Infanterie Ersatz Regiment 612

  • Hallo zusammen,


    ich bin neu hier im Forum und möchte mich kurz vorstellen.

    Ich lebe im Raum Pirmasens / Zweibrücken, bin 58 Jahre alt und betreibe seit über 40 Jahren Ahnenforschung meiner Familie.

    Kürzlich verstarb mein Onkel, der wie meine Mutter, den Vater im letzten Krieg verloren hat. Aus seinem Nachlass habe ich hunderte Feldpostbriefe meines Großvaters "geerbt". Diese Briefe bin ich gerade dabei von Sütterlin in lateinische Schrift zu übersetzen. Durch die Zensur war es ja nicht möglich über den militärischen Teil des Alltags zu schreiben.

    Nun bin ich auf der Suche nach Quellen, die den militärischen Teil seines Lebens etwas erhellen. Seine Briefe haben die Feldpostnummer 44062C. Daraus schließe ich auf das Infanterie Ersatz Regiment 612 2. Kompanie. Wie finde ich den "Lebenslauf" dieser Einheit, falls das überhaupt möglich ist. Einsätze, Aufenthalte, Bewegungen, etc.

    Mein Opa starb am 11.01.1944 in Osowez, begraben zu Petrikoff / Pripjat .

    Es würde mich sehr freuen, wenn ich etwas Licht in diese noch immer dunkle Geschichte meiner Familie bringen könnte.

    Danke schon mal im voraus.

    Ingo

  • Hallo Ingo


    Willkommen im Forum


    Laut Kannapin Feldpostübersicht ist das:


    Stab I und 1. - 4. Kompanie Sicherungs Regiment 612


    und genau für dieses Regiment findet man auf Ancestry einige Einträge gefallener Soldaten mit dem Ort Petrikoff.

    Ist der Grossvater beim Volksbund gelistet?

    Gibt es eine Anfrage beim Bundesarchiv Berlin(ehemals WASt)?

    mit freundlichen Grüssen


    Uli

  • Hallo zusammen


    hab zu spät gesehen, dass es noch zu einer Änderung des Regiments gekommen ist.

    Dies geht aus dem Eintrag im LDW hervor, auch die Feldpostübersicht vermerkt es.


    Wir reden hier über das Sicherungs Regiment 696.


    anbei noch ein Auszug aus der deutschen Heereskarte V54 Mosyr, linker Kartenrand. Mosyr liegt östlich.

    Files

    • petrikow.jpg

      (388.5 kB, downloaded 12 times, last: )

    mit freundlichen Grüssen


    Uli

  • ... Wir reden hier über das Sicherungs Regiment 696v ...


    Hallo Uli,


    die genannten Einheiten hängen zusammen, unter der FPN 44062 sind in den VBL im Band FF Seite 481 die Vermissten des I./Sich.-Rgt. 696, des I./Sich.-Rgt. 612 und des I./Inf.-Ers.-Rgt. 612 gelistet. Im LdW erscheint zudem nur ein Sicherungs-Bataillon 696, hervorgegangen aus dem I./Sich.-Rgt. 612?


    Gruß, J.H.


    Edit: Es gibt bereits einen älteren Forumsbeitrag zu einem weiteren, ebenfalls in der Region Osowez/Petrikoff im Bereich der 102. Inf.-Div. im Mai 1944 gefallenen Wehrmachtssoldaten, in dem noch einige Informationen (Chronologie von Herbert zu den Ereignissen dort ab Januar 1944!) und Karten zu finden sind: Martin Wycisk 1944 Belarus

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited 3 times, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo J.H.


    Richtig, wollte nur meinen ersten Beitrag bezüglich Sicherungs Regiment 612 präzisieren.


    Auf die schnelle Mal die Karte mit den Angaben der Sterbeorte anderer Gefallenen des betroffenen Sicherungs Bataillon abgeglichen.

    Siehe Anhang.

    Files

    • petrikoff2.jpg

      (392.24 kB, downloaded 18 times, last: )

    mit freundlichen Grüssen


    Uli

  • Vielen Dank für eure Antworten. Beim Volksbund habe ich heute eine Anfrage gestellt. Ich werde berichten was sich dort ergibt. Im Bundesarchiv habe ich noch nicht nachgefragt. Nach was soll ich dort gezielt fragen? Im Namensregister hier im Lexikon finde ich Opa auch nicht. Kann dort ein Eintrag gemacht werden? Und ja, der Verband wurde mehrfach umbenannt. Leider geht aus den Briefen auch dazu wenig bis nichts hervor. Mein Opa scheint sich da strikt an die Vorschriften zu halten. Er war Meldegänger und Ordonanz seines Leutnants, der stellv. Kop. Fhr. war. Diese Info habe ich aus der Todesnachricht entnommen.

