Luftwaffe 1939 Flugblätter Maginotlinien

  • In das letzte Heft 'Terugblik 40-45", der niederländische Verein Documentatiegroep 40-45 steht ein Bericht über die Abwurf von ein Puzzel, basiert auf ein Pamflet (Leaflet), das abgewurden wurde über der Maginotlinien in 1939 durch die Luftwaffe. Das hat mein Interesse geweckt, auch weil ich das Bericht tendenziös finde.


    Mein Fragen dazu;


    Gibt es Belegen dieser Abwürfe?

    Wie war die Tätigkeit der Luftwaffe in 1939 über der Maginot Linie?


    Dank im voraus,


    Maurice

  • Guten Abend ans Forum und an Maurice,


    das verwendete Bild mit dem Spiegel ist eigentlich ein bekanntes antisemitisches Propagandabild der Nationalsozialisten. Eine schöne junge Frau guckt in den Spiegel und wird zum Spiegelbild einer als hässlich entsprechend überzeichneten jüdischen Frau. Diese Propaganda richtete sich an Alliierte der Briten, so an die Franzosen, um den britischen Partner schlecht zu machen.


    Die speziellen Fragen zur Luftwaffe überlasse ich den entsprechenden Experten.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo Maurice,


    Ob diese Karikatur tatsächlich als Puzzle-Flugblatt abgeworfen wurde, kann ich nicht sagen. Ich halte es aber für gut möglich; während des Sitzkrieges / Drôle de guerre waren beide Seiten einerseits darauf bedacht, den Widerpart an die eigene Präsenz und Potenz zu erinnern, diesem andererseits aber (noch) keine allzu großen Schäden zuzufügen. Deutschland wollte lieber die Alliierten auseinanderbringen, und als Ansatzpunkt hierfür diente die angenommene oder tatsächliche französische Kriegsmüdigkeit. Von daher ist die Karikatur folgerichtig: Dem Poilu wurde die Frage gestellt, ob er für England, das angeblich von Juden in den Krieg gehetzt wurde, den Kopf hinhalten wolle. Und sicher kannte der französische Soldat die Times, er war weder dümmer noch ungebildet als der Verfasser dieses recht dummen Artikels. Dessen Kritik geht in eine völlig falsche Richtung; er fokussiert sich auf den Gedanken, dass die Karikatur für Franzosen unverständlich sei, dass sie die Soldaten gar nicht erreicht haben könne und darauf, dass das Puzzle technisch schlecht gemacht sei. Dabei sollte die eigentliche Kritik sich vor allem auf den Antisemitismus und die transportierte Verschwörungstheorie konzentrieren. Im Gegenteil verfällt der Autor selbst in diskriminierende Formulierungen "typisch jüdisches Gesicht", was insgesamt für ein wenig reflektiertes Geschichtsverständnis spricht. Und selbstverständlich saßen nicht alle französischen Soldaten ununterbrochen 'im Bonker' und kriegten nichts (also auch kein deutsches Flugblatt) von der Außenwelt mit...


    Gruß, Thomas!

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

    Edited once, last by HiWi ().

  • Gutenabend Peter und Thomas,


    Dank für eure Antworten!


    Ja, das Thema 'Frau im Spiegel' ist öfter genützt worden, wie hier ein weiteres Beispiel angehängt.

    Und sicher, das genannte Argument das man ein flache Untergrund im Bunker braucht um ein Puzzel zu legen ist auch Quatsch. Die stehen nicht die ganze Tag, und hatten sicher auch Zeit dazu. Und wie ein typisch jüdisches Gesicht aussehen soll weiss ich auch nicht. Viel aufmerksame Gedanken also in dieses Bericht.. So etwas soll auf dieser Weise nicht publiziert werden.


