Infos zum Großvater Karl Bolik

  • Hallo zusammen,


    ich bin neu hier und wie so viele Enkel auf der Suche nach Infos über den Großvater. Ich habe die WAST angeschrieben und einige neue Infos bekommen.
    Karl Bolik *15.01.1907 aus Essen/Ruhr war früher "normaler" Schutzpolizist und kam irgendwann zur
    2. Kompanie SS-Polizei-Schützen-Regiment 2 (motorisiert)
    Seine Erkennungsmarke lautet: -8- 2./E.Pol.Rgt. 1 (Was bedeutet denn wohl die "8" ?)
    Er wurde dann im August 1941 in "Spalisi" verwundet. (Wo zum Teufel liegt dieser Ort, Google hilft nicht weiter). Er kam dann in das Kriegslazarett nach Dünaburg, insofern müsste ja Spalisi irgendwo in den baltischen Staaten liegen.


    Opa war dann SS-Rottenführer und ist angeblich am 06.05.1945 in Prag im dortigen SS Lazarett Prag verstorben. Seine letzte Ruhestätte soll er im Vorgarten des SS-Lazaretts in Prag gefunden haben. Der Tod wurde aufgrund eines Briefes eines Kameraden beurkundet. Andere Beweise liegen nicht vor.
    Unsere Oma, die längst verstorben ist, berichtete, dass Opa vielleicht auch an Gräueltaten und anderen Kriegsverbrechen beteiligt war. Sie hat deshalb nie seinen angeblichen Tod akzeptiert, sondern immer gemutmaßt, dass er sich -im Wissen der ihm drohenden Bestrafung- kurz vor Kriegsende mit einer neuen Identität abgesetzt habe. Kann ein Mann seine Frau und seinen beiden kleinen Töchter im Alter von 6+1 Jahren im Stich lassen ? Als Oma dann Ende der sechziger Jahre in den Besitz eines Telefons kam, berichtete sie immer von Anrufen, die nie sprachen sondern nur lauschten. Ihre Theorie fand so immer neue Nahrung. Wir haben es nie klären können.
    Wer kann helfen ?
    Gab es am 06.05.1945 in Prag noch Kämpfe ?
    Wie hoch stand ein SS-Rottenführer ?
    Wo kann ich weitere Infos bekommen ?
    Wo war das Polizei Schützenregiment überall stationiert ? Welche Kriegsschauplätze ?
    Gibt es Erkenntnisse über Gräueltaten aus dieser Einheit ?
    Wieso war er in Prag ?
    Gibt es das ehemalige SS-Lazarett heute noch, was ist das für ein Gebäude ?


    Herzlichen Dank für Eure Zeit und Eure Mühe, mir zu antworten.


    Liebe Grüße aus NRW
    Frank

    Edited 2 times, last by Frankman ().

  • Hallo Frank,
    Dein Großvater wurde nach der Aufstellung der SS-Polizei-Division zur 2.Kompanie des Ersatz-Bataillon des Regimentes 1 dieser Division versetzt; die Nummer "8" scheint ein Hinweis auf ein frühes Datum, also quasi kurz nach der Bildung des Ersatz-Bataillons, der Versetzung zu dieser Einheit zu sein.


    Zum Ort "Spailisi" muss ich mal in Ruhe nachschauen, die Chronik der Division ist "Die Guten Glaubens waren", von Husemann, Band I - III. wobei III nur ein Bildband ist und die Kämpfe 1940/1942 in Band I abgehandelt werden, s.a. hier http://www.lexikon-der-wehrmac…visionen/SSDivPolizei.htm


    Warum der Großvater 1945 in Prag war, kann man so nicht beantworten, ab dem 5.5.1945 brach der tschechische Aufstand in der Stadt aus und es gab noch Kämpfe bis ungefähr zum 8.5.45 ....


    Ein Rottenführer ist ein Obergefreiter, also ein Mannschaftsdienstgrad.


