"Bei Jägerndorf" - Frontdurchbruch SS und 500er Bewährungsformation

  • Hallo allerseits,


    ich würde Euch gerne bitten, mir bei der teilweisen Rekonstruktion der letzten Kriegsmonate eines Verwandten zu helfen.

    Es ist nur wenig Information vorhanden, BA ist angefragt, wird aber vermutlich noch Jahre dauern und vermutlich auch keinen genauen Aufschluß bringen.


    Es geht um einen Soldaten, der nach Jahren makellosen und harten Einsatzes zu den 500er Bewährungseinheiten geschickt wurde. (Auf die Geschichte dahinter möchte ich nicht eingehen, es handelt sich um einen echten Fall von Willkürjustiz an einem Unschuldigen, begangen im Herbst 1944, als der Krieg bereits verloren war, und man nichts so sehr brauchte wie Soldaten an der Ostfront, auch aus anderen Waffengattungen. Aber das ist ja für die Fragestellung auch nicht relevant.)


    Möglicher Zeitrahmen des Geschehens: Herbst oder Winter 1944 bis Mai 1945


    Der Betreffende kam zunächst nach Brünn. (Keine Details zu Bataillon od. dgl. bekannt. Eventuell das Grenadier-Ersatz- und Ausbildungs-Regiment 500?)

    Irgendwann dann folgender Einsatz:

    Bei Jägerndorf hatte die russische Armee einen Frontdurchbruch bei SS-Einheiten geschafft. Dort wurde nun seine Bewährungseinheit hineingeworfen.


    Meine Fragen nun:


    1. Erkennt jemand, welche historische Situation sich hier beschrieben findet? Es gab sicher viele Durchbrüche an dieser umkämpften Front, aber vielleicht gibt die Kombination SS-Einheiten und Bewährungstruppe den Kennern der Materie hier einen Hinweis.

    2. Im einzelnen: Welche 500er-Einheit, welche SS-Einheit, wann könnte das so geschehen sein?


    Ich will im folgenden alle Hinweise nennen, die ich bislang zusammengetragen habe.

    (Leider habe ich es wie so viele verabsäumt, rechtzeitig nach all den Details zu fragen.)


    Der einzige direkte Hinweis auf Jägerndorf, den ich in Bezug auf die 500er überhaupt fand, war folgender. Hier im Lexikon der Wehrmacht steht, daß das Grenadier-Ersatz- und Ausbildungs-Regiment 500 im Jahr 1944 nach Brünn und Olmütz verlegt wurde. Im März 1945 wurde es mit seinen Bataillonen mobil gemacht und auf die Heeresgruppe Mitte verteilt. Bei der Heeresgruppe Mitte findet sich dann im Lexikon: "...Bei den Schlusskämpfen unterstanden der Heeresgruppe die 4. Panzerarmee im Raum Dresden – Görlitz, die 17. Armee an der südschlesischen Oderlinie und die nach Süden anschließende 1. Panzerarmee an den Höhenstellungen entlang Neisse – Jägerndorf – Ratibor – Mährisch Ostrau..."


    Im Forum fand sich noch zusätzlich 12/44 als Zeitpunkt der Aufstellung I.-V./Grenadier-Regiment 500.


    Andere Hinweise zu Brünn und Jägerndorf fand ich bei meiner Suche nicht. Nun ist das allerdings gar kein Argument, da ich völliger Laie bin und von Heeresgruppierungen nicht die mindeste Ahnung habe.


    Bei Klausch fand ich noch folgende Informationen, die eventuell für die Fragestellung relevant sein könnten. Aber ich kann sie allein schon geographisch nicht einordnen, weiß nicht, ob etwas davon der Aussage "bei Jägerndorf" gerecht wird:


    Laut Klausch sind es 5 Bataillone, die an der Oderfront Oberschlesien zum Einsatz kommen. (Das erste aufgestellte Infanterie-Bataillon 500 z.b.V. stieß vermutlich ab Februar 45 zu den Bataillonen I,II,III und IV des neu aufgestellten Grenadier-Regiments 500, das dort seit Ende Januar 45 in Stellung war.)