  • Hallo Ingo



    würdest Du den namen des Grossvaters veröffentlichen?
    Könnte dann bei Ancestry schauen, ob er dort aufgeführt wird .


    Beim Bundesarchiv sollte ein kompletter militärischer Werdegang angefordert.

    Bitte beachten, das wird dauern und auch Kosten mit sich bringen.

    mit freundlichen Grüssen


    Uli

  • Danke für die link's. Ich habe das Bundes Archiv soeben mal formlos angeschrieben und schon auf die Antwort gespannt. Das Militärarchiv ist in Freiburg, habe ich gelesen, stimmt das? Da könnte ich auch hinfahren, das ist ja nicht weit weg.

    Mein Opa heißt Robert Stock, Jahrgang 1910, kannst gerne mal nachschauen.

  • Hallo Ingo


    Auf Ancestry ist eine Karteikarte enthalten.

    Dienstgrad war Gefreiter

    Einheit:2.Kompanie Sicherungs Bataillon 696

    Sterbedatum stimmt mit dem Volksbund überein.

    Todesort war Ossowez ostwärts von Petrikoff


    Schicke Dir die Karteikarte Vorderseite und Rückseite per PN, oben rechts, 4.Symbol von links.



    Ergänzung 16.01.2021:


    Vielleicht lassen sich ja russische Lagekarte finden auf denen man erkennen, wer wo gewesen ist.

    mit freundlichen Grüssen


    Uli

    Edited once, last by uholthausen ().

  • Danke, prima, gibt es vielleicht auch eine Karte seines Leutnants und stell. Kompanie Führers Helmut Hahnau. Er hat überlebt und wurde zum Paten meines Onkels, der erst 4 Wochen nach dem Tod seines Vaters zur Welt kam.

    Russische Lagekarten sind doch sicher nur zu lesen, wenn man kyrillisches Alphabet beherrscht?

  • ... Mein Opa heißt Robert Stock, Jahrgang 1910, kannst gerne mal nachschauen ...

    Hallo,


    der Übersichtlichkeit halber hier die vollständigen Daten vom Volksbund:

    Gruß, J.H.


    Nachname: Stock

    Vorname: Robert

    Dienstgrad: Gefreiter

    Geburtsdatum: 20.12.1910

    Geburtsort: Höheinöd

    Todes-/Vermisstendatum: 11.01.1944

    Todes-/Vermisstenort: Osowez


    Robert Stock wurde noch nicht auf einen vom Volksbund errichteten Soldatenfriedhof überführt.

    Nach den dem Volksbund vorliegenden Informationen befindet sich sein Grab derzeit noch an folgendem Ort: Petrikow - Belarus

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Danke J. H., das deckt sich genau mit der Todesnachricht seines Leutnants Helmut Hahnau. Gibt es Berichte wo in Petrikoff, heute Petrykau die Soldaten beigesetzt wurden?

    Wo kann man Einblick in den damaligen Alltag der Soldaten bekommen. Ich selbst, T5, habe so gar keine Ahnung was da so den lieben langen Tag getan wurde. So eine Art Kompanie Tagebuch mit Meldungen an übergeordnete Stellen so wie " Im Westen nichts Neues". Gibt es so etwas noch? Beim Bundesarchiv?

    Kop. Namens und Todeslisten. Auch daran bin ich interessiert. Wer waren seine Kameraden.

    Vielen Dank für die Hilfe und viele Grüße.

    Ingo

  • ...So eine Art Kompanie Tagebuch mit Meldungen an übergeordnete Stellen so wie " Im Westen nichts Neues". Gibt es so etwas noch? Beim Bundesarchiv ..

    Hallo,


    nur mal kurz bemerkt: "Im Westen nichts neues" ist ein Roman, der nicht auf Tatsachen basiert und deshalb auch kaum reale Ereignisse beschreibt. Der Autor hat dazu nur eigene und Kriegserlebnisse von Kameraden aus dem 1.Weltkrieg gesammelt und daraus dann seinen Roman -inklusive fiktiver Romanfiguren- abgeleitet.

    Ob für das Sicherungs-Bataillon 696 Kriegstagebücher geführt wurden und auch noch erhalten geblieben sind, ist mir nicht bekannt, persönlich halte ich das aber für unwahrscheinlich. Das Bataillon war anscheinend als Heerestruppe je nach Bedarf an verschiedenen Orten eingesetzt und wurde wohl aufgrund der massiven Personalverluste im Sommer 1944 aufgelöst.


