Lesehilfe erbeten, Feldpost Urgroßvater 1. Weltkrieg

  • Hallo liebes Forum,


    in einem Dachbodenfund ist ein Feldpostkarte meines Urgroßvaters aufgetaucht, der während des 1. WK als Soldat eingezogen wurde (Jahrgang 1877). Er stammte ursprünglich aus dem damaligen Szameitkehmen (Pillkallen) in Ostpreußen. Ich habe den Großteil der Karte entziffern können, allerdings hardere ich an drei Stellen. Diese habe ich in meiner Transkription mit einem Fragezeichen markiert.


    "Lieber Bruder und Schwägerin,

    ich teile euch mit das ich noch immer

    mit Gotteshilfe gesund bin und

    von euch das gleiche hoffe. Ich habe

    doch an euch geschrieben aber ihr habt mir

    keine Antwort gegeben aber Minna hat

    mir euren Brief geschickt und wie ich

    erfahren habe seid ihr noch alle gesund.

    Das euch schlecht (?) geht mit dem Hunger das

    ist nichts neues bei uns ist es immer der

    (?) [das unbekannte Wort ist erste Wort des letzten Satzes, am linken unteren Rand der Karte] aber du (?) bist doch zuhause besser als im Krieg mitmachen.

    [ab hier schreibt er auf dem Rand der Karte weiter] da hätt'st doch gesagtlieber zu hause hungern.

    Nun vielmal gegrüßt von mir, August"


    Mit viel Aufwand und Mühe konnte ich mich in dieses Schrift einlesen. Vielleicht liegt es auch einfach an der Handschrift. Das Dokument habe ich mit einem erhöhten Kontrast angehängt. Ich wäre sehr dankbar und würde mich sehr freuen, wenn ihr mein "Ergebnis" einmal überprüfen könntet und ggf. eine Antwort auf die Fragezeichen (vorallem auf das Zweite) hättet. Das erste und das dritte Fragezeichen kann auch ein Wort sein, dass sich vielleicht aus einem anderem Brief abgefärbt hat. Das ist für mich nicht klar erkenntlich.


    Vielen herzlichen Dank im Vorfeld!


    Viele Grüße

    Jonas

  • hallo Jonas,


    da gibts m.E. nichts zu verbessern. Ergänze nur "Fal", wobei ich glaube über dem l einen Verdoppelungsstrich zu sehen also "Fall". Diese Schreibweise ist mir noch nicht untergekommen, aber ... Also:

    Das euch schlecht geht mit dem Hunger das

    ist nichts neues bei uns ist es immer der

    Fall aber du bist doch zuhause besser als Krieg mit machen.


    lg, Waltraud

  • ... Mit viel Aufwand und Mühe konnte ich mich in dieses Schrift einlesen ...

    Hallo,


    es gibt als Hilfestellung ein Sachbuch mit dem Titel "Leseschlüssel zu unserer alten Schrift", das bei der Auswertung von alten Dokumenten in der Familienforschung sehr nützlich sein kann, darin sind auch zahlreiche Schrifttafeln enthalten: Buchtipps


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo Jonas,

    das Foto zeigt einen Soldaten (wenn es Der Uropa ist?) der als Landsturmsoldat diente. Leider ist der Scan / das Foto vom Foto) sehr unscharf und zu klein. Mir scheint, das Landsturmbataillon stammt aus einem Armeekorps mit der Nummer größer/gleich XIV. Wo wohnte der Verwandte bei Mobilmachung? Gibt es ein schärferes Bild vom Kragen?

    Gruß,

    JR

  • Hallo JR,


    danke für deine Rückfrage. Das ist mein Urgroßvater August, geboren im April 1877 in Szameitkehmen, Kreis Pillkallen, Ostpreußen (später dann Lindenhaus, Kreis Schloßberg). Meines Wissens nach (und auch meiner Vermutung nach) lebte er zur Zeit der Mobilmachung noch immer dort, da mein Großvater (Jahrgang 1914, sowie sein Bruder (1911)) ebenfalls dort geboren wurden und die Familie in Szameitkehmen einen Hof hatten. Das Foto unter einer starken Lupe betrachtet förderte folgendes zu Tage: Auf dem Kragen steht "XVII 11" ... den Screenshot habe ich nochmal angehängt. Das zugehörige Bataillon müsste in Schlawe beheimatet gewesen sein. Schlawe als Stadt in Westpommern käme vielleicht in Betracht, wenn mein Urgroßvater nach 1914 mobil gemacht wurde und die Familie vorher - aufgrund des Einmarsches der Zarenarmee - in Richtung Westen geflüchtet war; das ist allerdings nur eine Deutung und keine Gewissheit. Vielleicht hast du mehr Wissen oder einen alternativen Ansatz? Das würde mich interessieren.


    Vielen Dank und liebe Grüße

    Jonas

  • Hallo J. H.,


    vielen Dank für den Buchtipp! Ich werde mal einen Blick reinwerfen. Das Problem, das ich häufig habe ist, dass die Handschrift stark von der Normschrift abweicht. Meine Vorfahren gehörten nicht zu den Bevölkerungsschichten, die viel geschrieben haben. Daher ist die Schrift oftmals recht "krakelig".


    Dennoch, vielen Dank!


    Liebe Grüße

    Jonas

  • Hallo Waltraut,


    die Seite kenne ich. Nach "August Frischkorn" gesucht, gibt es zwei Einträge. Einer der beiden stammt aus Hessen (von dort ist meine Familie um 1700) ausgewandert. Der andere stammt aus Ragnit (nicht so weit entfernt von Pillkallen); zumindest der Geburtsmonat stimmt ebenfalls. Er ist als "verletzt" eingetragen, 1917. Darüber gibt es aber in meinen Aufzeichnungen keine Berichte. Der Treffer könnte zu meinem Urgroßvater gehören.