    Weiterhin laut Klausch kamen diese 5 Bataillone im häufigen Wechsel unter verschiedenen Divisionen zum Einsatz, v.a. im 25 km langen Abschnitt Krappitz-Cosel. Sie waren im Februar/März 1945 im häufigen Wechsel folgenden Einheiten unterstellt:

    8. Pz. Div.

    344. Inf. Div.

    371. Inf. Div.

    18. SS-Pz.-Gren.Div.

    ...


    Seit Anfang Februar trugen sie durch hinhaltenden Widerstand und gelegentliche Angriffshandlungen dazu bei, daß Wehrmacht und Waffen-SS die Oderfront im o.g. Abschnitt bis Mitte März im wesentlichen halten konnten.

    ...


    Bei der Großoffensive der Roten Armee ab 15.03.1945 zur Eroberung Westoberschlesiens geriet der Großteil der eingesetzten 500er Bataillone in den Kessel von Deutsch-Rasselwitz. Die wenigen 500er, die aus dem Kessel ausbrechen konnten, gelangten schließlich nach Johannestal (=Johannesthal?), wo allem Anschein nach um den 20./21. März herum die Überbleibsel der verschiedenen 500er-Formationen zu einem einzigen Bataillon zusammengefaßt worden sind.


    ***


    Dieses beiden letztgenannten Orte (Kessel von Deutsch-Rasselwitz und Fluchtpunkt Johannesthal scheinen mir Jägerndorf hinreichend nahe für den Ausdruck "bei Jägerndorf". Inhaltlich scheint auch der obige Absatz zum hinhaltenden Widerstand als Hilfe für die Waffen-SS vor der Großoffensive interessant. Wie gesagt, ich habe hier alles zusammengetragen, was ich finden konnte, das einen Bezug zu den 500er-Bewährungstruppen und zu Jägerndorf hat oder haben könnte.


    Mir fehlen aber die Voraussetzungen, mir daraus in Verbindung mit der ursprünglichen Aussage (s.o. in blau) einen genaueren Reim machen zu können. Vielleicht kann das ja jemand von Euch? Ich bin dankbar für jeden Hinweis!

    Grüße,

    Amelie

  • Moin,


    ich habe für den Bereich Oberschlesien und März 1945 nur ein Jägerndorf gefunden.

    Liegt an der heutigen tschechisch-polnischen Grenze, heutiger Name Krnov,nordwestlich von Troppau bzw. westlich Ratibor.


    Im Rahmen der sowjetischen Offensive ab 15. März wurden im Raum nördlich davon (Falkenberg-Friedland) Teile XI. AK und Korpsgruppe Schlesien eingekesselt. Hierzu gehörten die 20.Waffen-Grenadier-Division der SS (estn. Nr. 1) und die 18. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division "Horst Wessel".


    Der Ausbruch erfolgte in Richtung Ziegenhals, liegt nordwestlich von Jägerndorf. Im Anschluss wurde die 18. SS-Div. im Bereich Olbersdorf/Tropplowitz versammelt, was sich ca. 5km nordwestlich von Jägerndorf befindet.


    Von daher würde ich, wenn denn die Informationen soweit stimmen, vermuten, dass es sich um Einheiten der 18. SS-Div handeln müsste, deren Front bei Jägerndorf durchbrochen worden sind.


    Grüße

    Christian

    Suche alles zu Esten in Polizei, Wehrmacht & Waffen-SS

  • Hallo Amelie,


    am 19..3.45 wurde die 18. SS Freiwilligen Panzergrenadier Division "Horst Wessel" zusammen mit der 344. Inf.Div. zusammen mit 1000den von Flüchtlingen nördlich Oberglogau (ca. 20 km westlich Cosel) im sogn. "Kessel von Oberglogau" eingeschlossen.

