WN62 - Erinnerungen an Omaha Beach

  • Ist sicher interessant, aber ich habe doch ein gespaltenes Verhältnis zu Hein Severloh. Ist halt ein Produkt vom Keusgen und vom Knopp.

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  • Hallo,


    einige Leute sagen Herrn Severloh, genauso wie Herrn Gockel, nach, das diese in ihren Geschichten ein bisschen übertreiben und fantasieren.


    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

  • Ich hab das Buch auch gelesen und kann daran aber nichts "merkwürdiges", übertriebenes o.ä., finden.
    Was genau soll daran übertrieben sein?

    Logik ist die Kunst, zuversichtlich in die Irre zu gehen.

  • Hallo,
    ich habe das Buch gelesen und finde es nicht berauschend, als persönliches Erlebnis wohl lesenswert.
    Allerdings sind Severlohs Zahlen stark übertrieben. Vor kurzem habe ich eine Aufstellung der amerikanischen Verluste nach den vorhandenen Unterlagen in einer französischen Zeitschrift gelesen. Die Verluste waren zwar schwer, aber absolut nicht so wie im Buch beschrieben.
    Kerusgen macht ja auch Führungen und bekannten erzählte er die roten Steine am Strand seien rot, weil mit Blut vom 06.06.1944 getränkt. Manche Führer erzâhlen schon sehr seltsame Dinge.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Ich weis, das es schon einmal eine Diskussion über die Erzählungen in dem Buch in Verbindung mit den daraus folgernden Zahlen gab.
    Hier wurden die Erinnerungen in Zahlen "umgemünzt", nämlich der Munitionsverbrauch im Vergleich zu den Verlusten und techn. Möglichkeiten.


    Rainer : Ich möchte aber trotzdem gerne wissen, welche Zahlen denn so übertrieben gewesen sein sollen.


    Nur weil uns etwas unfassbar erscheint muß es nicht gleich unmöglich oder übertrieben sein.

    Logik ist die Kunst, zuversichtlich in die Irre zu gehen.

  • Quote

    Original von Gerd

    Rainer : Ich möchte aber trotzdem gerne wissen, welche Zahlen denn so übertrieben gewesen sein sollen.


    Hallo,
    wenn ich mich recht entsinne, dann hat Severloh nach seiner Angabe so um die 2000 Amerikaner allein vor WN 62 getötet.
    Hier etwas zu den Gefallenenzahlen an Omaha-Beachçin französischer Sprache einschliesslich alliierter Quellen):
    http://fr.wikipedia.org/wiki/Bilan_détaillé_des_pertes_à_Omaha_Beach
    Danach sind es etwas über 800 Gefallene und knapp die gleiche Anzahl Vermisste am gesamten Omaha-Beach. Im WN 62 gab es ja auch noch den Gockel als MG-Schützen.
    Und am Omaha-Beach gab es, wenn ich mich recht entsinne, 11 WN mit der entsprechenden Anzahl von Maschinenwaffen.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Also, die Munition, die er mit seinem MG 42 und der Zeit verschossen haben will ist sehr unglaubwürdig, ebenso die zahlen seiner Opfer. Auch die Zeitangaben sind eher unglaubwürdig, denn die US Berichte nennen andere Zeiten im Kampf um WN62.


    Ich habe auf VHS Dokus von 1994, in denen Gockel und Severloh über den tag berichten. 2004 ist der Bericht völlig anders, dramatischer und gepuscht. Mag daran liegen, dass Herr Keusgen der Ghostwriter bei WN62 war, und dessen Bücher über die Invasion sind auch eher oberflächlich und eher eine Abschreibearbeit.


    WN62 ist sicher interessant zu lesen, aber taugt nicht als Quelle.

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  • Moin!


    Keusgen hin oder her! Er kommt eben aus der Werbebranche!


