Die Angst und Panik des Soldaten auf dem Schlachtfeld

  • Hallo Karl, Du schreibst

    "Dt. Flieger benutzten die Meldehülse" vermutlich meinst Du "für menschliche Ausscheidungen" , umgangssprachlich "Kaffee-Wasser abschütten" .

    Im Cockpit eines Strahljägers haben "Meldehülsen" - wie alle losen Teile - nichts zu suchen.

    Bei Beschleunigungen bis 5 Gravitationen im Düsentrainer T 33 , beim Eurofighter bis zu 9 Gravitationen,

    können im Cockpit umherfliegende lose Teile schwere Schäden anrichten.

    Hätte ein Crew Member z.B. eine Thermosflasche ins Cockpit mitgenommen, wäre er umgehend "grounded" worden.


    Zum Thema "Piloten- Frühstück" noch eine Vorschrift:

    "24 Stunden vor Flug kein Alkohol".

    Gruss jostdieter

  • Hallo,


    um die Angst des Soldaten, in vorliegendem Fall des Panzerfahrers, zu überwinden stelle ich heute einen Auszug aus dem

    " Handbuch für Fahrlehrer der Panzertechnik",

    zur Verwendung als Ausbildungsmittel in der NVA, ein. Gleichzeitig möchte man mir Nachsehen, das ich dieses Kapitel, das nicht aus der Kriegszeit stammt, hier einstelle, aber ich finde es so interessant, dass ich es nicht vorenthalten wollte.


    Gruß Karl

  • Hallo,


    der ASMZ, Band 154 ( 1988) Heft 11, entnehme ich dem Beitrag von Knill, Marcus:" Die psychologische Beeinflussung im Krieg" folgendes ( Auszüge!):

    "Wenn bei Panik kein Führer eingreift, zeigt sich

    - kopfloses Fliehen, kopfloses Handeln ( (Bei Bränden machen wir das Falsche:Geschirr wird mitgenommen, Kleider werden hinunter getragen usw.)

    - ungesteuertes Hin - und Hergehen

    - Plündern ( oft in der Gruppe)

    das unkontrollierte Verhalten kann bis zur körperlichen Erschöpfung andauern........


    .....Panik an der Ostfront zum Teil nur mit verblüffenden Maßnahmen vermieden werden. Panik wurde vom Führer durchbrochen mit Befehlen, wie "Hinlegen! Mit Schnee einreiben!" Die Verblüffung führte gleichsam zu einer geistigen Standortbestimmung. (Rückbesinnung auf die Realität)


    .......An der Front haben folgende Maßnahmen gegen die unzähligen Ängste geholfen

    > Beschäftigung**

    > Erfahrung ( Wenn ähnliche Situationen bekannt sind)

    > Information (wenn man die idee de manoevres* erfasst hat

    > Gruppenbildung

    > Der Soldat muss lernen selbst mit der Angst fertig zu werden ( Da stimme ich nicht voll umfänglich zu. Nach meinen Erfahrungen ist dies eine Sache der Veranlagung (Angsthase), des Charakters, der Erziehung usw., Dies geht nur bis zu einem gewissen Punkt und dann bricht wieder das Angstgefühl aus. D.U.)

    > Der Betroffene muss die Situation formulieren, aussprechen können (Verbalisierung der Angstsituation).


    Dass die Angst Auswirkungen zeigt, bestätigen Berichte ( Ich denke das hat er von Marshall: "Soldaten im Feuer" ( Erfahrungen im Koreakrieg) übernommen D.U.), die deutlich machen, dass von 100 Mann nur 15 die Waffe gebrauchen (Siehe meine obige Anmerkung!). Allerdings hat der britische Soziologe Michael Mann ausgeführt, dass dies seiner Meinung nach keine moralischen Bedenken der US - Soldaten gewesen sein könnten, wie mehrfach angenommen. ( Folglich Panik! D.U.) Er widerlegte dies durch einen Vergleich mit dem amerik. Bürgerkrieg und stellte fest, dass die Befragung deutscher Soldaten durch Marshall diese Frage gar nicht beinhaltet hätte.


    Fortsetzung folgt!


    Gruß Karl


    * Einfach interpretiert: Kampfplan! Wer es genauer wissen will: Schweizer Soldat: Band 48 ( 1973), Heft 9

    * Dieser Grundsatz wurde in der Wehrmacht schon immer ( unbewusst) durch den Grundsatz: "Schanzen spart Blut" Rechnung getragen.

  • Hallo,


    allgemein bekannt ist die Panzerangst, auch Panzerschreck ( nicht die Waffe), Panzerpsychose, die Soldaten veranlassen konnte bei einem Panzerangriff die Stellung aufzugeben. Dies galt besonders nach den Erfahrungen mit der 3,7 cm Pak vs. T 34.

