Wo blieb die ganze Winterbekleidung/Ausrüstung im Sommer?

  • Hallo zusammen,


    generelle Frage: Wo wurde die ganze Winbekleidung und Ausrüstung des normalen Soldaten in den Sommermonaten gelagert?


    Oder hat jeder seine Sachen Packtaschen verwahren müssen, die überall hin mitgeschleppt werden mussten,

    und ggf. durch Feindeinwirkung, Diebstahl usw. verloren gingen?


    Mantel, Tarnbekleidung, Kopfschützer, Pelzkappen, Handschuhe, ggf. Filzstiefel, Decken, usw. von Millionen Soldaten speziell der Ostfront.


    Falls das ganze Zeug in Depots verbracht wurde, je Divison, Regiment?

    Wer hat sich darum gekümmert? trockene Lagerung, Ungezieferbefall, Diebstahl usw.

    Bei Rückzug, wer räumte, oder alles angezündet?


    Falls Depots, hat dann jeder auch sein persönliches Zeug wieder bekommen, oder irgendwas?


    Mir ist nichts in Erinnerung, darüber was gelesen zu haben.

    Neueinkleidungen egal mit was meine ich nicht, sondern das was alles millionenfach Vorhanden war.


    Und natürlich auch der umgekehrete Weg, Sommeruniformen ausziehen und Winterzeug (dazu?) empfangen.

    Also musste doch all das, was speziell für die warme Jahreszeit gedacht war, irgendwo hin gekommen sein.


    Vielleicht fällt jemand was dazu ein.


    Viele Grüße, ZAG

  • Hallo Zag,


    Deine Frage ist sehr interessant. Ich habe diesbezüglich einmal einen befreundeten Veteranen gefragt. An ein paar Dinge konnte er sich zu diesem Thema noch erinnern. Es wird nicht all deine Fragen beantworten, aber vielleicht hilft es dir ja etwas weiter.


    Er konnte sich recht gut daran erinnern, dass er von Berlin Lichterfelde Oktober 1941 zum ersten Mal nach Russland, nach Targanow musste. Er wurde neu eingekleidet, aber mit Sommerkleidung. Er und seine Kameraden haben unendlich gefroren und es hat lange gedauert, bis man dem nur ein wenig Abhilfe geschaffen hat. Meist wurden nach Ablösung die Pelzstiefel

    der Vorgänger wieder benutzt. Den Sommermantel hat er den ganzen Winter tragen müssen. Ein Kammeroffizier verwaltete die Kleidung, die , daran erinnert er sich ganz genau, in einem

    LKW, 3 Tonner Opel Blitz, aufbewahrt wurden. Beim nächsten Aufenthalt in Charkow war es wohl etwas besser. Aber zum Beispiel Handschuhe, bekam man für ein Jahr, und die waren für die

    Winter in Russland viel zu dünn. Er hat jedenfalls seine Klamotten nicht selbst mit sich herum getragen


    Als er von Russland nach Italien kam, haben sie die selbe Kleidung weitergetragen. An Depots kann er sich leider nicht mehr erinnern.

    Er hat jedenfalls seine Klamotten nicht selbst mit sich herum getragen.



    Herzliche Grüße


    Heidy

  • Hallo ZAG,


    hier zunächst grundsätzliches:


    http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Soldat/Versorgung-R.htm


    Innerhalb der Division war für die Bekleidung auch das Verpflegungsamt ( Verwaltung) zuständig.


    "So wurden z. B. der 12. ID in den ersten 6 Monaten des Ostfeldzuges an neuer Bekleidung zugeführt:

    38.000 Par Socken

    12.700 Hemden

    14.700 Unterhosen

    13.000 Taschentücher

    7.500 Tuchhosen

    5.500 Feldblusen

    2.500 Paar Stiefel.


    Bei Bekleidungswechsel vom Sommer zum Winter und umgekehrt wurde diese abgegeben und nach Entlausung ( Ostfeldzug) und Reinigung wieder eingelagert. Die Bekleidung wurde wie das übrige Leergut ( Munitionskisten, Schrott etc.) im Staffelverfahren zurückgebracht, also immer nur in das nächst zuständige Lager, wobei dann möglichst auf die Bahn zu verladen war, denn die Züge fuhren dadurch nicht leer zurück. Hierfür gab es die entsprechenden Lagerkapazitäten, Depots und Bekleidungslager. Meines Wissens war es nicht möglich dieselbe Uniform wieder zu erhalten.

