Frage nach den Pionier-Einheiten meines Großvaters im Frühjahr 1944 (im Raum G.G./Ukraine)

  • Liebe Forums-Mitglieder,


    ich habe mich in den letzten Wochen intensiver mit der Endphase der Kriegszeit meines Großvaters befasst und hoffe, dass ihr mir bei einigen grundlegenden Verständnisfragen weiterhelfen könnt. Mein Großvater (1912-2000) war bis Spätsommer 1943 als Reichsbahner in der Ukraine tätig, kam wegen einer Verletzung im September 1943 zurück an seinen Heimatort, arbeitete dort für kurze Zeit wieder für die Reichsbahndirektion Karlsruhe – und wurde im November 1943 zur Wehrmacht eingezogen.


    Gemäß der Feldpostbriefe (bzw. der Nummern und Beschriftungen) war er im Februar 1944 Teil des 5. Pio. Ers. Bat. 24, von März bis Mai 1944 im Pio. Bat. Generalgouvernement und im Juni 1944 schließlich Teil des Pio. Bat. 72. Im Lexikon der Wehrmacht habe ich bereits gelesen, dass diese Bataillone teilweise nahtlos ineinander übergingen oder das eine durch das andere aufgefrischt wurde. Nach Juni 1944 ist der Kontakt abgerissen und ich habe ich keine Unterlagen mehr – erst wieder einen russ. Passierschein vom August 1945, der ihm die Heimreise ermöglichte. Laut seinen Aussagen wurde er von der Roten Armee gefangen genommen und kam ins Lager Gomel.


    Was mich wundert – und wo ich auf eure Fachkenntnisse hoffe –, sind die folgenden Aspekte:


    1.) Laut der FPN (11139A sowie 26696) war er jeweils im Stab dieser Einheiten. Vielleicht habe ich zu wenige Armee-Kenntnisse, aber ich dachte immer, dass der Stab einer Einheit mit Führungsaufgaben betraut ist. Ist es realistisch, dass man als normaler Gefreiter (so bezeichnete er sich später in einem Lebenslauf) direkt einem Stab zugeteilt wird? Er hatte zwar in den 30ern seinen Wehrdienst in Neu-Ulm bei den Pionieren absolviert, aber er war ja zwischen 1941 und 1943 nur zivil im Osteinsatz. Oder messe ich dieser Sache gerade in der Endphase des Krieges – als ja sowieso alles durcheinander ging – zu viel Bedeutung bei, d.h. die Unterscheidung zwischen dem Stab und den einzelnen Kompanien spielte sowieso kaum noch eine Rolle?


    2.) In drei seiner Briefe machte er auch geographische Angaben: Am 20.3.44 schrieb er, er sei seit vier Wochen an der Front, 17km von Luzk (Ukraine) entfernt; am 9.4.44 schrieb er, er sei seit acht Tagen an der Rollbahn von Kowel nach Luzk; und am 14.5.44 schrieb er, er sei nun 25 km östlich von Wolodymyr (Richtung Luzk). Darüber hinaus berichtete er, dass es immer wieder Luftangriffe geben würde (jedoch ohne Treffer), dass er Läuse hätte, dass die örtliche Bevölkerung Angst vor dem Bolschewismus hätte – und dass er sich wünschte, dass der Krieg nun endlich vorüber ginge (und zwar egal mit welchem Sieger). Hat jemand von euch Erfahrungen mit dem Schicksal dieses Bataillons? Wie kann ich mir den (Kriegs-)Alltag im Frühjahr 1944 in der genannten Gegend vorstellen? War es ein Ausharren und Abwarten, bis die Rote Armee schließlich angerollt kam? Und zu guter Letzt: Was könnte ab Juni 1944 passiert sein, sodass er in Gefangenschaft kam? Hat die Rote Armee bei ihrem Vormarsch damals tatsächlich noch viele Gefangene gemacht?



