Infos zum Großvater Karl Bolik

  • Ein sehr interessantes Thema, daher würde ich gerne wissen ob es schon was Neues dazu gibt?

    Wenn ein Mann sagt er hat keine Angst zu sterben, ist er entweder ein Lügner oder ein Gurkha!


    Field Marshal Sam Maneksha

  • Ich verfolgen diesen Beitrag mit Interesse,


    auch ich hätte hier die Frage wo das Gebäude des SS-Lazarettes in Prag Podol (Podoli) steht.
    Trotz zahlreicher suchen im WWW konnte ich leider keine Adresse finden.
    Hintergrund: In diesem Lazarett war mein Vater 1944 als Verwunderter,
    demnächst findet eine Stadreise nach Prag statt un ich würde diesen Ort
    gerne sehen...


    Grüße,
    Michael

    Ostpreußen, Land der dunklen Wälder.....

  • Hallo,


    mglw. handelte es beim SS-Lazarett Prag-Podol sich um das Podoler Sanatorium, heute ein Kinderkrankenhaus, Unten auf Stadtplan von 1941. Es ist das einzig grö0ere Krankenhaus in dem Bereich. Dis Uferstraße hieß damals noch Rasin-Ufer, zum Karl-Laznovsky-Ufer konnte es erst nach Oktober 1941 werden, nachdem sich Laznovsky an einem Brötchen vergiftet hat.



    https://www.google.de/maps/place/Podolské+nábř.+157%2F36,+147+00+Praha+4-Podolí,+Tschechische+Republik/data=!4m2!3m1!1s0x470b9467a3717471:0xe313dcb8e3a8d61a?sa=X&ved=0ahUKEwi0nPaVhMbOAhUqCMAKHQtDBrsQ8gEIHTAA


    Grüße
    Thilo

    Files

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo zusammen,


    aus meinen Unterlagen:



    Standortbefehl Nr. 45 der SS-Standortkommandantur Prag, SS-Standartenführer Ballauf, vom 18.11.1939, Ziffer 4.) „ … Am 18.11.1939 wurde das SS-Lazarett Prag im Gebäude der ehemals I. tschech. Chirurgischen Universitätsklinik des Allgemeinen Krankenhauses in Prag II eröffnet. Alle lazarettpflichtigen Kranken sind ab sofort nur noch in das SS-Lazarett einzuweisen. …“



    Nach einer Auflistung des SS-FHA, Amt II, Führungs-Abt. IN, II/Az. 47all/3.5.44/Li./We., Tgb.Nr. II/6062/44 geh., Berlin-Wilmersdorf, Kaiserallee 188, den 3.5.44, betr. “Errichtung einer SS-Standortvermittlung in Prag” (Abschrift), an den Deutschen Staatsminister für Böhmen und Mähren, Gruppe Post, zu Händen von Herrn Müller, Prag
    Demnach waren untergebracht:
    Einheiten und Dienststellen der Waffen-SS im Protektorat
    u.a.
    18.) Zentralsanitätslager beim Reichsarzt SS und Polizei, Ausgabestelle Prag, Prag II, Heinrichsgasse
    19.) SS-Hauptlazarett, Prag-Podol
    a) SS-Teillazarett Prag-Podol, Peter-Aspelt-Straße

    b) SS-Teillazarett Prag-Branik
    c) SS-Teillazarett Prag-Felsengrund
    d) SS-Teillazarett Prag, Katharinengasse
    e) SS-Tellazarett Prag-Pankratz
    f) SS-Teillazarett Prag IV, Burgstadt, Clam-Martinitz-straße 220
    20.) Sanitätsschule der Waffen-SS, Prag-Podol, Pragerstraße
    21.) Kriegsblindenschule der Waffen-SS, Prag IV, CzerninPalais …


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Grüß Euch,


    Dann gibt es einen Brief eines Kameraden aus dem Jahr 1946, der die Erlebnisse in Prag schildert. Dort heißt es u.a.:
    [I]Vom San.-Ausb.- und Ers.-Btl. der Waffen SS Stettin (zul. in Dänemark) traf u.a. der SS Rottenführer Karl Bolik ein. In den letzten Tagen des April 1945 wurde das Stammpersonal der SS San.-Schule von der Unterkunft Prag-Podol, Peter-Aspelt-Str. 3 (ehem. Skodol-Heim) zum SS Lazarett Prag-Podol, Karl-Laznovsky-Ufer, verlegt.


    bei der Unterkunft des Stammpersonals handelte es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um ein ehemaliges Sokol-Heim.


