SS Tiger Panzer in Wangerin (Pommern, Febr. 45) Abteilung 503 ?

  • Liebe Geschichtsfreunde,


    ich habe einen ganz interessanten Zeitzeugen, dessen Familie im Februar 1945 (vermutlich um den 20. Februar 1945 herum) einen SS-Obersturmführer in ihrem Haus an der Schlosstraße 1 im Pommerschen Wangerin aufnahm. Die ganze Abteilung war in Wangerin verteilt, vermutlich nach Abzug um die Kämpfe in Ahrenswalde (Unternehmen Sonnenwende). Der damals 15-jährige Zeitzeuge, dem dieser Obersturmführer das "Du" anbot (etwas merkwürdig) wurde von diesem als Pfadfinder und Späher eingesetzt. Nach einigen Fahrten in der Gegend führte er nach seiner Erinnerung 9 Tiger Panzer über eine Autobahn in vermutlich südliche Richtung. Diese Autobahn war auf ihrem letzten Stück nach vermutlich Stargard noch im Ausbau. Am Ende lag lediglich Schotter. Sein Auftrag war es dann die Panzer durch sumpfiges Gelände bis auf eine Anhöhe zu führen. Er war geländekundig und die Wege durch das Unterholz wurden durch Umknicken der Zweige gekennzeichnet. Auf dieser Anhöhe soll es zu einem Jabo Angriff gekommen sein und anschließend zu einem Scharmützel zwischen den Tiger-Panzern und im Tal stehenden T-34, von denen wohl einige abgeschossen wurden. Darunter gefeuert hat nur ein Tiger, der an Bäumen festgebunden wurde, sodass er nach unten schießen konnte und dabei freie Schusslinie hatte. Der Panzer wurde auch zurückgelassen.

    Natürlich finde ich mit diesen Informationen alleine nichts. Name der Einheit und des Obersturmführers (da ist er sich ganz sicher, es sei ein Obersturmführer gewesen) weiß der Zeitzeuge nicht. Ich habe mir alles, was ich finden konnte, in der Gegend angeschaut und komme als mögliche Einheit nur auf die Schwere SS-Panzer-Abteilung 503. Möglicherweise könnte der Obersturmführer Max Lippert gewesen sein. Dieser, weiter in seinem Haus wohnend, hat ihn und seine Familie am 1.3. gewarnt, dass sie aus Wangerin flüchten müssten.

    Wangerin soll zu dem Zeitpunkt voll gewesen sein mit Soldaten der Waffen-SS und auch der Wehrmacht. Vor der Kleinstadt soll es ein kleines Schloss (vielleicht Gutshof) gegeben haben, in dem ein Wehrmachts-Divisionsstab untergebracht gewesen war. Aber auch dazu finde ich nichts. Ich fürchte, dass die meisten dieser Einsätze GKdos waren und man möglicherweise eben nur über Berichte anderer Zeitzeugen an Informationen kommt.

    Hat sich jemand mit der Gegend beschäftigt? Vielleicht kann man da ein Puzzle lösen und herausfinden, welche SS-Panzertruppen da infrage kämen. Ich nehme auch Spekulationen oder jeden Tipp entgegen.

    Besten Dank und Grüße,


    Christian

  • Hallo Chrisitian,


    vor 20 Jahren habe ich mal den ehem.Untersturmführer Karl Brommann besucht. Ein ganz netter Mann.

    Der war bei der SS-503. Ich bekam ein paar Bilder zum abfotografieren. Darunter eines

    was seinen Königstiger mit Kettenschaden vor einer Kirche in Arnswalde (gibts heut noch), März 1945 zeigt.

    Laut wiki gibt es kein Ahrenswalde.


    Das Bild wurde auch mal irgendwo veröffentlicht, jedoch laut Brommann mit falscher Ortsangabe.

    "....Königstiger rollen durch die......pommersche Stadt Pyritz"

    Wobei "rollen" Käse ist, man erkennt deutlich dass vor dem Tiger die Kette ausgerollt ist und neu aufgezogen werden muss.


