Architektur im Deutschen Reich

  • Moin,


    ein Merkmal des NS-Staates war die insbesondere unter der Federführung Paul Ludwig Troosts, Ludwig Ruffs oder natürlich Albert Speers entwickelte pompöse "neue" Architektur, die auch als Neoklassizismus bekannt ist. Es waren dies aber nicht nur repräsentative Gebäude, sondern auch Zweckbauten, die eine bestimmte, verordnete Stilrichtung prägte.

    Ganz neu war der Eingriff in die architektonische Gestaltungsfreiheit jedoch nicht, wie ein interessanter Übersichtsartikel des Deutschlandfunks wissen lässt.

    Gerade viele militärisch genutzte Liegenschaften, die in der Epoche zwischen Reichsgründung 1871 und "drittem Reich", entsprechen diesen Idealen und gleichen sich daher. Sie sind teilweise bis heute erhalten, wie z.B. die Marineschule Flensburg-Mürwik, die auf Wunsch des Kaisers Wilhelm II nach dem Vorbild der Marienburg (mittelalterliche Ordensburg des Deutschen Ordens) erbaut und von ihm vor 110 Jahren (21.11.1910) eingeweiht wurde.


    Ich würde mich freuen, wenn weitere Beispiele - vorzugsweise von militärischen Liegenschaften, Kasernen o.ä. - gesammelt werden, natürlich gerne mit entsprechenden Bildern


    Beste Grüße,

    Justus


    IMG_4024.jpg(copyright JH)

  • Guten Morgen,

    für Bayern das Standardwerk dazu:

    Winfried Nerdinger (Hrsg.), Bauen im Nationalsozialismus. Bayern 1933-1945, (Ausstellungskataloge des Architekturmuseums der Technischen Universität München und des Münchner Stadtmuseums, Nr. 9) München 1993

    Grüße
    Jörg

  • Tag allerseits,


    der "Führer" beschrieb selbst, wie sich die Architektur entwickeln sollte:


    "Es fehlt unseren Städten der Gegenwart das überragende Wahrzeichen der Volksgemeinschaft, und man darf sich deshalb nicht wundern, wenn diese in ihren

    Städten kein Wahrzeichen ihrer selbst steht."


    In diesem Sinne muss man die "Bauten des Führers" in München am Königspatz , das Haus der Deutschen Kunst und die Parteitagbauten in Nürnberg sehen, die

    von Prof. Troost geplant wurden. Prof. Troost war bis zu seinem Tode der Lieblingsarchitekt des "Führers".


    Hitler lernte Troost bereits vor der Machtübernahme kennen. Er bekam dann auch den Auftrag, das Braune Haus in München umzugestalten.


    Diktaturen haben immer ihre ureigenen Baustile. Modernität ist in solchen Systemen meist nicht gefragt. In den sozialistischen Staaten war es der Zuckerbäckerstil und

    im 3. Reich der monumentale Stil. Bauten der BAUHAUS-Zeit galten im NS-Staat als unerwünscht.


    Dazu auch

    https://www.welt.de/kultur/his…Hitlers-Ordensburgen.html


    Grüße

    Bert

  • Hallo,


    siehe auch hier:

    Deutsche Militärgebäude 1936 bis 1941


    Hierzu auch ist auch das Buch von Sonja Günther zu empfehlen: "Design der Macht".

    Sie zeigt auf, dass sich der Stil der NS Machthaber (nicht nur auf Gebäude selbst D.U.) auch auf die Inneneinrichtungen erstreckte.

    "Diese Interieurs hatten die Aufgabe die Dominanz Hitlers zu unterstreichen."

    Beispiel: Langgezogener großer und hoher Raum/Saal in der Reichskanzlei, Riesenschreibtisch und Riesentür. Der Besucher soll sich dabei klein vorkommen.


    Gruß Karl

  • Guten Abend ans Forum und an den anfragenden Justus,


    symbolträchtige Gebäude im Deutschen Reich gab es während der Kaiserzeit, der Weimarer Zeit und der Zeit des Dritten Reiches.

    So gab es im Freistaat Preußen während der Weimarer Zeit eine Reihe von Neubaumaßnahmen im Bereich der Polizei, die alle das gleiche Ziel verfolgten und daher architekturgeschichtlich gut eingeordnet worden sind. In der Religion heißt es: "Eine feste Burg ist unser Gott". In Bezug auf die Polizei-Neubauten der damaligen Zeit könnte man abgewandelt sagen: "Eine feste Burg ist unsere Liegenschaft".

