Fiktionale Biografie - Hilfe gesucht

  • Hallo zusammen,

    ich bin ganz neu hier und während der Recherche zu meinem Buch auf Euer Forum gestossen. Ich hoffe sehr, dass Ihr mir helfen könnt.

    Zum Hintergrund: Ich schreibe eine fiktionale Geschichte, möchte allerdings die Charaktere so realistisch wie möglich darstellen. Gerade versuche ich, eine Biografie für eine der Hauptfiguren anzulegen. Vielleicht könnt Ihr als Fachleute einen Blick darauf werfen und mir sagen, ob das so passt oder eben nicht und hier und da eine Frage beantworten?


    Peter:

    Dezember 1919 geboren in Bonn

    März 1939 Abitur (er musste eine Klasse wiederholen)

    April bis Oktober 1939 RAD am Niederrhein

    Er möchte gern zur SS, wird dort aber im Oktober 39 abgewiesen, weil sich zu viele Freiwillige melden.

    Wenige Tage später wird er von der Wehrmacht einberufen und macht seinen Grundwehrdienst.


    Ich frage mich nun:

    Wenn er z.B. ab November 1939 seine Grundausbildung macht, wann und wo könnte er dann tatsächlich an der Front sein? Er ist sehr kriegsbegeistert, würde sich also darum bemühen.


    Und: Er wird gleich im zweiten Gefecht schwer verletzt und verliert einen Unterschenkel. Würde er nach seiner Rückkehr in die Heimat quasi zum Zivilisten oder würde man ihm dort eine militärische Aufgabe geben, in der er eben nicht laufen muss? Falls ja, welche könnte das sein (er muss dann wegen der Geschichte allerdings in der Heimatstadt bleiben)


    Es wäre super, wenn Ihr mir helfen könntet. Ich bin noch ganz am Anfang und das Thema Wehrmacht ist so komplex, dass ich fürchte, etwas falsch darzustellen, was ich unbedingt vermeiden möchte.


    Danke schon jetzt & beste Grüße!

    Linda

  • Grüß Dich Linda,


    willkommen im Forum!


    Nehmen wir an, Deine Romanfigur kommt nach seiner Grundausbildung zu einer Einheit, die am Westwall stationiert ist. Beim Frankreichfeldzug ist er Gefreiter und erleidet die schwere Verwundung, die

    zur Amputation des Unterschenkels führt. Regelmäßig waren dann Soldaten nicht mehr frontfähig. Mannschaftsdienstgrade wurden deshalb aus der Wehrmacht entlassen. Anders sah es natürlich

    bei Berufssoldaten (Unteroffiziere, Offiziere) aus. Die blieben vielfach weiter im Dienste der Wehrmacht, meist in der Heimat. Dort wurden sie im Innendienst oder als Ausbilder verwendet.


    Grüße

    Bert

  • Hallo Bert,


    herzlichen Dank für Deine Antwort, das hilft schon weiter!

    Ich nehme mal an, dass es realistisch ist, dass er beim zweiten Einsatz an der Front noch kein Berufssoldat ist, oder? Er hat ja quasi gerade die Grundausbildung hinter sich. Er träumt zwar schon seit der HJ davon, eine militärische Karriere einzuschlagen, aber so schnell ging das sicher nicht, oder?


    Liebe Grüße

    Linda

  • Guten Abend ans Forum und an die Anfragende,


    in der fiktionalen Biografie sprechen Sie von einer Unterschenkelamputation nach einem zweiten Gefecht. Wann soll das dann fiktional gewesen sein? Soll Ihr Protagonist sofort nach seiner Ausbildung zum Kampfeinsatz an die Front gekommen sein oder erst zu einem späteren Zeitpunkt? Was schwebt Ihnen da vor? Bert hat Ihnen eine Möglichkeit aufgezeigt. Möglicherweise entspricht die ihren Vorstellungen. Ansonsten muss literarische Freiheit nicht an historische Wahrheit gebunden sein. Aber das wissen Sie ja als Autorin.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo Peter,


    Danke für die Antwort! Mein Protagonist soll im November 1939 die Grundausbildung machen und dann recht schnell an die Front. Wie ich oben schon schrieb, er ist sehr kriegsbegeistert und möchte das unbedingt. Berts Vorschlag, dass er beim Frankreichfeldzug verletzt wird, passt da sehr gut, so werde ich das auch machen.

    Vielleicht kann mir noch jemand sagen, welchen Dienstgrad jemand, der im im November 39 seine Grundausbildung anfängt und sehr zielstrebig eine Karriere bei der Wehrmacht anstrebt im Mai/Juni 1940 erreicht haben könnte.


    Und natürlich könnte ich mich auch hier auf die literarische Freiheit beziehen, aber gerade bei historischen Ereignissen halte ich mich grundsätzlich an die Eckdaten.


    Beste Grüße

    Linda

  • Hallo,

    ... Wenn er z.B. ab November 1939 seine Grundausbildung macht, wann und wo könnte er dann tatsächlich an der Front sein? Er ist sehr kriegsbegeistert, würde sich also darum bemühen ...

