Letzte Truppeneinflüge in den Kessel von Stalingrad 1943

  • Hallo,


    kann mir jemand mitteilen, wann die letzten Soldaten zum kämpfen in den Kessel nach Stalingrad eingeflogen wurden? Also konkret sind Wiedergenesene oder auch neue Männer noch im Januar 1943 nach Stalingrad eingeflogen wurden?


    Herzlichen Dank im Voraus und beste Grüße,

    Mike

  • Hallo Mike,


    meines Wissen fanden überhaupt keine "Truppen"-Einflüge statt. Soldaten hatte die 6. Armee genug. Es kam zu einzelnen Einflügen von Fachpersonal u einigen "unbelehrbaren" Urlaubsrückkehrern (wie zB Oltn. W. Wüster).

    Menschen waren "tote Last"; wichtig war Nahrung, Nahrung, Betriebsstoff u Munition!!!

    Die 6. Armee forderte zuerst 750 to/Tag! Später wurden 500 to/Tag als Minimum gesehen. Dafür hätten täglich(!!)375 Ju 52 à2 to tatsächlich im Kessel landen MÜSSEN(!!).

    Bei Winterwetter lag die durchschnittl. Einsatzbereitschaft der Transporter bei 30-35%. Somit hätten für den 500 to Transport 1050 Ju 52 da sein müssen. Im ganzen Reich gabs aber nur ca. 750 Ju 52!!

    Und selbst WENN 1050 Ju existiert hätten, wäre es unmöglich gewesen, alle diese auf dem EINZIGEN verfügbaren Absprung-Flugplatz Tazinskaja abzustellen, beladen u zu warten!!

    Nach einer Besprechung am 23.11.42 wurden 350 to/Tag als das ABSOLUTE LEBENSMINIMUM angesetzt.

    Selbst diese Menge ist nicht an einem EINZIGEN der 70 Versorgungstage (am allerbesten Tag , 19.12.42, wurden 290 to eingeflogen) in Stalingrad eingetroffen!!.

    Durchschnittlich wurden pro Tag nur "jämmerliche " 88,6 to eingeflogen, obwohl alle Besatzungen u das Bodenpersonal Übermenschliches leistete!!!

    Um 1648 cbm Treibstoff, 1122 to Munition, 2149 to Verpflegung u.ä. einzufliegen und 24910 Verwundete auszufliegen, gingen 488 Transportflugzeuge verloren mit 1000 Toten an Flugzeugbesatzungen!!!

    Diese Zahlen beantworten wohl die Frage nach grösseren Truppeneinflügen.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo Ingo,


    herzlichen Dank für deine gestrige Antwort. Mein Vater gehörte der 29.ID, 71.IR aus Erfurt an. Nach Auskunft der WASt ist mein Vater nach seiner Genesung, er war verwundet worden, dienstfähig ab 1.11.1942. Bis zum 18.11. 1942 befand sich die 29.ID östlich von Elista im Großraum von Stalingrad. Ob mein Vater seine Truppe bis zum 18.11.42 erreicht hat, weiss ich nicht genau. In einem Buch des General Lemelsen kann man lesen, dass die Truppe Mitte November mit Wiedergenesenen und frischen Männer aufgestockt wurde. Wie du weisst, ist dann der Kessel am 23.11.1942 geschlossen wurden. Und jetzt kommt ein Widerspruch und deshalb habe ich die Frage so in das Forum gestellt: Ich bin sehr sicher, dass mein Vater mir berichtete, dass während des Einflugs in den Kessel der Befehl des Umkehrens kam! Danach hätte er seine ID nicht bis zum 18.11. 42 erreicht. Andererseits ist er lt. WASt am 16.01.1943 in das Kriegslazarett Gigant in der Nähes von Ssalsk ( 300km südöstlich von Stalingrad ) eingeliefert worden. Die 29.ID war definitiv im Kessel. Wahrscheinlich ist er einer der letzten die am 16.01. 43 von Pitomnik ausgeflogen wurde. Deshalb habe ich die Frage gestellt, bis wann Truppen in den Kessel eingeflogen wurden.

    Tausend Dank für dein Hilfe!

    Beste Grüße

    Mike

  • Hallo Ingo,


    ich glaube mich zu erinnern, dass Hitler einmal verfügt hat, für den Häuserkampf speziell ausgebildete Sturmpioniere einfliegen zu lassen.

    Quelle zu finden wird bei der Fülle des Materials zu Stalingrad schwierig.