    In meinem Archiv habe ich Material darüber und könnte etwas zur Übersicht zusammenstellen, falls das hier in den Rahmen des Themas passen würde.

    Hätte gerne grünes ggf. auch rotes Licht von Justus.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • ... Ich würde mich freuen, wenn weitere Beispiele - vorzugsweise von militärischen Liegenschaften, Kasernen o.ä. - gesammelt werden, natürlich gerne mit entsprechenden Bildern ...


    Hallo,


    Karl hatte oben schon auf den Forumsbeitrag von Ralf/SanUO hingewiesen: Deutsche Militärgebäude 1936 bis 1941

    Darin enthalten ein Link zu einer mehrteiligen Dokumentation des BMI in Kooperation mit dem BMVg mit dem Titel "Militärisches Bauen" (umfasst den Zeitraum der 1930er bis 1980er Jahre), zum runterladen als .pdf hier: https://www.fib-bund.de/Inhalt…n/Militaerisches%20Bauen/


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Tag allerseits,


    die Kasernenbauten der NS-Zeit waren stilistisch ziemlich gleich in ihrer architektonischen Gestaltung. Die in den letzten Jahren frei gewordenen Kasernen wurden beispielsweise in Bayern vielfach

    abgebrochen. Nun kann man neuerdings durchaus eine andere Entwicklung beobachten. Die ehemalige Gendarmerie-Kaserne in Unterhaar wird wohl für die Nachwelt erhalten werden.


    Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege prüfte die Schutzwürdigkeit des Kasernenbaus. Nach einer Begehung kam die Behörde zu dem Schluss, dass diesem NS-Bau geschichtlich, aber auch künstlerisch Bedeutung zukommt, wobei der zuständige Oberkonservator dem Gebäude ausdrücklich "wenig Fassadendekor" attestierte und auch eine zurückhaltende Architektur.


    Dazu

    https://www.sueddeutsche.de/mu…us-der-nazizeit-1.4708410


    Grüße

    Bert

  • Guten Morgen,


    vielen Dank für die Antworten bis hierher! Mein Gedanke - und so ist der Threadtitel gemeint - war, bewußt die Architektur des Kaiserreiches miteinzubeziehen. Die Militärpolitik des Hauses Hohenzollern hat ja nicht nur, aber eben auch die Architektur von Zweckgebäuden geprägt. Und dieser Stil fand eben, das ist meine These, zumindest im militärischen Sektor seine Fortsetzung.

    Es geht also darum, die Frage zu beantworten, ob anhand der Architektur militärischer oder im weiteren Sinne logistisch relevanter Gebäude eine Kontinuität zwischen Kaiserreich und "drittem Reich" erkennbar wäre. Natürlich hat jede Epoche ihre architektonischen "Moden", aber es ist ja anzunehmen, dass es im Zuge der enormen Aufrüstung Mitte der dreißiger Jahre auch zu einem "Bauboom" militärischer Liegenschaften gekommen ist. Und an dieser Stelle könnte man ggf. an Beispielen belegen, dass man den Stil des Kaiserreiches fortsetzte - oder eben nicht.


    Viele Grüße,

    Justus

  • Hallo Justus,

    eine sehr interessante Frage, aber auch ein vielschichtiges Thema - fast schon ein Themenkomplex..

    (...) Es geht also darum, die Frage zu beantworten, ob anhand der Architektur militärischer oder im weiteren Sinne logistisch relevanter Gebäude eine Kontinuität zwischen Kaiserreich und "drittem Reich" erkennbar wäre. Natürlich hat jede Epoche ihre architektonischen "Moden", aber es ist ja anzunehmen, dass es im Zuge der enormen Aufrüstung Mitte der dreißiger Jahre auch zu einem "Bauboom" militärischer Liegenschaften gekommen ist. Und an dieser Stelle könnte man ggf. an Beispielen belegen, dass man den Stil des Kaiserreiches fortsetzte - oder eben nicht. (...)

    Da ich mich schon seit früher Jugend für die zahlreichen Militärbauten in meiner Heimatstadt Ulm interessierte und (sichtbare) Veränderungen aufmerksam beobachtete, in der Zeit als aktiver Soldat in die meisten Liegenschaften kam und auch durch meinen Beruf über viele Jahre mit den Instandhaltungen und Neubauten zu tun hatte, ist mir deine Fragestellung nicht ganz fremd.


