D.(Luft) 1204 - Die Seenotfibel und Heinz Rühmann

  • Hallo zusammen,


    während meiner langen Zeit, mit der ich mich mit der historischen Luftfahrt beschäfte, habe ich schon viele kuriose Dinge gesehen. Nun hatte ich erstmals die Gelegenheit, mir eine Seenotfibel anzusehen und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ein paar Eindrücke möchte ich Euch nicht vorenthalten (Die Reihenfolge ist an den Seitenzahlen erkennbar). Selbst Heinz Rühmann fand Verwend für das Thema, gerät in Seenot und wird natürlich gerettet.


    Weiß vielleicht jemand von Euch etwas näheres über die Geschichte, Entstehung, Auflage etc. des Heftes?


    Für Eure Mühen wie immer vielen Dank im Voraus.


    Freundliche Grüße


    Jan-Bernd

  • Hallo Jan-Bernd,


    zur Seenotfibel:

    Heinz Rühmann war 1941 u. a. durch den Film " Quax der Bruchpilot" bekanntgeworden und dadurch landauf landab ein, wie wir heute sagen ein "Star". (Übrigens auch nach dem Krieg wieder.)


    Zu den Fibeln allgemein; warum eine Fibel?

    In unserem Falle, also ein "Lehrbuch" für Erwachsene.

    Diese Fibeln, ich neige dazu den Begriff "deutsche Comic" zu verwenden, dienten also dazu den Lerninhalt auf lustige Weise dem Leser nahezubringen.

    Bewährt haben sich diese Fibeln in ganz besonderem Maße, da sie den Leser, auch die Soldaten, in lustiger Form ansprachen.

    So gab es die " Schießfibel" der Luftwaffe, die "Tigerfibel" für den Panzer usw..

    Selbst das kleine Büchlein: "Panzer vorwärts" mit 30 Kampfgrundsätzen eines erfahrenen Panzer - Kompaniechefs in Fibelform erhielt von Guderian ein Vorwort.

    Die Bebilderungen, wie in der "Seenotfibel", waren es, die die Aufmerksamkeit erregten. Da diese Fibeln für Erwachsene gemacht wurden, kamen wie in den US - Comics eben auch hübsche Damen, oft knapp oder gar nicht bekleidet zum " Einsatz".

    Fibeln waren eben teilweise lustig und brachten so den gewünschten Lerninhalt dem Leser nahe.


    Gruß Karl

  • Guten Abend Jan-Bert,

    guten Abend Karl,


    diese Fibel kannte ich bisher noch gar nicht - danke für´s Einstellen der Seiten.


    Wie von Dir, Karl, schon ausgeführt, waren die Fibeln als Schulungsunterlagen für Erwachsene gemacht, die in Reimform und mit kurzen Merksätzen wichtiges zum jeweiligen Gerät dem Leser einfach und einprägsam vermitteln sollten.

    ( "Griesgrämig plagt sich nur der Thor, der Tigermann lernt mit Humor" , wie die Tigerfibel auf Seite 3 klarstellt.. 8) ).

    Da sie weitestgehend ideologiefrei verfaßt waren und auch mit erotischen Anspielungen dem Landser sein "einsames" Dasein etwas zu versüßen halfen, waren sie damals durchaus bei der Truppe beliebt.


    Als zur Zeit meiner Grundausbildung bei der Panzertruppe der Nachdruck auf den Markt kam, hatten sich mehrere Kameraden ein Exemplar gekauft, so wurden die Exemplare reihum herumgereicht. Sie wurden damals zuerst gelesen und sich die bedeutenden Grundsätze gemerkt. Erst danach widmete man sich der entsprechenden TDv.. ;-)

    Beispiel: Der Tiger ist von außen nicht kaputt zu kriegen . aber von innen... "Die Gefahr sitzt in der Wanne"... u.s.w. ( Natürlich ist nicht nur die schöne Lau gemeint, die nackend in der Badewanne sitzend in der dazugehörigen Karrikatur gezeigt wird... )


    Und heute: über dreißig Jahre danach können wir Kameraden vom Zug die Reim- und Merksätze noch fließend aufsagen. Aus der TDv korrekt zu zitieren fällt uns deutlich schwerer...