    Seine Bücher "Stützpunkt WN62 1942 - 1945" und "Die Kanonen von Saint Marcouf" sind super! Schöne Pläne der Bunkeranlagen etc. Keine Abschreibarbeit!
    "Pointe du Hoc" und "Omaha-Beach" dagegen nur Durchschnitt. Man darf auf das kommende Utah-Beach Buch gespannt sein!


    Aber dennoch gut das sich ein deutschsprachiger Autor der Sache annimmt!


    Georges Bernages englischsprachiges Buch "Omaha-Beach" beschreibt die Vorgänge vielleicht sachlicher. Aber auch er verdeutlicht in Wort und Plan wie die "Landing crafts" durch Strömung, Wind und Navigationsfehler in den Bereich halblinks vor Severlohs MG trieben. Gockel hatte ein polnisches, wassergekühltes Beute-MG und Severloh das MG42 und die bessere Aussicht.


    Aber er war nicht alleine, andere schossen auch.
    Die Zeitpunkte des Ausfalls der (schweren) Waffen sind fast alle dokumentiert. Die 88mm am Ostrand von Omaha konnte noch ca. 45 Min. wirken, die am Westrand war wahrsch. um 10.00 Uhr noch intakt.
    Es knallte überall mächtig!


    Gruß
    Andre

    Edited once, last by Andre ().

  • Ob hier nun absichtlich übertrieben wurde oder aber die Erinnerung einige Lücken aufweist? Mir erscheint das Buch von Severloh, der ja wohl nun verstorben ist, doch recht authentisch.
    Es ist, meiner Meinung nach, ein gutes Buch das die Geschehnisse so wiedergibt, die sich so nach seinen Erinnerungen und Erlebnissen abgespielt haben. Was ich auch interessant finde, dass dort auch Personen genannt wurden, die seiner Beschreibung nach, gar nicht vor Ort waren. Ich meine es handelt sich um einen Offizier der Ari., müßte ich aber nachschauen.
    Das er nicht einschätzen konnte was oder wer noch am Feuerkampf beteiligt war liegt auf der Hand und wurde auch hier in anderen Themen bereits beleuchtet.


    Für mich bleibt es ein gutes Buch zur Zeitgeschichte.

    Logik ist die Kunst, zuversichtlich in die Irre zu gehen.

  • na ja, ich besitze zwar auch das Buch, geschenkt bekommen, aber so toll finde ich es auch nicht. Sicher hatte Severloh aus seiner Stellung ein ziemlich gutes Schussfeld, aber den gesamten Raum vor WN 62 konnte er nicht abdecken.


    Zitat:" Es ist, meiner Meinung nach, ein gutes Buch das die Geschehnisse so wiedergibt, die sich so nach seinen Erinnerungen und Erlebnissen abgespielt haben."


    Gerade die Erinnerungen von "Veteranen" muss man manchmal unter ein sehr kritisches Licht stellen. So manches sieht bei vergleichender Betrachtung doch etwas anders aus.
    "Severlohs Buch" lässt sich sehr leicht lesen.

    Suum cuique

    Edited once, last by Rainer ().

  • Hallo Forum!
    Für mich sind solche Bücher eine nette Bettlektüre, schön und flüssig zu lesen, aber was soll man mit den Erinnerungen eines Landsers grossartig anfangen?
    Eine Art Konsalik, kann solch ein Buch mehr sein?
    Bei solchen Büchern tritt meiner Meinung nach das grösste Problem zutage, wenn man es mit Zeitzeugen zu tun hat: Wird wirklich alles erzählt oder nur das , was positiv in Erinnerung geblieben ist...
    Grüsse Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Quote

    Original von Huba
    Hallo Forum!
    Für mich sind solche Bücher eine nette Bettlektüre, schön und flüssig zu lesen, aber was soll man mit den Erinnerungen eines Landsers grossartig anfangen?
    Eine Art Konsalik, kann solch ein Buch mehr sein?
    Bei solchen Büchern tritt meiner Meinung nach das grösste Problem zutage, wenn man es mit Zeitzeugen zu tun hat: Wird wirklich alles erzählt oder nur das , was positiv in Erinnerung geblieben ist...
    Grüsse Thomas


