Bilder aus Ostpreußen

  • Hallo Claas.


    Aus welcher Ecke bzw. welchem Ort stammt der Opa denn?

    Mein Großvater wurde in Lubainen geboren, die Familie verteilte sich aber über Kraplau, Domkau, Döhringen bis Geierswalde.

    Nach dem Krieg verbrachte er noch einige Zeit bis zu seiner Ausweisung 1948 auf einem Bauernhof in Jantar bei Danzig.

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

    Edited once, last by Systemlord ().

  • Hallo Claas.


    Von Geierswalde hab ich sogar paar relativ aktuelle Bilder. Zumindest von der Kirche und dem Friedhof. Einige wenige deutsche Gräber sind dort noch vorhanden.


    Nun aber zu den versprochenen Bildern vom "Stützpunkt". Wohnen tun wir immer in einem der Häuschen. Das Essen gibt es im Hotel. Normalerweise ist da Vollpension. Wir buchen aber "nur mit Frühstück", da wir die Gegend erkunden wollen und nicht an den Essenstisch gebunden sein wollen. Und ab und zu gibt es bei uns auch mal eine Essenseinladung, da noch Teile der Verwandtschaft in der Gegend wohnen.

    Kurzer Abriss zur Familiengeschichte: Die drei großen Jungs (incl. mein Großvater) durften in den Krieg ziehen und blieben nach der Gefangenschaft in beiden neuen Teilen Deutschlands. Die Urgroßmutter mit den kleineren Kindern verblieb in Ostpreußen. Auf der Flucht wurden sie vermutlich von der Front überrollt und zurück geschickt. So genau konnte das keiner mehr sagen. Urgroßvater war im östlichsten Ostpreußen (irgendwo hinter Tilsit) in Gefangenschaft und hat sich dann dort später "selbst entlassen" und ist zu Fuß wieder nach Hause, weil es dort schöner ist. ;)

    Naja und die Heimat ist die Heimat und mit der von meinem Opa neu organisierten Wohnung in der damaligen Ostzone wurden sie nicht warm und blieben lieber zu Hause. Und damit der Rest ihrer anderen Kinder. Sie waren dann ja offiziell keine Deutschen sondern Masuren und mussten nur die polnische Staatsangehörigkeit annehmen. Und schon gab es dort in der Gegend keine Deutsche mehr. Also zumindest offiziell.

    Mein Urgroßvater hatte in seiner Heimatgegend einen guten Ruf, da er schon zu Zeiten vor Kriegsende die dortigen Polen ordentlich behandelt hatte und sie ihn damit als anständigen Menschen ansahen. Und so sagten sie nach Kriegsende zu ihm, bleib du hier, du bist ein ordentlicher Mensch und kennst dich auch aus, wie man den Boden (sehr sandig) hier bewirtschaftet.

    Mein Großvater ist fast 20 Jahre nach Kriegsende das erste Mal wieder zu Hause gewesen. Genau wie seine beiden Brüder. Man traute sich nicht, da man ja für Hitler gekämpft hatte.

    Aber egal. Geschichte ist Vergangenheit.


    Bild 71 Hotel -Rückseite

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    72 Terasse vom Hotel, da saßen wir immer zum Frühstück

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    73, 74, 75 einige der Häuschen und Blick ins Gelände

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  • Hey.


    Ein kurzer Abstecher ins ehemalige Westpreußen (jetzt Woiwodschaft Pomorski) führte uns nach Marienburg/Malbork.

    Dort ging es zur Marienburg/Zamek w Malborku.

    Die Marienburg wurde im 13. Jahrhundert errichtet, war Sitz der Hochmeister des Deutschordens, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist der größte Backsteinbau Europas.

    Zum Ende des zweiten Weltkrieges leistete in der Marienburg eine Wehrmachtseinheit der Roten Armee Widerstand. Dieser konnte nur gebrochen werden, in dem die Marienburg mittels schwerer Artillerie sturmreif geschossen wurde. Dabei wurden 60% der Marienburg zerstört bzw stark beschädigt.

    Die Restaurierungen nahmen und nehmen erhebliche Zeit in Anspruch. So wurde die Kapelle z.B. erst im Jahr 2016 wieder fertiggestellt.


    Für den interessierten Besucher ein kleiner Hinweis. Es werden Audio-Guides (kleiner Kasten ähnlich walkman mit Kopfhörern) in englisch, polnisch, russisch und deutsch angeboten. Diese starten automatisch am enstsprechenden Standort. Somit hat man Zeit und Ruhe sich alles anzusehen bzw. anzuhören. Es ist weitaus angenehmer als mit einer 30 Mann-Gruppe durchgeschleust zu werden und entweder die Ausführungen der Führung oder die Exponate zu erleben. Aber meist keins von beiden richtig.


    Auf den Bildern sieht man sehr gut die Farbunterschiede zwischen alter Bausubstanz und den neuen wiederaufgebauten Teilen.

