kleines Bilderrätsel; wo kann man ihn verorten?

  • Hallo liebe Community,



    bisher wurde ich hier nie enttäuscht und ihr konntet mir immer sehr fachkundig weiterhelfen. Dadurch habe ich schon eine ganze Menge gelernt.


    Kurz zum Hintergrund meiner Anfrage: Im Nachlass meiner Großtante (sie war meine liebste Großtante) habe ich einige Bilder gefunden, die aus der Zeit des zweiten Weltkrieges stammen, sowie einen Brief ihres Bruders, den er aus der Normandie geschickt hat (10 Tage später ist er als Fallschirmjäger in Carentan gefallen; ich habe dieses Jahr zum ersten Mal sein Grab in Orglandes besucht - aber das ist eine andere Geschichte). In dem besagten Brief geht ihr Bruder auf einen ihrer Briefe ein, in dem meine Großtante - offenbar erstmalig - Otto erwähnt. Ihr Bruder fragt sie, ob Otto "der Mann fürs Leben ist". In der Familie hieß es immer, dass meine Großtante bereits verlobt war bevor sie den Bruder meines Opas heiratete. Ihr Verlobter sei im Krieg gefallen. In ihrem Nachlass, der bei mir liegt, habe ich das angefügte Foto gefunden. Auf der Rückseite steht in Fraktur "mein Otto". Mir ist bewusst, dass das Foto nicht scharf und die Erkennung von Details nicht ohne weiteres möglich ist. Ich möchte allerdings dennoch mein Glück versuchen und euch das Foto zeigen. Vielleicht kann der ein oder andere es ja deuten. Besonders die Schulterklappen sind mir aufgefallen. Kann einer - ansatzweise - erkennen oder hat eine Ahnung, was es für ein heller Punkt ist? Könnte es sich um eine besondere Regimentssymbolik handeln, oder könnte er den Rang eines Feldwebels bekleiden? Würde das zum Kragenspiegel passen?


    Es ist wie ein Puzzle. Ich möchte die Geschichte meiner Familie für meinen Sohn, meine Neffen und Nichten festhalten, um sicherzustellen, dass sie nicht in Vergessenheit gerät. Dazu gehören auch die traurigen Geschichten, die sich an den Seiten der Familie zugetragen hat.


    Ich freue mich auf eure Kommentare und über eure Hilfe!



    Vielen Dank vorab und einen angenehmen Abend für euch,

    Jonas

  • Hallo,

    könnte für mich ein Feldwebel sein.

    Lasse mich gerne eines Besseren belehren.

    Gruß,

    JR

  • Guten Abend ans Forum und an den Anfragenden,


    Otto trägt eine Heeresuniform, vielleicht die einer mit Sturmgeschützen ausgerüsteten Artillerieeinheit. Der Hinweis von JR auf den Dienstgrad eines Feldwebels (bei der Artillerie wäre das ein Wachtmeister) könnte zutreffen.

    Falls die Personalien von Otto oder Teile davon bekannt sind, wär eine personenbezogene Nachfrage beim Bundesarchiv, vormals Deutsche Dienststelle, möglich. Das gilt auch für militärische Auskünfte über andere Personen.

    Hier der Info-Link dazu: https://www.bundesarchiv.de/DE…221-integration-wast.html

    Jonas, mir ist nicht bekannt, ob Sie bei Ancestry angemeldet sind. Auch dort könnte man nach militärischen Unterlagen von Personen mit Vorname, Name, Geburtsjahr und/oder Sterbejahr suchen.

    Bei einem in oder bei Carentan gefallenen Fallschirmäger könnte es sich um einen Angehörigen des bekannten Fallschirmjäger-Regiments 6 gehandelt haben. Ich hoffe, Sie haben außer Orglandes mindestens auch noch das Dead-Man's-Corner Museum und das Bloody-Gluch-Memorial -Museum gesehen.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

    Edited once, last by Danuser ().

  • Hallo JR, hallo Peter,


    vielen Dank für eure Kommentare!


    @ Peter: Was lässt dich vermuten, dass er zur Artillerie gehörte? Gibt es dazu Hinweise an seiner Uniform? Leider ist zu Otto nur der Namen bekannt und das gezeigte Bild überliefert. Allerdings könnte man mit dem Rang, dem Vornamen und dem vermuteten Geburtsort schon eine Anfrage beim Volksbund starten, die dann ggf. zu einer Vervollständigung führt. Danach würde ich das Bundesarchiv bemühen. In der Familie kursierten verschiedene Versionen über den einstigen Verlobten. Eine Version hieß, dass er Leutnant im Afrika-Korps gewesen sei, aber das würde ich aufgrund des Bildes ausschließen.

    Aufgrund der Dokumente des Bundesarchivs sind wir auch in die Normandie gefahren. Der Bruder meiner Großtante war in der 7. Kompanie/Fallschirmjäger Regiment 6 von Major von der Heydte. Er ist am 13.6.1944 bei Carentan von seiner Einheit als vermisst gemeldet worden. Die Alliierten haben ihn identifiziert und 4 Tage später beigesetzt. Die Familie wurde allerdings erst 1962 informiert. Der Brief liegt mir vor. In diesem Zuge haben wir auch eine ganze Reihe Orte besucht: Orglandes, La Cambe, Colleville-sur-Mer, Carentan selbst, inklusive der Dead Man‘s Corner, Point du Hoc, die deutsche Batterie in Longues-sur-Mer und viele der zahlreichen Memorials im Hinterland. Das war eine aufschlussreiche und auch bewegende Reise. Wir werden die Reise wiederholen.


