Deutsche Wehrmacht/Luftwaffe vor 1940 in Finnland

  • Grüße an des Forum,


    in meiner Vorstellung habe ich erwähnt, dass ich auch nach Informationen zur engl. Kriegsgefangenschaft meines Vaters in Kanada am 11.10.1940 suche.

    In Vorbereitung zu diesem Thema bin inzwischen auf viele Fragen gestoßen die indirekt damit zusammen gehören.

    Mein Vater war bereits 1938/39, damals in der Küstenaufklärungsstaffel 3/106 und 1939 im Truppenteil Führer d. Seeluftstreitkräfte Ost sationiert, über einen längeren Zeitraum in Finnland, überwiegend in Helsinki.

    Mir ist bekannt, dass das DR nach der Niederlage Finnlands im Winterfeldzug 1939/40 seit 1941 gemeinsam mit Finnland bis zum Waffenstillstand zwischen der Sowjetunion und Finnland kämpfte.

    Da mein Vater 1938 meine Mutter in Helsinki kennen lernte und sie sich dort verlobt haben. ( Gegen Bedanken seiner damaliegen Vorgesetzten.)

    Meine Mutter hat dann im Dezember 1939 Helsinki verlassen und ist zu ihren zukünftigen Schwiegereltern nach Deutschlan ausgereist.

    Mein Vater wurde bei einem Kampfeinsatz über der Nordsee am 11.10.1940 abgeschossen und kam in engl. Kriegsgefangenschaft nach Kanada. Letztes mir aus dem Nachlass bekanntes Lager war auf der Gefangenenpost mit Camp 133 Gruppe 6 Ottawa angegeben.

    Am 22.06. 1942 wurden meine Eltern in einer Kriegsferntrauung Jena/ Ottawa ( Lethbrigde ) getraut. Aus weiterem Briefverkehr meiner Eltern geht hervor, dass mein Vater Anfang 1940 wieder auf Sylt (Westerland) 1. Staffel Küstenflieger Gruppe 606 als Bordmechaniker (Dgrd. Fw. auf einer Do 17 Z, die Do hatte eine Kennung "Hans-Frieda") stationiert war.

    Wer kann mir erklären aus welchem Grund mein Vater, über einen mir unbekannten vorgenannten Zeitraum in Finlannd war?

    Einige Dokumente werde ich nach Bearbeitung hier einstellen.


    Für dienliche Hinweise bedanke ich mich.

    Harald A.

    Neuruppin


    Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln.

    -Jean Cocteau-

    Edited 2 times, last by Stfw68 ().

  • Hallo,


    hier nun noch die angekündigten Dokumente, die nicht unbedingt hilfreich sind, aber die Geschichte untermauern.

    Es ist schon recht tragisch was sich damals abgespielt hat, wenn man bedenkt, das ein 28.jähriger Mann mit seinen Kameraden seinen Hochzeitstag feiert und 5 Jahre später zu seiner Frau zurückkommt.

    Trost ist, dass er im Gegensatz zu vielen Anderen zurück gekommen ist und ich 1 Jahr später in eine immernoch schwere Zeit hineingeboren wurde.

    Ich muss hier aber auch ergänzen, dass es für eine junge Frau in einem fremden Land ebenso schwer war.

    Gruß

    Files

    Harald A.

    Neuruppin


    Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln.

    -Jean Cocteau-

    Edited once, last by Stfw68 ().

  • Hallo an Stfw68, hallo alle,


    Ich kenne mich mit den Küstenaufklärern nicht aus und kann somit nicht sagen, ob es sich bei den Einsätzen in Finnland um reguläre Kooperationen des "offiziellen Militärs" mit Finnland handelte.


    Aber als am OKW-Amt Ausland/ Abwehr unter Admiral Canaris interessierte Person muss ich bei "merkwürdigen" Aktionen in Skandinavien insbedondere vor dem Krieg immer an den Fregattenkapitän Alexander Cellarius denken, der Leiter der Kriegsorganisation (KO) Finnland der Abwehr in Helsinki war. Hier im Forum wurde ja bereits ein Absturz in Finnland vor dem Krieg behandelt in den Cellarius involviert war:


    Korvettenkapitän Alexander Cellarius


    Die sogenannte Staffel Rowehl, die auch für die Abwehr flog hat ja vor dem Krieg in z. B. auch über der Sowjetunion mit Zivilflugzeugen Aufklärung durchgeführt. Ob der von der geschilderte Einsatz auch hierunter fällt und teilweise die Küstenaufklärer für derartiges zum Einsatz kamen weiß ich nicht.


    Obwohl Cellarius nach dem Krieg im britischen Verhörzentrum Bad Nenndorf interniert war, habe ich keine Akte direkt über ihn im britischen Nationalarchiv gesehen.


    Sollte es dennoch in diese Richtung Aufklärung etc. gehen, könnte auch Luftwaffenoffizier Carl Seber (* 19.01.1883 in Trier) von Interesse sein. Seber diente mehrfach in Finnland u. a. als Berater für Luftstreitkräftefragen und lebte auch als Landwirt dort. Zudem leitete er seit 1937 die Organisationseinheit Abwehr-I L(uft) in Berlin. Also quasi ein Finnland-Experte der Luftwaffe und der Abwehr.


    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Carl_Seber


    https://forum.axishistory.com/…4918&hilit=Seber#p2224918


    https://www.lotsearch.net/auct…24-juni-2017-59212?page=6


    "Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche", S. 650


    Colonel Carl Seber, 1888–1945. The German military pilot who settled in

    Finland as a small farmer and became an intelligence officer and the

    Helsinki Station Chief …………………………………………………….……263

    Vasili Hristoforov


    Das alles ist zugegebenermaßen viel Spekulation meinerseits, aber mehr kann ich leider nicht zu deiner Ausgangsfragestellung beisteuern. Ich bin gespannt auf die Entwicklung dieses Themas hier im Forum.