    " ... vielleicht an Gräueltaten und anderen Kriegsverbrechen beteiligt ..."
    Welche Angaben liegen Dir vor, eine Kopie der WASt-Angabe würde mich schon interessieren, und warum Du solche Sachen vermutest ... :evil:


    Grüße aus Westfalen Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Roland,


    danke für Deine flotte Antwort.


    Die angeblichen Gräueltaten kenne ich auch nur aus Erzählungen meiner Oma und meiner Tante. Oma erzählte mir einmal, dass Opa an der Erhängung zweier mit Menschen gefüllter Lastwagen beteiligt gewesen sein soll. Wo, wann und wie - keine Ahnung. Sie stellte es zumindest in meiner Erinnerung so dar, als wenn er Befehlshaber bzw. Anführer der Gruppe war, die für den Tod dieser Menschen verantwortlich war. Kann das wegen seines Dienstranges sein ?
    Während des Krieges hätten ihr auch schon Freunde und Familienangehörige gesagt, dass "der Karl nicht mehr zurückkommen könne, da er wegen seiner Taten sonst aufgehangen würde"...
    Das beschäftigt mich daher schon sehr. War Opa ein Mörder ? War er verantwortlich oder war er nur ein "normaler" Mitläufer ?
    Gruß
    Frank

    Edited once, last by Frankman ().

  • Quote

    Original von Frankman
    War Opa ein Mörder ? War er verantwortlich oder war er nur ein "normaler" Mitläufer ?


    Tja Frank,


    das ist eine Frage, die viele von uns beschäftigt - und auf die wir kaum eine befriedigende Antwort finden. Hätte er Befehle verweigern können, oder verändern?


    Die Antwort darauf kann / könnte Dir wohl nur Dein Opa geben. Wie es scheint, hat er an seinen Zweifeln gelitten. Und wenn er in Prag in die Hände der Gegner gefallen ist - und dann noch in einer SS-Uniform, oder als solcher erkannt wurde - dann muss er Fürchterliches mitgemacht haben.


    Gruß,
    Arnold

  • Hallo Frank,
    hier sind viele auf der Suche nach Antworten. Das Schicksal der meisten Vermissten wird sich nie mehr klären lassen. Deren Taten übrigens auch nicht. Solange Dein Opa nicht verurteilt wurde gilt er als unschuldig. Dabei würde ich es sein Bewenden lassen. Es sind sehr sehr viele Menschen aus irgendwelchen Gründen aufgehängt worden.
    Seit wann suchst Du überhaupt?
    Gruß
    Matthias

  • Hallo Frank,


    ich habe mal bei Husemann, Die Guten Glaubens waren, Band 1 nachgesehen, ein Ort Spalisi wird dort nicht genannt, die SS-Polizei-Division war im Zeitraum 10. bis 24.8.1941 zum Angriff auf Luga eingesetzt und unterstand dem L.Armeekorps (S.50 ff.)
    Leider kann man, ohne den Ort zu finden, nicht feststellen, ob die Verwundung vor, während oder nach diesem Zeitraum standfand ...


    Ob er nach seiner Verwundung zum Rgt 2 der Divisions zurückkam, ist anscheinend nicht bekannt, auch nicht die Schwere der Verwundung?
    Das Rgt war bis 1943 bei der Division im Einsatz und bei der Neuaufstellung der Division als 4.SS-Polizei-Panzergrenadier-Division wurden bei ihr die SS-Polizei-Panzer-Grenadier-Regimenter 7 und 8 aufgestellt, wobei das Rgt 8 das ehemalige SS-Pol.Schtz.Rgt 2 war.


    Daher besteht eine Lücke bis zum Mai 1945, und es ist müßig, ohne weitere Angaben zu spekulieren, wo der Großvater anschließend im Einsatz war. Daher ist auch zu den Erzählungen aus dem Verwandtenkreis keine genaue Aussage zu treffen.