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    danke für den Hinweis. Mein Vater war definitiv Pionier bei der Infanterie. Vielleicht wurde er auch nach seiner Genesung als Sturmpionier für den Häuserkampf ausgebildet. Er sprach oft von den Kämpfen Mann gegen Mann.


    Beste Grüße

    Mike

  • Im diesem Interview berichtet der damalige Oberleutnant Wüster auch darüber, was mit den Soldaten geschah, die damals aus dem Urlaub oder Lazarett zurückkamen und ihre Einheiten im Kessel nicht mehr erreichen konnten.

    Da kaum noch Leute nach Stalingrad eingeflogen wurden, hat man sie oft zu Alarm-Einheiten zusammengefaßt, die dann anderen Einheiten zugeteilt bzw. zum Stopfen von Löchern in der Front verwendet wurden.

    Vielleicht ist dein Großvater auf diesem Weg "ganz wo anders" gelandet... Hat die WASt keine Angabe gemacht, bei welchem Verband er bei seiner Verwundung eingesetzt war ??

  • Hallo "Ratze",


    Grußformeln an Anfang und Ende eines Beitrags sind Bestandteil der Forumsregeln.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Ratze,


    die WASt hat geschrieben das mein Vater zu den 71.IR der 29. ID beordert wurde. Das war seine Einheit. Was nicht sicher ist, ob er sie vor dem 18.11.42 erreicht hat. Ich habe Berichte gelesen, dass man zur damaligen Zeit beispielsweise von Rostow in die Heimat, also der Umgekehrte Weg, drei Wochen brauchte. Dann wäre er (fast) normal mit dem Zug dort hingelangt und wäre nicht "eingeflogen".

    Am 16.01. 43 ist er von der Truppe ins Lazarett eingeliefert wurden.

    Beste Grüße

    Mike

  • Hallo,

    zur damaligen Zeit beispielsweise von Rostow in die Heimat, also der Umgekehrte Weg, drei Wochen brauchte

    das erscheint mir fÜr eine Strecke etwas lang. Von Kirkenes nach Oberhessen gab es acht Reisetage;

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo,

    das erscheint mir fÜr eine Strecke etwas lang. Von Kirkenes nach Oberhessen gab es acht Reisetage;

    Gruss

    Rainer

    Hallo Rainer,

    ich habe die Zeitangabe aus einem Zeitzeugenbericht. Dort stand auch, dass es sehr viele Verletzte und Verwundete gab und man die viele Tote an den Bahnhöfen einfach rausbringen musste. Das erklärt vielleicht die Dauer. Möglicherweise.

    VG Mike

  • Hallo zusammen,

    lieber Rainer,


    man muss berücksichtigen, dass es


    Von Kirkenes nach Oberhessen

    auf dieser Strecke kaum Anschläge, wenn dann nur ganz selten, auf die Bahn gab, während das im Osten der Normalfall war und manchmal Züge zurückgehalten wurden, weil Vorrangzüge durchfahren mussten. Oftmals mussten erst Reparaturarbeiten durchgeführt werden, bevor die Strecke wieder befahrbar war. Sehr lange Fahrzeiten waren im Osten oft zu erwarten.


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,

    ich habe mir mal eine heutige Verbindung angesehen. Die dauert für diese Strecke(ohne Flug) heute mehr als sechs Tage(ohne Benutzung der Eismeerstrasse, die er damals auf Hin-und Rückweg im Winter benutzen musste. Und damals gab es etwas mehr Schnee. Auf der Eismeerstrasse gab es auch Anschläge, allerdings in bedeutend geringerem Ausmass.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo, Mike,

    Dein Vater beschäftigt Dich sehr. Diese unverarbeiteten Dinge Deines Vaters lassen Dich genauso wenig los wie mich. Du erinnerst Dich, mein Vater war auch bei der 29. ID (mot), beim Kradschützenbataillon. In den Jahren verzerren sich Erinnerungen, die Männer bauten sich ihre eigenen Erinnerungen auf. Mein Vater erzählte meinem Bruder dass er mit einem der letzten Flugzeuge aus Stalingrad ausgeflogen wurde. Ich habe bei der Wast, jetzt Bundesarchiv, nachgefragt und festgestellt, dass mein Vater 3 Tage vor Einschließung der 6. Armee aus einem Lazarett in Schlesien entlassen wurde. Er kann also nicht in Stalingrad gewesen sein, selbst wenn er ein paar Tage eher von sich aus gegangen wäre, konnte er Stalingrad nicht mehr erreichen. So hat er überlebt. So ungerne ich das sage, dieses Stalingrad war ein Schock für die Bevölkerung, doch waren auf einmal sehr viele in Stalingrad oder sind wieder herausgekommen, fast zu viele. Das machte sich sehr gut. Bitte verstehe mich nicht falsch, doch lassen sich manche Dinge einfach nicht mehr nachprüfen. Auch im Bundesarchiv in Freiburg gibt es keine Unterlagen zu unserer 29. ID mehr, sie sind, mit den Kriegstagebüchern, in Stalingrad geblieben. Und damit die Möglichkeit unseren Vätern auf die Spur zu kommen.

