Nutzung der Feldpostnummer 26988 durch Zivilisten

  • Hallo Zusammen,


    diesmal habe ich eine Frage zum Thema Feldpostnummern und denke ihr könnt mir ein paar Hinweise zu dem folgenden Sachverhalt geben.


    Mein Protagonist (den Namen möchte ich vorerst nicht nennen, da ich dafür keine Erlaubnis der Familie habe) wurde 1879 in Mecklenburg geboren und war während des 1. Weltkrieges Kavallerieoffizier bei der 5. deutschen Armee in Frankreich. 1917 soll er der Kommandant der Stadt Noroly le Sec in Lorrain gewesen sein und hat als solcher dort eine franz. Rote Kreuz Schwester geheiratet. Nach dem 1. WK lebte er mit seiner Ehefrau in Mecklenburg. Im Frühjahr 1939 reiste das Paar aufgrund zu erwartender Repressalien nach Frankreich aus. Am 15.02.1941 setzt der ehem. deutsche Offizier ein Schreiben an die deutschen Behörden in Metz (NSDAP Auslandsorganisation) auf. In dem Briefkopf verwendet er seine aktuelle Adresse: Etables (Cote du Nord) Villa Calonais. An anderer Stelle jedoch bittet er darum, seine Post an: Rittmeister a.D. Feldpostnummer 26988 zu beantworten. Wie ist das zu verstehen? Der Herr war keinesfalls mehr Offizier in der Wehrmacht und eigentlich ein politisch verfolgter Zivilist. Warum war er dann aber über die besagte Feldpostnummer zu erreichen? War die Einheit der FPN vielleicht die Besatzungstruppe in der Region Etables?


    Beste Grüße aus Mecklenburg


    Falko

    Edited 2 times, last by Mecklenburger: Rechtschreibung ().

  • ... Warum war er dann aber über die besagte Feldpostnummer zu erreichen? War die Einheit der FPN vielleicht die Besatzungstruppe in der Region Etables? ...

    Hallo,


    das könnte eine Möglichkeit sein, die FPN 26988 gehörte zum genannten Zeitpunkt zum Artillerie-Regiment 293 im Verband der 293.Infanterie-Division. Laut LdW nahm die Division am Frankreich-Feldzug teil, wurde anschließend in der Bretagne zum Küstenschutz eingesetzt und Ende Februar 1941 von dort in den Osten verlegt. Vermutlich hat der Verfasser des Briefes versucht, sich über Offizierskontakte bei der Wehrmacht zu rehabilitieren und für eine Verwendung in der Wehrmacht anzubieten? Aus welchem Grund war er denn politisch verfolgt?


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo J.H.,


    vielen Dank für Deine Einschätzung und den Hinweis auf das Artillerie-Regiment 293 im Verband der 293. ID. Da Etables an der Küste der Bretangne liegt, dürfte es sich also tatsächlich um die FPN der dortigen Besatzungstruppe handeln. In seinem Schreiben an die deutschen Behörden bittet der ehem. deutsche Offizier keinesfalls um seine Rehabilitierung, sondern vielmehr um Auskünfte bzg. seiner Söhne, welche sich zu diesem Zeitpunkt im KZ-Dachau in Schutzhaft befinden. Der ehem. dt. Offizier war bis 1933 in der DNVP, wollte jedoch keinesfalls in die NSDAP eintreten. Er war gegen Hitler und dessen Politik. Seine franz. Ehefrau hingegen hatte sehr gute Kontakte in Frankreich, weshalb die beiden noch vor Kriegsausbruch nach Frankreich ausreisten. In dem Schreiben vom 15.02.1941 an die dt. Behörden weist er darauf hin, dass die Söhne ihn postalisch als Rittmeister a.D. unter der Feldpostnummer 26988 erreichen können. Aufgrund der Brisanz der Situation finde ich es ein wenig sonderbar, dass der Herr sich plötzlich als Rittmeister a.D. tituliert.


    Beste Grüße


    Falko

  • Hallo Falko


    Vielleicht wollte er mit dem Rittmeister a.D ein bisschen Eindruck machen!

    Die Feldpost läuft vielleicht schneller und kommt zuverlässiger an!

    Unterlag die Feldpost der gleichen Kontrolle wie die normale Post?


    Gruß Arnd

  • Guten Morgen Arnd,


    Vielleicht wollte er mit dem Rittmeister a.D ein bisschen Eindruck machen!

    Diesen Gedanken hatte ich auch schon. Vielleicht erhoffte er sich dadurch eine bevorzugte Behandlung seines Anliegens.