    In Ulm können wir Militärbauten von der Zeit der Ulmer Bundesfestung ( Mitte des 19. jahrhunderts) bis zum Ende des 20. Jahrhunderts vergleichen. Aus Zeitgründen kann ich jetzt im Moment nicht die Unterschiede im Detail aufführen, aber es läßt sich jeweils ein deutlicher Unterschied in der architektonischen Gestaltung, der Dimensionierung der Bauten je nach Nutzungsart wie auch die Anordnung innerhalb des Areals (sofern nicht durch topografische Gegebenheiten des Baugeländes schon eine "Abweichung" erforderiich wurde ) erkennen.

    Geändert haben sich auch die Nutzungen von einzelnen Bauten / Kasernenbereichen. Etwa in der alten Zeit die Schaffung von Pferdeställen samt den dazugehörigen Einrichtungen etwa zur Futterbevorratung wie aber auch entsprechender "Reithallen" ( eine existiert noch in der "Oberen Donaubastion" ) . Nach Beginn der Motorisierung und daher abzugrenzen mit den zahlreichen Kasernen-Neubauten im Zuge der "Wiederaufrüstung" ab Mitte der Dreißiger Jahre fielen dann meistens die Stallungen etc, weg, dafür waren dann die "KFZ-Hallen beheizt" (Nitzung als Wartungs- und Reparaturgebäude) oder "...unbeheizt" (reine Abstellhallen) für einen Teil des Areals prägend.


    In diesem Sinne lassen sich auch noch weitere Themenpunkte herausfiltern, anhanh derer die "typischen" Veränderungen - oder eben Nicht-Veränderungen" darzustellen wären.

    Ein interessantes, aber auch durch die regionalen Prägungen sehr vielschichtiges Thema ist dann auch der Baustil, in dem die Kasernen-Bauten ausgeführt wurden. In der Kaiserzeit zumeist sehr verschnörkelt als "aufwändig gestalteter Bau zum "Repräsentatieren", dabei "jeder Kasernenbau anders"... ; in den Dreißiger Jahren dann Übergang zum Bauen nach Einheits-Musterplan: in aller Regel war die architektonische Gestaltung der Bauten zweckorientiert und -standortunabhängig- wurden Gebäude gleicher Nutzung auch nach dem gleichen Einheitsplan errichtet. In aller Regel unterschieden sie sich in architektonischer Sicht dann "nur" noch durch den zugrunde gelegten "Heimatstil", der die bevorzugte Verwendung "heimischer" Baustoffe vorsah. Somit haben wir in der Eifel-Region die entsprechenden Sockelmauern etc. bevorzugt aus Basalt hergestellt, im Westerwaldgebiet auch aus Granitgestein, im Südwesten bevorzugt aus Kalkstein, im Fränkischen bevorzugt aus Sandstein u.s.w. .


    Das mal "auf die Schnelle" dazu.


    So, jetzt wieder als unfreiwilliger "Hauslehrer" nach den Kindern schauend,

    grüßt Dich herzlich

    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Lieber Justus,


    da sollte man zunächst den wilhelminischen Baustil ins Auge fassen um vergleichen zu können, weshalb ich meinen Beitrag geweissermaßen als Überleitung sehen möchte und hoffe, dass er so gesehen werden kann.

    Meiner Ansicht nach zeigt sich der wilhelminische Baustil vor allem in und besonders an öffentlichen Gebäuden, ja auch Kirchen usw.

    Siehe nachfolgenden Link, keine militärischen Bauten, aber typisch für die Stilepoche Historismus -Eklektizismus) also ausgewählte Baustile, die durch Vermischung verschiedener Stilrichtungen ansprechend sein sollten. Deshalb sind manche Kunstkritiker der Auffassung es handle sich um einen Disney - Stil, den es allerdings - wie bekannt - in anderen Staaten in ähnlicher Stilrichtung auch gab.

    https://www.pinterest.de/desig…te/wilhelminischer-style/

    oder in dem "Atlas der Profanbauten von 1852 - 1912", da mit Beginn der Aufrüstung, vor allem der Marine, bauen außerhalb des Militärs bei Wilhelm in den Hintergrund trat.

    Siehe auch hier:

    https://www.innenarchitekten-i…storismus-architektur.htm

    Hier zum Vergleich NS - Bauten, vorwiegend im Neoklassizismus, der m. E. auch wieder alte Elemente aufgreift.

    https://www.panorama-b.de/ns-architektur/ ( Wenn man auf Militär klickt, dann sieht man auch Militärbauten).