    Denn die Rote Armee hatte am 18.3 den Ort Deutsch-Rasselwitz (ca. 7 km süddwestlich von Oberglogau) besetzt und das letzte Schlupfloch geschlossen.

    Am 19. März nachmittag begann - entgegen des Befehls des OB der HGr Mitte Generaloberst Schörner - der Ausbruch den beiden Divisionen. Am Abend wurde Deutsch-Rasselwitz erreicht und nach harten Kämpfen gegen 22:00 Uhreingenommen. Gegen Mitternacht sammelte die 18. SS Div in Hotzenplotz (ca. 6 km südwestlich Dt.- Rasselwitz). Bis zum 21.3. sammelte die 18. Ss Div. im Raum Olbersdorf (ca. 25 km südwestlich von Dt..Rasselwitz).

    Bereits am 24.3. musste die 18. SS Div. aber eine Kampfgruppe abgegeben, die im Raum Ratibor eingesetzt werden sollte.

    Diese Kampfgruppe Schumacher (3 sehr schwache Bataillone) verlegt am 25.3. über Jägerndorf (ca. 28 km westlich Ratibor) in den Raum westlich Ratibor.

    Bis zum 30.4. ging die Kampfgruppe Schumacher im Kampf gegen die Rote Armee im Raum Ratobor-Jägerndorf-Mährisch-Ostrau unter.

    Quelle: Tieke/Rebenstock: Im letzten Aufgebot. Die 18. SS Freiwilligen-Panzergrenadier-Division Hort Wessel", Seite 131-147.


    Beste Grüße

    Ingo

  • Hallo Amelie,


    an bei eine Karte vom 21.03.1945 - hier habe ich Jägerndorf und die zwei Bataillone z.b.V. 500 makiert.


    Ich denke das die Karte für dich hilfreich sein könnte.


    21.03.1945.jpg


    Quelle T78R136

    Grüße und bleib(t) Gesund - Matthias

  • Hallo Matthias,


    wenn ich die Karte richtig deute, waren 2 Bataillone zbV 500 vor der Schließung des Kessels von Oberglogau d.h. vor dem 19.3.45) ,nordwestlich von Cosel an der Nahtstelle zwischen der 18. SS Div und der 344. Inf Div. eingesetzt?

    Am 21.3. 45. war doch nach dem Kesselausbruch die Front schon weiter südwestlich?


    Laut Hans Peter Klausch, Seite 301: "geriet in Verlauf der Kämpfe (15.3.-19.3) ein Großteil der eingesetzten 500er Bataillone in den Kessel von Deutsch-Rasselwitz (richtiger Oberglogau).

    Dabei muss es sich um Teile der Bataillone I./500 (Schmidtmann), II./500 (Fischer), III./500 (Berger), IV.500 (Kaupe) gehandelt haben.

    Die wenigen 500er gelangten nach Johannestal." =Johannesthal (Janov= liegt ca. 6 km östlich von Zuckmantel (Langebrück), das wiederum ca. 20 km westlich von Deutsch-Rasselwitz liegt. Dort lag bis Ende März die SS Panzer-Aufklärungs-Abteilung 18.


    Kausch verweist auf das Buch von Georg Gunter:Letzter Lorbeer . Dort finden sich Berichte und eine Karte.


    Beste Grüße

    Ingo

    Edited once, last by Atlantis ().

  • Hallo Christian, Ingo und Matthias!


    Ich bin Euch zutiefst dankbar dafür, daß Ihr Euch der Sache annehmt. Auch kann ich nur bewundern, wie Ihr imstande seid, solche Frontkarten zu lesen. Ohne die Markierung hätte ich beiden 500er Bat. sicher nie entdeckt. Danke Matthias!


    Wenn ich Euch recht verstehe, geht Ihr alle davon aus, daß die beschriebene Situation "des Durchbruchs einer SS-Linie durch die Rote Armee im genannten Bereich Jägerndorf" sich im Rahmen der sog. Oberschlesischen Operation abgespielt hat.