    Also hat die Fibel auch dann noch ihren Zweck erfüllt. ;-)


    Herzlich lachend grüßt Euch

    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo zusammen,


    Die militärischen Fibeln stammen natürlich von den damaligen Schulbüchern - eben den Fibeln - ab. Aber schon die Reichswehr verwendete Anfang der 30er Jahre solche Unterrichtsbücher wie die Soldatenfibel (sehr weit verbreitet und noch gut zu bekommen), die Pionier-, Sanitäts- und Nachrichtenfibel etc.etc. Sie sind allerdings gar nicht humoristisch angehaucht und haben nichts von den späteren comicartigen Lehrbüchern.


    s. z. B. hier:

    https://www.zvab.com/servlet/S…bel&cm_sp=mbc-_-ats-_-all


    Die Seenotfibel kannte ich allerdings auch noch nicht und bin ziemlich begeistert! Könnte bloß jemand den grauenhaften Tippfehler im Themennamen ändern, mein Rechtschreibzentrum schmerzt...


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

    Edited once, last by HiWi ().

  • Hallo Thomas,


    ich nehme an, du hast ein Literaturstudium um das beurteilen zu können:


    "Sie sind allerdings gar nicht humoristisch angehaucht und haben nichts von den späteren comicartigen Lehrbüchern".


    Ist das so? Ich sehe das so, und habe auch nicht behauptet, dass dies in den späteren comicartigen Lehrbüchern Eingang gefunden hat.

    Dass der Hintergrund dieser Fibeln natürlich einen ernsthaften/militärischen Hintergrund hatte, dürfte wohl jedem klar sein! Da musste ich nicht extra darauf hinweisen. Wir sind hier im FdW.


    "Humor ist, wenn man trotzdem lacht!"


    Herzliche Grüße von Karl, der das alles nicht so ernst nimmt, sonst würde das Leben keine Freude machen.

  • Hallo Karl,


    Jetzt hätte ich aber nur allzu gern gewusst, wie oder womit ich Deinen Widerspruch, der ja nichtmal einer ist, herausgefordert habe. Und ja, mit dem Germanistikstudium war da mal was...Aber unabhängig davon habe ich nur ergänzende Informationen geliefert und nichts in Frage gestellt oder berichtigt.


    Gruß, Thomas!

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

    Edited once, last by HiWi: Fehlerteufel exorziert ().

  • EnkelJustus

    Changed the title of the thread from “D.(Luft) 1204 - Die Seenotfiebel und Heinz Rühmann” to “D.(Luft) 1204 - Die Seenotfibel und Heinz Rühmann”.
  • Hallo zus,

    ja, interessantes Heftchen, da bereits eine Fw190 abgebildet ist die aus einem Pulk B17 Bombern einen herauschießt,

    müsste das Heft nicht vor 1943 entstanden sein. Vielleicht erst 1944.

    Grüße, ZAG

  • Hallo,


    im Deutschen Verlag ist auch "Barlog´s Lustige Soldatenfibel" erschienen, die den Soldatenalltag karikierte. Ferdinand Barlog´s Militärkarikaturen wurden auch als Sammelpostkarten in den Wehrmachtskantinen verkauft.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für Eure Beiträge zu dem Thema.


    Freundliche Grüße


    Jan-Bernd


    P.S.: Und sorry für den Rechtschreibfehler!

    Suche alles zum Thema Fliegerhorst Vechta + Ahlhorn!

  • Hallo,


    noch etwas humoristisches aus der Gebirgsjägertruppe gefunden, das Buch ist antiquarisch sogar noch erhältlich.

    Quelle: Innsbrucker Nachrichten Nr.146 vom 24.Juni 1941, Seite 5


    Gruß, J.H.


    Titel: Nur kein Schema - Lachende Gebirgsjäger am Polarkreis

    Autoren: Mj. Albert Hohenester, Olt. Gösta Nordhaus

    Verlag: NS-Gauverlag Tirol

    Erscheinungsjahr: 1941

    Umfang: 85 Seiten

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