    Liebe Grüße
    Niki

    ...VIRIBUS UNITIS...

    Edited 3 times, last by knaff ().

  • Hallo Roland,


    Quote

    a) SS-Teillazarett Prag-Podol, Peter-Aspelt-Straße


    die Peter-Aspelt-Straße ist auch auf dem Stadtplanausschnitt zu sehen. am unteren Ende, Wobei es in der Gegend auch noch eine Straße "Beim Sokolhaus" gab, heute Na Květnici, nördlich vom Gefängnis.


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Vielen Dank!
    Ich werde Bilder machen, vllt. gibt es den ein oder anderen dessen Verwandter dort war, oder sogar dort verschied.


    Grüße,
    Michael

    Ostpreußen, Land der dunklen Wälder.....

  • Liebe Forumsmitglieder,


    nochmals zum SS Lazarett Prag-Podol. Große Teile des Lazaretts wurden im Mai 1945 mit einem behelfsmäßigen Lazarettzug evakuiert. Meine Eltern waren dabei. Mein Vater, Dr. Walter Mülich, gehörte als Stabsarzt zum medizinischen Personal. Meine Mutter Maria Mülich und meine Tante Gertrud Schubert konnten mitgenommen werden. Sie erlebten Schreckliches, aber sie überlebten. Der Zug sollte angeblich in Richtung Osten fahren, konnte aber umgeblich umgeleitet werden. Sind diese Angaben zu bestätigen? Gibt es Einzelheiten? Vielen Dank und viele Grüße



    Walter Mülich

  • Hallo Walters Sohn,


    ein herzliches Willkommen hier im Forum! :)


    Ich habe Deinen Vater – ehem. Rgts.-Arzt SS-Pz.Rgt. 3 – seit Sommer 1944 beim SS-Lazarett Praf-Podohl, Abteilungsarzt Abt. IIc, in meinen Unterlagen


    Wiking-Ruf 3.Jahrgang Nr. 10 Oktober 1954, , S. 25

    SS-Hstuf. Dr. Müller Prag Podol, Oberstabsarzt Dr. Mülich, gesucht von einem Otto Lehmann, Düsseldorf-Gerresheim



    Zur besagten Zugfahrt im Mai 1945:


    Der SS-Hauptsturmführer Helmut Müller-Wellborn berichtete zum „ … 13.Mai 1945: Das Lazarett wird geräumt. Wir werden in ein Gefangenenlager bei Beneschau verlegt. Was jeder an persönlichen Dingen besitzt, wird eingepackt. Dann Antreten im Kasino … zum Filzen. Alle Schmuckstücke müssen abgegeben werden. Jeder darf eine Uhr behalten. Inzwischen an Ungereimtheiten gewöhnt, wundern wir uns nicht sehr darüber. Jeder bekommt eine Original Eiserne Ration aus Heeresbeständen. Unsere Ärzte erhalten für die medizinische Versorgung der zum Teil noch bettlägerigen Verwundeten lediglich Aspirin-Tabletten, ein wenig Verbandsmaterial und Prontosil, mehr nicht, obwohl alles im Lazarett vorhanden ist. Von Artbestecken gar nicht zu reden. Die nicht transportfähigen Verwundeten sollen mit einem Arzt (Sturmbannführer, den die Tschechen bestimmten) und zwei Schwestern in Podol bleiben.

    450 Personen werden in Omnibussen und Sankas zu einem Güterbahnhof mitten in der Stadt transportiert. Ein Spießrutenlaufen bleibt uns also erspart. Bereit stehen 11 Güterwagen, ausgestattet mit Pritschen, die gerade für die Verwundeten und Frauen mit kleinen Kindern ausreichen. Bevor wir aus dem Bus aussteigen dürfen, kommt ein russischer Leutnant herein und erklärt blauäugig in Deutsch: „Jeder hat noch eine Uhr. Abliefern!“ Es geht doch nichts über eine echte Waffenbrüderschaft.