    Die Feldpost läuft vielleicht schneller und kommt zuverlässiger an!

    Unterlag die Feldpost der gleichen Kontrolle wie die normale Post?

    Ob die Feldpost schneller war, weiß ich nicht. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ein Nicht-Wehrmachtsangehöriger offiziell überhaupt die Feldpost in Anspruch nehmen durfte? Aufgrund des a.D. hinter dem Rittmeister gehe ich nämlich davon aus, das sich mein Protagonist auf seinen ehemaligen Dienstgrad im 1 WK bezieht und aufgrund der geschilderten Umstände kein aktiver Soldat der Wehrmacht war. Aber woher könnte er dann überhaupt die richtige FPN der Einheit gewusst haben?


    Beste Grüße


    Falko

  • ... Aber woher könnte er dann überhaupt die richtige FPN der Einheit gewusst haben? ...

    Hallo,


    es besteht vielleicht auch die Möglichkeit, dass der Rittmeister in seinem Anwesen (in der o.g. Villa Colonais) eine Einquartierung erhalten hat? Die Feldpostnummer 26988 gehörte ja zur I./Art.-Rgt. 293, vielleicht war der Regimentsstab oder der Stab der I.Abteilung in dieser Villa untergebracht? Bestimmt ist es vorstellbar, dass ein Divisions-Quartiermeister oder Regiments-Zahlmeister im Vorfeld der Verlegung der Inf.-Div. 293 in die Bretagne an dem für das Art.-Rgt.- 293 vorgesehenen Standort eine Quartiererkundung durchgeführt hat und dabei für die Stäbe "passende" Unterkünfte gesucht hat oder der Rittmeister seine Villa sogar als Quartier angeboten hat? Sicherlich wird sich der Rittmeister als Frontkämpfer 14-18 trotz seiner "politischen Differenzen" beim Einmarsch deutscher Truppen seiner "preußischen Offizierstugenden" erinnert haben. Und ein deutscher Regimentskommandeur wäre vor Ort wahrscheinlich überrascht, aber auch erfreut, dort einen pensionierten deutschen Rittmeister anzutreffen, mit dem er sich (auch über alte Zeiten) austauschen kann - nicht zuletzt auch aus praktischen Gründen. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Rittmeister an seinem Wohnort in Frankreich gut vernetzt war, offizielle Kontakte hatte und nicht zuletzt der französischen Sprache mächtig war - und das wäre einem deutschen Regimentskommandeur als Führer einer Besatzungstruppe sicherlich sehr nützlich gewesen.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo J.H.,


    Deine Theorie bezüglich der Einquartierunmg klingt sehr pausibel und geht wohl in die richtige Richtung. Ich werde da nochmal ansetzen, um eventuell mehr in Erfahrung zu bringen. Das würde aber auch bedeuten, dass das Art.-Rgt.- 293 aus gutem Willen ihre FPN zur Verfügung stellte. Gewöhnlich war es einem pensionierten Rittmeister wohl nicht möglich, die Feldpost der Wehrmacht zu nutzen?


    Beste Grüße


    Falko

  • ... Das würde aber auch bedeuten, dass das Art.-Rgt.- 293 aus gutem Willen ihre FPN zur Verfügung stellte. Gewöhnlich war es einem pensionierten Rittmeister wohl nicht möglich, die Feldpost der Wehrmacht zu nutzen? ...

    Hallo,


    ein weiterer Suchansatz könnte sein, mal zu schauen, ob und ggf. welche deutsche Einheiten damals direkt im Ort Etables stationiert waren - vielleicht hatte der Rittmeister ja auch zufällig ein Feldpostamt der Division vor seiner Haustür? Und die Verwendung der Feldpost durch einen Zivilisten könnte vielleicht auch durch den Ausfall oder eingeschränkten Betrieb der französischen zivilen Post nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich zu erklären sein? Frankreich hat erst Ende Juni 1940 kapituliert, ein Großteil auch des zivilen französischen Postpersonals dürfte damals zum Wehrdienst eingezogen worden und evtl. in Gefangenschaft geraten sein? Ob die zivile "La Poste" danach gleich wieder regulär funktioniert hat?


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo zusammen,


    Quote

    An anderer Stelle jedoch bittet er darum, seine Post an: Rittmeister a.D. Feldpostnummer 26988 zu beantworten. Wie ist das zu verstehen?



    das ist so zu verstehen das der Hr. Rittmeister seinen Post über die Poststelle des Art.-Rgt.- 293 bekam, ein pers. gefallen gegenüber dem Hr. Rittmeister.