    Als weitere Namen habe ich nur Böde und Brede und den Abt.Kdr.Herzig.


    Grüße, ZAG

  • Hallo Christian,


    Quote


    Sein Auftrag war es dann die Panzer durch sumpfiges Gelände bis auf eine Anhöhe zu führen. Er war geländekundig und die Wege durch das Unterholz wurden durch Umknicken der Zweige gekennzeichnet. Auf dieser Anhöhe soll es zu einem Jabo Angriff gekommen sein und anschließend zu einem Scharmützel zwischen den Tiger-Panzern und im Tal stehenden T-34, von denen wohl einige abgeschossen wurden. Darunter gefeuert hat nur ein Tiger, der an Bäumen festgebunden wurde, sodass er nach unten schießen konnte und dabei freie Schusslinie hatte. Der Panzer wurde auch zurückgelassen.

    kanns sein, daß er ein bißchen dick aufgetragen hat? Wangerin ist in "Tiger im Kampf" in Zusammenhang mit der sSS-Panzer-Abteilung 503 erwähnt: 20. Februar 1945: Abfahrt nach Wangerin, 21. Februar Ankunft in Gotenhafen.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo

    Ich beschäftige mich schon eine geraume Zeit mit der 503., aber sowas ist mir noch nicht untergekommen.


    Auch Tiger Panzer haben Bremsen, die muss man nicht am Baum fest tüdeln.


    lg Jan

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten. (Johann Wolfgang Goethe)

  • Hallo,


    Quote


    Auch Tiger Panzer haben Bremsen, die muss man nicht am Baum fest tüdeln.

    zumal ein Tiger gut 40 Tonnen wiegt, ein Baum aber mit einer 5-Tonnen Seilwinde problemlos umgezogen werden kann.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    falls das Kettenfahrzeug nicht mehr auf Ketten stehen sollte bzw. die Ketten geworfen und/oder geöffnet sind, bremst der Tiger nicht mehr - üblicherweise würde man dann einen starken Balken vor eine Laufrolle legen.

    Die 55t+ des Tigers könnten an einem starken Baum schon gesichert werden, man möchte ja das wegrollen verhindern und nicht die 55t anheben.


    In Summe liest sich dieser Teil der Beschreibung schon unglücklich...


    Quote

    Darunter gefeuert hat nur ein Tiger, der an Bäumen festgebunden wurde, sodass er nach unten schießen konnte und dabei freie Schusslinie hatte. Der Panzer wurde auch zurückgelassen.

    Vielleicht hat man was sinnvolles gemeint, es aber nicht richtig verstanden bzw. hat es der Zeitzeuge nicht gut rüber gebracht.


    SPEKULATION: JaBo-Attacke auf dem bewaldeten Hügel, dadurch ein Tiger die Ketten geworfen - wegen des Feinddrucks konnte der Panzer auf abschüssigen Gelände nicht geborgen werden. Daher wurde das fahrzeug gegen wegrollen gesichert und Schussfeld geschaffen ("Bäume angebunden").


    Dieser Sachverhalt wäre denkbar, wie wahrscheinlich das ist, möchte ich nicht bewerten.


    Grüße,


    Max.

  • Hi

    Arnswalde liegt ca 50 m über dem Meeresspiegel.

    Welches Gebirge liegt östlich vom Ort?

    Ich bitte euch!


    Wenn Lippert solch Ding gedreht hätte, wäre dieses auch anderen aufgefallen.


    Gruß Jan

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten. (Johann Wolfgang Goethe)

  • Danke erstmal, Freunde,


    natürlich ist man erst mal skeptisch, wenn man den Teil einer Geschichte hört, den man bis heute noch nicht kannte. Ich denke allerdings, dass es gerade gegen Ende des Krieges noch viele Einsätze und Kämpfe gegeben hat, von denen man nichts gehört hat, wenn keiner drüber erzählt hat. Der Zeitzeuge ist 91 Jahre alt und bei klarem Verstand. Er gehört zu der Sorte Zeitzeugen, die nie von ihren Erfahrungen erzählt haben. Das ist weitaus schwieriger. Viele haben ihr Leben lang selbst recherchiert, Dinge aufgeschrieben, sich untereinander ausgetauscht.