    Auch mit der Angabe "SS-Lazarett Prag Mai 1945" ist kein Hinweis auf eine Einheit möglich,denn der Großvater kann nach einer früheren Verwundung in dieses Lazarett verlegt worden sein, oder er wurde erst bei den Kämpfen ab dem 5. Mai 1945 so schwer verwundet, dass er kurz darauf in dem besagten Lazarett verstarb.


    Liegt der Brief des erwähnten Kameraden noch vor und sind dort Hinweise auf die gemeinsame Einheit/Dienststelle zu finden?


    Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo zusammen,


    erst einmal vielen Dank für Eure Unterstützung und Eure Antworten.


    In der Mitteilung der WASt steht: 11.08.1941 und auch 11.09.1941: In Spalisi verwundet, Durchschuss rechte Schulter, Verletzung an Kopf und Wirbelknochen, abgegeben an Hauptverbandplatz,
    14.09.1941 Kriegslazarett 1/608 Dünaburg, Zugang von Lazarettzug. Abgang 23.09.1941 verlegt ins rückwärtige Lazarett. 24.09.1941 Reservelazarett Insterburg, Frauenberufsschule, Infanteriegeschoss rechte Schulter, Kopf, Wirbelknochen, Zugang von Lazarettzug, Abgang 10.10.1941 verlegt mit Lazarettzug.
    13.10.1941 Reservelazarett Bad Pyrmont, Durchschuss rechte Schulter usw. wie oben, Zugang von Reservelazarett Insterburg, Abgang 18.11.1941 garnisonsverwendungsfähig Heimat, Ersatz-Polizei-Regiment 2, Standort Hertogenbusch


    Dann kommt bereits die Todesmeldung vom 06.05.45.
    Unbekannt ist mir die Zeit von Ende 1941 bis zu seinem Todesdatum. Hier steht: Sanitätsschule der Waffen-SS in Prag, verstorben im SS-Lazarett Prag.
    Die eidesstattliche Versicherung über den Tod meines Opas wurde von einem Sanitätsunteroffizier der betreffenden Einheit (welche ist nicht genannt) am 21.09.1946 vor dem Standesbeamten in Essen abgegeben.
    Jetzt kommt der Hammer. Aufgrund des Namens und der Angabe des Wohnortes jenes Sanuffz. habe ich gestern abend dessen Bruder am Niederrhein ausfindig gemacht. Dieser war sehr nett und hilfsbereit und erklärte, dass sein Bruder leider schon seit 25 Jahren tot sei. Er verwies mich jedoch an seinen Neffen, also den Sohn des Mannes, der die Eid.Vers. abgegeben hat. Da bin ich nun dran. Eine weiterer interessanter Hinweis: Sein Bruder war in der gleichen Einheit wie der spätere erfolgreiche Schauspieler Horst Tappert (unser beliebter "Derrick") . Vielleicht weiß ja jemand diesbezüglich genaues. Habe Herrn Tappert bereits angeschrieben, mal schauen, ob da was kommt.


    Danke für Eure Mühe
    Gruß
    Frank

    Edited once, last by Frankman ().

  • Quote

    In der Mitteilung der WASt steht: 11.08.1941 und auch 11.09.1941: In Spalisi verwundet, Durchschuss rechte Schulter, Verletzung an Kopf und Wirbelknochen, abgegeben an Hauptverbandplatz,.... Abgang 18.11.1941 garnisonsverwendungsfähig Heimat, Ersatz-Polizei-Regiment 2, Standort Hertogenbusch


    .... Todesmeldung vom 06.05.45. ... Sanitätsschule der Waffen-SS in Prag, verstorben im SS-Lazarett Prag. ...


    Hallo Frank,
    beim Angriff der SS-Pol.Division auf Krasnsowardeisk ab 9. September 1941 wird ein Ort "Ssalisi" erwähnt ;)... die Kämpfe dauerten bis zum 13.September an ... (Husemann, Band 1, S. 97-102).