    Bild 81 Außenansicht Ostseite, also vom Stadtzentrum aus

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    82 - Außenansicht Westseite - mit Fluss Nogat

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    83 - Namensgebende Marienstatue an der Kapelle des Hochschlosses

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    84, 85 - "Eingangsbereich"

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  • Hallo Bernd,


    ich war für eine Woche im September 2019 in Marienburg, Absolut zu empfehlen. Eine großartige Wiederaufbauleistung.

    Habe dann noch Tagesausflüge nach Danzig mit Besuch des Museums des Zweiten Weltkriegs und des Solidarnosc Museums

    und nach Stutthof und Kahlberg auf der Frischen Nehrung.

    Alles sehr beeindruckend und auf jeden Fall noch einen weiteren Besuch wert.


    Gruß


    Reinhard

  • Hallo Reinhard.


    Wir haben auch bei unserem ersten Besuch festgestellt, dass eine Woche viel zu wenig ist.

    Bisher waren wir schon sechsmal da. Wir machen eine Mischung aus Familien(bade)urlaub und Sightseeing.


    mfG Bernd

  • Hey,


    ein weiterer touristischer/geschichtlicher Ort ist das Schlachtfeld bzw die Gedenkstätte von Grunwald/Tanneberg. Also die berühmte Schlacht von 1410, als das Heer der Deutschordens auf das vereinigte polnisch-litauische Heer traf.

    Je nach Geschichtsschreibung wird es die Schlacht bei Tanneberg (westliche Schreibweise) oder bei Grunwald (östliche Schreibweise) genannt.


    Bild 96 -das Gelände

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    auf halber Strecke des Weges sind die Reste des Grunwalddenkmales von Krakau, am Ende der Obelisk und die "Fahnenmasten"


    Bild 97 - "Grunwalddenkmal von Krakau"

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    1910 wurde in Krakau anlässlich des 500sten Jahrestages der Schlacht ein Denkmal eröffnet, was während der Besetzung Polens 39/40 demontiert wurde.

    Reste davon wurden hier aufgestellt.


    Bild 98 - der Oblisk und die Fahnenmasten

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    Der Obelisk wurde 1953 zum 10.Jahrestag der polnischen Volksarmee aufgestelt.

    Die elf "Fahnenmasten" tragen Symbole der Polnischen, Litauischen und Ukrainischen Einheiten.


    Bild 99 - Modell der Schlachtordnung

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    Ich hab es mal versucht zu beschriften.

    Rot - die drei umliegenden Orte

    L - Ludwigsdorf/Lodwigowo; G - Grünfelde/Grunwald; T - Tannenberg/Stebark

    Durch die Steine wurde die Schlachtordnung und die Heerlager dargestellt - P/L -Polnisch-Litauisches Heer; DO - Deutschorden


    Bild 100 - Nachgebaute Kriegsgeräte

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  • Ein Museum ist direkt darunter untergebracht.

    Bild 101/102

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    Bild 103 - Diorama zur Schlacht

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    Es war leider etwas schwierig zu fotografieren, da die Abdeckung zu sehr gespiegelt hat.


    Bild 104 - Jungingenstein

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    Etwas weiter hinten im Gelände liegt der Jungingenstein.

    Dieser soll den Ort bezeichnen, an dem Ulrich von Jungingen, der Hochmeister und Heerführer des Deutschordens während der Schlacht fiel.


    Bild 105 - Ruine der Marienkapelle

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    Die Kapelle wurde um 1413 zu Ehren und zum Gedächtnis an Ulrich von Jungingen von dessen Nachfolger Heinrich von Plauen errichtet.

  • Die Schlacht fand am 15. Juli 1410 statt. Daher findet seit den 1990er Jahren jährlich am Wochenende um den 15.Juli ein großes Event auf dem Gelände statt. Dabei "bekämpfen" sich Reenactmant-Krieger und stellen die Schlacht (mehr oder weniger geschichtlich korrekt) nach.

    Dieses soll wohl eine der größten Reenactmant -Veranstaltungen in Europa sein.


    106. - Blick auf einen Teil des Geländes

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    107/108. - Heerlagerimpressionen

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    109. - Übergabe der beiden Schwerter

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    110. - Schlachtnachstellung

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    mfG Bernd

  • Und weiter gehts mit einem unüblichen touristischen Ziel.


    Vom 26. -30. August 1914 fand zwischen deutschen und russischen Truppen eine größere Schlacht statt. Zuerst wurde sie "Schlacht bei Allenstein" genannt, später aber aus Propagandazwecken zu "Schlacht bei Tannenberg" umbenannt um die "Schmach" von 1410 auszumerzen.


    In Oschekau/Osiekowo gibt es ein Ehrenfriedhof für 302 deutsche und 103 russische Soldaten, die am 26. August 1914 bei Kämpfen nahe Oschekau fielen.


    111. - Eingang zum Friedhof

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    112./113. - Überblick

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    114. - Gedenkstein für die gefallenen Helden

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    ursprünglich war dies der Fuß für ein großes Holzkreuz


    115. - Grabstein

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    mfG Bernd