    Es ist dennoch durchaus möglich - sogar nicht unwahrscheinlich -, dass er "Filmrisse" hat. Daher versuche ich mir ja ungefähr Orte und Namen zusammenzureimen. Vielleicht lasse ich mal meine Interpretationen weg und setze stichpunktartig die Bilder ein, die vom Zeitzeugen selbst sind.

    SS-Panzer Einheit kommt um den 20. Februar nach Wangerin. Obersturmführer wohnt in seinem Haus. Dort schreibt er jede Menge "schwarze Briefe" wegen Verlusten vorangegangener Kämpfe.

    Zeitzeuge kennt die Gegend. Obersturmführer bestellt ihn als Pfadfinder ein, er zeigt ihm die Gegend

    Einsatz erfolgte nach seiner Erinnerung zwischen dem 26. Februar und 28. Februar, um einen bei Wangerin noch befindlichen "Stab" (auf einem Gutshof) den Abzug zu ermöglichen

    Nach Fahrt bis zum Ende einer noch nicht fertigen Autobahn (ca. 10 bis max. 20 Kilometer) , lotste er die Tiger durch die Wildnis, auf eine Anhöhe.
    Er kletterte auf eine Tanne bis über eine Nebelwand, um den Himmel einsehen zu können.
    Ein Flieger Angriff erfolgte an dieser Stelle. Dabei wurde mindestens ein Tiger beschädigt, der dann mit Drahtseilen an Bäumen festgemacht wurde, um bergabwärts auf T-34 zu feuern. Das ging wohl eine ganze Weile mit erheblichen Verlusten der Gegenseite.

    Man habe den am Hang festsitzenden Tiger mit Munition der anderen Tiger von oben "beliefert".
    Der Tiger und die Crew mussten bei Gegenangriff zurückgelassen werden

    Mindestens ein weiterer Tiger blieb auf dem Rückzug liegen.
    Zurück in Wangerin habe der Obersturmführer wieder Todesnachrichten schreiben müssen für die verlorene Crew.
    In Wangerin erfährt der Zeitzeuge von beteiligten SS-Soldaten, dass die Abteilung (?) bei einem weiteren Einsatz 47 (!!) T-34 Panzer abgeschossen habe. Das hielt er aber selbst für übertrieben. Aber vielleicht gab es da Gerüchte um eine solche Zahl?

    Am 1. März 1945 erzählt Obersturmführer man habe einen Kommissar gefangen genommen und mahnt die Familie an zu flüchten, weil es nun sehr brenzlig werde. Sie kommen am 2. März mit dem Zug aus Wangerin heraus. Der Obersturmführer reicht der Familie ein Schriftstück, das ihnen erlaubt, einen Zug zu nutzen. Das sei ihm gelungen, weil er der Sohn eines Oberst (?) desjenigen Divisionstabes gewesen ist, der in Wangerin untergebracht gewesen ist.

    Ich weiß, dass klingt alles abenteuerlich, aber ich will die Geschichte noch nicht aufgeben. Denn auch wenn der Zeitzeuge möglicherweise etwas durcheinander bringt, hat er doch exakte Bilder im Kopf. Da er sich später nie mit dem Krieg beschäftigt hat, hat er diese Informationen nicht aus Büchern, und dafür, dass sich jemand das zusammenreimt, der nicht dabei war, sind die Informationen zu speziell und detailliert. Außerdem erscheint mir der Mann insgesamt sehr glaubwürdig. Den Ablauf seiner späteren Flucht, Volkssturmeinsätze und Aufenthalt in einem Gefangenlager in Schleswig Holstein konnte ich ziemlich genau verifizieren.