    Nach seiner Verwundung kam er also zum Ersatz-Bataillon des SS-Pol.Schtz.Rgt 2 in die Niederlande, nach Hertogenbosch. ....


    Kann es sein, dass der Großvater einen Sanitätslehrgang an der SS-San.Schule Prag (bestand bereits im April 1941) absolvierte oder selber dort ausbildete?! ?( Diese Schulen waren meistens am Standort größerer SS-Lazarette untergebracht, damit diie Lehrgangsteilnehmer auch eine praktische Ausbildung absolvieren konnten ...


    Wo "Derrik" eingesetzt war, weiß ich leider nicht ... ?(


    Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Frank,
    das ist doch schon was. Nach der Schilderung gehe ich davon aus, dass er nicht mehr an die Front kam. Die Verletzungen waren erheblich. Die spätere Verwendung spricht auch nicht für "Polizeieinsätze". Soll ein kleiner Trost sein. Könnte Wach- und Sicherungspersonal gewesen sein.
    Hertogenbusch ist s`Hertogenbosch in der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze.
    Gruß
    Matthias

  • Hallo zusammen,


    ich habe das lange Wochenende genutzt, um mal die alten Papiere meiner Tante zu sichten.


    Unter anderem habe ich zwei Postkarten gefunden, die als SS-Feldpost am 06.04.1944 in Stettin 1 gestempelt wurden. Auf beiden Karten ist mittig in den Text ein Siegel gedrückt, aus dem ich leider nur die Worte Waffen-SS lesen kann. Leider kein weiterer Hinweis auf Einheit etc..