    Die Sonne geht unter – unser Zug verlässt Prag. In jedem Wagen sitzt in der offenen Tür ein blutjunger „Revoluzzer“. Der unsere weiß nicht, wie er das Gewehr hatten soll. Wir kommen ins Gespräch. Wir fordern eine Pinkelpause. Halt! Bei dieser Gelegenheit frage ich den Bewacher: „Zeig mal, was hast Du für eine Knarre?“. Er ist zunächst unsicher, zeigt mir das Gewehr, ich darf es sogar in die Hand nehmen. Als der Zug gerade anfährt, „verliere“ ich beim Aufspringen auf den Zug das Schloss. Betroffen schaut der Tscheche auf sein „Restgewehr“.

    Im Laufe der Naht – weiß der liebe Gott, weswegen wir so langsam fahren und dauernd halten – funktioniert bereits ein Meldedienst von Wagen zu Wagen. Bei einigen anderen Posten funktioniert das Spiel mit dem Gewehrschloss ebenfalls.


    14.Mai 1945: Es wird hell, und wir sind am Ziel. Die Lok koppelt ab. Unsere „Revoluzzer“ – total verunsichert und völlig verängstigt – springen auf die Lok und ab geht die Post Richtung Heimat – nach Prag.

    Wir stehen mit unseren Güterwagen dumm im Gelände. Weit und breit kein Mensch. Lediglich ein kleiner verlassener Bahnhof. Was soll nun aus uns werden? Bis zum Nachmittag haben wir Zeit, darüber nachzudenken. Unsere Ärzte versorgen die Verwundeten, so gut es geht. Essen wird durch gerade Haltung ersetzt. Endlich kommt eine Lok. Also, jetzt ist es soweit – ab ins Lager!

    Doch wir staunen nicht schlecht, als wir deutsches Lokpersonal und einen richtigen Eisenbahn-Zugführer – so mit roter Lederschärpe und so – erkennen. Der Lokführer, ein waschechter Frankfurter, erklärt uns, die Maschine sei für einen Nachschubzug für die Heeresgruppe Schörner eingesetzt gewesen und „die Maschin is von Franfort un die kimmt wedder nach Frankfort“. Ob wir ankoppeln wollten. Und ob wir wollten!

    Aber wir müssen uns etwas einfallen lassen, meinte Stabsarzt Dr. K., der von der Wehrmacht nach Podol kommandiert war. Und er hatte auch eine Idee: „Unter dem Schutz des Internationalen Roten Kreuzes nach Passau“. Die Parole wurde 5sprachig an jeden Güterwagen geschrieben …mit Prontosil in Deutsch, Englisch, Französisch, Tschechisch und Russisch. Wozu Prontosil nicht alles gut ist. Und bildhübsche Rote Kreuze lassen sich auch damit malen.

    Nun brauchten wir auch ein „Internationales Komitee“. Dr. K. war ab sofort als Arzt für den Lazarett-Transport zuständig, unsere flämische, französisch sprechende Ärztin aus Podol wurde Madame M. aus Paris, und Mister N., ein zu uns geflüchteter deutscher Zivilist, vertrat Großbritannien, da er in seinen Papieren einen englischen Geburtsort nachweisen konnte. Leutnant B., unser Kundschafter aus Prag, fungierte schließlich als Dolmetscher. Bei jedem Halt sprang unser Komitee ab und marschierte nach vorne, wenn russisches oder tschechisches Militär auftauchte. (H. Müller-Wellborn, Der letzte Zug aus Prag – Tagebuchnotizen der letzten Kriegstage, Teil I in DF 5/1983, S. 28 – 29, hier S. 29) Fragen nach dem Woher und Wohin sowie die Diskussionen wurden in allem Sprachen abgewickelt. Immer musste erst übersetzt werden. So etwas dauert und nervt. Das ewige „What is the matter?“ von Mister N., der nichts verstehen „konnte“ und wollte, hat manchen Russen schwach gemacht. …

    Das Zeitgefühl ist langsam verlorengegangen. Ich glaube, wir sind schon 6 Tage unterwegs, d. h., ewig gehalten, ein wenig gefahren. Nicht zu essen, die „Eiserne“ ist schon vereinnahmt. Wasser gibt es immer. Feldfrüchte werden organisiert – nur nicht so weit weg vom Zug.

    Am Bahndamm liegt ein zerschossener Güterzug. Unsere Ärzte brauchen Sanitätsmaterial. Es ist nichts dabei. Was wir finden, sind Koppelschlösser vom Heer, „Gott mit uns“ – jede Menge. Und Feldmützen. Wer noch ein Koppel besitzt oder eine Kopfbedeckung braucht, wird auf Wehrmacht umgerüstet. Langsam wird es Zeit, dass unsere Kragenspiegel und der Adler auf dem Arm verschwinden. Eine große Trennaktion beginnt.