    Danke, dass du das nochmal erwähnt hast!


    LG

    Jonas

  • Hallo Jonas,

    in der Regel wurden die Soldaten bei Mobilmachung im Distrikt des Bezirkskommandos eingezogen, bei dem sie zum Zeitpunkt der Mobilmachung gemeldet waren. Melden mußte man sich beim Bezirkskommando seines aktuellen Aufenthaltsortes, wenn man länger als 14 Tage dort vor Ort war.

    Deine Vermutung könnte also zutreffen. Eine andere Möglichkeit ist, dass das Foto nach seiner Verletzung entstand, aufgrund derer er nicht wieder in den alten Truppenteil zurückkam. Weil er event.nicht mehr fit genug war, ist er dann zum Landsturm versetzt worden.

    Schöne Grüße,

    JR

  • Hallo JR,


    das ist dann das Problem der Ahnengeschichte, wenn niemand mehr da ist, den man fragen kann ... Mein Urgroßvater wurde (sofern es sich in der Verlustliste um ihn handelt) am 20. März 1917 verwundet. Zu diesem Zeitpunkt war das genannte Landsturm-Bataillon offenbar ein Teil der 2. Armee, die an der Siegfriedstellung eingesetzt war, nachdem man sich von der Somme zurückgezogen hatte. Ich finde leider keine Informationen darüber, ob der Landsturm (bzw. die zugehörige Infanterie) auch direkt an der Front eingesetzt war.

    Zu Beginn der 1. WK war mein Urgroßvater bereits 37 Jahre alt. Beim Thema "1. Weltkrieg" bin leider an vielen Stellen etwas überfragt und weiß nicht, ob es für die erste Mobilmachung eine Altersgrenze gab, bzw. wie die Aufstellungswellen verliefen. Beim Thema "2. Weltkrieg" bin ich da etwas bewanderter.


    Vielen Dank für die Hilfe und die Anregungen!


    LG

    Jonas

  • Ich finde leider keine Informationen darüber, ob der Landsturm (bzw. die zugehörige Infanterie) auch direkt an der Front eingesetzt war.

    Hallo Jonas,

    ursprünglich war das nicht beabsichtigt. Aufgrund der Krise an der Ostfront 1914, die bedrohliche Ausmaße annahm, wurden dort aber relativ schnell auch Landsturm-Einheiten an der Front eingesetzt. Soweit ich weiß, geschah das im Westen deutlich seltener. Später wurde der Landsturm im Osten an der Front eingesetzt, weil dort zeitweise wenig los war, also um andere Einheiten zu entlasten.

    Die Eingruppierung zum Landsturm läßt sich nicht (nur) über das Alter erklären. Alle Personen, die der Wehrüberwachung oblagen und weder aktiv dienten noch der Reserve, Landwehr und Ersatzreserve angehören, waren landsturmpflichtig. Dazu gehörten die bei der Musterung als bedingt tauglich oder für den Dienst im Heer und der Ersatzreserve als untauglich befundenen Rekruten, die aber dennoch Landsturm-tauglich waren.

    Gerade letztere wurden oft im unbewaffneten Landsturm eingesetzt, der aus Arbeiter-Btl. /Armeirungsbataillonen, Straßenbau-Btl, Wirtschafts-Kompanien u.ä. bestand. Dein Vorfahr war aber wohl beim Landsturm I. Aufgebot, dem man regulär bis zum Alter von 39 Jahren angehörte. Danach gings in den Landsturm II. Aufgebot, zu dem man bis zur Vollendung des 42. Lebensjahres gezogen werden konnte (seit dem Wehrgesetz von 1875, 1888 erweitert auf 45. Lebensjahr).

    Es gab also zwei "Schienen" auf denen man zum Landsturm kam: Alter und Tauglichkeit. Auf der Schiene "Alter" hatte man zuvor aktiv gedient und die Landwehr durchlaufen, hatte also militärische Erfahrung. Auf der Schiene "Tauglichkeit" war man beim ungedienten Landsturm, hatte also keine. Da wurde man nach Einberufung in crash-Kursen militärisch "tauglich" gemacht, bevor es im schlimmsten Fall an die Front ging. So hatte man natürlich weniger gute Chancen heil aus der Sache rauszukommen.
    Gruß,

    JR

  • Hallo JR,


    wow ok. Danke für die Aufklärung, das ist sehr interessant und es zeigt einmal mehr, wie viel Glück manchmal dabei ist.

    Vielen Dank für die Hilfe!


    LG

    Jonas

  • Hallo Jonas,


    ein August Frischkorn hat 1936 noch in Ragnit gewohnt, Anger 20.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,


    wenn ich mich nicht irre, dann hast du diese Info ggf. vom "Portal Ahnenspuren". Diese Quelle nutze ich auch und ich habe den Datenpunkt auch gefunden. Korrekt ist, dass mein Urgroßvater zu diesem Zeitpunkt bereits Rentner war, allerdings hat er - zumindest der Einwohnerliste der Chronik von Lindenhaus nach - seinen Altenteil auf dem Hof der Familie verbracht. Das würde gegen Ragnit sprechen. Er muss kurz darauf, vor dem Jahr 1939 verstorben sein.

    Leider habe ich bisher keine Möglichkeit gefunden, um amtliche Dokumente jenes Kreises einsehen zu können. Da ich aber aus meiner eigenen Recherche für meine Familienchronik weiß, wie heftig die Kämpfe 1944 in Ostpreußen getobt haben, mache ich mir keine Hoffnung, noch Dokumente zu finden; ich denke sie sind durch Kriegseinwirkung zerstört worden.


    Vielen Dank für deinen Hinweis!


    Liebe Grüße

    Jonas