    Dann gibt es einen Brief eines Kameraden aus dem Jahr 1946, der die Erlebnisse in Prag schildert. Dort heißt es u.a.:
    [I]Vom San.-Ausb.- und Ers.-Btl. der Waffen SS Stettin (zul. in Dänemark) traf u.a. der SS Rottenführer Karl Bolik ein. In den letzten Tagen des April 1945 wurde das Stammpersonal der SS San.-Schule von der Unterkunft Prag-Podol, Peter-Aspelt-Str. 3 (ehem. Skodol-Heim) zum SS Lazarett Prag-Podol, Karl-Laznovsky-Ufer, verlegt. Am 05.05.1945 gegen 12.00 mittags, an einem Sonnabend, begannen die ersten Straßen- und Abwehrkämpfe der in Prag stationierten Abwehrtruppen bzw. Wehrmacht und SS Verbände. Gegen 13.30 Uhr bezogen alle verfügbaren und einsatzfähigen Kräfte des SS Lazaretts die Verteidigungsstellungen im Gebäude des SS-Lazaretts, um das Lazarett mit seinen Verwundeten gegen etwaige Angriffe tschechischer Aufständiger zu schützen. Gegen 15.00 Uhr hatten wir den ersten Toten, den San.-Schüler Bagasch, ein Volksdeutscher aus Ungarn, wurde durch Kopfschuß getötet..... Kamerad Bolik wurde gegen 16.00 Uhr durch Bauchschuß schwer verletzt. Er wurde gleich in den OP gebracht und operiert.Am Spätnachmittag wurde das Lazarett entwaffnet und wir wurden zu tschechischen Kriegsgefangenen erklärt. Der Lazarettbetrieb ging jedoch ungestört weiter. Am 06. Mai gegen 04.00 Uhr besuchte ich den Kameraden zuletzt, Krankenwache hielt ein Kamerad aus Düsseldorf, der Name ist mir entfallen, er war NS-Gaupropagandaredner. Kurz darauf ist Bolik verstorben. Wir haben ihn in die Leichenhalle des Lazaretts getragen, wo er zusammen mit drei Kameraden aufgebahrt blieb, bis Särge und Kreuze fertiggestellt waren. In die Kreuze wurden die Personalangaben eingebrannt. Wegen der andauernden Kämpfe konnte die Bestattung nicht sofort durchgeführt werden, diese fand am 07.05. oder 08.05. abends bei Einbruch der Dunkelheit statt. Eine Abordnung von 30 Kameraden, unter Führung unseres Schulleiters SS-OStuf. Wiebelt, hat B. zur Ruhe gebettet. Über die 4 Särge wurde die Fahne mit den Runen gelegt. Als zwei Tage später die Russen in Prag einmarschierten, haben wir auf tschechischen Befehl hin die Kreuze von den Gräbern entfernt, damit der Russe auf das Vorhandensein von SS nicht aufmerksam würde. Am 13.Mai 1946 nachmittags verließ das ganze SS-Lazarett einschl. Verwundete, Ärzte u. San.personal mit dem Laz.-Zug 98446 unter Führung des Chefarztes SS-Ostubaf. Dr. Hanstein Prag. Die Nachlaßpapiere des Kameraden Bolik nahm der SS-Fürsorge Offizier des Lazaretts, SS-Hastuf Schneider an sich. Soviel mir bekannt wurde ist er mitsamt allen Papieren in russische Hände gefallen. Kamerad Bolik wurde im übrigen 2 Tage nach seinem Tod zum SS Unterscharführer befördert."Es folgt eine detailgetreue Skizze der Grabstätte.
    Ich habe diesen Brief in Auszügen hier ins Forum gestellt, weil ich ihn für historisch wertvoll halte, andererseits aber auch um den Fachleuten einmal Gelegenheit zu geben, diesen Brief auf inhaltliche Echtheit zu prüfen. Wie bereits schon erwähnt, bestanden in unserer Familie immer Zweifel, ob Opa tatsächlich tot war oder aber, wie Oma mutmaßte, dass er sich im Wissen der von ihm verursachten Verbrechen doch eine neue Identität in den letzten Kriegsstunden verschafft habe.
    Folgende Dinge beschäftigen mich:
    - wurden bei der Vielzahl der Toten tatsächlich noch Särge gebaut ?
    - War es üblich, dass eine so große Abordnung von Kameraden die Beerdigung besuchte
    - War es üblich, dass die Runenfahne über die Särge gelegt wurden ?
    - Warum haben die Tschechen die SS-Angehörigen nicht getötet, so wie es in allen Berichten über den Prager Aufstand überliefert ist?
    War es üblich, nach dem Tode zu befördern ?
    Was hat er in Stettin gemacht ?
    Aufgrund dieses Briefes wurde Opa letzlich für tot erklärt. Ich habe die Skizze mit der Grabstelle zum Volksbund Kriegsgräber gesandt, vielleicht wird ja irgendwann nach ihm gegraben.
    Mich würde Eure Einschätzung sehr interessieren.
    Herzlichen Dank für Eure Unterstützung.


    Gruß
    Frank

  • Hallo Frank
    vielen Dank für Deine Mühen, die vorhandene Feldpost und den Brief abzuschreiben!


    In Stettin lag das SS-Sanitäts-Aubsildungs- und Ersatz.Bataillon, u. a. die Ersatzeinheit für die Sanitätsdienstgrade der Waffen-SS.
    Damit scheint sich also geklärt zu haben, dass Dein Opa zum Schluss beim SS-Lazarett Prag war. Dieses Lazarett bestand bereits zumindest 1941 :
    In der SS gab es verschiedene Sanitätsschulen. So bestanden z.B. im April 1941 Sanitätsschulen in Berlin, Dachau und Prag (Vgl.RS des FHA v. 22.4.1941) Es scheint, dass weitere zum Teil relativ pragmatisch bei dem einen oder anderen SS-Revier oder Lazarett eingerichtet und später wieder aufgelöst wurden.
    (Hermann Kaienburg, Der Militär- und Wirtschaftsstandort der SS im KZ-Standort Sachsenhausen-Oranienburg, Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Bd.16, Metropol-Verlag, Berlin, 2006, S.274-275, s.a. Anm.326-328,s.a. Schulze-Kossens)


    Er wurde laute Angaben seines Kameraden also zur San.Schule nach Prag verlegt und kam mit der Schule zum SS-Lazarett Prag-Podol. Zu den dortigen Einsätzen müsste ich noch mal nachsehen, ob ich was in meinen Unterlagen finden kann ...


