Displaced Person (DP´s) aus Serbien

  • Guten Abend


    Weiss jemand, warum viele DPs aus Serbien nach dem Ende des Krieges nicht heimkehren, sondern in Deutschland blieben?


    Vielen Dank und beste Grüsse


    Karin

  • Hallo Karin,


    ich kann deine Frage zwar nicht beantworten, aber es hilft möglicherweise weiter, wenn man DPs als Displaced Persons versteht. Dazu gibt es diverse Suchergebnisse im Netz.


    Grüße

    elcaro

    elcaro interessiert sich sehr für die SS-Pz.Nachr.Abt. 1 LSSAH

  • Hallo,


    es handelte sich oft um Angehörige deutscher Volksgruppen wie den Banater Schwaben, die durch ihren Dienst in Wehrmacht und W-SS Repressionen in Jugoslawien ausgesetzt gewesen wären.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo.


    Ich weiß es leider nur aus bruchstückhaften Erzählungen.

    Der Opa (*1919) meiner Frau stammte aus Batschka Palanka (Plankenburg) in Serbien. Er kam während des Krieges als Volksdeutscher nach Sachsen zum Arbeiten. Später wurde er dann in die Wehrmacht eingezogen.

    Seine in Serbien lebende Familie (Eltern, Geschwister mit Familie etc.) mussten zum Kriegsende hin ihre Höfe von Jetzt auf Gleich verlassen, weil sie nun zu den bösen Deutschen und damit den Nazis gehörten. Sie wurden dort vertrieben.

    Und da einer ihrer Verwandten (Opa meiner Frau) im "KernReich" war, ging man dorthin wo der grad lebt. Da kennt man wenigstens einen Verwandten und hat einen Anlaufpunkt.

    Das lief wohl adäquat zur Vertreibung/Flucht der Deutschen aus allen Gebieten außerhalb (Russland-/Schwarzmeerdeutsche, Ostpreußen, Schlesien, Sudetenland etc.).


    Vor ein paar Jahren war meine Schwiegermutter mit ihrer Schwester im Urlaub in Batschka Palanka um die Heimat vom Opa zu sehen. Dort trafen sie auch eine dort gebliebene Cousine. Die war glaube um die 80 Jahre. Und die erzählte, dass die verbliebenen Deutschen in Lager interniert wurden, mit allen verbundenen Annehmlichkeiten. So wurden sie wohl mit Nahrung sehr knapp gehalten und als gute Mutter verzichtete sie auf ihre dünne Suppe und gab die ihren beiden kleinen Kindern.

    Was sie allerdings nicht wussten. Die netten Lageraufseher hatten zerstoßenes Glas untergerührt, woran dann beide Kinder starben.


    Zwar keine tollen Geschichten, aber ich hoffe deine Frage etwas aufgehellt zu haben.


    mfG Bernd

  • Moin,


    bei Displaced Persons handelt es sich um Ausländer auf deutschen Boden, die durch die deutschen bzw. Besatzungsbehörden mit verwaltet und versorgt wurden. Deutsche Flüchtlinge waren keine DP.


    In Bernds Beispiel: Ein Volksdeutscher aus der Batschka, welcher als Wehrpflichtiger in die Wehrmacht oder Waffen-SS eingezogen wurde, erhielt dadurch in der Folge die deutsche Staatsbürgerschaft, war ergo somit Reichsdeutscher. Aber wie gesagt, auf Volksdeutsche bzw. vertriebene Deutsche aus den Ostgebieten, trifft die Kategorie DP nicht zu.


    Grüße

    Christian

    Suche alles zu Esten in Polizei, Wehrmacht & Waffen-SS

  • Hi Christian,

    Ein Volksdeutscher aus der Batschka, welcher als Wehrpflichtiger in die Wehrmacht oder Waffen-SS eingezogen wurde, erhielt dadurch in der Folge die deutsche Staatsbürgerschaft

    waren Volksdeutsche nicht automatisch deutsche Staatsbürger (geworden)? Also auch ohne Mitgliedschaft in den bewaffneten Organen.