    An eine FPN konnte jeden schreiben, Post über den Feldpost-Dienst der Wehrmacht versenden konnten/durften nur Berechtigte.

    Gruss Dieter

  • Guten Abend Zusammen,


    ein weiterer Suchansatz könnte sein, mal zu schauen, ob und ggf. welche deutsche Einheiten damals direkt im Ort Etables stationiert waren

    vielen Dank an J.H. für den gut gemeinten Hinweis. Leider konnte ich bisher nicht feststellen, welche deutsche Einheiten im Februar 1941 direkt in dem Ort Etables stationiert waren. Zumindest aber passt der Einsatzraum des Artillerie-Regiment 293 zeitlich in die "Region" von Etables. Allerdings hatte ich einen nicht unwesentlichen Fehler bei der zivilen Anschrift des Rittmeisters gemacht. Die Anschrift lautet nämlich korrekt: Etables (Cote du Nord) Ville Calouais. Bei dem Ort La Ville Calouais handelt es sich um ein kleineres Anwesen etwa 3 Kilomter von Etables entfernt. Somit hat der Rittmeister nicht in einer Villa, sondern vielmehr auf einem ländlichen Anwesen gelebt. Dieses soll seine franz. Ehefrau von Bekannten gepachtet haben. Im Zivilberuf war der Rittmeister dipl. Landwirt, was gut mit der Adresse in Einklag zu bringen ist.

    das ist so zu verstehen das der Hr. Rittmeister seinen Post über die Poststelle des Art.-Rgt.- 293 bekam, ein pers. gefallen gegenüber dem Hr. Rittmeister.

    Besten Dank auch an Augustdieter, das scheint mir derzeit auch die einleuchtenste Erklärung.

    An eine FPN konnte jeden schreiben, Post über den Feldpost-Dienst der Wehrmacht versenden konnten/durften nur Berechtigte.

    Verstehe ich es richtig: Zivilisten und Behörden konnten ihre Briefe bei der regulären Post problemlos an eine Feldpostnummer verschicken. Ausghändigt wurde der Brief dann aber an den Empfänger durch einen Soldaten der Feldpoststelle? Nicht möglich war es dem nicht berechtigten Personenkreis aber, einen Brief direkt bei einer Dienststelle der Feldpost aufzugeben, damit dieser dann an einen privaten Haushalt oder auch an eine Feldpostnummer verschickt wird? Sprich: Mein Rittmeister a.D. konnte seine Briefe über die Feldpost zwar empfangen, dort aber kein Antwortschreiben aufgeben. Dieses musste er über die reguläre Post schicken?

    Ich hoffe das verwirrt Euch jetzt nicht, aber das Prozedere mit dem Postversandt leuchtet mir im Moment nicht recht ein.


    Beste Grüße


    Falko

  • Hallo Falko,


    Quote

    konnte seine Briefe über die Feldpost zwar empfangen, dort aber kein Antwortschreiben aufgeben. Dieses musste er über die reguläre Post schicken?

    genau so, er war nicht Feldpost berechtigt und hatte auch keine Feldpost Nummer. Das wurde auch kontrolliert und des gibt Beispiele

    mit dem Stempel "Zurück nicht Feldpostberechtigt"

    Gruss Dieter

  • ... Leider konnte ich bisher nicht feststellen, welche deutsche Einheiten im Februar 1941 direkt in dem Ort Etables stationiert waren ...

    Hallo,


    was hast Du denn bereits unternommen, um weiteres zu den Stationierungen herauszufinden? Beschränkst Du Dich bei der Suche rein auf Informationen, die in Internetquellen verfügbar sind? Für das Art.-Rgt. 293 oder übergeordnete Einheiten könnten im Bundesarchiv/Militärarchiv in Freiburg Kriegstagebücher erhalten geblieben sein, aus denen weiteres zur Besatzungszeit in Frankreich hervorgeht. Und in der Stadt Etables-sur-Mer gibt es offensichtlich eine sehr aktive historische Vereinigung, die sicherlich (auch im Austausch) über Informationen zur Besatzung des Ortes durch die Wehrmacht verfügt - vielleicht gibt es vor Ort sogar noch Zeitzeugen? Als Präsidentin der L’association d’histoire locale Etables wird in dem Presseartikel eine Frau Danielle Pierre genannt, mit etwas Initiative lässt sich garantiert auch eine Kontaktmöglichkeit finden.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Guten Morgen J.H.,