    Die genannten Führer konnte ich durch die Führerliste von John P. Moore bis auf den leider verbreiteten Namen "Schneider" so weit identifizieren:
    Wiebelt, Albert Ustuf. 11.12.19Trippstadt, , SS-Nr. 294 075 11.44 Ustuf. a. SS-J.Sch.Prag
    9.44 Ustuf. in SS-Sani.AuE.Abt.


    Hanstein, Wilhelm Dr Stubaf. 27. 9.07 Weisbaden-Biberich, gestorben im Jahre 1977, SS.Nr. 12 978 4.44 Stubaf.i. Div.Stb.Kp.,4.SS-Pol.Div.
    11.42 Hstuf. und Zahnarzt,III./Pol.Inf.Rgt.2


    Ob diese Personen mit denen in dem Brief genannten übereinstimmen, kann ich nicht sagen, ein Zahnarzt als Chefarzt eines SS-Lazarettes ... ?(


    In Prag gab es nach dem 5.5.1945 und dem tschechischen Aufstand isolierte Kampfgruppen oder Einheiten, wie dieses Lazarett; anscheinend haben die Tschechen hier von weiteren Angriffen abgesehen. Es gab zeitweise auch einen Waffenstillstand, als das SS-Pz.Gren.Rgt 4 "Der Führer", 2.SS-Pz.Div. "Das Reich" in Prag ankam, und alle erreichbaren Deutschen auf dem Weg zur Demarkationslinie mitnahm. (Weidinger, Kameraden bis zum Ende) In wie weit dies auch auf Prag-Podol zutraf, kann ich nicht zunächst nicht sagen.


    Särge gab es in Lazaretten sicher "auf Vorrat", ohne jetzt zynisch klingen zu wollen, ob man noch die Zeit gefunden hat, den Großvater mit militärischen Ehren oder zumindest mit der Beteiligung von Kameraden zu beerdigen, das kann ich nicht sagen, würde aber eventuell in den o.g. Waffenstillstands-Zeitraum passen ...


    Warum die sonst in Prag, auch von tschechischer Seite beschriebenen Eskalationen nicht auf dieses Lazarett übergriffen, kann ich nicht sagen, auch nicht, warum dieses Lazarett dann ein Jahr später, im Mai 1946 (oder war es noch 1945, das würde eher passen), anscheinend im "vollständigen Zustand" ohne bisherige Änderungen anscheinend nach Westen verlegt worden ist (über die Demarkationslinie zu den Westalliierten ?) ....


    Es bleiben also viele Fragezeichen übrig ....


    Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Quote

    Original von Frankman
    War es üblich, nach dem Tode zu befördern ?


    Hallo Frankman,


    nicht generell üblich, kam jedoch sehr oft vor aus dem Hintergrund, dass sich durch höheren Rang die Rente für die Hinterbliebenen erhöht hat.


    Wenigstens eine Frage weniger



    Ich drücke Dir die Daumen bei der Suche!

  • Hallo,
    hinsichtlich der Frage nach der Sanitätsschule der Waffen-SS Prag-Podol/Podohl gab es in den letzten Tagen ebenfalls neue Angaben.


    Über den genauen Zeitpunkt der Aufstellung einer Sanitätsschule in Prag gibt es nach wie vor keinen Hinweis, sie erfolgte anscheinend im Frühjahr 1941 unter der Bezeichnung „SS-Sanitätsschule Prag“. Die Schule war anscheinend in „Prag XIV Podohl“ in einem ehemaligen Gymnasium („Felsengrund“ ?) untergebracht und dem SS-Lazarett Prag-Podohl angegliedert, wo u. a. auch die praktische Unterweisung der Sanitätsschüler erfolgte.