    Vielleicht meldet sich auch noch ein Fachmann hier zu Wort.


    Gruß Karl

  • Hallo!


    Auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob mein Bild zu eurem Thread passt ... :/


    Anbei ein interessantes Fundstück aus Koblenz, hier ist die Fassade der Deutschen Bundesbank in der Neustadt zu sehen ... über dem Eingang ist noch der Reichsadler mit Kranz, jedoch ohne Hakenkreuz zu sehen. Man beachte auch die Muster direkt über den Fensterbögen. Weiß jemand zufällig, welche Funktion dieses Gebäude vorher hatte?


    Grüße

    Sven

  • Hallo Sven,

    in der Tat ein "Reichsadler" auf dem Lorbeer-Kranz, dem eben nach dem Krieg das Hakenkreuz entfernt wurde. Nicht unüblich.


    Zur früheren Nutzung des Kowwelenzer Gebäudes kann ich von hier aus nichts "aus dem Stand heraus" beitragen. Vielleicht hilt eine telef. Anfrage bei der Gebäudeverwaltungsabteilung der Bank oder beim Stadtarchiv.


    (Sollte sich das so nicht klären lassen oder hier ein anderer die Frage beantworten können, könnte ich einen Kameraden in Koblenz aktivieren... )


    Herzliche Grüße

    Uwe

    (etwas in Eile.. )

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo,

    Weiß jemand zufällig, welche Funktion dieses Gebäude vorher hatte?

    Die Frage kann ich leider nicht beantworten.


    Wenn wir den Baustil der Kasernenbauten des III. Reiches anschauen, sollten wir folgende Punkte betrachten:

    > Kasernen waren in erster Linie Zweckbauten, die den (möglichst vielen) Soldaten als Unterkunft dienen und den militärischen Erfordernissen entsprechen. Das bedeutet, dass neben den

    - Mannschaftsunterkünften

    - Mannschaftskantinen

    - Offizierskasinos

    - Offizierswohnheim

    - Turn -Sport -Schwimm -platz und/oder halle ( je nach Zweck)

    - oft eine Wohnung für den Chef oder Kasernenältesten mit Balkon

    - Ställe bzw. Garagen oder beides mit Waschplatz

    - Werkstätten

    - Wirtschaftsgebäude mit Verwaltung und Küche/Speisesaal

    - Stabsgebäude

    -Exerzier - bzw. Paradeplatz

    - Kohlebunker

    - Feuerlöschteich bei abseits oder auf Höhen gelegenen Kasernen


    Baumaterial:

    Sehr oft kam ortsübliches Baumaterial zur Ausführung, z. B. unverputzte Ziegel, Granitquader, ansonsten ein Außenputz.

    Der Kasernenplatz war je nach Verwendung oft mit Kopfsteinpflaster versehen. Bei Artillerieeinheiten waren dies spezielle Katzenköpf wegen der schweren Geschütze und den oft noch eisenbereiften Fahrzeugen.

    Bei Kettenfahrzeugen waren die Plätze oft betoniert.


    Besonderheiten:

    - stark geneigtes Walmdach sollte Bomben wenigstens etwas abweisen

    - bei einigen Kasernenbauten in Grenznähe war der Bühnenboden mit Beton wegen der Bombengefahr verstärkt

    - Wirtschaftsgebäude 2 stöckig, da Speisesaal ein höherer Raum war, dabei Küche und im 1. Stock Verwaltung, im Keller Schutzräume und Lebensmittellager ( Eiserner Rationen und für Küche)

    - Mannschaftsbauten 3 stöckig, 1 Hochparterre und 2 Stockwerke, Luftschutzkeller und Materiallager, im Eingang eine zweite Türe nach den wenigen Treppenstiegen zurückgesetzt, links ein kleines Fenster von dem in jedem Gebäude befindlichen Wachzimmer, so dass der Wachhabende oder der Melder den Besucher im Eingang bzw. Flur sehen konnte. Üblicherweise brandsichere Steintreppen im Gebäude, In den Stockwerken Gewehrschränke oder Gewehrnischen, Stuben überwiegend mit Holzofen beheizbar, selten Zentralheizungen (Holz - Kohle im Keller oder Heizungsbau) im Wirtschaftsgebäude fast immer.

    Soweit die baulichen Gegebenheiten, denen sich der Architekt anzupassen hatte.

    Der Baustil war dann vor allem die Äußerlichkeit!