    Lesetip für mich ist ein uraltes aber dramatisches Buch von Theodor Plivier: Stalingrad, erste Auflage 1945 (!) Es für uns Nachkriegs "Krieger" manchmal nicht so einfach. Gerne können wir uns über unsere Väter und ie 29. ID. auf private Nachrichten austauschen.


    Beste Grüße Ulf

  • Hallo, warum sollte ein genesener Pionier der 29.I.D., wohl kampferprobt im Nah- und Häuserkampf in der Südstadt Stalingrad, nicht zu denen gehört haben, um ihn für die Operation Hubertus einzufliegen.


    Für die Operation Hubertus 09.11.1942-12.11.1942 wurden Pioniereinheiten (Sturmpioniere) in Stalingrad zusammen gezogen und ein Großteil über Gumrak versucht einzufliegen.


    Von der 4. Panzerarmee lagen Teile der 14. Panzer Division und zwei Bataillone der 29. Infanterie Division Anfang November 1942 in Gorodischtsche (Gorodishchenskiy), ca. 5 km von Gumrak entfernt.


    Am 11.11.1942 ist die 14. Panzer Division im Unternehmen Hubertus erwähnt.


    Wenn die Maschine abdrehen musste, dann wohl sehr wahrscheinlich nach Pitomnik, ca. 30 km von Karpovka wo der Hauptteil der 29. Infanterie Division zwischen Karpovka, Bereslavka und Parkhomenko östlich der heutigen A153 am Wolga Don Kanal und südlich der E40 lag.


    19.11.1942 begann Operation Uranus und am 23.11.1942 war der Kessel geschlossen.


    23.11.1942-3.01.1943 wurde die 29.I.D. aus der Stellung Karpovka, Bereslavka und Parkhomenko herausgelöst und in Richtung Flugplatz Pitomnik verschoben.


    10.01.1943 Operation Koltzo.


    16.01.1943 wurde Pitomnik von der Roten Armee überrannt.


    MfG

    Vergiss, mein Volk, die teuren Toten nicht und schmücke auch unsere Urne mit dem Eichenkranz !
    Quelle : Theodor Körner 1791 bis 1813 (Lützower Jäger und Dichter) und http://www.denkmalprojekt.org

  • Hallo,


    erfurt36


    ich muss da mal korrigieren.


    Da dein Vater am 08.08.1942 in Abganerovo verwundet wurde, kann er natürlich nicht an den Vorortskämpfen ab dem 3.09.1942 und der Südstadt Stalingrad teilgenommen haben.


    Da die beiden Bataillone der 29.I.D. in Gorodischtsche die dort als Reserve waren, wohl nicht an der Operation Hubertus teilnahm, um die Südfront nicht zu schwächen.


    Da bleibt dann für mich nur noch der ca. 9 km lange Frontverlauf bei Bereslavka zwischen Karpovka und Parkhomenko vom 23.11.1942 bis zum 3.01.1943.


    Wenn der Verwundetenausflug vom 16.01.1943 bestätigt ist, war er wohl im Kessel. Wie auch immer dort hingekommen und wer weiß bei welcher Einheit.


    Du schreibst, dass Du fast jeden Tag deines Vaters nachvollziehen kannst und dieses hier im Forum teilen wirst, solltest Du.


    Da gibt es bestimmt einiges nachzuarbeiten.


    8 Jahre für 90 km, ................ !


    Abganerowo August 1942


    MfG


    Einflug von Geneseneinheiten in den Kessel von Stalingrad

    Vergiss, mein Volk, die teuren Toten nicht und schmücke auch unsere Urne mit dem Eichenkranz !
    Quelle : Theodor Körner 1791 bis 1813 (Lützower Jäger und Dichter) und http://www.denkmalprojekt.org

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