    Manchmal finde ich die Botschaft auf Flügblätter auch recht clever, und das gilt für beide Seiten. In wie weit es Effekt gehabt haben soll ist mich nicht bekannt, aber ich kann mich vorstellen das ein alliertes Flugblatt wie 'befreie dich von Hitlers gangsterherrschaft', im Licht der Luftangriffe sicher Gedanken aufbringen konnte bei derjenige die sein Haus und Stadt in Trümmer sieht. Oft sehe ich das die allierte Flugblätter mehr der Logika folgen (es ist zwecklos weiter zu kämpfen) weil die deutsche mehr auf das Unterbauchgefühl eingehen (Dein Frau hat zu Hause Jemand anderes weil du hier bist)


    Vielleicht gibt es hier Luftwaffen Experten die etwas sagen können über die Tätigkeit der LW in 1939 über die Maginotlinien/Frankreich? Gab es reine Flugblatteinsatzen?


    Herzliche Gruss,


    Maurice

  • Hallo,


    sieh auch diesen Auszug hier zu Flugblättern:


    Weiter schildert er, das bereits im Oktober 1939 alliierte Flugblätter im entlegensten Ostbayern (Niederbayern, Passau) abgeworfen wurden, offenbar ohne jede deutsche Flugabwehr. Im Januar 1940 kam es zu ersten Flugblattabwürfen britischer Bomber über Wien und Prag. Beide Einsätze scheinen eine erhebliche Öffentlichkeitswirkung gehabt haben.


    Der Auto Rainer Ehm hat auch weitere Aufsätze zur regionalen Militärgeschichte veröffentlicht:

    Gruß Karl

  • Guten Tag,

    Vor etlichen Jahren hat Dr. Klaus Kirchner 22 Bände

    "Flugblatt-Propaganda im 2. Weltkrieg" herausgegeben - großformatige Bände mit farbigen Abbildungen und mit Angaben über den Einsatz dieser Flugblätter.

    Band 2 ist "Flugblätter aus Deutschland 1939/1940 : Bibliographie, Katalog / [Hrsg.:] Klaus Kirchner Klaus Kirchner , Erlangen, Verlag D u. C, 1982.

    Viele dieser Blätter, die 1939-40 über Frankreich abgeworfen wurden, sollen Misstrauen zwischen französischen und britishen Truppen sähen. Sie zeigen französische Soldaten an der Front und Briten, die sich im Hinterland mit französischen Frauen sexuell amüsieren.

    Beste Grüße

    Gebhard Aders

  • ... Abwurf von ein Puzzel, basiert auf ein Pamflet (Leaflet), das abgewurden wurde über der Maginotlinien in 1939 durch die Luftwaffe ...

    Hallo,


    könntest Du bitte die Überschrift in Deinem Beitrag von "Pamfletten" auf Flugblätter ändern? Das Forum ist deutschsprachig, alle User, die der niederländischen Sprache nicht mächtig sind, werden ohne Übersetzer kaum nachvollziehen können, um was es in diesem Thread geht. Außerdem wird wohl kaum jemand in der Forumssuche nach "Pamfletten" suchen, wohl aber nach Flugblättern - diese waren schon mehrfach Forumsthema.


    Vielen Dank & Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • M.S.Laarman

    Changed the title of the thread from “Luftwaffe 1939 Pamfletten Maginotlinien” to “Luftwaffe 1939 Flugblätter Maginotlinien”.
  • Tag allerseits,


    die Flugblätter der kriegführenden Länder haben (fast) immer vergleichbare Texte.

    Die Wehrmacht versuchte vor Beendigung des Westfeldzugs die französischen Truppen, auch die von der Maginot-Linie, zum "Aufgeben" zu bewegen. Die Sowjets verfuhren in Stalingrad ähnlich!


    Grüße

    Bert

  • Hallo,


    sehr oft enthielten die Flugblätter auch sog. Passierscheine zum passieren der feindl. Frontlinie um in Gefangenschaft zu gehen, wobei oft baldige Entlassung und sogar gutes Essen in Aussicht gestellt wurde.