    Auch das Lebensalter spielt eine Rolle. Jüngere Soldaten sind erfahrungsgemäß nicht so kritisch und nachdenklich wie ältere Soldaten. Junge Soldaten sind auch leichter/schneller für etwas zu begeistern.

    Im Unterschied zum I. Weltkrieg scheint es wenig Untersuchungen über Kriegsneurosen zum 2. Weltkrieg zu geben.

    Besonders aufschlussreich finde ich die Abhandlung

    "Soldatische Angst im I. Weltkrieg - Die Karriere eines Gefühls in der Kriegspsychiatrie Deutschlands, Frankreichs und Rußlands"

    von Susanne Michl und Jan Plamper, nachzulesen im DigiArchiv "Geschichte und Gesellschaft 35, S. 209 -248, Vandenhouk & Ruprecht GmbH & Co.KG Göttingen, 2009, ISSN 0340-613X.

    https://research.gold.ac.uk/id…g_09_02_michl_plamper.pdf

    Dort wird die Zahl von 200.000 diagnostizierten Kriegsneurosen für den gesamten Verlauf des I. WK jeweils in Frankreich und Deutschland angegeben.

    (Dort weitere Quellenhinweise).

    Einen historischen Überblick gibt es hier:

    https://www.nationalgeographic…eurose-zur-traumadiagnose.


    Ich wage die Behauptung, dass die große Mehrzahl der "leichteren" Kriegsneurosen gar nicht diagnostiziert wurde, da nicht als Kriegsneurose erfasst, wie wissenschaftlich auch belegt, denn wenn man die mir geschilderten Angstzustände von Veteranen, die nicht offen zu Tage traten/treten, weil nicht gezeigt, erwähnt, hinzu nimmt, so ergibt sich meines Erachtens, dass viele der tatsächlich an vorderster Front oder vom Bombenkrieg unmittelbar Betroffene in irgend einer Form gesundheitlichen Schaden genommen haben. Voraussetzung ist allerdings, dass man die Schlafstörungen, Angstträume u.a. Begleiterscheinungen als ursächlich in den Kriegserlebnissen sieht. ( Siehe auch den Beitrag von Bert: Kriegszitterer)

    Übrigens, ähnliche Neurosen sind sicher auch bei ehemaligen KZ - Insassen, von Gulag und in Todeszellen Inhaftierten etc. festzustellen.

    Nun bin ich etwas vom Thema abgewichen, finde aber, dass dies Problematik der Kriegsneurosen dazu gehört, denn auf dem Schlachtfeld liegt die Ursache, die sicher dort bereits den Menschen erfasste und zur Panik führte.


    Gruß Karl

  • Hallo,


    Prof. U.F. Zwygart formuliert das in seinem Buch:

    "Menschenführung im Spiegel von Kriegserfahrungen"

    S. 55 wie folgt:

    "Deutsche Erfahrungen im II. WK

    Die meisten Vorgesetzten bewältigten die natürlich Angst durch die deutliche Pflicht, im Frieden anerzogen und im Krieg durch das Vertrauen der Männer verstärkt, ein Beispiel zu geben: Insofern war es für viele leichter, Vorgesetzter zu sein, weil die Führungsverantwortung das ermöglichte.


    Die andere Reaktion war der vorsichtige Führer, keineswegs feig, aber sich gerne abstützend auf seine Umgebung, nicht entschieden, aber dennoch zuverlässig, wenn auch nicht herausragend. Der Typ wollte seine Pflicht erfüllen, aber sich nicht unnötig aussetzen, einsetzen oder gar über den Befehl hinaus initiativ werden.


    Der dritte Typ war der Versager, den es auf allen Ebenen gab. Er tat lieber nichts, als entscheidend und entschieden zu handeln, mied die Gefahr, befahl gern von hinten und liess seine Männer vor allem Deckungen für sich und seinen Stab bauen".


    (In der Fußnote verweist Zwygart auf : Gal Reuven: Characteristic of Heroism, S. 34)


    Gruß Karl

  • Lieber Karl,


    aus den Erzählungen eines Veteranen, der an der Woroneschfront im Einsatz war:


    Ein in der Nacht zur Wache eingeteilter Soldat fing nach Mitternacht zu schießen an. Er vermutete in etwa 50 m Entfernung einen Rotarmisten. Als er endlich das Feuer einstellte, war klar, der Soldat

    hatte auf eine Busch geschossen, der sich im Wind bewegte. Die Folge war ein massiver Feuerüberfall der Russen. Es gab bei der betroffenen Einheit sogar Verwundete.


    Der damalige Vorgang beschreibt die plötzliche Angst des Soldaten, die zu einer unüberlegten Reaktion führte und somit in Panik ausartete.


    Grüße

    Bert