    Dazu habe ich einmal einen Ausschnitt einer Wochenschau über die Munitions - und Verpflegungsversorgung gesehen. Auch waren die Divisionen mit ihren begrenzten Transportmöglichkeiten nicht in der Lage die Bekleidung selbst in die Depots zu überführen, deshalb die Staffelung.

    Werde aber noch nachforschen.


    Gruß Karl


    Buchner, Alex: "Handbuch der Dt. Infanterie 1939 - 1945"

  • Lieber Karl,


    danke für die Klärung des Problems.


    Ich kann mir vorstellen, dass der "Bekleidungswechsel" in den besetzten Gebieten (z.B. Norwegen, Frankreich) durchaus funktionierte. Im Osten gab es ab 1942 infolge der Frontvorsprünge im Mittel- und Südabschnitt wahrscheinlich schon Nachschubprobleme beim "Bekleidungswechsel". Viele deutsche Soldaten hatten mit Erfrierungen an den unteren Gliedmaßen (insbesondere Zehen) zu leiden,

    weil es praktisch bis Kriegsende kaum echte Winterstiefel gab und die eigentliche "Winterbekleidung" war an der Ostfront ohnehin immer nur beschränkt vorhanden.


    Grüße

    Bert

  • Hallo Heidy,

    vielen dank füe Deinen Beitrag eines ehem.Soldaten. Also vermutlich das Winterzeug nicht mit sich herumgetragen.....


    Hallo Karl,

    danke für den Link, da hatte ich schon mal reingeschaut, aber unter Bekleidung, Uniformen fast nichts gefunden.

    Zu der von Dir beschriebenen Vorgehensweise:

    Eben, die Einheiten selbst hatten gar nicht die Kapazität das ganze Winterzeug von zig tausenden Soldaten zu reinigen

    und zurückzubringen und dort sicher zu lagern, bewachen, und wieder zu den Einheiten zu transportieren bis es wieder gebraucht wurde.

    Und das ganze bei sich veränderten Fronten, die ab 1943 rückläufig waren, Verlegung der Einheiten usw.


    Wie schon gesagt, ist mir zu diesem aufwändigen Verfahren fast nichts an Berichten, Bildern bekannt.


    d.h. für den Soldaten, die liebgewonnene gefütterte Winterjacke musste im Sommer weg und kam womöglich nicht mehr.

    Es gab bestimmt in Ausnahmefällen "Schwarzbestände" wo die Wintersachen doch behalten worden sind, aber eben nicht im Regelfall.


    Danke Dir

    Grüße,ZAG

  • für den Soldaten, die liebgewonnene gefütterte Winterjacke

    Tag allerseits,


    mein Vater machte als Infanterist den Feldzug im Osten bis zum Ende mit. Eine gefütterte Winterjacke oder gar eine Pelzjacke hatte er bis Kriegsende nie zur Verfügung. Bei Kriegsende kam er mit erheblichen

    Erfrierungen in die Heimat zurück. Was er sich als Leutnant beschaffen konnte, das waren gefütterte Lederhandschuhe. Mit einem dieser Lederhandschuhe kam er zu Hause an, denn der 2. Lederhandschuh

    wurde ihm im Kriegslazarett Zoppot geklaut.


    Grüße

    Bert

  • Hallo,


    in den Q-Abteilungen der Divisionen und auch der Armeen finden sich regelmäßig Anordnungen zur Aus- oder Rückgabe von Sommer- resp. Winterausrüstung. Auch finden sich Regelungen für "Selbsteinkleider". Bis auf den Winter 41/42 schien der Rest gut organisiert zu sein.


    Gruß


    Dieter

  • Hallo zusammen,


    hier ein Lehrfilm über die Verpflegungsausgabe. Genau so muss man sich auch die Ausgabe von allen anderen Versorgungsgütern, Munition auch Bekleidung und deren Rückgabe im Bataillonsrahmen vorstellen. Darüber dasselbe in größerem Rahmen der Division usw.

    Abholung oder Rückbringung sofern vorhanden!


    https://www.youtube.com/watch?v=AcZqoxya9Rk


    Gruß Karl

  • Thilo

    Changed the title of the thread from “Wo blieb die ganze Winbekleidung/Ausrüstung im Sommer?” to “Wo blieb die ganze Winterbekleidung/Ausrüstung im Sommer?”.
  • Hallo,


    ergänzend hier ein Auszug aus den wichtigsten Aufgaben einer Versorgungskompanie ( 1944)


    Beachte Ziffer b)!