    ich bin an dem "Fall" dran. Ich erwarte noch weitere erhaltene Briefkorrespondenz des Rittmeisters, aus denen vielleicht noch weitere Feldpostnummern hervorgehen. Ich stehe in engem Kontakt mit den Familienangehörigen des Rittmeisters in Frankreich,
    welche sicher problemlos in dem Museum von Etables weitere Informationen über die dort stationierten Wehrmachtseinheiten bekommen können. Das Lexikon der Wehrmacht sowie ein erstes googeln im Netz brachten bisher jedenfalls keine Hinweise darüber, welche dt. Einheit sich im Feb. 1941 direkt in Etables befand.


    Beste Grüße


    Falko

  • Hallo zusammen,


    Quote

    An anderer Stelle jedoch bittet er darum, seine Post an: Rittmeister a.D. Feldpostnummer 26988 zu beantworten.

    Falko, entschuldige bitte, wenn ich mich an der Stelle kurz melde. - Für die anderen vielleicht zur Erklärung; ich bin Falko beim Transliterieren diverser Schriftstücke in diesem "Vorgang" behilflich, deshalb kenne ich das von Falko zitierte Dokument.


    In diesem Schreiben bittet er jedoch nicht den Empfänger (die Auslandsorganisation der NSDAP), ihm unter der Feldpostnummer zu antworten, sondern er teilt diese Auslandsorganisation mit, daß seine Söhne ihn postalisch unter der FPN 26988 erreichen können.


    Eine solche Formulierung läßt eigentlich nur darauf schließen, daß der Herr Rittmeister auch zur Einheit der FPN gehörte.


    Beste Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo Diana,


    er teilt diese Auslandsorganisation mit, daß seine Söhne ihn postalisch unter der FPN 26988 erreichen können

    so ist es wohl richtiger formuliert. Danke für den Hinweis.


    Eine solche Formulierung läßt eigentlich nur darauf schließen, daß der Herr Rittmeister auch zur Einheit der FPN gehörte.

    Auch über diese Theorie haben wir im internen bereits gesprochen. Aber warum tituliert sich der Rittmeister dann als a.D. ? Wäre der Herr wieder im aktiven Dienst, hätte er sich dann nicht eher als Rittmeister d.Res. oder ähnliches tituliert? Ich habe die Familie soeben nochmals gezielt danach angefragt, ob bekannt ist, dass der Herr Rittmeister auch im 2. WK in irgend einer Weise für die Wehrmacht aktiv war, wovon ich aber zunächst nicht ausgehe.


    Das einzige, was ich mir so oder ähnlich vorstellen könnte ist die Theorie von Johann Heinrich:

    Sicherlich wird sich der Rittmeister als Frontkämpfer 14-18 trotz seiner "politischen Differenzen" beim Einmarsch deutscher Truppen seiner "preußischen Offizierstugenden" erinnert haben. Und ein deutscher Regimentskommandeur wäre vor Ort wahrscheinlich überrascht, aber auch erfreut, dort einen pensionierten deutschen Rittmeister anzutreffen, mit dem er sich (auch über alte Zeiten) austauschen kann - nicht zuletzt auch aus praktischen Gründen. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Rittmeister an seinem Wohnort in Frankreich gut vernetzt war, offizielle Kontakte hatte und nicht zuletzt der französischen Sprache mächtig war - und das wäre einem deutschen Regimentskommandeur als Führer einer Besatzungstruppe sicherlich sehr nützlich gewesen.

    Vielleicht war der alte Rittmeister übergangsweise als Dolmetscher oder Verbindungsmann zwischen der Gemeinde und der Besatzungsmacht tätig. Ist man deshalb aber offiziell zur Nutzung der Feldpost berechtigt?


    Ich danke Euch allen, mich so geduldig mit Euren "Expertisen" zu unterstützen.


    Beste Grüße


    Falko

  • Guten Abend, Falko,


    ich sage mal so - ist aber reine Vermutung -, einer offiziellen Organisation der NSDAP eine Feldpostnummer mitzuteilen, unter der man erreichbar ist, hat der Herr Rittmeister sicherlich nicht auf Grund eines Gefallen eines anderen Offiziers getan, sondern nur, weil er offiziell berechtigt war, diese Feldpostnummer zu verwenden. Klarheit wird aber darüber nur eine Auskunft vom Bundesarchiv geben.


    Ich werde dazu mal unseren Ari-Spezialisten kontaktieren.


    Beste Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)