    Wieder stehen wir endlos neben einer Wiese mit Quellwasser. Gelegenheit zu einer gründlichen Köperwäsche und zum Wassertanken. Da marschiert einer mit einem Handtuch an mir vorbei mit einem bildhübschen Stempel: SS-VT. Daran hatten wir nicht gedacht. Bevor es weitergeht, wird jeder und alles „gefilzt“. Jeder Hinweis auf die Waffen-SS-Zugehörigkeit wird radikal beseitigt, keiner motzt. Auch ich nicht, als ich die geretteten Negative von rund 3000 Kriegsphotos seit 1939 in Flammen aufgehen lassen muss. Nur mit der Tätowierung der Blutgruppe kann man nichts machen.


    In Tabor stehen wir lange am Bahnsteig. Die Lok muss Holz und Wasser tanken, kohlen gibt es nicht. Die Russen suchen Waffen-SS und knallen im Gelände herum. Ein paar Kugeln treffen die Güterwagen. Wir verbarrikadieren uns, als die Iwans sich unserem Zug nähern. Das Komitee tritt sofort in Aktion und dringt schließlich bis zu (H. Müller-Wellborn, Der letzte Zug aus Prag – Tagebuchnotizen der letzten Kriegstage, Teil II in DF 6/1983, S. 24 – 25, hier S. 24) einem General vor, beschwert sich und fragt, warum für die Verwundeten keine Verpflegung bereit gestellt sei, ob wir denn nicht von Prag angemeldet seien, schließlich fahren wir unter dem Schutz des Roten Kreuzes. Nein, nichts, keine Verbindung mit Prag. Der General veranlasst, dass jeder Güterwagen einen Sack Kartoffeln und einen halben Sack Zucker bekommt. Die russischen Soldaten belästigen uns nicht weiter, als sie an den offenen Waggontüren nur schwerverwundete und verbundene Soldaten sehen. Alle anderen und die Frauen sind in Deckung gegangen.


    Eigentlich muss es schon Juni 1945 sein. Immer noch auf Achse. In Gmund braucht ein Leutnant der Roten Armee unsere 11 Güterwagen (um Uhren abzutransportieren, meint ein „Reichsrottenführer“ treuherzig). Wir steigen erst aus, als uns nach langem Hin und Her 6 D-Zug-Wagen zur Verfügung gestellt werden. Eine Meisterleistung unseres Komitees. Wir sollen nach Siegmundsherberg verfrachtet werden, wo sich ein großes Gefangenenlager befinden soll.

    Unser Eisenbahner besteht seine erste Bewährungsprobe. Er trotzt einem (jetzt) österreichischen Kollegen eine offizielle Fahrtnummer nach Linz ab – es ist kaum zu glauben. Signale funktionieren nicht, einen regulären Zugverkehr gibt es auch nicht, aber ein provisorisches Meldeverfahren, das sich anscheinend eingelaufen hat.

    Wir schleichen mit Holzfeuerung bis vor Enns. Wir sind an der russischen Demarkationslinie. Stopp. Aus. Ende. Neben uns steht ein Güterzug mit kompletten Lazarettausrüstungen, Verbandsmaterial und Medikamenten. Ob das eine meiner Materialanforderungen aus Prag ist? Unsere Ärzte bekommen Stielaugen.

    Diesmal hatte unser Komitee kein Glück: die Russen schicken uns nach Wien zurück. So um 23.00 Uhr soll´s losgehen. Doch vorher geht erst einmal eine Schießerei los. Unten an der Enns, wo – wie wir tags darauf in Linz hören – Teile meiner alten Totenkopf-Division versucht hätten, den Fluss zu überqueren. Dann knallt es nebenan bei uns – wo die weibliche Bewachung des Materialzuges auf unsere Ärzte schießt, die dringend benötigtes Material zur Versorgung der Verwundeten erfolgreich „organisieren“. Es ist aber weiter nichts passiert, und kontrolliert werden wir auch nicht.

