Elektrifizierung in Russland 1941-44

  • Da wird eine viel kleiner Spannung als 220 Volt benötigt und ist deswegen auch ein bisschen ungefâhrlicher.

    Hallo Arnd,


    die Lautsprecher, die ich lapidar als "Volksempfänger" bezeichnet hatte, gab es überall dort, wo Strom gab. Die Zuleitung separater Strippen ohne 220 V Leitung würde auch keinen Sinn machen. Die Spannung der Lautsprecher lag, glaube ich bei ca. 50 V. Als kleiner Junge testete ich per Anfassen der Klemen und stellte fest, dass auch diese Spannung "zwiebelte" ganz schön. Und es gab tatsächlich nur einen Sender. Als wir Ende der 50-er noch keinen TV hatten. lief das Ding von Früh bis Abend.


    Anfang der 70-er gab es in Leningrad auch solch einen Lautsprecher in jedem Zimer des Wohnheims. Dieser blieb aber meistens aus, da es schon Transistorradios gab.

    Gruß Viktor

  • Hallo Arnd, hallo Viktor,


    das würde aber darauf hinaus laufen, dass viele abgelegene Orte in Russland in den 40er Jahren zwar eine Stromversorgung und damit auch Stromleitungen hatten - wie es auf den Fotos zu sehen ist. Das Stromangebot wäre dann aber nicht ausreichend gewesen, um die Privathäuser in den Orten zumindest mit Licht zur versorgen. Der angebotene Strom wäre dann anderweitig verbraucht worden, z.B. Handwerk, Kleinindustrie, soziale und politische Projekte.


    Gruß Christa

  • Hallo,


    Viktor7 > die Lautsprecher, die ich lapidar als "Volksempfänger" bezeichnet hatte, gab es überall dort, wo Strom gab.

    Ja

    Ein zweites DC-Drahtnetz (DC = direct current, = Gleichstrom) für Audio bis in die Haushalte hinein kann natürlich sinnvoll sein zur zentralen Nachrichtenübermittlung. Darüber lässt sich selbstverständlich auch ein Unterhaltungsprogramm in die Haushalte übertragen.


    Technik

    - Mit individuellen Endgeräten nennt sich das TELEFON , benötigt aber zum parallelen Nutzung (mehrere Gespräche parallel im gleichen Ortsnetz) entweder eine individuelle "Strippe" für jeden Endempfänger mit zentraler Vermittlung zur Verschaltung der Leitungen (eingehende/ausgehende Signale, Nah/Fern), oder über einer Frequenz-/Amplitudenmodulation mit Filtern an den Endgeräten (jeder Empfänger ein Frequenzband, darauf Amplituden- oder Frequenzmoduliert das Sprachsignal) eine parallele Übertragung des gleichen Audiokanals über die Energieversorgung des Endgeräts (z.B. 48 Volt DC).


    - Ohne individuellen Empfang, d.h. alle Endgeräte übertragen das gleiche Signal (Musikprogramm oder Sprachnachricht), nannte sich das früher DRAHTFUNK. Das Sprachsignal kann auch auf die Energieleitung aufmoduliert sein und wird über einen Frequenzfilter am Hausanschluss ausgefiltert und auf einen Verstärker mit Lautsprecher geleitet werden. Auf jeden Fall sind dann aber "kleine" Trafos nötig (= Netzgerät/-versorgung im "Volksempfänger", bzw. zur Auskopplung des aufmodulierten Audiosignals).


    Eine Tonsignalübertragung (Musikprogramm, Warnungen, Kommandos) ergibt im Sinne des Katastrophenschutzes oder für militärische Warnmeldungen Sinn. Es ist natürlich auch als zentralistisches Führungsinstrument geeignet.


    V. Grüße, Uwe K.

    "Was sprechen die Diesel, Johann? - Die Diesel sind zufrieden, Herr Kaleu."

  • Guten Morgen zusammen,


    vielen Dank für Euere Beiträge und den Beistand von Justus !

    Ich wiederhole es hier nochmals, meine Anfrage war und ist nicht darauf gerichtet, quasi zu "beweisen" dass

    die russische Bevölkerung des ländlichen Raums rückständig war, weil sie kein elektriches Licht kannte.


    Uwe hat in dem ganzen Beitrag vielfach seine Fachkenntnisse in sachen Elektro eingeracht, vielen Dank auch nochmals von mir.

    Daraus könnte er einen Fachartikel machen !


    Christa hat mit Ihren lebendigen Feldpostbrief-Auszügen genau das geschildert, was mich überhaupt zu meiner Fragestellung gebracht hat:

    Nämlich - dass es im Regelfall in den Bauernhäusern weit draussen auf dem russichen Land vermutlich keine eletrische Beleuchtung gab.