    Der 1.Lehrgang an der SS-Sanitätsschule Prag begann am 16.September 1941 und dauerte bis zum 18.November 1941. Über weitere Lehrgänge an der 1942 in „Sanitätsschule der Waffen-SS Prag“ umbenannten Einrichtung liegen bisher keine weiteren Angaben vor.


    Ein damaliger Hauptsturmführer Müller-Wellborn aus dem Stab des Befehlshabers der Waffen-SS in Prag berichtete über die letzte Zeit im am 5.5.1945 von den Tschechen besetzten SS-Lazarett Prag-Podol, ohne jedoch weiter auf die Kämpfe einzugehen. Interessanterweise erwähnt Müller-Wellborn auch eine „San.Schule Felsengrund“, diese „habe ich im Rahmen meiner damaligen logistischen Aufgaben (im Auftrag des Standortarzes) materialmäßig nach Bad Aussee (oder Bad Aussig ?) verlagert (6 Lkw). Dies war Anfang/Mitte April (1945, der Verf.), glaube ich. Personell hatte ich mit der Schule nichts zu tun. …“


    „ …Es ist nicht richtig, dass die Tschechen im Lazarett irre gewütet haben. … Übergriffe wurden von der tschechischen Besatzung (Soldaten) sofort unterbunden, z.T. auch auf unsere Intervention. M.E. respektierte man das „Rote Kreuz“ … Ausschreitungen hat im Lazarett-Bereich nicht gegeben, natürlich hat das tschech. Militär uns nach der Kapitulation als Gefangene nicht mit Samthandschuhen angefasst, aber sie waren stets korrekt bis zu unserem Abtransport am 13.5.45. Allerdings bekamen wir ab 8.5. lediglich gekochte Kartoffeln als Verpflegung, auch wurden uns beim Verlassen des Lazarettes alle Wertsachen abgenommen. …
    Chefarzt in Podol war O´stubaf Hanstein (oder Handstein?), Zahnarzt. Er stammte aus Celle. …
    Wir haben am 13.5.45 das Lazarett Podol mit rd. 450 Personen verlassen (11 Güterwagen mit je an die 40 Personen). Darunter waren das Sanitätspersonal mit etwa 40 – 50 Personen, ca. 75 Zivil-Flüchtlinge, die sich beim Aufstand ins Lazarett retteten, einige wenige Familienangehörige von Männern der Waffen-SS (ca. 20 Personen) und an die 300 geh- und transportfähige Verwundete. Genaue Zahlen kann ich nicht angeben.
    Zurück blieben ein Stubaf (Arzt), etwa 6 (norwegische ?) Krankenschwestern zur Betreuung von ca. 50 nicht transportfähigen Schwerverwundeten, darunter die vom aufstand vom 5. – 8.5.45. Was aus ihnen geworden ist, weiß ich nicht.


    Ich möchte nochmals betonen, dass ich die vorstehenden Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht habe. Über das, was nach dem 13.5.45 im Lazarett passiert ist, habe ich keine Kenntnisse. …“ (alle Angaben aus BA-MA N 756 Bestand SS-Lazarett Prag)


    Also ist der Zeitpunkt des Abtransportes aus Prag-Podol am 13.5.1945 bestätigt, ebenfalls der Name des Chefarztes des Lazarettes, der Obersturmbannführer Hanstein,
    und nach den obigen Schilderungen hatte das Stammpersonal des Lazarettes wohl auch vom 5. vis zum 12.5.1945 Zeit, die Verstorbenen zu bestatten, auch wenn es hier nicht berichtet wird, aber für das SS-Teillazarett Prag – Reuth liegt ein solcher Bericht über die Bestattung von etwa 70 Gefallenen oder Verstorbenen dieses Lazarettes Mitte – Ende Mai 1945 vor, der also gestattet wurde.