    Was du zur Hochzeit deiner Eltern schreibst, stimmt einen tatsächlich wieder einmal sehr nachdenklich.


    Vielleicht wäre das auch etwas für dich?!

    https://www.ebay.de/itm/Kueste…n-1939-1940-/324424211550



    Mit besten Grüßen


    Robert

  • Guten Abend Robert,


    ich bedanke mich für die vielen Informationen und aufgezeigten Hinweise zu meiner Anfrage.

    Ein besonderer wertvoller Tipp war der Link zu den Kriegstagebüchern 1939-1940.

    Ich habe hier einen Schriftstück eines Besatzungsmitglieds meines Vaters, in dem ein Beschuß mit einem verwundeten Ltn. E. als Beobachter in seiner Maschine bei einem Feindflug am 6.10.1940 über England aufgezeichnet ist. Das war 5 Tage vor dem Abschuß meines Vaters über der Nordsee und Gefangennahme am 10 zum 11. 10 1940.

    Angefertigt ist es aus den Erinnerungen eines Johann Jürgensen in gemeinsamer engl. Gefangenschaft mit meinem Vater.

    Es ist ein Durchschlag des Originals in Schreibmaschienenschrift mit Zensurstempel.Gut leserlich. Wenn das von allgemeinen Interesse ist kann ich es hier einstellen.

    Vielen Dank

    Harald A.

    Neuruppin


    Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln.

    -Jean Cocteau-

  • Hallo Stfw68,


    das freut mich wirklich, dass ich zumindest etwas helfen konnte.


    Ich für meinen Teil würde gerne den Durchschlag sehen :thumbsup:


    Du weißt bestimmt, dass es zum POW-Lager in Lethbridge u.a. auf YouTube einiges Material gibt. Sah zumindest ganz interessant aus.


    Mit besten Grüßen

    Robert

  • ... wenn man bedenkt, das ein 28.jähriger Mann mit seinen Kameraden seinen Hochzeitstag feiert und 5 Jahre später zu seiner Frau zurückkommt ...

    Hallo,


    in dem Dokument zur Eheschließung ist von einer Kriegstrauung die Rede, was aber nicht automatisch bedeutet, dass es eine Ferntrauung (in Abwesenheit der Braut) war. Kriegstrauungen waren lediglich "beschleunigte/vereinfachte" Verfahren zur Eheschließung, weil das Beschaffen der notwendigen Unterlagen für Soldaten im Fronteinsatz kaum zu bewältigen und in dem vorgesehen Sonderurlaub am Heimatort auch nicht zu schaffen war. Ferntrauungen dagegen waren Eheschließungen, bei denen die Traupartner an verschiedenen Orten der Trauungszeremonie beiwohnten. Das Dokument aus dem Standesamt Jena sieht eher danach aus, dass die Standesamtliche Eheschließung Deiner Eltern tatsächlich am Wohnort der Braut in Anwesenheit beider Ehepartner in Jena vollzogen wurde.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo J.H.


    hierzu kann ich nur sagen, dass mein Vater zum Zeitpunkt der Kriegstrauung am 27.06. 1942, in engl. Kriegsgefangenschaft ( seit 10/11. Oktober 1940)

    war.

    Von meiner Großmutter weiß ich, dass meine Mutter Ortszeit 10.00 Uhr mit ihren Schwiegereltern und einem 3. Trauzeugen im Standesamt war.


    In den "Heiratsunterlagen" wird einemal von Kriegstrauung oder auch Ferntrauung gesprochen-

    Ein entsprechendes Dokument über die Eheschließung werde ich dazu noch einstellen.

    Vielen Dank für Dein Interesse

    Harald A.

    Neuruppin


    Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln.

    -Jean Cocteau-

    Edited once, last by Stfw68 ().

  • Hallo,

    ich habe nun noch einige Unterlagen zu dieser ( Kriegs)-Ferntrauung gefunden.

    Es ist berührt mich immer wieder emontional wenn ich in diesen Akten suche. Werde ich dabei " erwischt " gibt es nur ein unverständliches Kopfschütteln. Schade!

    Zu diesem Thema würde ich noch ein neues beginnen wollen. Umgang, Veröffentlichung und Bewahrung von Zeitdokumenten aus der Zeit

    des Deutschen Reichs.

    Ich habe im Forum noch keinen Beitrag zu diesem Thema gefunden, sollte es da etwas geben wäre es gut wenn ich einen entsprechenden Hinweis bekommen würde.


    Gruß

    Files

    Harald A.

    Neuruppin


    Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln.

    -Jean Cocteau-

  • ... dass mein Vater zum Zeitpunkt der Kriegstrauung am 27.06. 1942, in engl. Kriegsgefangenschaft ( seit 10/11. Oktober 1940)

    war …

    Hallo,


    nachdem Du diese Information nun ergänzt hast handelte es sich dann doch wohl um eine Ferntrauung, dazu hatten wir hier (und dort auch weiterführend) schon einiges zusammengesucht: Personenstandsverordnung der Wehrmacht 1939


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo Robert (BigX)


    danke für Deine Antwort.

    Den erwähnten Bericht zum Feindflug meines Vater über England passt dann doch wohl nicht so recht ins Thema. Wenn ich die 10 bisherigen Beiträge in diesem thread lese, komme ich durch meine vielen Fragen und Anworten schon leicht vom Thema ab.

    Ich werde ihn in meinen angekündigten Hauptthema garantiert einstellen.

    Bis dahin

    beste Grüße

    Harald A.

    Neuruppin


    Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln.

    -Jean Cocteau-