    Eine Einkesselung wurde vom Betreffenden nicht erwähnt, ich hatte es mir naiv eher so vorgestellt, daß ein Loch schnell geschlossen werden mußte. Aber ehrlicherweise wurde die ganze Sache nur wegen des Ortes erwähnt ("Weißt Du eigentlich, daß das bei Jägerndorf war?..."), und ich habe mich nie getraut, nachzufragen, was in der Folge eigentlich genau passiert ist, um nicht schlimmste Erinnerungen zu wecken. Dabei waren die sicherlich ohnedies schon bei der Erwähnung voll präsent.


    So gehe ich jetzt also davon aus, daß das Geschehen sich auf den Frontdurchbruch bei der 18. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division Horst Wessel bezieht, und es in der Folge zur Einkesselung, auch der beiden 500er Bataillone, bei Deutsch Rasselwitz bzw. Oberglogau kam. Ferner, daß ein Ausbruch gelang und durchgekommene 500er in Johannesthal sammelten.


    Ingo und Matthias, wart Ihr Euch jetzt eigentlich einig darüber, wann das war? Ich kann Eurer Argumentation etwas verwirrt gerade im Detail nicht ganz folgen. War es denn so, daß die beiden 500er Bat. schon nach dem frühen Durchbruch an der Nahtstelle in Kämpfe verwickelt und eingeschlossen wurden und dann mit dem Ausbruch am 19.03. aus dem Kessel kamen? Das widerspräche aber den Karten vom 20.-22.03? Ist das das Problem? Bitte verzeiht meine Verwirrung, ich wäre kein guter Feldherr geworden. ?(


    Ich bin bei meiner Suche noch über ein Buch gestolpert, das Ihr höchstwahrscheinlich kennt. (Ich habe es nicht gelesen, weiß also nichts darüber, wes Geistes Kind der Autor ist, fand aber die relevanten Schlachtbeschreibungen recht detailliert.): Hans von Ahlfen "Der Kampf um Schlesien 1944/1945". Es ist auf Scribd zu lesen, und über meine Suche bin ich zufällig auch auf eine allerdings ziemlich extrem anmutende Website gestoßen, wo es ebenfalls zum Download bereitsteht: Buch "Weiterlesen" führt zum Download. (Sollte der Link unerwünscht sein, bitte entfernen.)


    Die relevanten Beschreibungen finden sich auf Seite 193 und ein weiteres Geschehen in Verbindung mit Jägerndorf findet sich auf Seite 199 (jeweils Buchseite, nicht pdf-Seite). Aber wie gesagt, ich vermute, das Buch ist bekannt.


    Passagen S. 193:


    ...Der am 15. März beginnende russische Angriff erzielte rasch tiefe Einbrüche an der Naht zum rechten Nachbarn, der Kampfgruppe der 18. SS-Panzergrenadierdivision (unter SS-Oberführer Bochmann)...


    ...Trotzdem war infolge des weiter südlich erzielten Durchbruchs des Feindes, der sich bereits am 17. März zum Übergang über die Hotzenplotz südwestlich Oberglogau anschickte, die Einschliessung der Division vollzogen...


    Im weiteren folgt die Beschreibung des Ausbruchs nach Deutsch Rasselwitz wie von Ingo beschrieben am 19.03.


    S. 199:


    Ein weiterer Vorgang, der Jägerndorf involviert, allerdings keine SS-Truppen erwähnt und 500er Truppen sowieso nicht. Keine Ahnung, ob irgendwie relevant.


    ...Als aber am 2. Tag der Schlacht, am 16. März, hier tiefe Einbrüche in Richtung auf Leobschütz entstanden waren ...