    Dir ist schon mehrfach hier im Thread geraten worden, zum militärischen Werdegang von Robert Stock eine Anfrage an das Bundesarchiv/Abteilung PA in Berlin zu stellen. Dabei solltest Du dort angeben, was genau Du suchst und was Dich interessiert, das Archiv wird Dich dann nach Möglichkeit auf ggf. weitere Archivalien in anderen Dienstorten wie z.B. im Militärarchiv in Freiburg hinweisen. Wenn die Daten seines Zug- oder Kompanieführers bekannt sind, könnte sich auch damit evtl. noch weitere Unterlagen finden lassen.

    Gibt es Berichte wo in Petrikoff, heute Petrykau die Soldaten beigesetzt wurden?

    Ob zu möglichen Grablagen der Wehrmacht in Petrikow etwas bekannt ist, kannst Du bei der Abteilung Gräbernachforschung des Volksbundes in Kassel erfragen. Im Idealfall liegen dort (oder im Bundesarchiv/ehem. WASt) Aufzeichnungen eines Wehrmacht-Gräberoffiziers aus der Einheit Deines Großvaters vor, in dem in der Regel die vor Ort erstellten Soldatengräber erfasst wurden. Du musst aber auch damit rechnen, dass die Gräber heute mit Gebäuden überbaut sind oder oberirdisch nicht mehr zu lokalisieren sind - dann werden sie wahrscheinlich auch nicht mehr umgebettet.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Das mit dem Roman ist mir schon bewusst, habe ja auch nur auf die Schlusssequenz des Romans angespielt.

    Das Bundesarchiv habe ich wie schon oben erwähnt auch angeschrieben. Den Volksbund werde ich gezielt nach Gräber in Petrikow anschreiben. Gebe hier Bescheid sobald ich etwas in der Sache erfahre.

    Gibt es im Forum Mitglieder deren Angehörige auch beim Sicherungs. Bat. 696 waren? Wie lässt sich das herausfinden?

    Vielen Dank für eure Hilfe und viele Grüße.

    Ingo

  • Hallo zusammen,

    auf die Anfrage beim Volksbund habe ich eine Antwort bekommen. Es kann noch Monate dauern bis ich an der Reihe bin. Man meldet sich wieder. Vom Bundesarchiv habe ich noch nichts gehört. Einen Termin im Lesesaal der Außenstelle Freiburg nach September 2021.

    Aus den Briefen die ich derzeit in lateinische Schrift übertrage, geht hervor, daß die Einheit immer wieder in K. war. Von dort aus auf Transporte und immer wieder auf Stützpunkten. Mal schreibt er von Br. mal von M. mal von Le. Alles vermutlich im Umkreis von 80 bis 100 km.

    Hat jemand eine Karte auf der diese Orte vielleicht zu identifizieren sind. Wie aus den Briefen hervorgeht, hatte meine Oma eine Karte auf der die Namen der jeweiligen Stadt drauf waren. Das war sicher kein allzu kleiner Maßstab. Außerdem würde ihm, wie Millionen anderer, das Kriegsverdienskreuz 2.Klasse mit Schwertern verliehen. Er schreibt auch über den Dienst in Bezug zu einem Panzerzug. Und immer wieder von Banditen oder Partisanen.

    Gelesen habe ich im Netz, dass Aufzeichnungen unterhalb der Regimentsebene kaum vorhanden sein sollen. Würden die Dienste und Aufgaben von den höheren Verwaltungen dokumentiert? Wo müsste ich da ggf. ansetzen.

    Dies ist von meiner Seite aus der aktuelle Stand. Vielen Dank für weitere Infos und Ideen.

    Viele Grüße

    Ingo

  • Hallo Ingo

    Aus den Briefen die ich derzeit in lateinische Schrift übertrage, geht hervor, daß die Einheit immer wieder in K. war. Von dort aus auf Transporte und immer wieder auf Stützpunkten. Mal schreibt er von Br. mal von M. mal von Le. Alles vermutlich im Umkreis von 80 bis 100 km.

    Hat jemand eine Karte auf der diese Orte vielleicht zu identifizieren sind. Wie aus den Briefen hervorgeht, hatte meine Oma eine Karte auf der die Namen der jeweiligen Stadt drauf waren

    das wird nur dann möglich wenn:


    Datum des Schreibens bekannt ist

    Feldpostnummer bekannt ist


    also muss jeder Brief nach diesen Kriterien sortiert sein, sonst wird nahezu unmöglich.

    mit freundlichen Grüssen


    Uli

  • Hallo Uli,

    die Briefe sind sortiert und katalogisiert. Hat mich einen ganzen Tag gekostet. Aber die Kriterien sind erfüllt. An der Feldpostnummer hat sich nie etwas geändert, auch nicht nach Änderung der Bezeichnung, was ja mehrfach geschehen ist.

    Danke und viele Grüße.

    Ingo