    Dies soweit es ortsfeste Kasernen betrifft und keine Barackenlager, aber auch die hatten Regeln; hier ohne Bedeutung.


    Gruß Karl

    Edited once, last by Karl Grohmann: Rechtschreibung ().

  • Hallo,


    Es geht also darum, die Frage zu beantworten, ob anhand der Architektur militärischer oder im weiteren Sinne logistisch relevanter Gebäude eine Kontinuität zwischen Kaiserreich und "drittem Reich" erkennbar wäre.

    Um nun einen Vergleich, Kasernen waren letztlich Zweckbauten, anstellen zu können und bevor man die Baustile weiter betrachtet, möchte ich nun auf die Nutzanwendung während der Kaiserzeit Wilhelms II und Königs von Preußen, eingehen, da der Zweck letztlich mitbestimmend am Baustil ist:


    - höhere Offiziere und Militärbeamte konnten nur in Ausnahmefällen in der Kasernen wohnen, wobei dann ein Abzug des Serviceteiles (Zulage) erfolgte

    - für junge, unverheiratete Leutnante gab es in den Kasernen Wohnungen ( Wohnstube, Schlafstube, Burschenstube, Reitzeugkammer, wenn möglich Boden und Keller)

    - Unteroffiziere und Mannschaften des Heeres sind in den Kasernen untergebracht ( Selbsteinmietung möglich- Ausnahmefall)

    - Wohnungen für Feldwebel und Wachtmeister ( Wohnstube, Schlafstube, Küche und wenn möglich Nebenräume) Abzug Serviceteil

    - Stuben für einzeln unterzubringende Personen, Vizewachtmeister, Fähnriche, Feuerwerker usw.( 15 - 18qm)

    - Mannschaftsstuben 10 - 12 Mann, nötigenfalls mit jungen Unteroffizieren, pro Kopf 4,5 qm Grundfläche.*

    Ansonsten siehe vorstehend ( Kasernen im III. Reich).


    Der große Unterschied besteht also in dem Wohnungsangebot, folglich der räumlichen Aufteilung der Kasernengebäude.


    Bezüglich der Baustile in militärische Zweckbauten:

    Diese waren an militärischen Bauten damals besonders an Kadettenanstalten, Kriegsakademien, Kasinos, Offizierwohnheime aber auch an Festungen und Militärgebäuden ausgeprägt.


    Kadettenanstalten. Kriegsakademien Fotos (Leider habe ich keinen Bildband gefunden)

    https://www.google.com/search?…egQIBBAB&biw=1311&bih=698


    Gruß Karl



    * Hein: "das kleine Buch vom Deutschen Heere"

    Museums - Festungs - und Garnisonsstadtbesuche


    Zusatz: Auch dieser Beitrag soll die "Kasernenkultur" der beiden Zeitepochen darstellen um die Einflüsse, auch auf die Bauausführung ( Wohnungen) einordnen zu können.

  • Lieber Karl,


    vielen Dank für Deinen Beitrag - ich freue mich, dass Du meinen Ansatz verstanden hast.


    Herzliche Grüße,

    Justus

  • Hallo zusammen,


    in meinen vorherigen Beiträgen habe ich ein wichtiges Detail vergessen.

    Die Wache mit den Arrestzellen und das Schilderhaus ( Wachhäuschen).

    Dazu folgendes:

    Die Wache war neben dem Stabsgebäude schon immer das "Aushängeschild" einer Kaserne, bis eben aus Kosten - und Kriegsgründen dann nur noch spartanische Zweckbauten entstanden.

    Betrachten wir die alten Garnisonsstädte, so können wir oft noch Wachhäuschen finden, die meist unter Denkmalschutz stehen, z. B. in Ulm, Ludwigsburg und natürlich auch in Frankfurt, Hamburg usw.. Kleiner Gebäude mit oft einer kleinen Säulenreihe unter dem Vordach. Daneben erkennt man bei manchen noch die Gitter der Arrestzellen und als Besonderheit an manchen Wachgebäuden einen Erker/Vorsprung, der den Blick nach rechts und links, also entlang der Vorderfront des Wachhäuschens ermöglichte. Dies sogar in Ulm mit farbigem Glas.

    Die in der wilhelminischen Zeit entstandenen Militärbauten, z. B. die Marineschule Mürwik, sollten durch ihren Baustil die Bedeutung des Militärs in der Gesellschaft hervorheben. Außerdem sollte sie den Wünschen Wilhelm II. der Marienburg ähnlich sein. ( Traditionspflege und - Anknüpfung. Außerdem war die Marine Wilhelms "Steckenpferd" . Das möchte ich aber an dieser Stelle nicht vertiefen.