    Für mich sind solche Bücher mehr als nur eine kurzweilige Bettlektüre. Sicher werden nicht alle Einzelheiten und nur der ein kleiner Punkt beschrieben, eben aus der eigenen eingschränkten Sicht des Landsers.
    Diese Sichtweise macht den Krieg für mich begreiflicher und dadurch abschreckender als es bloße Zahlen oder Fakten könnten.
    Mit dem Wissen darum ist ein solches Buch und die darin enthaltende Lebensgeschichte ein wertvoller Aspekt und Teil der Geschichte.

    Logik ist die Kunst, zuversichtlich in die Irre zu gehen.

  • Hallo,
    mir haben einige Veteranen auch so einiges erzählt. Ich habe einiges in Bibliotheken nachlesen können. Mit Masse waren die Aussagen zu bestimmten Sachen aus zweiter Hand und durch absolut keine Unterlagen belegbar.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Bei mangelnder Belegbarkeit sit das dann so eine Sache glaub ich das oder wer erzählt mir das? Ein Verwandter, ein Bekannter oder die wievielte mündliche Weitergabe ist das? Das sind alles Sachen die man mit sich selbst ausmachen muß und ob man die Erzählungen glaubt oder auch glauben kann/will.
    Keine Frage, das ist wirklich schwierig.

    Logik ist die Kunst, zuversichtlich in die Irre zu gehen.

  • Quote

    Original von Gerd
    Für mich sind solche Bücher mehr als nur eine kurzweilige Bettlektüre. Sicher werden nicht alle Einzelheiten und nur der ein kleiner Punkt beschrieben, eben aus der eigenen eingschränkten Sicht des Landsers.
    Diese Sichtweise macht den Krieg für mich begreiflicher und dadurch abschreckender als es bloße Zahlen oder Fakten könnten.
    Mit dem Wissen darum ist ein solches Buch und die darin enthaltende Lebensgeschichte ein wertvoller Aspekt und Teil der Geschichte.


    Hallo,
    man kann das so oder so sehen. Aber wenn ich einen Ghostwriter brauche um meine Erinnerungen zu formulieren, dann kommt bei mir schon ein Fragezeichen.
    Die eingeschränkte Sicht ist aber oft ein Handicap, denn als Lurch sieht man nur die nächste Grasspitze und sonst nichts.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • das buch ist meiner meinung nach nicht schlecht, ob 200 mehr oder weniger, is egal. fakt ist, dass er sein wn hielt und das beste aus seiner damaligen lage machte. horrido...

  • Quote

    Original von Gerd
    Bei mangelnder Belegbarkeit sit das dann so eine Sache glaub ich das oder wer erzählt mir das? Ein Verwandter, ein Bekannter oder die wievielte mündliche Weitergabe ist das? Das sind alles Sachen die man mit sich selbst ausmachen muß und ob man die Erzählungen glaubt oder auch glauben kann/will.
    Keine Frage, das ist wirklich schwierig.


    Belegbar ist, dass die Verhältnisse in dem KGL wirklich sehr schlecht waren, so schlimm, dass das Lager sogar deswegen aufgelöst wurde. Allerdings die täglichen Todeszahlen waren etwas übertrieben. In zwei Jahren insgesamt etwa 40 % werden durch nichts belegt. Dass es Abgänge gab, mit Masse altersbedingt, ist normal, von daher mache ich persönlich niemanden einen Vorwurf.

    Suum cuique

  • Quote

    Original von tschonn
    das buch ist meiner meinung nach nicht schlecht, ob 200 mehr oder weniger, is egal. fakt ist, dass er sein wn hielt und das beste aus seiner damaligen lage machte. horrido...


    stimmt ist nicht schlecht auf den ersten Blick. Aber bei genauerer Überprüfung kommen die Fehlerchen ans Licht

    Suum cuique