    Ich lasse das mal so stehen, vielleicht stößt ja noch jemand auf Informationen.

    Danke an alle, Grüße Christian

    Edited 4 times, last by Doc House ().

  • hallo Christian,

    ich kann mir die Sache mit dem Tiger durchaus vorstellen: Man plaziert diesen so, daß er nicht waagrecht, sondern etwas hangabwärts geneigt ist und hängt ihn mit seinen Abschleppseilen knapp über dem Wurzelwerk an Baumstämme. Stünde er auf der Hangkuppe waagrecht, wäre sein Wannenboden verletzbar. Zudem kann das hangabwärts geneigte Fahrzeug seine Kanone noch besser nach untern richten.

    Gruß, Hector

  • Hallo Thilo, eher nicht der Typ dafür, er brauchte einige Stunden, um überhaupt Details erzählen zu können. Sei es drum, ja auf die Erwähnung der 503. Abfahrt nach Wangerin am 20. Februar bin ich auch gestoßen - noch eine andere Quelle gibt an: 20. Februar 1945 Sicherungsstellung der 1. K 503. in Wangerin, danach gibt es keinen Eintrag mehr - überhaupt ist sonst Wangerin nirgendwo erwähnt in im Internet zugänglichen Quellen. Ich denke, ich versuche es noch einmal in der Gemeinde selbst. Obwohl ich wie gesagt meine Zweifel habe, dass irgendwelche Aufträge zu der Zeit in Akten festgehalten wurden. Eher unwahrscheinlich.

  • Hallo zusammen,


    die Geschichte des Tigers am Hang klingt sehr interessant, vielleciht taucht irgendwann ein Foto dazu auf.

    Das Foto im Anhang zeigt einen weiteren Tiger II der s.SS-Pz.Abt.503, laut Originalbeschriftung steht er 4km westlich von Stargard. Leider grottige Qualität.

  • Hallo Christian,


    Quote


    Nach Fahrt bis zum Ende einer noch nicht fertigen Autobahn (ca. 10 bis max. 20 Kilometer) ,

    von Wangerin zur damaligen RAB Berlin–Königsberg / heutigen E 28 sind es über 30km.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo

    Wieder ein Bild der SS-503 in meiner Sammlung.

    Danke Mario.


    Eventuell einer von den beiden:


    Zwölf nach Massow geschleppte Schadpanzer wurden am 26. Februar 1945 dort verladen, um im Bahntransport über die Oder zur Reparatur gebracht zu werden. Der Schadpanzerzug entgleist am 3.3.45 – gewichtsbedingt, auf Grund erhöhter Geschwindigkeit, mehr als 80 mitreisende Flüchtlinge wurden dabei getötet. Die fahrbereiten Panzer werden notentladen und fuhren nach Neuendorf, das umkämpft war. Ein Tiger II eines Oberjunkers wurde, da ohne Munition, voreilig durch die Besatzung in Brand gesetzt und blockierte die Straße. Der nachfolgende Panzer, Oberscharführer Körner, konnte erst nach Umstoßen einer dicken Linde weiter nach Gollnow fahren. Am Ortsrande von Neuendorf wurde ein zweiter gesprengter Panzer passiert. Quelle Schneider


    mfg Jan

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten. (Johann Wolfgang Goethe)

  • Hallo zusammen,


    zu dem Namenshinweis von ZAG mit Böde und Brede... möchte ich anmerken, falls es auch Böhde geschrieben werden könnte, könnte es sich um meinen bereits verstorbenen Großvater SS Scharführer Böhde handeln, der lt. seinen Unterlagen von Oktober 1944 bis 1945 bei der schweren Panzer-Abt. 503 gedient hatte. Leider hat er gerade zu dieser Einheit keine Einsatzorte notiert...Er war zuvor 1944 in Wien bei der Kraftfahrtechnischen Lehranstalt zum Panzerwart und Schirrmeister geschult worden.


    Mehr kann ich leider nicht dazu beitragen.


    Gruß

    tofei