    Das haben die NS - Größen zwar auch so gesehen, aber das Militär sollte eher ein Teil des Volkes sein, denn der Adel, der in der wilhelminischen Zeit eine erhebliche Rolle spielte - Offiziere kamen nur aus dem Adelsstand - später gab es dann kriegsbedingt wenige bürgerliche Ausnahmen, war im NS Staat eben ein vorhandenes Übel. Hitler vertraute dem Adel nicht ganz.

    Sehr oft ließ Wilhelm dann sogenannte Garnisonskirchen errichten. Hierbei war eine in der Kirchturmgestaltung einmalige Besonderheit in Ulm. Der Kirchturm glich eine Granate ( Man beachte besonders das Dach!). Ich meine damit nicht die allgemein bekanntere St. Georg Garnisonskirche in Ulm. Garnisonskirchen gab es auch in anderen Städten, z. B. in Potsdam ( Wiederaufbau stagniert) und gibt es noch in einer Vielzahl, die allerdings nicht ausschließlich in Wilhelms Regentenzeit, sondern auch schon früher gebaut wurden. Deren Ursprünge lagen oft in einer zuvor vorhandenen kleinen Festungskapelle, denn die Garnisonsstädte waren urspünglich oft als Festung geplant und erstellt. z. B. die sog. Bundes - und Landesfestungen.

    ( Kann ich hier nicht weiter ausführen; fernab vom Thema). Auf jeden Fall fällt der Bau der bekannten Garnisonskirchen ins 20 Jhdt.

    Baustile sind und waren ein Spiegelbild der jeweiligen Epoche, vielleicht nicht ausschließlich, da sich der Bauherr/Künstler auch verwirklichen wollte.

    ( Das gab es schon immer, so wurden Kirchtürme oft nicht ganz nach Wunsch der Obrigkeit gestaltet und zudem war da ein ganz anderes Problem: Die Bauzeit, die sich oft über Jahrhunderte erstreckte; anders bei den Kasernen, die waren zeitgebunden, denn sonst nutzlos.

    P.S. Man übersehe bitte meine absichtlichen Abweichungen vom eigentlichen Thema, die aber m. E. der Verdeutlichung dienen!


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    "haste jut jemacht" - da waren keine "Abschweifungen" dabei, denn nur durch den Hinweis auf die Zusammenhänge wird die Bedeutung / der Sinn klar erkennbar bzw. für den nicht im Thema stehenden nachvollziehbar.


    Schön, daß Du auf die Ulmer Spezialtäten verwiesen hast. Die Garnisonsgeschcihte von Ulm bietet ja noch einiges, was zu berichten wäre, aber das alles zusammen wäre dann schon wieder ein Buch...


    Herzliche Grüße

    und einen schönen Sonntag und viel Spaß beim Schnee schieben

    wünscht Dir

    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Lieber Justus, lieber Uwe,


    gern geschehen, freut mich von Euch zu hören.


    Gruß Karl


    Genießt einen schönen Sonntagnachmittag Kaffee, wenn möglich.

  • Hallo,


    gern verweise ich auf die Publikation "Zentralblatt der Bauverwaltung", die ihrem Wesen entsprechend gerade in den 30er Jahren entstandene Neubauten (anonymisiert) veröfffentlicht.

    Ausgehend von der Luft- und Heeresnachrichtenschule Halle, Architekt Büro Sagebiel, sind da vom Flughafen Tempelhof, LKriegsschule Dresden, Reichsluftfahrtministerium etc. doch einige Bauten überliefert.

    Großprojektee, wie Kasernen und Flugplätze, sollten sich den Hinweisen der Auftraggeber entsprechend immerder örtlichen Architekturtradition anpassen. Sehr gut ist das in der Eifel, "Ordensburg Vogelsang", oder auch in Bayern, wo man sich an die "Postbauschule" anlehnte, sichtbar.

    Die Größe und Mächtigkeit des Reiches und seiner Behörden war den Bürgern und Besuchern zu dokumentieren, zB Gauforum Weimar, Parteitagsgelände Nürnberg, Behördenhaus Erfurt, Arnstädter Str. etc.


    Grüße Fred

    Halle/Saale: Heeres- und Luftnachrichtenschule // Siebel Flugzeugwerke