    Es gab doch den Spruch "heim ins Reich".

    "und wenn die Bürger nicht ins Reich kommen können, kommt das Reich zu ihnen."


    mfG Bernd

  • Moin,


    klares nein! Das sind zwei verschiedene Dinge.


    Wenn ein Volksdeutscher durch zwischenstaatliche Abkommen (wie z.B. die zu Ungarn gehörende Batschka)

    bzw. das Territorium wurde durch Deutschland direkt verwaltet (wie größtenteils das Banat) eingezogen wurde, dann erwarb der Mann durch seinen Wehrdienst die deutsche Staatsangehörigkeit.

    Seine restlich Familie war dabei nicht mit inbegriffen. Die Familie ging ja auch in der Regel eben nicht "Heim ins Reich", sondern verblieb in ihrem historisch angestammten Siedlungsraum.


    Siedelte die Familie nach Deutschland um, wie z.B. 39/40 die Volksdeutschen aus dem Baltikum, Bessarabien etc., so wurde die Familie durch die Eignungsprüfer des Rasse- und Siedlungshauptamtes überprüft und rassisch eingeordnet. Je nach Einordnung erfolgte dann die Einbürgerung. Einen Automatismus gab es dabei nicht.


    Gruß

    Christian

    Suche alles zu Esten in Polizei, Wehrmacht & Waffen-SS

  • Hallo Christian.


    Danke für die Erläuterung. Wieder was gelernt.

    Auch wenn das vielleicht nur ganz weit am Rande was mit der eigentlichen Frage hier zu tun hat.


    mfG Bernd

  • Hallo,


    übrigens ist mir vor einiger Zeit bei der Durchsicht von Aufnahmelisten eines Erstaufnahmelagers für Ausgewiesene aus dem Sudetenland aufgefallen. daß nach Kriegsende deutschstämmige aus dem Sudetenland nicht unbedingt als deutsche Staatsbürger gesehen wurden: Bei etwa einem Drittel war die Staatsangehörigkeit mit deutsch angegeben, bei einem weiteren Drittel mit ungeklärt und beim anderen Drittel mit CSR.


    Denke, das hatte mit den vorgelegten Ausweisdokumenten zu tun. Entweder deutsche Kennkarte, tschechischer Ausweis oder bei ungeklärt evtl. kein Dokument vorliegend.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Servus an die Corona,

    meines Wissens waren die DP`s alle ausländischen Personen, die durch Kriegseinwirkung ihren Heimatort verloren nach dem Krieg noch in Deutschland waren. Dazu gehörten besonders ehemalige KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, usw. Sie waren in der Regel in Lagern untergebracht, die Besatzungsmacht versuchte die DP´s in ihre Heimat zurückzuführen, also zu repatriieren.

    Und jetzt sind wir bei den Serben. In meiner Ortschaft waren kriegsgefangene Serben. Die Rückführung nach "Jugoslawien" war schwierig, da auch dort die Sowjets waren und Tito nicht kooperationswillig war (übrigens auch nicht mit den deutschen Kriegsgefangenen). Zum anderen waren darunter viele "Königstreue". Die Kriegsgefangenen wußten nicht, was ihnen in ihrer Heimat bevorstand, denn Tito sonderte nach Gesinnung aus. So wurde noch eine gewisse Anzahl bei ihrer Rückkehr interniert oder gar umgebracht. Hierfür gibt es von 20 serbischen Gefangenen in meiner Ortschaft zwei Fälle, die umgebracht wurden. Das wurde mir bekannt, als ich in den achtziger Jahren ehemalige Kriegsgefangene am Eisernen Tor an der Donau aufsuchte!


    Diese Vorgehensweise verbreitete sich natürlich bei den noch in Deutschland befindlichen Serben. So sind dann einige bei uns geblieben, jedoch nicht in meiner Heimat!


    Gruß und angenehme Osterfeiertage

    Hans