Euch in den nächsten Tagen noch ein Päckchen mit Konserven schicken, die ich auf der Reise eingespart habe.


    Gruß Armin

  • Hallo, Hannes,


    folgendes kann ich beisteuern:


    Seit 2 Tagen bin ich nun bei der Komp. nach

    3 Wochen Irrfahrten endlich angekommen.

    Unsere äußeren Schicksale weiter: Am 15. abends

    Abfahrt nach Woroschba, wo wir schon einmal

    waren. Dort warteten wir vom 17. - 21.

    Am 21. fand ich endlich die Kp. und führte

    meinen Haufen hin. 7 km von Woroschba ent-

    fernt hat sie sich am Tag vorher ein-

    gefunden. - Vorhanden ist überhaupt

    nichts mehr. Unser ganzes Gerät, der Rest

    des Bauzuges kaputt, keine Küche mehr!

    Unser Gepäck abtransportiert nach Kiew.

    So fanden wir uns nur mit dem, was

    wir bei uns hatten. Glücklicherweise hatte

    ich zuhause vorsorgend eine 2. Garnitur

    Wäsche mitgenommen, sodaß ich wenig-

    stens wechseln konnte. - So mit dem

    geringsten auskommend ,lebt es sich auch

    ganz gut. - Post hat die Kp auch ewig keine


    mehr erhalten, alles ist ja zurück, 6 Mann

    suchen das F.P. Amt. Ich werde Euch in den

    nächsten Tagen wohl ein Päckchen mit Kon-

    serven schicken, die ich auf der Reise ein-

    gespart habe.

    Nun habe ich eine Bitte. In dem kleinen Gestell

    in meinem Zimmer links vom Schreibtisch

    waren ganz unten eine Anzahl alter Re-

    clambändchen, meist philosophischen Inhalts.

    Mögt Ihr mir die, soweit es die gegenwär-

    tige Gewichtsgrenze zulässt, bitte schicken!

    Ich hoffe, daß es Euch gut geht, so wie mir

    auch. Wir sind ja so weit, daß man alles

    unwichtig ansieht, als nur sein Leben zu

    erhalten. Alles andere ist entbehrlich.


    So dürfte es passen, denke ich.


    Beste Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo Diana,


    ich habe gerade festgestellt, dass ich mich gar nicht bedankt habe. Tut mir leid! Auch Dir ein herzliches Dankeschön für Deine Arbeit!


    Gruß Hannes