    ...Denn ein zwar noch nicht sicherer Erfolg in der Schlacht um das Mährisch-Ostrauer Gebiet konnte völlig in Frage gestellt werden, wenn dem Feinde am Südflügel seiner im Raum Cosel-Grottkau-Neisse geführten Schlacht zusätzlich noch ein Durchbruch über Leobschütz auf Jägerndorf gelingen würde...


    ***


    Die 500er werden in den Schlachtenbeschreibungen nirgendwo erwähnt, außer auf der hier gezeigten Karte. Sie waren wohl einem der anderen Beteiligten unterstellt, der 344. Inf.Div. oder der 18.SS Div. (beides kongruent mit Klausch)?


    Wie dem auch sei, zu einer Gefangennahme durch russische Soldaten kam es dann erst einige Tage nach Kriegsende bei dem Versuch, sich Richtung Österreich durchzuschlagen (verraten durch Zivilisten, nachdem zuvor ebenfalls Zivilisten ihm geholfen hatten).


    Wo also wurden die 500er-Truppen danach, in der Zeit zwischen dem Kessel und dem Kriegsende, in diesem Bereich noch eingesetzt? Weiß das jemand?


    Hoffentlich habe ich jetzt nicht alle Klarheiten beseitigt. :S


    Für bisher noch einmal meinen herzlichen Dank!

    Grüße,

    Amelie

  • Hallo Amelie,


    mir liegt ein Tagebuch eines Angehörigen des Artillerie-Regiments 344 vor. Darin schreibt der Offizier über den Ausbruch aus dem Kessel von Rasselwitz nach Hotzenplotz.


    Über die 500er schreibt er dort nichts. Allerdings leigen mir Verleihungslisten der 344.ID vom 2.4. und 9.4.1944 vor. Dort sind Angehörige von verschiedenen 500ern und einer Kampfgruppe Fischer genannt.


    Wenn Du mir den Namen deines Angehörigen per PN schickst schaue ich nach.


    Gruß


    Boris

    Suche alles über die 91. Luftlandedivision, Gren.Rgt.1057 u. 1058 sowie 344. Infanteriedivision ab Oktober 1944 Fest.Gren.Rgt 832, 854 u.855

  • Hallo Boris,


    danke, das ist nett.

    Über die 500er schreibt er dort nichts. Allerdings leigen mir Verleihungslisten der 344.ID vom 2.4. und 9.4.1944 vor.

    1944 oder 1945?

    Grüße,

    Amelie

  • Hallo Amelie,


    mein Fehler.


    Es ist natürlich 1945 !


    Gruß

    Boris

    Suche alles über die 91. Luftlandedivision, Gren.Rgt.1057 u. 1058 sowie 344. Infanteriedivision ab Oktober 1944 Fest.Gren.Rgt 832, 854 u.855

  • Hallo Amelie!


    In der Unterstellungen und Kampfgruppen Hgr. Mitte vom 14. März 1945 sind mindestens drei Bataillone aufgeführt, 1 x Bataillon z.b.V 500 unter 18. SS-Pz. Gr. Div und 2 x z.b.V 500 unter Inf. Div. 344.


    Gruß

    Henrik

  • Hallo Henrik,


    vielen Dank für Deine Antwort. Diese Information bestätigt dann wohl die Anwesenheit bereits unmittelbar vor der Großoffensive, so wie von Ingo in #5 bemerkt.


    Es scheint alles auf die Nahtstelle zwischen diesen beiden Divisionen zu deuten. Genauer bezeichnet sind die unterstellten Bataillone in Deiner Quelle wohl nicht?


    Wenn ich das richtig verstehe, würde ein Einspringen wegen eines Durchbruchs in einer SS-Linie dann wohl eher auf ein der 344. I.D. unterstelltes Bataillon hindeuten.


    Vielen Dank nochmal!

    Grüße,

    Amelie

  • Servus Boris!


    Wäre es möglich die Gesichte des Ausbruchs von Kessel Rasselwitz detailliert kennenzulernen? Du schrieb darüber am 28. Mai. 2021 - Tagebuch eines Angehörigen Art Regiment 344.