    Ich weiß, das waren nun sehr viele Fragen – aber ihr kennt das ja bestimmt: Je tiefer man sich mit dieser Zeit und den damaligen Umständen auseinandersetzt, desto brennender werden die Fragen, desto mehr wollen die Bilder im Kopf eingeordnet werden.



    Vielen Dank an alle, die mir weiterhelfen können!



    Herzliche Grüße

    Torsten

  • Hallo Torsten,


    danke für Deine interessante, detaillierte Schilderung. Ich kann nicht viel beitragen, nur den beigefügten Ausschnitt zur Gliederung des Pionier-Ersatz-Bataillon 24 mit 1 Stamm-, 2 Genesenen- und 2 Marschkompanien.


    Quelle: NARA T78 R411, Kriegsgliederung des Ersatzheeres, Dezember 1943, hier: Wehrkreis IV.


    Viele Grüße


    Jörg

  • Hallo Thorsten,


    interessante Schilderungen.

    Vielleicht kann ich etwas zum besseren Verständnis beitragen.


    Dein Großvater war als Wehrmachtssoldat im Dienstgrad eines Gefreiten beim Stab.

    Dies ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich, denn auch dort gibt es ja "allgemeine und einfachere Aufgaben", die von einem Mannschaftsdienstgrad zu erledigen waren. Etwa Schreibstuben-Tätigkeit, Fahrer, usw..


    Ein anderer Ansatz wäre aber die Frage, was Dein Großvater für eine Tätigkeit im Bereich der RBD Karlsruhe hatte. ( RBD = Reichsbahndirektion ). War er im Lokfahrdienst, im Fahrdienst, Gleisunterhaltung etc. eingesetzt. Je nach Spezial-Kenntnissen könnte es sein, daß man ihn auch deshalb zum Stab gezogen hatte. ( Annahme ).


    Wenn er vorher als Eisenbahner im Ost-Einsatz war ist anzunehmen, daß er als sogenannter "Blauer Eisenbahner" ( was sich auf die Farbe seiner Dienstkleidung bezieht ) im Einsatz war.

    Diese haben im Gebiet hinter der Front den Eisenbahnbetrieb durchgeführt.



    Allgemein: kannst Du vielleicht einmal zusammenstellen, aus welcher (Soldaten-) Zeit Du einen HInweis auf seine Truppenzugehörigkeit oder seine Aufenthaltsorte hast. Das könnte bei der Zuordnung zu einer vermuteten Einheit sehr hilfreich sein. Mein Gedanke ist nämlich, daß er aufgrund seiner beruflichen Kenntnisse einer Eisenbahn-Pionier-Einheit zugeordnet war.

    Sollte er "nur" bei einer allgemeinen Pio-Einheit gewesen sein, so wäre ein Vergleich mit seiner beruflichen Sparte wiederum sehr interessant: Allgemeiner Pionier => Gleisbauer, Metall- oder Bauberuf erlernt.. (?)


    Nebenbei in eigenem Interesse:
    Du schreibst, daß er in den Dreißiger Jahren in Neu-Ulm bei den Pionieren war. Als Karlsruher
    / Badener ?

    Hier würde mich kurz interessieren, ob Du sagen kannst, in welcher Kaserne / EInheit er war.


    Pioniere sind mir ansonsten eigentlich im Moment nur aus Ulm bekannt - dort gibt es auch eine "Pionier-Kaserne". In Neu-Ulm und an der Donau ( auch auf der bayerischen Seite.. ) hatten sie ihre Übungsplätze.


    Herzlichen Dank und freundliche Grüße

    aus der Stadt an der Donau mit dem höchsten Kirchturm der Welt.. 8)


    Uwe

    ( beim Stichwort Eisenbahn(-Pioniere) immer interessiert...

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Grüß Gott Thorsten,


    hier mal der Stab eines Pionier.Bataillons (neuer Art 1944)

    https://www.wwiidaybyday.com/kstn/kstn702n1apr44.htm

    wie Du unten sehen kannst ,war die Mannschaftsstärke ca 60 Mann, dazu gehörte der Gefreiter....