    Die A u f g a b e n s t e l l u n g für die Versorgungs-Kompanie lautete:


    a) Personalbearbeitung, Auszeichnungen, Beförderungen, Disziplinarverfahren
    (soweit Bataillonssache, durch den Schreiber des Bataillons vorbereitet und über
    den Vers.-Kp.-Chef vorgelegt), Erkennungsmarkenverzeichnis, Durchführung von
    Gottesdiensten, Post, Kino, Frontbühne, Zeitung, Lehrfilme, Lektüre, Quartiermacherkommando, Dolmetscherdienst, Gräberdienst.


    b) Sold, Verpflegung, Bekleidung, Wäsche, Marketenderware.


    c) Instandsetzung und Nachschub von Kraftfahrzeugen, Waffen, Funk- und
    Fernsprechgerät.
    d) Nachschub von Munition, Gerät, Betriebsstoffen aller Art.
    e) Verwundetenversorgung und -transport, Versorgung von Leichtkranken und
    Genesenden, Entlausung und Erholungsfürsorge, Wasser- und Brunnenaufsicht,
    Nachschub an Verbandmaterial und ärztlichem Gerät.

    Es fehlen hier Partisanenbekämpfung, Ausbildungsaufgaben usw.)



    Gruß Karl


    Auszug: Nachschubtruppe der BW Heft 54

  • Hallo,


    ein Beispiel für die Versorgung, hier der Waffen - SS, findet sich in einem Thread von Westermann und dort einem Beitrag von Roland vom

    2.08.2017 #6

    mit folgendem Inhalt:

    "

    Das Bekleidungslager war enorm und umfasste z.B. die ganze Winterbekleidung für sicherlich 4 000 Soldaten. Dazu kamen neue, meist aber überholte gebrauchte Uniformen oder Uniformteile und die Ausbesserung bzw. das Inauftraggeben dieser.


    Es wurden einzelne Uniformstücke ausgereicht bzw. für ganze Einheiten komplett. Im ganzen Bekleidungslager herrschte ein strenger, muffig-scharfer Geruch, der wohl von der Desinfektion der gebrauchten Uniformen... herrührte.


    Meine Aufgabe war die Verwaltung der Bekleidung, das Führen der Bestandkladden und sonstigen Listen. Ich fühlte mich wie ein Buchhalter, aber ich muss zugeben, dass mir diese Arbeit auch Freude bereitete. Akkurat arbeiten, so dass alles passte – es konnte ja jederzeit eine Revision kommen – gefiel mir gut. Manchmal musste mehrfach der Bestand aufgenommen werden, bis die Zahlen passten. Aber bei mir passten sie immer."


    Dort kann man auch die ganze Geschichte der Versorgunglager, in diesem Falle der Waffen- SS nachlesen. ( Es ist eine hervorragende und detaillierte Arbeit, die in diesem Thread gemacht wurde. Ich ziehe meinen Hut)


    Truppenwirtschaftslager (TWL) der Waffen-SS

    Beachte: Thilos Beitrag mit Verweis zu Roland!



    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    Herzlichen Dank für deine Beiträge. Große Klasse. Daraus werde ich meinem alten Freund morgen vorlesen.

    Es interessiert ihn auch sehr. Er konnte sich nicht mehr erinnern.


    Gruß Heidy

  • Hallo Karl,


    vielen Dank für den Beitrag von Roland heraussuchen!


    Das ist der ERSTE Bericht der meine Frage direkt "beantwortet".

    Ob Waffen-SS oder Heer, Luftwaffe, es wird wohl dann überall das gleiche gewesen sein.


    d.H. für die ganzen Klamotten waren die Truppenwirtschaftslager verantwortlich.

    Die Schilderung ist sehr Realitärsnah, denn die ganzen gebrauchten Klamotten in großen Mengen rochen bestimmt...


    Wenn ein so ein Lager Uniformteile für ca. 4000 Mann hatte, kann man also davon ausgehen

    dass es pro Division min 3-4 solcher Lager gegeben haben muss, und das ganze mal 100 (ca.)

    für die vielen Ostfrontdivisionen und sonstigen Einheiten...

    Und so manches Lager wird wohl bei den z.T. überstürtzten Rückzügen ab 1943 in Flammen aufgegangen sein.


