Feldjägerbereitschaft

  • Guten Tag,

    ich habe ein Polizeikonvolut bekommen. Darin ist von der Feldjägerbereitschaft der Schutzpolizei (Feldjägerbereitschaft Duisburg) die Rede.

    Sind das schon Einheiten die im Kriegsfall der Wehrmacht als Feldjäger überführt werden sollten?

    Grüße aus Celle

    Thomas

  • Guten Tag ans Forum und an Thomas,


    das Foto hier einzustellen, wäre schon hilfreich.

    Bei der Wehrmacht wurden zu Kriegsbeginn Einheiten der Feldgendarmerie aufgestellt. Hierfür wurden auch Ordnungspolizisten der Gendarmerie und der Schutzpolizei verwendet.

    Bei der" Feldjäger-Bereitschaft Duisburg" dürfte es sich um eine SA-Einheit des ab Oktober 1933 aus der SA aufgestellten Feldjägerkorps (FJK) gehandelt haben. Solche Feldjägerbereitschaften des FJK war demnach eine NSDAP-interne Polizeitruppe aus deren SA-Angehörigen, die sich eine staatliche Polizeikompetenz angeeignet hatten und zur "Legalisierung" den Status von Hilfspolizisten erhielten. Zum 01.04.1935 verfügte das Innenministerium das Ausscheiden des FJK aus der SA. Zum 01.04.1936 erfolgte dann die endgültige Überführung von SA-Feldjägern in die staatliche Schutzpolizei, wobei aber nicht alle SA-Angehörigen übernommen worden sind. In Bochum waren das beispielsweise 47 von 65 SA-Feldjägern der dortigen Feldjägerbereitschaft. So sollten keine vorbestraften SA-Feldjäger, die es gab, dauerhaft in die Polizei übernommen werden. Die SA-Feldjäger hatten in den Feldjäger-Bereitschaften übrigens eigene Bezeichnungen, wie Unterfeldjäger, Feldjäger, Oberfeldjäger.

    Am 19.02.1936 kam es in einer Bochumer Gaststätte zu einer Schlägerei von Angehörigen der Duisburger Polizei die vorher die Bochumer Schlegel-Brauerei besichtigt hatten, mit Zivilisten. Das Bochumer Überfallkommando wurde gerufen. Unter den Duisburger und Bochumer Polizisten befanden sich auch Angehörige des FJK. Diese solidarisierten sich dann gegen den Bochumer Einsatzleiter des Überfallkommandos, einen Berufspolizisten.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

    Edited 2 times, last by Danuser ().

  • Hallo Peter,

    vielen Dank schon einmal für die Infos. Ein Foto habe ich angehängt.

    Grüße

    Thomas

    Files

  • Hallo Thomas,


    wir haben hier wohl einen Angehörigen des SA-Feldjägerkorps.


    Später dann gerne bei der motorisierten Gendarmerie oder Schutzpolizei gelandet.


    Grundlegende Informationen siehe SA-Feldpolizei – Wikipedia


    Gruß aus München

    Marcus

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  • Guten Tag ans Forum und an Thomas,


    habe noch was in den Schriften des Bundesarchivs von Rudolf Absolon gefunden, was dieser über das SA-Feldjägerkorps (FJK) geschrieben hatte.

    Demnach bestand das FJK ab Oktober 1933 aus grundsätzlich "alten Kämpfern" der Braunhemden, die in Preußen als Ordnungstruppe/Streifendienst tätig sein sollten. Sie trugen den SA-Dienstanzug in olivbraun, weißer "Waffenfarbe" und goldenem Polizeistern unter dem Hoheitsadler an der SA-Mütze. in Preußen saß das Kommando des FJK in Berlin und unterstand dem SA-Standartenführer Fritsch. Am Sitz jeder (preußischen) SA-Obergruppe befand sich auch der Sitz einer Feldjäger-Abteilung:

    I Königsberg

    II Stettin

    III a Breslau

    III b Berlin

    IV Magdeburg

    V Frankfurt/Main

    VI a Hannover

    VI b Düsseldorf.

    Unterhalb der Abteilungen gab es dann die Feldjäger-Bereitschaften aus jeweils 65 Mann in den großen (preußischen) Städten, zu denen auch wie bereits erwähnt Bochum und Duisburg gehörten.


    Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom April 1933 und durch organisatorische Änderungen im Polizeibereich, konnten SA-Feldjäger neue Schutzpolizeistellen besetzen. Dann zum 01.04.1935 gliederten Staat und Partei (was in beiden Fällen NSDAP-Funktionäre waren) das FJK in die Schutzpolizei ein. Die übernommenen SA-Feldjäger wurden damit Beamte. Bei der Eingliederung schied das FJK zwar aus der SA aus, behielt innerhalb der Schutzpolizei erst einmal ihre besonderen SA-Feldjägeruniformen und verblieben auch in geschlossenen Einheiten. Bei der Überführung wurden die FJK-Führer zu Offizieren und die Feldjäger zu Wachtmeistern (SB).