    Das Pio Btl 72, gehörte zur 72. Infanterie-Division, diese wurde im Weichsel-Brückenkopf eingesetzt und schließlich im Baranow-Brückenkopf zerschlagen, daher die Gefangennahme....nur Teile der Division entkamen

    http://www.lexikon-der-wehrmac…eriedivisionen/72ID-R.htm


    Vermißt gemeldete Soldaten der Einheit sind hier gelistet,

    https://vbl.drk-suchdienst.online/Feldpostnummer/FPN.aspx

    Suche mit Band FU Seite 10


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Hallo zusammen,


    wow, vielen lieben Dank schon einmal für eure Bemühungen, Hinweise und Erläuterungen – das hilft mir definitiv weiter und ich bin euch sehr verbunden. Die Binnengliederung eines Bataillons bzw. des Stabes war mir so nicht bekannt, erscheint mir aber natürlich logisch (frei nach dem Motto: Es kann nicht nur Häuptlinge, es muss auch Indianer geben).


    Zur Vorkriegszeit meines Opas und insbesondere zu seiner Zeit in (Neu-)Ulm kann ich die folgenden Angaben machen (ich habe irgendwo gelesen, dass in Ulm sowohl Badener als auch Württemberger gedient haben):

    • Vom 1.11.1934 bis zum 30.09.1935 war er zunächst beim freiwilligen Arbeitsdienst in Rastatt.
    • Vom 1.11.1935 bis zum 3.10.1936 war er beim 2. Pio. Batl. 45 Neu-Ulm (Wehrnummer laut Arbeitsbuch: 2 Pi 45/12/35/19); die zahlreichen Postkarten jener Zeit waren in der Regel aus Neu-Ulm adressiert.
    • Zum Jahreswechsel 1935/36 lag er mehrere Wochen mit einer Fußverletzung in Ulm im Standortlazarett.
    • Ich habe aus dieser Zeit auch noch eine Rechnung von einem „Schuhhaus Böttinger“ in Neu-Ulm (Wallstr. 23).
    • Des Weiteren spricht er von diversen Unternehmungen: von einer Pontonnier-Übung mit der 1. Kompanie, einer 14-tägigen Übung in Burgau (Schwaben), einem 14-tägigen Aufenthalt in Würzburg zum Tribünenbau für die Parade im Manöver oder einem Aufenthalt in Giebelstadt zur Errichtung einer Behelfsbrücke für die Parade. Am Ende sprach er von der Manöverzeit als der schönsten Zeit (mit Exkursionen bis in die Gegend um Hanau und Fulda).

    Vom 27.6.1939 bis zum 26.7.1939 wurde er zudem noch zu einer Übung einberufen, und zwar beim 1. Pio. Üb. Batl. A in Ulm (hiervon hat er noch eine Postkarte der Friedenskaserne).


    Bei der Reichsbahn war er in der Vorkriegszeit als Hilfsarbeiter in der Bahnmeisterei Karlsruhe eingesetzt (in einem Schreiben des Arbeitgebers wird betont, dass die aktuelle Beschäftigung zu keinerlei Ansprüchen auf eine Festanstellung führt). Außerdem war er dann im Bahnhof Karlsruhe als Hilfszugschaffner beschäftigt. In der gleichen Tätigkeit war er seit dem 22. August 1941 zunächst in Kiew (Bahnhof Petrowka), ab Anfang 1942 dann bis Sommer 1943 am Eisenbahnknotenpunkt in Fastow. Briefe von Verwandten aus dieser Zeit hatten gelegentlich Sätze wie „Jetzt darfst du wieder auf große Fahrt gehen“. Im September 1943 erhielt er schließlich einen Marschbefehl nach Kiew (irgendetwas muss da dann passiert sein, denn kurze Zeit später war er in Karlsruhe beim Reichsbahnarzt und ein Finger wurde ihm amputiert). Was ich mich in diesem Zusammenhang immer gefragt habe: Wieso wurde er in Marsch gesetzt? Fastow ist erst im November 1943 verloren gegangen… war damals schon klar, dass die Position nicht mehr zu halten ist und man hat erste Reichsbahner abgezogen?