    Gruß Karl

  • Guten Abend,

    Es gab Flugblatteinsätze über Frankreich und der Maginot-Linie, Berichte über diese finden sich beispielsweise in den Chroniken der KG 51 und 55. Welche Flugblätter genau abgeworfen wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.

    LG,

    Julian

  • Dank für euere Beiträge! Flugblätter sind ein interessantes Thema der Propagandakrieg. Dank auch für die Bücher tipp von Dr. Klaus Kirchner, werde mich einige bestellen. Interessanter Link auch über das Sammlen in der Eiffel!


    Herzliche Gruss,


    Maurice

  • Tag allerseits,


    zu diesem interessanten Thema noch eine Ergänzung:


    In seinem Buch "Unternehmen Barbarossa" - Seite 429 -, erschienen 1963 im Ullstein-Verlag, beschreibt der Verfasser Paul Carell treffend die damalige psychologische Kriegsführung der Roten Armee:


    Im Sommer 1942 war die 23. Panzerdivision noch neu an der Woronesch-Front. Sie führte als taktisches Zeichen den Eiffelturm, und das zeigte an, woher sie kam; sie kam aus Frankreich als Besatzungsverband. Die Rote Armee nutzte diesen Umstand zu einem Trick der psychologischen Kriegsführung. Sie warf über dem Einsatzraum der 23. Panzerdivision Flugblätter ab, auf denen zu lesen war:


    • Soldaten der 23. Panzerdivision!
    • Wir begrüßen Euch in der Sowjetunion!
    • Das flotte Pariser Leben hat nun ein Ende!
    • Von anderen Kameraden werdet Ihr gehört haben, was hier los ist,
    • doch bald werdet Ihr es selbst erfahren!

    Grüße

    Bert

  • Bert, danke für diese interessante Beitrag. Aufmerksam zu sehen wie gut die Russen informiert waren!


    Mittlerweile habe ich noch einige Flugblätter bekommen, sehe Anhang. Ich glaube nichts davon war gelogen.. Aber wurde solche Gedanken auch durch die Empfänger gemacht?


    Gruss,


    Maurice

  • Grüß Dich Maurice,


    diese beiden Flugblätter waren "recht gut gemacht", denn es ging nur um Fakten. Solche Flugblätter waren tatsächlich eine gewisse Gefahr für den NS-Staat, denn damit erfuhren

    Deutsche, dass die Goebbels-Propaganda eigentlich nicht mehr glaubhaft war.


    Grüße

    Bert

  • Tag allerseits,


    was das Propagandamaterial an der Ostfront betraf: Die Wehrmacht hatte anfänglich die besseren Flugblätter. Seitens der Wehrmacht wurde sogar eine PRAWDA herausgegeben, die von den Russen auch

    gelesen wurde.


    Die Sowjets und die Rote Armee hatten mit ihren ersten Flugblättern nicht gerade große Erfolge (Zahl der Überläufer). Typisch, das Beispiel von Walter. Aber die Sowjets waren durchaus lernfähig und

    die weiteren Flugblätter wurden da schon besser, wie das Beispiel von Leningrad im Anhang beweist.


    Grüße

    Bert

  • Tag allerseits,


    noch im Juni 1941, beim raschen Vordringen der Wehrmacht in die UdSSR, schufen die Sowjets die Soldatenzeitung "Soldatenfreund".


    Sowjetrussland betrieb dabei textlich reinsten Klassenkampf und schwadronierte über Großgrundbesitzer, Weißgardisten und sonstige Klassenfeinde. Mit dieser Art von Propaganda konnte man wohl kaum Soldaten der Wehrmacht beeinflussen oder sogar überzeugen! Jedenfalls wurde der "Soldatenfreund" bis Kriegsende publiziert.

    Die Texte wurden dabei merklich besser.


    Grüße

    Bert