    Unser Eisenbahner marschiert zum Stellwerk. Strahlend erzählt er uns, das die Österreicher die Weichen anstatt nach Wien auf Richtung St. Georgen stellen werden. Dieser Bahnhof liegt im Niemandsland und wird von 2.00 bis 14.00 Uhr von den Amerikanern kontrolliert, danach haben für 12 Stunden die Russen das Sagen.

    Weit nach Mitternacht rollen wieder die Räder. Langsam wird es hell. Ich sehe Panzer mit dem weißen US-Stern. Wir haben es geschafft!


    Stundenlanges Stehen am Bahnsteig von St. Georgen. Das Signal nach Linz steht auf Halt. Ob die Amis uns vor 14.00 Uhr weiterfahren lassen? Zeitlich wird es schon ein bisschen eng. 5 Minute vor 14.00 Uhr heißt es endlich „freie Fahrt“. Langsam rollen wir in Linz ein. Was für ein Datum ist heute? Es muss so um den 8.Juni sein. 20 Tage, wenn nicht noch mehr, sind wir seit Prag unterwegs.

    Ein amerikanischer Oberst will von mir wissen, wie viel Offiziere, Unteroffiziere, Mannschaften und Zivilisten wir an Bord haben, damit wir verpflegt werden können. Kaum habe ich die „Volkszählung“ listenmäßig hinter mich gebracht, stimmt sie schon nicht mehr. Einige Kameraden sind im heimatlichen Bereich, einige nehmen andere Kameraden mit nach Hause, alle melden sich ab. Ein letzter, fester Händedruck und die Frage, was wird jetzt? Bis heute waren wir eine verschworene Gemeinschaft, bei der jeder sich den gegebenen Notwendigkeiten unterordnete. Jetzt muss jeder seinen eigenen Weg gehen. Dis Disziplin war hervorragend, kein Führer oder Unterführer wurde bei der Ausübung übernommener Dienste behindert, ihre Anordnungen nie in Frage gestellt. Befehlsverweigerung gab es während der ganzen Flucht niemals. Bei diesem Raid hat sich der Geist unserer Truppe noch ein letztes Mal hervorragend bewährt.


    Am anderen Morgen geht es weiter nach Salzburg. Von Gefangenenlager ist keine Rede. Ich mache einen Kontrollgang durch den Zug und staune nicht schlecht, als plötzlich Luftwaffe, Marine, Heer und OT zu unsere „Belegschaft“ zählen. Das macht die in Salzburg fällige Liste zum Verpflegungsempfang um einiges schwieriger. Zumal einige unserer „Gäste“ der Ansicht sind, ich hätte ihnen überhaupt nichts zu sagen.

    Salzburg – München – Bamberg. Unsere Eisenbahner haben sich verabschiedet. Die Amis haben die Lok mit ihren Leuten besetzt, aber eine Bewachung haben wir noch immer nicht. So macht es uns auch nichts aus, dass der GI auf der Lok sein „Fräulein“ in Regensburg für eine Nacht besuchen will und unseren ganzen Zug einfachheitshalber mitnimmt. Der Rest vom Lazarett Podol ist durch nichts mehr zu erschüttern.

    Bamberg. Diesmal fordert ein Leutnant der Standortkommandantur eine namentliche Liste, macht mich dafür verantwortlich, das alle auf der Liste Genannten morgen früh um 8.00 Uhr antreten zum Marsch ins Gefangenenlager.

    Die Transportkommandantur ist anderer Meinung und schickt uns um 23.00 Uhr weiter. Um 9.00 Uhr erreichen wir Würzburg, dann Frankfurt, Kassel als flüchtige Stationen. Demobilisierte Soldaten aller Waffengattungen steigen ein, steigen aus. Die Engländer sind jetzt zuständig für uns, sie fragen nicht nach unserem Ziel.


    Auf dem Abstellgleis im Güterbahnhof Hannover – Herrenhausen zähle ich noch 35 Mann Waffen-SS aus Prag, 18 Schwerverwundete dieses Häufleins liegen im ersten Wage. Ihre ärztliche Betreuung ist vol gewährleistet. Seit drei Tagen stehen wir hier, ohne dass sich jemand um uns kümmert. Dann erscheint englische Militärpolizei mit Sankas und bringt unsere Schwerverwundeten in ein Lazarett. Als der erste Schub abgefahren ist, gebe ich allen gehfähigen Männern den Rat, abzuhauen und sich irgendwie Zivilkleidung bei der Bevölkerung zu besorgen. – In Räuberzivil mit Rucksack marschiere ich auf meine Heimatstadt Lübeck zu.