    In seiner Zeit in der Ukraine hatte er übrigens einen Wilhelm Mayer (oder Meyer) kennengelernt (war auch ein Eisenbahner, der Ende 1943 noch in der RVD Kowel war), der aus Ulm stammte und den er nach noch viele Jahre nach Kriegsende in Ulm/Wiblingen besuchte.


    Ich habe hier noch drei Scans beigefügt:

    • Eine Porträtaufnahme unbekannten Datums, aber mit Uniform – kann man daran seinen (militärischen/zivilen) Status erkennen?
    • Eine Postkarte vom Wehrdienst (darauf ist auch seine damalige Adresse in (Neu-)Ulm ersichtlich).
    • Den Umschlag eines Feldpostbriefes vom Mai 1944 – anhand der FPN habe ich bislang immer auf seine Einheit geschlossen (wobei mir nicht klar ist, was die lilafarbene 441 bedeutet; auf anderen Briefumschlägen jener Zeit ist eine 236 vermerkt).


    Vielleicht habe ich zu viele Ostfront-Dokus geschaut oder zu viele Erfahrungsberichte jener Zeit gelesen, aber es wirkt dort immer alles sehr dramatisch (was es mit Sicherheit auch war). Aber man kann sich so eine „geordnete“ Gefangennahme aus jener Zeit gar nicht mehr vorstellen, gerade bei Kämpfen an der Front. Ich hatte immer den Eindruck, dass man im Sommer 1944 als Teil der kämpfenden Truppe sich entweder absetzen bzw. zurückziehen konnte – oder eben fiel. Aber wahrscheinlich bin ich da zu sehr medial geprägt.



    Nochmals vielen Dank für eure Hilfe!


    Schönen Abend und viele Grüße

    Torsten

  • Hallo Thorsten,


    sehr aufschlußreich, vielen Dank.


    Im Moment bin ich knapp mit der Zeit, daher ein Teil in Kürze:


    Pionier Otto Dörflinger hatte die Postkarte aus der Reinhardt-Kaserne in Neu-Ulm abgesandt. Diese war nach dem Krieg von den Amerikanern weiter genutzt worden ( "Nelson-Barracks" ). Einige Gebäude aus der Wehrmachtszeit sind noch vorhanden, heute zivile Nutzung.


    Eine Friedenskaserne gab es sowohl in Neu-Ulm ( bayerische Kaserne von 1860er Jahren ) wie auch in Ulm. ( württembergische Kaserne, an der Karlstraße steht noch ein Unterkunftsgebäude, ansonsten als Areal der Gold-Ochsen-Brauerei etc. genutzt. )


    Und Pioniere - die gab es zur Wehrmachtszeit tatsächlich in Neu-Ulm und in Ulm....



    Als Reichsbahner im Osteinsatz wird er aufgrund seiner Verletzung (?) einen Marschbefehl erhalten haben, damit ihm eine "offizielle" Heimfahrt bescheinigt wurde. Vermutlich liegt die Wortwahl im damaligen allgemeinen Sprachgebrauch begründet.. (Annahme).


    Eine Spur zu dem Eisenbahner- / Kriegs-Kameraden WIlhelm Mayer ( Meyer) in Ulm-Wiblingen ist aufgrund des damals sehr oft vorhandenen Namens allein so nicht möglich. Unter den alten Ulmer Eisenbahnern ist dieser nicht mehr bekannt.. Und auch in alten Unfall-Akten aus der Reichsbahnzeit habe ich keinen Namen dieser Art..