    Feldjäger-Bereitschaften wurden bei den Überfallkommandos (der Bezirkswachen) verwendet.

    Ab dem 01.04.1936 bestand das SA-FJK, somit auch seine Bereitschaften, nicht mehr. In Standorten mit staatlicher Polizeiverwaltung erhielten die bisherigen Feldjäger-Bereitschaften die Bezeichnung "Schutzpolizeihundertschaften". Den Übergetretenen wurde die Dienstzeit beim FJK und bei der Schutzpolizei allerdings nicht auf die Wehrdienstzeit angerechnet.


    Soweit meine Ergänzung zum Thema.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter


    P.S.: Jetzt kam mir Marcus vor der Fertigstellung meiner Ergänzung mit seinem Beitrag zuvor.

    (PH)

  • ... ich habe ein Polizeikonvolut bekommen ...

    Hallo,


    bei dem ehemaligen Besitzer dieser Unterlagen handelt es sich aber nicht um Verwandtschaft von Dir, oder?


    Zu dem genannten Ewald Lente ist im Bundesarchiv einiges zu finden, nachfolgend die Bestandseinträge - die zweite Akte ist sogar digitalisiert:

    Quelle: Bundesarchiv/Invenio


    R 9361-III/117408
    Lente, Ewald

    Bestandsbezeichnung: Sammlung Berlin Document Center (BDC): Personenbezogene Unterlagen der SS und SA

    Geburtsdatum: 24.2.1911

    Unterlagenart: Sachakte

    Alte Signatur: VBS 283 / 6035000508

    Benutzungsort: Berlin-Lichterfelde


    R 70-POLEN/783
    Lente, Ewald

    Bestandsbezeichnung: Deutsche Polizeidienststellen in Polen

    Amtsbezeichnung/Dienstgrad: Zugwachtmeister d. Gend.

    Bemerkung: Bild 146
    Enthält u.a. : Angehörige der SS-Polizei-Regimenter, der Sicherheitspolizei und des SD in Warschau, Radom und Galizien, des SS-Ausbildungslagers Trawniki und des SS-Bataillons Streibel, des Schutzmannschafts-Bataillons 206 sowie der Gendarmerie in den Distrikten Warschau, Krakau, Radom und Galizien
    Unterlagenart: Sachakte

    Alte Signatur: Slg. Research, Slg. Polen, Film 3

    Benutzungsort: Berlin-Lichterfelde


    Gruß, J.H.

    Edit: Zu der oben von Peter schon geschilderten Übernahme von Angehörigen des Feldjägerkorps in die Schutzpolizei zum 1.April 1935 noch ein kurzer Pressebericht.

    Quelle: Jeversches Wochenblatt Nr.78 vom 2.April 1935, Seite 2

  • Hallo,


    Ausführlich wird das Feldjägerkorps der SA behandelt in:
    Schütz, Peter: Die Vorläufer der Bundeswehr-Feldjäger: Ein Beitrag zur preußisch-deutschen Wehrrechtsgeschichte (Schriften zur Rechtsgeschichte, 122), Berlin 2005, S. 164 – 170.

    Hier wird mit sauberen Quellenbelegen vor allem der rechtliche Hintergrund dieser Organisation behandelt und es wird klar herausgestellt, dass es diese Formationen nur in Preußen gab. Auch die spätere Überführung in die preußische Schutzpolizei wurde durch Frick in seiner Eigenschaft als preußischer Minister des Innern, nicht in seiner Parallelfunktion als Reichsinnenminister verfügt (Schütz, S. 166).

    Dann gibt es noch ein etwas fragwürdiges Buch zu diesem Thema:
    Zander, Wolfgang von: Das SA-Feldjägerkorps: eine vergessene Einheit der Geschichte, kommentierte und erweiterte Original-Quellensammlung und Dokumentation mit zeitlich nahestehendem Polizeibezug, Wolfenbüttel 2014. Inhaltsverzeichnis hier.

    https://d-nb.info/1050884175/04


    Grüße

    Jörg

  • Moin aus Celle,

    den Nachlass habe ich über Umwege für meine Belegsammlung um Thema Niedersächsische Polizei bekommen, da er bis 1971 bei der Polizei Niedersachen und dann in den Ruhestand ging. Er war dann bei der Gendarmerie und dann bei der Feldgendarmerie (Foto und Urkunden vorhanden).

    Für Interessierte kann ich die Unterlagen zur Verfügung stellen.

    Grüße

    Thomas