    Heute ist der 16.Juni 1945 – über 4 Wochen Flucht liegen hinter uns. Die auf der Bahnstation Seltschan übernommene Verpflichtung, unsere Verwundeten und Männer, Frauen und Kinder sicher in die Heimat zu bringen, ist erfüllt.

    Der letzte Zug aus Prag ist auf der Endstation“. (H. Müller-Wellborn, Der letzte Zug aus Prag – Tagebuchnotizen der letzten Kriegstage, Teil II in DF 6/1983, S. 24 – 25, hier S. 25)


    Ergänzende Angaben zur Vita Deines Vaters wären sehr interessant!!


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo und nochmals vielen Dank!


    Hier im Forum wurde unter dem Stichpunkt Kurt Bolik schon einmal über einen Lazarettzug berichtet:


    In den letzten Tagen des April 1945 wurde das Stammpersonal der SS San.-Schule von der Unterkunft Prag-Podol, Peter-Aspelt-Str. 3 (ehem. Skodol-Heim) zum SS Lazarett Prag-Podol, Karl-Laznovsky-Ufer, verlegt. Am 05.05.1945 gegen 12.00 mittags, an einem Sonnabend, begannen die ersten Straßen- und Abwehrkämpfe der in Prag stationierten Abwehrtruppen bzw. Wehrmacht und SS Verbände. Gegen 13.30 Uhr bezogen alle verfügbaren und einsatzfähigen Kräfte des SS Lazaretts die Verteidigungsstellungen im Gebäude des SS-Lazaretts, um das Lazarett mit seinen Verwundeten gegen etwaige Angriffe tschechischer Aufständiger zu schützen. Gegen 15.00 Uhr hatten wir den ersten Toten, den San.-Schüler Bagasch, ein Volksdeutscher aus Ungarn, wurde durch Kopfschuß getötet..... Kamerad Bolik wurde gegen 16.00 Uhr durch Bauchschuß schwer verletzt. Er wurde gleich in den OP gebracht und operiert.Am Spätnachmittag wurde das Lazarett entwaffnet und wir wurden zu tschechischen Kriegsgefangenen erklärt. Der Lazarettbetrieb ging jedoch ungestört weiter. Am 06. Mai gegen 04.00 Uhr besuchte ich den Kameraden zuletzt, Krankenwache hielt ein Kamerad aus Düsseldorf, der Name ist mir entfallen, er war NS-Gaupropagandaredner. Kurz darauf ist Bolik verstorben. Wir haben ihn in die Leichenhalle des Lazaretts getragen, wo er zusammen mit drei Kameraden aufgebahrt blieb, bis Särge und Kreuze fertiggestellt waren. In die Kreuze wurden die Personalangaben eingebrannt. Wegen der andauernden Kämpfe konnte die Bestattung nicht sofort durchgeführt werden, diese fand am 07.05. oder 08.05. abends bei Einbruch der Dunkelheit statt. Eine Abordnung von 30 Kameraden, unter Führung unseres Schulleiters SS-OStuf. Wiebelt, hat B. zur Ruhe gebettet. Über die 4 Särge wurde die Fahne mit den Runen gelegt. Als zwei Tage später die Russen in Prag einmarschierten, haben wir auf tschechischen Befehl hin die Kreuze von den Gräbern entfernt, damit der Russe auf das Vorhandensein von SS nicht aufmerksam würde. Am 13.Mai 1946 nachmittags verließ das ganze SS-Lazarett einschl. Verwundete, Ärzte u. San.personal mit dem Laz.-Zug 98446 unter Führung des Chefarztes SS-Ostubaf. Dr. Hanstein Prag.


    Kann es sein, dass hier zwei verschiedene Geschehnisse thematisiert werden?


    Viele Grüße


    Walter

  • Hallo und schnell noch eine Frage:


    "H. Müller-Wellborn, Der letzte Zug aus Prag – Tagebuchnotizen der letzten Kriegstage, Teil I in DF 5/1983, Teil II in DF 6/1983"


    Gibt es hierzu Kopien oder Dateien? Ist der Text per Fernleihe bestellbar?


    Viele Grüße


    Walter

  • Hallo Walter,


    wenn Du hier nicht fündig wirst, probier‘s doch mal bei per Fernleihe bei subito. Klappt prima.


    Schöne Grüße


    Chris