    Das "Otto" bei der Bm Kar als Hilfsarbeiter beschäftigt war und einen Zusatz erhielt, die Beschäftigung ergebe keinen Anspruch auf Weiterbeschäftigung, war damals üblich. Vermutlich hat man ihn eingestellt, damit er "beschäftigt" war. ( Heute: "ABM" )


    Soweit auf die Schnelle,

    die Arbeit ruft und der Fahrplan drängt,

    herzliche Grüße

    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo Torsten,


    leider kann ich dir keine detaillierte Infos wie die Profis aus dem Forum geben, jedoch eine grobe Antwort zu deinen letzten Fragen zum "Alltag" und der "Gefangennahme".


    Also ab 1943 war ja die Wehrmacht überall an der Ostfront auf dem Rückmarsch. Es konnten sporadisch immer nur einige Frontabschnitte etwas länger gehalten werden. Jedoch war die Versorgung und der Nachschub sehr schlecht und die Russen waren in der Regel 5-10:1 in der Überzahl. Im Juni 1944 war ja dann die Katastrophe an der Ostfront durch die "Operation Bagration" gegen die Heeresgruppe Mitte. Dein Opa war ja bei der Heeresgruppe "Nordukraine" (ehemals SÜD) unterstellt. Jedoch haben die meines Wissens auch einen Teil dieser riesigen Sowjetoffensive "abbekommen". Wobei so oder so 1944 große Offensiven der Russen gestartet haben (von Nord bis Süd). Die Deutschen mussten vielerorts fliehen. Die Gefangenschaft war für die meisten deutschen Soldaten keine Option, da sie wussten, was Ihnen blüht -- Sibirien etc. Deshalb haben die meisten im wahrsten Sinne des Wortes "bis zu letzten Patrone" gekämpft.

    Aber wo möglich, wurden natürlich Gefangene genommen. Das war meines Wissens durchgängig so (also bis Kriegsende).

    Ab "Juni" 1944 mussten viele Truppen aus dem Osten an die Westfront verlagert werden (--> Landung der Westallierten am 06.06.1944). d.h. die Lage wurde sowieso noch schlimmer und die Russen haben wie gesagt ab Sommer 1944 viele Offensiven gestartet die nirgends aufzuhalten waren.


    Das ist natürlilich nur sehr oberflächlich, aber bringt evtl. etwas "Licht ins Dunkel" :)


    Grüße und weiterhin viel Glück.

    Suche alles für die Recherche zu meinen Opas: Älterer Opa: geb. 1921 in Danzig, Pionier-Ersatz-Bataillon 2 / 175. Pionier-Bataillon / 75. Infanteriedivision / u.a. Kiew, Woronesch, Schwere Verwundung bei Helenowka bei der Schlacht um den Dukla-Pass / Ausbilder in Dessau-Rosslau

    Jüngerer Opa: geb. 1926 in Friedenstal, Bessarabien, 10. Sturmgeschütz Ersatz- und Ausbildungs-Regiment Fallschirm-Panzer-Division Hermann Göring / Feldpost 60594 & 60724 / Kämpfe in Ostpreußen / Oberschlesien

  • Lieber Uwe, lieber Timo, liebe weitere Foren-Mitglieder,


    erneut meinen herzlichsten Dank für eure Erläuterungen.


    Ich hatte bei „Marschbefehl“ instinktiv an etwas Größeres gedacht (als würden ganze Einheiten in Marsch gesetzt werden) – wenn das aber letztlich nur ein Dokument war, das zur Heimreise berechtigte, dann ist es schon weniger spektakulär, aber dennoch natürlich logisch. In Karlsruhe wurde er übrigens von einem Dr. Dohmen (Reichsbahnarzt) untersucht; hat diesen Namen zufällig schon einmal jemand gehört? Ich habe mal bei der Eisenbahnstiftung (direkt in Karlsruhe) nachgefragt, aber leider konnte mir niemand weiterhelfen.