    Und zwar schon bevor die Deutschen kamen, während die Wehrmacht das Land besetzt hatte, und wer weiss wie lange nach dem Krieg.


    Das hatte gravierende Folgen sowohl für die Bevökerung selbst als auch für die einquartierten Soldaten. Besonders in den ewig langen

    russischen Winternächten konnten sie alle Aufgrund von zu spärlicher Beleuchtung wenig machen, wie Kleidung ausbessern, Briefe schreiben usw.

    Die kurzen aber aussagestarken Feldpostbrief-Auszüge bringen es auf den Punkt wie es war. Daher fand ich auch auf sehr vielen Bildern

    im Regelfall nur Petroleum- oder Gaslampen um die herum sich die Leute drängten.


    Die Sache mit den Lautsprechern ist mir neu und ich werde in Zukunft darauf achten, ob ich sowas in Häusern, bzw. an den Strommasten

    erkenne, mit denen die Dorf-Straße beschallt wurde.


    Vielen Dank

    Grüße, ZAG


    -.... noch was ist mir eingefallen, wurde den Wehrmachtsoldaten igendwelche "Beleuchtungsgeräte", wie Petroleum- oder Gaslampen ausgegeben,

    die sie in ihren Unterkünften oder auch in den Erdbunkern nutzen kommen. Gab es sowas wie "Einheitlampen" ?

    Oder musste da jeder selbst dafür sorgen, sich womöglich aus der Heimat schicken lassen?

  • Hallo Eumex,


    vielen Dank für die links, ja das Hindenburglicht ist mir bekannt, habe ich aber in diesem Thema

    wegelassen und zu den "Kerzen" aller Art gerechnet.


    Die Einheitslampe konnte sicherlich auch für die Belechtung von Unterkuntsräumen verwendet werden.

    War jedoch mehr für Wachpersonal auf Postengang gedacht?

    Oder Bahnhofs-, Zugbegleitpersonal oder so?

    Ich meine sowas schon mal irgendwo gesehen zu haben.


    Danke nochmals, Grüße, ZAG

  • Hallo ZAG,


    Ich streite nicht, sondern nur mein Einverständnis mit Dir. Dafür habe ich diese Fotos gepostet. Aber meine Fotos können 2 Elemente zu Ihrer Zusammenstellung hinzufügen. (Bild 1).


    Ja, es gab keine Bilder von Glühbirnen in russischen Hütten auf deutschen Fotos. Es ist eine Tatsache. Ein Strommast steht neben dem Haus, aber es ist keine Glühbirne im Haus. Es ist eine Art Mysterium.

    Müssen wir mit den Oldtimern reden...


    Aber ich habe schon lange andere Fragen zu diesem Thema.

    Diese deutschen Fotos habe ich hier gefunden: https://wordpress.260id.de/?page_id=3279


    Bild 0150: straße im russischen Dorf

    Bild 0164: Offizierskasino in einem dieser Häuser

    Bild 0209: ein Soldatenerholungsheim in einem dieser Häuser


    "Kronleuchter" sind überall sichtbar. Sie wurden zweifelsohne von den Deutschen gehängt.

    Es bedeutet, dass der Strom im Dorf war.


    Bild 90: es gibt noch ein Foto von diesem Soldatenerholungsheim.


    1) Frage: Ist das eine Steckdose an der Wand ?


    2) Frage: Welche Elektrogeräte hatten die Wehrmachtssoldaten für diese Steckdose ?

    Files

    • 1.jpg

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    • 90.jpg

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    • 0150.jpg

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    • 0164.jpg

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    • 0209.jpg

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    Gruß Dmitry

  • Er schreibt am 09.12.1942 aus Paschkowskaja (östlich von Krasnodar):

    "Wir sitzen heute Abend wieder bei Kerzenlicht. Mein Kamerad B. hat zum Glück einige richtig lange Wachskerzen; meine Adventskerzen halten nicht lange und sind nur Luxus. Die Russen sitzen im Dunkeln (Kerosin = Petroleum ist alle) und spielen Laute, eine ganz weihnachtliche Stimmung.“

    und am 10.12.1942:

    "Licht ist eigentlich das größte Problem. Die kümmerliche Funzel reicht höchstens zum Lesen und Schreiben, nicht dazu, die Sachen in Ordnung zu bringen, die das wegen des vielen Schmutzes hier dringend nötig haben.“

    Es bleibt unklar, ob mit der Funzel eine Glühbirne gemeint ist, aber das gibt der Zusammenhang eigentlich nicht her.

