Architektur im Deutschen Reich

  • Hallo Justus,


    ein Merkmal des NS-Staates war die insbesondere unter der Federführung Paul Ludwig Troosts, Ludwig Ruffs oder natürlich Albert Speers entwickelte pompöse "neue" Architektur, die auch als Neoklassizismus bekannt ist. Es waren dies aber nicht nur repräsentative Gebäude, sondern auch Zweckbauten, die eine bestimmte, verordnete Stilrichtung prägte.


    passend zum Thema habe ich einmal einen Bericht aus der Zeitschrift "Wille und Macht" Heft 2 1938 über Bauten der Wehrmacht,in welchem auch einige "kraftvolle und künstlerische" Bauwerke des 18. Jahrhunderts sowie auch Kasernenbauten aus dem "künstlerich wirren und erlahmenden 19. Jahrhundert" beschrieben werden.Für den Nationalsozialismus galt es daher an die preußische Klassik anzuknüpfen und Bauwerke zu schaffen,welche den "Ausdruck der Lebenskraft des Volkes und der Macht des Staates" durch höchste Ordnung,straffe Gliederung,und disziplinierte Haltung widerspiegeln.



    Gruss Chris

  • Lieber Chris,


    vielen Dank für diese sehr sachdienlichen Unterlagen! Interessant, dass auch durchaus Anleihen an jeweils regionale Baustile genommen wurden, schön zu sehen an den Kasernen im Alpenraum. Ausgesprochen aufschlußreich der Text, in der deutlich Bezug auf Klassizismus bzw. antike Architektur genommen wurde und zwar in Verbindung mit Soldatentum. Offenbar sollte auch architektonisch ein Bezug zu Preußen hergestellt sein. Kein Bruch, sondern Kontinuität in diesem Bereich.


    Viele Grüße,

    Justus

  • Hallo Chris,


    danke für das Einstellen der Scans, Bisher hatte ich von diesem Buch noch gar nichts gehört...


    Nebenbei: das Bild eines Flugplatzgebäudes aus Bayern sieht für mich nach einem Gebäude des Fliegerhorstes Leipheim aus... ...bzw. ist diesem sehr ähnlich.


    Herzliche Grüße

    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Tag allerseits,


    In München, der "Hauptstadt der Bewegung", entstand 1933-37 als erster Bau nach der Machtergreifung das "Haus der Deutschen Kunst". Die Pläne dafür entwarf Paul Ludwig Troost, der jedoch die Vollendung nicht erlebte, da er am 21. Januar 1934 verstarb. Für kurze Zeit war er der Lieblingsarchitekt Hitlers, bevor diese Rolle Albert Speer übernahm. Der langgestreckte Baukörper des Ausstellungsgebäudes am Englischen Garten ist im Stil des Neoklassizismus gehalten. Dieser prägte die europäische Baukunst in der Zeit um den Ersten Weltkrieg. Ein berühmtes Beispiel dafür ist die Deutsche Botschaft in St. Petersburg, erbaut 1911-12 von Peter Behrens.


    Dazu

  • Hallo,

    auch die Autobahn - Raststätten gehören m. E. dazu

    Gruß Karl

    Hallo Karl


    Zu den Autobahnen gibt es schon einen Thread


    Auf der vierten Seite ist ein Beitrag von mir über die Ratsstätte Reinhardshain an der A5


    Gruß Arnd

  • Lieber Karl,


    die Karrieren der "Stararchitekten" des NS-Staates liefen meist nach dem gleichen Schema ab, man wurde 1933 PG und später dann zum Professor ernannt, so auch Prof. Werner March, der

    den Rasthof Magdeburger Börde plante.


    Dazu


    Werner March – Wikipedia
    de.wikipedia.org


    Grüße

    Bert

  • Hallo zusammen,


    das ist ein sehr interessantes Thema, mit dem ich mich am Rande auch schon beschäftigt habe. Aus der Erforschung der Familie meiner Fau heraus ging es mir dabei in erster Linie um den Bau der Luftnachrichtenabteilung Hottengrund in Berlin-Kladow. Diese heute noch vorhandene Kasernenanlage an der Grenze Berlins zu Potsdam wurde in den dreißiger Jahren erbaut. Der Großvater meiner Frau, Fritz Seiler, war von 1934 bis 1936 als Oberbauführer stellvertretender Bauleiter und danach bis 1940 verantwortlicher Bauleiter für diese Projekt. Anschließend war er Ratenbearbeiter im Luftwaffenbauamt Berlin und ab August 1944 Sachgebietsleiter bei der Sonderbauleitung der Luftwaffe in Berlin-Wannsee.


