Mongolische Truppen in der Roten Armee?

  • Hallo liebe Experten,

    ich bin gerade beim Transkribieren des Kriegstagebuches meines Großvaters und komme an einem Punkt nicht mehr weiter:

    Kann es sein, dass im Ende Juni 1941 in Lettland Mongolische Truppen in der Roten Armee gekämpft haben?


    Ich lese folgendes:

    Feldzug im Osten!

    22.VI Um 1/2 3 Alarm um 3h eröffnet unsre Attilerie das Feuer Um 6h marschieren wir über die Grenze. Wi(e)derstand wird gebrochen. Äußerst harte Kämpfe Wir müssen uns eingraben Angriff stark Schwere Verluste

    23 In Lettland sind wir Vormarsch geht weiter starke Kämpfe Verluste Attileriefeuer Mongolische Truppen Abends graben wir uns wieder ein

    24. Morgens ein Angriff ohne Verluste Vormarsch geht weiter 14h erreichen wir Grobin in Lettland Rast und etwas geschlafen Gefroren kalte Nacht Alarm

    25. Kurzer Vormarsch Feind in Libau eingeschlossen. Wir sichern den Ring Nachts in Stellung

    26. Vormarsch Cirvana (=Cirava?) einen Brückenkopf besetzen Zivilisten geben uns zu essen u. Bier


    Wäre toll, wenn mir jemand weiterhelfen könnte, ob ich mich da verlese oder ob das stimmen kann.


    Liebe Grüße,

    Michael


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  • Guten Tag ans Forum und an den Anfragenden,


    in der damaligen Sowjetunion, einem Vielvölkerstaat, lebte auch die Ethnie der Mongolen, zu denen u.a. die Kalmücken gehörten. Diese Ethnie diente im Zweiten Weltkrieg natürlich auch in der Roten Armee. Die Mongolen hatten natürliches kein europäisches Aussehen, sondern sie sahen so aus aus wie schon die mongolischen Reiterhorden von Dschingis Khan. In der deutschen Wehrmacht gab es sogar ein Kalmückisches Kavalleriekorps als Kollaborateure.

    Ich gehe mal davon aus, dass der Großvater mit Mongolen die Rotarmisten der mongolischen Ethnie mit ihrem besonderen Aussehen meinte.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Guten Tag!


    Es gab keine mongolische Truppen in der Roten Armee auf der Ostfront waehrend des ganzen Kriegs. Die Mongolei war zwar das erste Land, das die UdSSR im Juni 1941 im Krieg unterstützte, leistete aber nur materielle Hilfe.

    1943 erschienen Freiwillige aus Tuva an der Ostfront, Tuva war damals noch nicht Teil der UdSSR.

    Nationale Militärformationen aus Kasachstan, Kizgizstan, Kalmücken etc. wurden erst Ende 1941 gegründet, aber aufgrund der geringen Kampfeffektivität bald aufgelöst.


    Also ich glaube, "mongolische Truppen" im Kriegstagebuch waren bloss die Frucht von Goebbels 'Propaganda, die die Rote Armee nur als asiatischen Horden vorstellte.


    P.S. Sorry für meine Fehler :-)

  • Hallo allerseits,


    Zum einen ist es weder neu noch unerwartet, dass sich auf dem Gebiet der damaligen UdSSR Volksgruppen asiatischen Aussehens aufhielten oder in die Rote Armee gepresst wurden, zum anderen ist es danach nicht unwahrscheinlich, dass sämtliche Angehörige des Vielvölkerstaates UdSSR asiatischen Aussehens in der rassistischen deutschen Diktion als 'mongolisch' angesehen und bezeichnet wurden.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo zusammen,


    das andere Aussehen von gewissen/einigen asiatischen Völkern u. Volksgruppen löst bei dem gemeinen Europäer

    die unterschiedlichste Reaktionen aus. Der Mongole, die wilden Reiter aus China, lösen Schauern,

    Madam Butterfly, großes Entzücken und alles dazwischen, und das dazwischen ist der Punkt. Der "Mongole"

    eignet sich hervorragend Menschen herabzusetzen und ihnen per se negative Eigenschaften zuzuschreiben.

    Was dazu kommt ist das das pathologisch Erscheinungsbild der Trisomie 21 sehr stark an den "Mongolen"

    erinnert und da die Krankheit meist mit mangelnden kognitiven Fähigkeiten einher geht war das Stigma

    fertig. Der Asiat an sich ist blöd , grausam und unberechenbar !


    Darüber sollten wir hinweg sein und der Fakt an sich ist der eigentlich Schwachsinn


    https://de.wikipedia.org/wiki/Epikanthus_medialis


    Das zu Einordnung des Begriffes "Mongolen"

    Gruss Dieter

  • Guten Abend, allen,


    Kalmücken sind Mongolen. Lenin war kalmückisch-russischer Abstammung.

    Kein einziger Mongole, den ich in meinem Urlaub in der Mongolei kennenlernte, sah so aus, wie Du es schilderst, Augustdieter. ;)


    Ich kann mir vorstellen, dass damals asiatisch aussehende Soldaten der Roten Armee grundsätzlich von den Deutschen als Mongolen bezeichnet wurden, da stimme ich Thomas zu. Den wenigsten "Deutschen" wird bekannt gewesen sein (und ist es wohl auch heute nicht), dass verschiedene asiatische Völker zur Sowjetuinion gehörten.


    1945 befanden sich auf jeden Fall asiatisch aussehende Soldaten der Roten Armee in Landsberg an der Warthe (meiner inzwischen verstorbenen Nachbarin wurde dort als 17jähriger Leid zugefügt!). Meine Mutter, damals 11 Jahre jung, berichtete von "Mongolen", die mit kleinen Panje-Pferden nach Hirschberg, Niederschlesien, einmarschierten.


    Es grüßt Margarete

    Anlage: Kinder-Pferderennen morgens um 7h in der Gobi bei Dalanzadgad