    Hallo Christa,


    Vielen Dank fur Deine Informationen. Die Briefe sind gute Beweise.


    Aber das Sehvermögen liefert 90% der Informationen. Hier ist ein ähnliches Foto aus Ihren Briefen.

    Quelle: https://wordpress.260id.de/?page_id=3279


    Und dann stellt sich die Frage.

    Dieses hochwertige Foto wird in Innenräumen gemacht und dafür ist eine ausreichende Beleuchtung erforderlich


    War das ein Blitzlicht ?

    Files

    • 0192.jpg

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    Gruß Dmitry

  • Hallo Dimitry,


    Danke für Deine interessanten Bilder und Ausführungen.

    Auch ich möchte nicht streiten sondern wissen wie es wirklich war.


    Ja, in so einem Erholungsheim oder Offizierskasino habe ich auch von der Decke hängend

    gleichartige viereckige Lampenschirme gefunden, die ich in mener Zusammenstellung eingefügt habe.

    Ich vermute, die wurden von den Soldaten gebastelt.

    Unklar ist bei mir, ob es sich um ein russisches Haus handelt, was dazu umgebaut wurde, oder um eine

    Holzbaracke nach Art der RAD-Baracken, die als Erholungsheim hinter der Front aufgebaut wurde.


    Dein Bild mit Offizierskasino ist in einem Steinhaus, also vermutlich eine Kleinstadt, und da ist

    elektrisches Licht vorhanden gewesen.


    Ebenso das Bild vom Erholungsheim, ich vermute in einem Steinhaus. Die dicken Wände sind mit Holz verkleidet.

    Sehr aufwändig, habe ich so noch nicht gesehen.

    Ich vermute dazu gehört auch das Bild mit dem Bett (zur Erholung), und da könne es ein Lichtschalter gewesen sein !

    Toll, der erste Lichtschalter den ich auf einem Foto sehe !

    Steckdose glaube ich nicht, denn welcher Soldat hätte ein elektrisches Gerät dabei gehabt.

    Radios waren meist in den Gemeinschaftsräumen aufgestellt.


    Ich bin da auch unsicher wie ich die russischen Siedlungen "kategorisieren" soll.

    Bestand ein "Dorf" nur aus Holzhäusern?

    Hatte jedes "Dorf" als einziges Steinhaus das Schuldgebäude, was dann meist belegt wurde?

    Hatte eine "Ortschaft" einen Steinhaus-Kern der mit Holzhäusern umgeben war, oder war das schon eine "Kleinstadt"?

    Jede Stadt und Großstadt hatte auch Ihre Holzhaus-Siedlungen um den Stadtkern herum, das ist klar.

    Was meinst Du Dmitry?


    Dein letztes Bild wurde, wie Du schon richtig vermutest, mit Blitzlicht gemacht.

    Dazu hatte ich schon mal eine Frage gestellt.

    Fotos mit Blitzlicht erstellt


    Viele Dank für Deine konstruktiven Beiträge!


    Grüße, ZAG

  • Grüß Gott ZAG,


    Lautsprecher an Strommasten habe ich , noch in Tschechien/Horni Plana/Oberplan nach der Grenzöffnung gesehen, leider kommt man ja jetzt nicht mehr rüber..........


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Hallo ZAG,


    Hier bin ich auf eine weitere Fotoserie gestoßen: https://vk.com/album-70338349_265599422

    Es ist Weißrussland 1941 Jahr. Es gibt diese 2 Bilder.


    Was ist dieses Lampenmodell ? Wie hoch ist die Netzspannung ?

    Außerdem gibt es ein Radio mit einer Steckdose an der Wand. Welche Spannung benötigt dieses Radio für den Betrieb ?


    (Bild 2. Links: Ein Europäer mit Brille genießt europäischen Komfort in einem armen weißrussischen Dorf, und hört Musik aus dem Radio.)

    Files

    • Bild.jpg

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    • Bild 2.jpg

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    Gruß Dmitry

  • Hallo Dimitry,


    danke für die Bilder, ja ein schönes Beispiel.


    Ich vermute, es ist in einem Soldatenheim, die zumeist in festen Gebäuden untergebracht waren.

    Vielleicht eine geräumte Schule oder ein kleineres Parteihaus.

    Siehe verputzte Mauer, Holzvertäfelt, und sogar Polstersessel mit "Ohren", toller Komfort!

    Danke nochmals.


    Ich habe inzw. keine weiren Beleuchtungs-Beispiele gefunden, ausser in einem Div.Erholungsheim,

    das aber in extra errichteten Baracken (RAD-Typ) untergebracht waren.


    Viele Grüße,ZAG