    Danke Dir im voraus.


    Grüsse


    Robert aus Ungarn

  • Hallo Robert,


    entschuldige die späte Rückmeldung.


    Leider steht im Tagebuch des Angehörigen des Artillerie-Regiements 344 nichts über die 500er oder die 18.SS.

    Trotzdem stelle ich mal die Auszüge vom 16.3. bis 19.03.1945 ein, weil ich sie im Kontext der Ereignisse sehr interessant finde.


    "16.III.45


    Den ganzen Tag starke Fliegertätigkeit und zunehmender Gefechtslärm in südlicher Richtung. Das Kitzeln im Kreuz fängt langsam wieder an. Wir wissen ja auch nicht wie es bei Krottkau aussieht von wo er nach Süden vorstößt. Die Leute schanzen. Wahrscheinlich umsonst. Der Russe ist nur noch 7km von unseren Trossen entfernt. Es greift 1 Pz.Regt. an.


    17.III.45


    Morgends gleich Hiobsbotschaft. Unsere Trosse sind überrollt. Nur die Trosse der Stabsbttr. sind heraus. Der Iwan ist schon an Oberglogau vorbei. „Adelheid, es ist so weit“ sagte unser Kdr. Tagsüber viel Fliegertätigkeit. Es wird Zeit, daß wir abrutschen, sonst sind wir dran. Schlecht ist, daß gerade der Lkw auf dem mein Gepäck liegt, gerade nach vorne gekommen ist. Wenn was passiert, ist wieder alles im Eimer.


    18.III.45


    Nachts um 1 die Botschaft, daß wir im Kessel sind. Abt. macht Stellungswechsel zwei km zurück nach Kramelau [Kromołów]. Ich bleibe als AvKO bei Rgt. Schulz in Ebersdorf [Dzikowiec]. Den Tag über muß unbedingt gehalten werden. In der Nacht geht die Absetzbewegung los, und dann boxen wir uns durch. Tagsüber wenig angenehm. Rollende Fliegerangriffe. Dauernde Angriffe. Immer weiter werden die Linien zurück gedrängt. Es geht wieder um Minuten. Endlich um 1600 Uhr Marschbefehl für 1920. 1800 geht die HKL schon am Ostrand entlang. Der Iwan kommt von zwei Seiten. Rechtszeitig purren wir ab. Ich muß nach Niederrode [Mionów oder Polnisch Müllmen] zur Abt. Ankunft dort nachts um 22 Uhr. Dann irgendwo ins Stroh gepackt und wie tot geschlafen.