    Zurück zur Luftnachrichtenabteilung Hottengrund: Bis Herbst 1936 war der Regierungsbaumeister Lott verantwortlicher Bauleiter für die Kasernenanlage. Wegen seines Gesundheitszustandes wurde dieser als Bauleiter abberufen, war aber wohl weiterhin im Reichsluftfahrtministerium tätig. Auch war er bezüglich Hottengrund weiterhin für die künstlerische Leitung verantwortlich. Die Übertragung der Bauleitertätigkeit auf Seiler erfolgte mit Schreiben Luftkreiskommando II - IVa - 5 vom 03.09.1936, die Tätigkeit wahrgenommen hat er lt. Arbeistbuch aber bereits seit dem 01.08.1936. Lott und Seiler finden auch im Buch "Ernst Sagebeil - Leben und Werk (1892 - 1970)" von Elke Dittrich Erwähnung - wenn auch nur in einer Fußnote. Mit der Autorin hatte ich diesbezüglich auch schon Kontakt.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Sollte jemand Informationen zu der Kasernenanlage Hottengrund haben, dann wäre ich für einen Hinweis sehr dankbar!

    Viele Grüße aus Berlin

    Svetlana

  • Tag allerseits,


    wie schon hier erwähnt. Hitlers Lieblingsarchitekt Troost starb bereits 1934. Seine Ehefrau, die Innenarchitektin Gerdy Troost, verkehrte danach im engsten Führerzirkel und arbeitete für den NS-Staat als Innenarchitektin.

    Hitler war von Gerdy Troost derart begeistert, dass sie sogar eine Dotation bekam. Frau Troost arbeitete zwar als Innenarchitektin, hatte aber nie eine derartige Ausbildung abgeschlossen.


    Auch diese Karriere verlief nach dem gleichen Muster. Frau Troost trat bereits 1932 der NSDAP bei. 1937 wurde ihr der Professorentitel verliehen und 1943 bekam sie noch das Goldenen Parteiabzeichen und dazu eine Dotation

    in Höhe von 100.000 Reichsmark.


    Dazu

    Gerdy Troost
    Im „Dritten Reich“ ist Gerdy Troost eine der engsten und einflussreichsten Beraterinnen Hitlers in Fragen von Kunst und Kultur. Für Hitler besorgt sie…
    www.rheinische-geschichte.lvr.de


    Was immer wieder auffällt. das ist der durchgehende Einheitstyp der Kasernen, die nach 1933 entstanden. Im Anhang die Kaserne in Lingen/Ems. Die Kasernen in München, Stuttgart und anderen

    Orten. sie sahen alle gleich aus. In gewisser Weise war dies eine bemerkenswerte architektonisch-organisatorische Leistung der NS-Zeit, um kostengünstiges Bauen umzusetzen.


    Grüße

    Bert

  • Tag allerseits,


    man fragt sich natürlich heute, warum in der NS-Zeit der BAUHAUS-Stil abgelehnt wurde.

    Hitler, in seiner Denkweise und Herkunft ein Kleinbürger, konnte mit dieser modernen Architektur nichts anfangen. Wahrscheinlich war diese Architekturform ihm zu "einfach". Er wollte etwas ganz Großes, eine neue Form

    der Klassik. Diese Denkweise ist wohl typisch für Diktatoren, die sich selbst Denkmäler setzen wollen. Ähnlich verlief die Entwicklung im Ostblock unter Stalin, der Wert auf einen geradezu erbärmlichen Zuckerbäckerstil legte.


    Grüße

    Bert

  • Moin zusammen,

    aus dem Heft "Der Weg zur Ordensburg", "Ein Sonderdruck des Reichsorganisationsleiters der NSDAP für das Führerkorps der Partei, ...."

    könnte ich ein paar Fotos zur Verfügung stellen. Architektur + Inneneinrichtung.

    Falls das jemanden interessiert .....


    Gruß

    Wolfgang

  • Grüß Dich Wolfgang,


    Die Ordensburgen - einschließlich deren Innenarchitektur - sind Teil dieses Themas.

    Also: Bitte die Fotos hier einbringen.


    Grüße

    Bert

  • Hallo zusammen,

    anbei Bilder der Ordensburgen Vogelsang, Sonthofen und Crössinsee.

    Die Bilder entstammen alle dem Buch "das Bauen im neuen Reich".

    Die Nazis nannten Ihre Bauweise auch oft "Wort aus Stein".

    Stellvertreten dafür stehen, die folgenden Sätze aus dem Buch.


    "Wenn Völker große Zeiten innerlich erleben, so gestalten sie diese Zeiten auch äußerlich. Ihr Wort ist dann überzeugender als das gesprochene: Es ist das Wort aus Stein."


    Mit freundlichen Grüßen Achim


    P.S. das Zitat entstammt dem oben erwähnten Buch und spiegelt nicht meine Gesinnung wieder. Ich weise bewusst darauf hin.

    Sonthofen.jpg


    Sonthofen1.jpg


    Vogelsang.jpg


    Vogelsang1.jpg


    Crössinsee.jpg