    Mehr ist aber zur Zeit nicht zu ergänzen!


    Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Frank,
    es war keine Mühe :D, schließlich wollte ich ja auch wissen, was da nun wirklich geschehen ist ... ;)
    Leider liegen aber zu Prag-Podol keine weiteren Angaben vor, auch nicht zur San.Schule der Waffen-SS Prag!! Aber vielleicht taucht ja noch was auf!


    Herzliche Grüße nach Dorsten
    Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • materialmäßig nach Bad Aussee (oder Bad Aussig ?) verlagert
    Hallo Roland,
    SS-Lazarett Bad Aussee ( Salzkammergut Österreich ) ist richtig. Hier lag im April 1945 mein Vater mit schwerster Diabetis. Da mit seinem ableben gerechnet werden mußte, reiste meine hochschwangere Mutter zu Ihrem Mann. Ich wurde in diesem Lazarett am 20.04.1945 gebohren.
    Gruß Burghard

    Mich interessieren die Regimenter Germania,I./ Nordland, Stammkompanie zbV.,

  • Hallo Burghard,
    danke für den Hinweis zum SS-Lazarett Bad Aussee!!!! =)


    ich habe zwar noch Unterlagen zu den verschiedenen SS-Lazaretten hier liegen, aber zu einer Bearbeitung komme ich sicher erst in einigen Wochen!!! ;)


    Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Halllo zusammen,


    nachdem ich die Akte des Opas einige Zeit beiseite gelegt hatte, habe ich sie nun wieder aufgenommen. Mich beschäftigt zurzeit noch eine einzige Frage: Mir ist nun die angebliche Lage des Grabes meines Großvaters genau bekannt. Aktuelle Fotos aus Prag zeigen, dass es heute ein Grünstreifen in dem damaligen Lazarett ist. Wisst Ihr, ob es eine Chance gibt, irgendjemanden um eine Ausgrabung zu bitten? Man könnte den Volksbund anschreiben oder vielleicht direkt die Stadtverwaltung Prag. Aber, selbst wenn es eine behördliche Erlaubnis gibt, wer zahlt die Kosten? Meint Ihr, dass man nach 65 Jahren eine lesbare Erkennungsmarke finden könnte? Findet man nach 65 Jahren noch irgendwelche Knochenteile, die für eine genetische Untersuchung zu gebrauchen wären? Wer hat diesbezüglich Erfahrungen?


    Danke für Eure Einschätzung
    Liebe Grüße aus Dorsten/NRW


    Frank

  • Servus Frank,


    Quote

    Die angeblichen Gräueltaten kenne ich auch nur aus Erzählungen meiner Oma und meiner Tante. Oma erzählte mir einmal, dass Opa an der Erhängung zweier mit Menschen gefüllter Lastwagen beteiligt gewesen sein soll. Wo, wann und wie - keine Ahnung. Sie stellte es zumindest in meiner Erinnerung so dar, als wenn er Befehlshaber bzw. Anführer der Gruppe war, die für den Tod dieser Menschen verantwortlich war. Kann das wegen seines Dienstranges sein ?
    Während des Krieges hätten ihr auch schon Freunde und Familienangehörige gesagt, dass "der Karl nicht mehr zurückkommen könne, da er wegen seiner Taten sonst aufgehangen würde"...
    Das beschäftigt mich daher schon sehr. War Opa ein Mörder ? War er verantwortlich oder war er nur ein "normaler" Mitläufer ?


    hast Du schon eine Anfrage zu Deinem Opa in der Außenstelle des Bundesarchivs in Ludwigsburg ( KLICK ) versucht ?
    Dort liegen die Akten der "Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen" ( KLICK ).


    Liebe Grüße


    Niki

    ...VIRIBUS UNITIS...