    19.III.45


    Ein denkwürdiger Tag, ein Tag des Grauens und ein Tag größter Heldentaten. Trotz allem muß ich dem lieben Gott sehr dankbar sein, denn ich bin verhältnismäßig gut durchgekommen, unverwundet mit Fahrzeug und dem nötigsten Gepäck, als da ist Waschzeug etc. Sonst kann die Abteilung singen: „Oh du lieber Augustin, alles ist hin“. Zum 2. Mal in einem Jahr, aber in der Normandie haben wir nicht die Ausfälle gehabt. Als wir uns morgends abgesetzt hatten, kam der Iwan schon von der anderen Seite. Durch unsere Abt. wurde er aufgehalten. Die ersten Verluste. Nachmittags soll der Durchbruch erzwungen werden über Deutsch-Müllenen, D. Rasselwitz nach Hotzenplotz [Osoblaha], das bereits feindfrei ist. Alles überflüssige muß vernichtet werden auch alle zwei Pkw. Um 1100 geht der riesige Treck von 2 Divisionen [Anmerkung meinerseits: 344.ID und 18.SS] quer übers Feld zum Angriff vor. Von allen Seiten wird hineingeschossen. Ich muß mit dem Schwimmer vorausfahren und Weg erkunden. Unsere Abt. fährt ziemlich zuletzt. Unendlich viel Frauen und Kinder fahren mit, sie wollen dem Russen nicht in die Hand fallen. Wie wird es ihnen beim Durchbruch ergehen ? Ich komme gut vorwärts über die Felder mit meinem Wagen und überhole die bespannten Batterien. In Deutsch Mühnen letzte Verbindung mit der Abt., dann wieder voraus bis zur Inf.Spitze. Vor Rasselwitz mörderisches Feuer. Unsere Infanterie stürmt mit Hurra, dabei junge Mädchen mit Pz.Fäusten und Karabiner, höchste Tapferkeitstaten. Frauen bergen die Verwundeten, Soldaten schleppen ihre Kinder auf dem Buckel durchs Feuer. Ein paar mal stockt der Angriff, dann geht es weiter mit Hurra. Zurück kann ich nicht mehr zur Abt. Die letzten zwei km bis Rasselwitz laufe ich zu Fuß mit lasse den Schwimmer hinterherfahren. In der Dunkelheit verlieren wir uns natürlich. Meine Packtasche habe ich aber umgehängt. Ich treffe Lt. Weide und den Oberarzt. Letzteren kurz vorm Sprung über die letzte Höhe wieder verloren. Ich habe die ganze Zeit viel zu tun, die Troßleute zum Stürmen anzufeuern. Dabei bekomme ich einen durch die Feldflasche gewischt. Nun müssen wir uns an den Bahndamm heranarbeiten. Momentan sind Weide und ich allein, denn die ersten Infanteristen sind schon durch und die anderen kommen nicht nach. Vor uns sehen wir in die MG der Russen die Mündungsfeuer blitzen, dabei starker Gr.W. Beschuß. Jetzt nur nicht verwundet liegen bleiben. Plötzlich wie durch ein Wunder treffe ich Oblt. Langer, Ritterkreuzträger und Btl.Kdr. meinen alten Bekannten aus der Normandie. Nach Anruf herzliche Begrüßung, dann führt er uns durch die russischen Linien durch ins Dorf hinein. 1000 Uhr abends waren wir durchs Dorf hindurch. Jetzt noch 3km bis zur eigenen HKL und 7km bis Hotzenplotz. Auf dem Weg zur HKL noch Flankenfeuer, dann über eine gesprengte Brücke geklettert und dann haben Weide und ich uns gegenseitig gratuliert. Manchmal habe ich gedacht, wir würden nicht durchkommen, dann aber bei dem entscheidenden Sturmlauf, war ich eiskalt und konnte auch Weide mitreißen. Wieder einmal dem Verderben entkommen, wieder einmal der Kampf um Sein oder Nichtsein zu den eigenen Gunsten entschieden. Gegen 2400 totmüde Ankunft in Hotzenplotz. Quartier gesucht. Viel Durst und Hunger. Eine verlassene, bisher unentdeckte Wohnung gefunden mit zwei Betten und ein paar Äpfel, sowie ein großes Glas Pflaumen zum Essen. Die richtige Nahrung. Ich bin patschnaß …..? Letzter Gedanke, ob wohl die Abt. gut durchkommt ?"


    Die Klammervermerke [...] sind von mir, der Text ist exakt abgeschrieben und nicht korrigiert. Das Tagebuch liegt mir inhaltlich komplett vor. Die Erlaubnis zum Veröffentlichen der Familie ist vorhanden.

    Der Text wird in meiner nächsten Publikation über die 344. Infanteriedivision verwendet.


    Grüße

    Boris

    Suche alles über die 91. Luftlandedivision, Gren.Rgt.1057 u. 1058 sowie 344. Infanteriedivision ab Oktober 1944 Fest.Gren.Rgt 832, 854 u.855

  • Servus Boris,


    Danke dir für die Antwort und die Möglichkeit zu lesen. Es ist sehr interessant und zeigt was ist dort im Kessel passiert.


    Ich stellte posts in Topic SS-Panzer Artillerie Regiment 18.


    Grüsse


    Robert