    Vor drei Tagen erhielt ich übrigens eine Auskunft vom Bundesarchiv (ich musste nur ein knappes halbes Jahr warten, das freut mich sehr – hatte mit mehrjähriger Wartezeit gerechnet); diese Erkenntnisse würde ich gerne mit euch teilen (verbunden mit drei Nachfragen):


    Der Gesuchte ist mit seiner Neueinstellung vom November 1943 in der Einheit Stammkompanie Pionier- Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon 35; Knielingen-Karlsruhe ohne Dienstgrad erfasst.


    In den Verzeichnissen sind folgende weitere Verwendungen genannt:

    • 5. Kompanie Reserve Pionier Bataillon 24 (gemeldet am 04.01.1944)
    • 2. Kompanie Feld-Ersatz Bataillon 172 (gemeldet am 22.05.1944)
    • Dienstgrad Pionier

    Letztmalig ist der Gesuchte mit dem Datum 15.09.1944 (vermisst ohne Ortsangabe) als Angehöriger der Einheit 2. Kompanie Feld-Ersatz Bataillon 172 – Dienstgrad Gefreiter aufgeführt.



    Ich hatte mir insgesamt natürlich etwas mehr erhofft – aber nun gut. Hat vielleicht jemand von euch eine Auskunft oder eine Idee zu folgenden Fragen:

    • Seine Feldpostnummern sowie die die Bezeichnungen der Einheiten sind zwischen Ende 1943 und Mitte 1944 etwas „bunter“ als in den Akten des Bundesarchivs hinterlegt. Liegt das daran, dass man damals (bzw. in dieser Phase des Krieges) einfach nicht (mehr) so genau Buch geführt hat?
    • Habt ihr mehr Infos zum Feld-Ersatz Bataillon 172? Wie muss ich mir so ein Bataillon vorstellen? Ging das im großen Ganzen der 72. Infanterie-Division auf? Oder waren solche Unter-Einheiten jeweils separat zu betrachten? Und was macht eigentlich der „Feld-Ersatz“?
    • Habt ihr eine Idee, in welcher Gegend die Gefangennahme um den 15.09.44 stattgefunden haben könnte? Die Lemberg-Sandomierz-Operation war da ja schon vorüber, und meines Wissens war danach ja erst einmal relative Ruhe an diesem Frontabschnitt… diese Frage beschäftigt mich echt am meisten.


    Wie immer herzlichen Dank für eure Hilfe!


    Euch allen einen schönen Sonntagabend,


    viele Grüße



    Torsten

  • Grüß Gott Torsten,


    hier der Eintrag im Lexikon zu den Feld-Ersatz Bataillonen,

    http://www.lexikon-der-wehrmac…illone/IDGliederung-R.htm

    Siehe Text oben

    Die 72.ID befand sich zwischen Juli 1944 und Januar 1945 im südlichen Polen ,Zamosc und Opatow


    Viele Meldungen der Truppe haben die Wast nicht mehr erreicht, die Wast kann nur das weitergeben , was in Ihren Beständen ist....


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Hallo Eumex,


    mit etwas Verspätung auch dir nochmals herzlichen Dank für deine Hinweise.


    Mal sehen, ob ich irgendwo und irgendwann noch das Rätsel um die Gefangennahme lösen werde, aber das Forum hier bzw. die hilfsbereiten Mitglieder haben mir schon echt weitergeholfen!



    Viele Grüße

    Torsten

  • Hallo Torsten,

    ich habe ein Paar Feldpostbriefe von 3./Res.Pi.Btl. 24 von 1944. Der letzte Brief ist vom 22 Mai 1944, versandt aus Sandomierz an der Weichsel, danach nichts mehr. Ich habe mich auch gefragt was da wohl passiert ist. Die Soladaten mussten damals in der Kaserne in Sandomierz in Uniform schlafen, weil man Überfälle von Partisanen befürchtet hat.

    Ist in den Briefen, die du hast etwas interessantes über Sandomierz?

    Viele Grüße

    Marius