    Danke nochmals

    Grüße, ZAG

  • Hallo,


    Und so manches Lager wird wohl bei den z.T. überstürtzten Rückzügen ab 1943 in Flammen aufgegangen sein.

    Siehe hier:


    http://media.badische-zeitung.…gsende/engmann_walter.pdf


    Auszug S. 6 ff.


    "Stabszahlmeister“: Nach etwa zehn Tagen erreichten wir die Stadt Graudenz, die von Hitler zur
    „Festung“ erklärt worden war. Das hieß für uns: Hier wird der Krieg für uns zu Ende gehen, egal wie,
    denn eine Festung musste laut Führerbefehl verteidigt werden „bis zur letzten Patrone, bis zum letzten
    Mann“. Am Stadtrand fand einer unserer Spähtrupps ein riesiges Versorgungslager der Wehrmacht,
    bewacht von zwei Landsern und einem Stabszahlmeister. Dieser verweigerte unserem Trupp den
    Zutritt mit den Worten: „Keiner betritt das Versorgungslager. Das Lager wird zur Sprengung
    vorbereitet!“ Der „Zahlmops“, wie wir diese Art Offiziere nannten, ließ überhaupt nicht mit sich reden.
    Weder hörte er auf den Hinweis, dass unsere Einheit eine Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung
    dringend nötig hätte, noch nahm er zur Kenntnis, dass die Zivilbevölkerung in der Stadt sicher auch
    froh wäre, etwas abzubekommen. Dann ging alles ganz schnell:
    Der Spähtruppführer meldete den Vorfall unserem Kommandeur, Oberstleutnant Francois. Der eilte
    wutentbrannt zum Vorratslager, stellte den Stabszahlmeister zur Rede, und als dieser sich mit den
    Worten widersetzen wollte: „Das Lager ist befehlsgemäß zur Sprengung vorbereitet und abgebucht.
    Wer das Lager betritt, wird wegen Plünderung von den Posten erschossen“, zog unser Kommandeur
    seine Pistole und gab seinen Begleitern den Befehl das Lager zu besetzen und alles für die Einheit
    Wichtige sicher zu stellen.
    Gleichzeitig schickte er einen Melder in die Stadt, um der Bevölkerung bekannt zu machen, dass sie
    zum Lager kommen sollten. Und sie kamen: Mit Leiter- und Kinderwagen, Taschen, Säcken und
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    Körben und waren glücklich, auch etwas zu bekommen. Was mit der Lagerbewachung danach
    geschah ist mir unbekannt. Entweder machten sie sich noch schnell aus dem Staub – allerdings dann
    mit leeren Händen – oder sie wurden „liebevoll“ in unsere Truppe für den Endkampf um Graudenz

    aufgenommen."


    Positives Beispiel:

    Afrikafeldzug: Auf dem Rückzug: Eine Bäckereikompanie muss "abbauen" - tausende Brote, die nicht mehr ausgegeben werden können, werden an die Rückzugstraße ( Vermutlich Via Balbia Lybia) gelegt. Jeder Landser darf mitnehmen soviel er will. ( Quelle ist mir entfallen).


    Festung Graudenz:


    https://de.wikipedia.org/wiki/…ltkriegs,M%C3%A4rz%201945.


    Anmerkung:

    Oberstleutnant Francois entstammt nach meiner Recherche einer traditionsreichen Familie, ehemals aus Luxemburg, mit militärischer Tradition, bis hin zum General in vergangenen Zeiten.


    Gruß Karl

    Edited 2 times, last by Karl Grohmann: Recherchen ().

  • Hallo Karl,


    ja, solche Vorkommnisse gabe es bestimmt auch bei den Rückzügen in Russland 1943 auch schon.....


    Hallo Margarete,


    danke für die Dokus, ich schau mir das später an, heut habe ich Handwerker wh. der Heizung..


    Vielen Dank an Euch

    Grüße, ZAG

  • Hallo zus.


    interessante Dokumente von Margarete,


    Die Winterbekleidung sollte entwest und instandgesetzt abgegeben werden.

    Setzte das auch voraus, dass die Kleidung, Decken usw. vorher gewaschen werden mussten?

    Von den Soldaten selbst, oder von Russinen, die das für ein paar Rubel in den Quartieren machten?


    Oder wurde das vor der "entwesung" in Wäschereien mitgemacht?


    Danke nochmals

    Grüße, ZAG