    "an die Front" (im Sinne einer aktiven Teilnahme des Soldaten an größeren, geplanten Kampfhandlungen) könnte Dein Roman-Protagonist frühestens ab dem 10.Mai 1940 im Westen gekommen sein. Der Polenfeldzug der Wehrmacht (1.Sept. bis 6.Okt. 1939) war im November 1939 bereits vorbei, der Westfeldzug gegen die Niederlande, Belgien, Luxemburg (Fall Gelb) und weiterführend gegen Frankreich (Fall Rot) begann am 10.Mai und endete mit dem Inkrafttreten des deutsch-französischen Waffenstillstandsabkommens von Compiègne am 25.Juni 1940.

    ... Er wird gleich im zweiten Gefecht schwer verletzt und verliert einen Unterschenkel. Würde er nach seiner Rückkehr in die Heimat quasi zum Zivilisten oder würde man ihm dort eine militärische Aufgabe geben, in der er eben nicht laufen muss? ...

    Für die Versorgung von ehemaligen (z.B. entlassenen) sowie dienstbeschädigten und kriegsversehrten Wehrmachtssoldaten gab es die Wehrmachtfürsorgestelle, deren Handlungsgrundlage das Wehrmachtfürsorge- und Versorgungsgesetz (WFVG) war -> zu finden im Reichsgesetzblatt, Teil I vom 26.8.1938. Die Fürsorgestelle arbeitete eng mit anderen (Partei-)Dienststellen und öfftl. Behörden (z.B. Arbeitsamt, NSV usw.) zusammen, um kriegsversehrte Soldaten nach Möglichkeit z.B. mittels Umschulungen, Ausbildungen usw. wieder in das zivile Arbeitsleben einzugliedern. Es gab aber durchaus auch kriegsversehrte Soldaten, die trotz des Verlustes von Gliedmaßen oder einem Auge weiterhin im Fronteinsatz standen.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited 2 times, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo Linda,


    in dem folgenden Thread gibt es einige Informationen zum Jahrgang 1919 und auch einiges an Expertise:


    Einzugsalter


    Vielleicht fragst du dort nochmal gezielt nach dem Jahrgang. Eventuell hilft es auch gezielt zu fragen, ob jemand die militärische Biographie eines Angehörigen des 1919er Jahrhanges kennt. Ich vermute, dass die Einberufung da noch relativ einheitlich behandelt wurde.


    Grüsse

    Alex

  • Hallo zusammen,


    das sind alles sehr wertvolle Informationen, vielen Dank! Besonders der Link hilft mir sehr, so habe ich erfahren, dass mein Protagonist gar nicht zum RAD muss. Damit wird er sich im April gleich nach dem Abi freiwillig melden und kann so sicher ein Jahr später schon beim Westfeldzug sein.


    Auch den Hinweis auf die Wehrmachtsfürsorgestelle werde ich sicher in irgendeiner Form einarbeiten, besten Dank auch hierfür!

  • Guten Abend Linda,


    vorab, in deinem letzen Post fehlte der Gruß....sollte nicht passieren.


    Quote

    Zum Hintergrund: Ich schreibe eine fiktionale Geschichte,

    Das haben wir alle wohl auch so verstanden,

    mich interessieren aber die wahren Hintergründe!

    Warum willst du ein Buch mit der Thematik zweiter Weltkrieg schreiben,

    warum Neuland betreten, wenn man, wie du selber sagst, nicht gerade d e n Durchblick hat?

    Wäre es dein erstes Buch?


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Thomas,


    nein, es ist nicht mein erstes Buch, ich bin Schriftstellerin und habe schon diverse Romane veröffentlicht. Die Thematik ist auch nicht der zweite Weltkrieg, es geht vielmehr um zwei Freunde, die zu dieser Zeit leben. Da ich Wert auf Authentizität lege und einer der Protagonisten eine militärische Karriere anstrebt, recherchiere ich gerade dazu.

    Ich bitte vielmals um Entschuldigung für die vergessenen Grüße. Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht...

    Beste Grüße also.

    Linda

  • Hallo LindaS und herzlich willkommen im Forum,

    zu deinem Vorhaben wünsche ich dir viel Erfolg.


    Ich selbst habe ebenso vor ein Buch zu schrieben und stoße in meinem Manuskript an Grenzen.

    Die Tatsachen sind verarbeitet und nun geht es an das fiktionale, garnicht so einfach.

    Im übrigen ist es beinah das gleiche Thema wie bei dir. Ich möchte das Leben von meinem

    Großvater beleuchten und die damaligen Beweggründe für die Entscheidung einer Beamtenlaufbahn als Polizist.

    Schwieriges Terrain, aber ich bleibe dran...........


    Gruß Frank

  • Guten Abend Linda,


    so als Nachhall,

    ich mag es nicht wenn meine Signatur dafür hergemommen wird um eigene Versäumnisse zu rechtfertigen.

    Meine Signatur steht für etwas völlig anderes.


    Jeder Neuling hat die Chance, gar die Pflicht, sich mit den Regeln des Forums vertraut zu machen,

    b e v o r in die Tastatur gekloppt wird.


    Quote

    dann kam jemand, der das nicht wusste,

    In deinem Falle kaum haltbar....einfach vorab die Regeln lesen.....


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Guten Morgen Linda,


    anbei ein Link, falls noch nicht bekannt, in dem auch über den Ablauf von Amputationen im Sanitätswesen der Wehrmacht geschrieben wird:


    https://freidok.uni-freiburg.d…datastreams/FILE1/content


    Die Entscheidung zur Amputation und die Vorgehensweise waren schon sehr differenziert. Vermutlich wurde dies 1940 auch noch anders betrachtet, als es später der Fall war.


    Grüsse

    Alex