    Viele Grüße

    Jonas

  • Guten Tag ans Forum und an Jonas,


    die Uniform auf dem Bild von Otto habe ich ich mit Uniformen von Besatzungen der Selbstfahrlafetten / Sturmgeschütze verglichen, nicht mit Tropenuniformen, wie sie u.a. in Afrika getragen wurden. Diese Waffensysteme gehörten halt nun mal zur Artillerie. Ich weiß nicht, wie viele Heeresangehörige Feldwebel (bei der Artillerie Wachtmeister genannt) waren und mit Vornamen Otto hießen. Dazu kommt, dass Otto laut Familie ja sogar Leutnant gewesen sein soll. Somit kämen die Heeres- Leutnants Otto beim Suchen im Bundesarchiv ja noch dazu, zumindest die Leutnants von Artillerie-Einheiten.


    Was den hier in Orglandes endbestatteten Bruder der Mutter betrifft, so würde mich seine Erstgrablage aus militärhistorischem Interesse heraus interessieren. Viele deutsche Gefallene sind hier auch öfters umgebettet worden, bevor die offiziellen Kriegsgräberstätten vom Volksbund angelegt worden sind. Über Erstgrablagen können Erkenntnisse über Gefechte, Hauptverbandsplätze pp. erlangt werden.


    Als Reisender bin ich in die Normandie gekommen, bevor sie nun zu meinem Altersruhesitz geworden ist.

    Gerade für Kultur- und Militärinteressierte ist die Normandie mehr als eine Reise wert.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo Peter,


    es ist, wie ich schon schrieb, ein Stück weit ein Puzzle (oder eine Detektivarbeit). Nachdem ich den Nachlass bekommen habe, kann ich der Version "Leutnant im Afrikakorps" widersprechen. Das passt weder vom Bild her, noch von der Nennung im Brief ihres Bruders. Meines Wissens nach endete der Afrikafeldzug im Frühjahr/Sommer 1943; der Brief, in dem Otto erwähnt wird, ist von 1944. Das passt also nicht zusammen. Das Problem ist, dass sich Erinnerungen mit der Zeit verändern. Das Problem ist in der Quellenforschung bei Historikern im Bereich "Oral History" hinreichend beschrieben. Außerdem liegt das Thema schon weit zurück, sodass es in der Familie so etwas wie ein "Hörensagen" gibt.

    Mich interessiert, welche Merkmale der Uniform du erkannt hast, die dich auf die Artillerie schließen lassen. Ich frage aus Interesse und weil ich es wirklich verstehen möchte.


    Die Teilmenge ist noch etwas kleiner. Es sind Feldwebel/Wachtmeister, die den Namen Otto trugen, nach Juni 1944 gefallen sind und in einem bestimmten Zeitraum geboren wurden, den ich zwischen 1912 und 1922 anlegen würde (das ist eine Vermutung). Dann geht das Suchen los :) ...


    Was deine Frage nach der Erstgrabanlage angeht. Laut Auskunft des Bundesarchivs:

    eingegangene Meldungen -

    16.10.1944 I: 13.6.1944 Carentan vermißt

    31.8.1945 II: Amerik. Meldung, am 16.6.1944 in Cherbourg Peninsula bei Kampfhandlungen gefallen, am 20.6.1944 Grabanlage Orglandes, Frankreich beigesetzt

    in den folgenden Meldungen wird ersichtlich, dass der Volksbund die Anlage und auch die Nummerierung übernommen hat.


    Die Umbettungen etc. werden auf dem Friedhof in La Combe sehr deutlich; ich weiß, was du meinst.


    Viele Grüße

    Jonas

  • Guten Tag ans Forum und an Jonas,


    zur Uniform auf dem Foto habe ich meine Meinung geäußert, die natürlich ohne Gewähr ist. Irgendwie bin ich davon ausgegangen, dass sich Uniformspezialisten für die Wehrmacht auf Deine Anfrage gemeldet hätten. Ein solcher bin ich nicht wirklich. Na, vielleicht kommen ja solche Beiträge noch. Zu Heeresuniformen der Wehrmacht gibt es jede Menge Sachbücher. Auch bei Lektüre-Empfehlungen würde ich gerne unseren Spezialisten den Vortritt überlassen.


    "Cherbourg Peninsula" ist eine Bezeichnung für die Halbinsel Cotentin, zu der Cherbourg als größte Stadt gehört. Die Halbinsel entspricht dem Département Manche.

    Vom 19.06.1944 bis 1956 war Orglandes einer der provisorischen deutschen Friedhöfe in der Manche mit 7.358 Bestatteten. Heute liegen dort über 10.000 Gefallene.

    Als Endgrablage umgebettet und zugebettet wurde nicht nur auf deutschen Kriegsgräberstätten.

    Noch heutzutage gibt es in der Normandie Zu- und Abgänge auf Militärfriedhöfen der verschiedenen Nationen.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Guten Tag zusammen,


    um nochmal auf das Thema des Dienstgrads des Abgebildeten zu kommen; für mich sehen die Rangabzeichen aus, als würden sie die zwei Balken eines Fahnenjunkers darstellen.

    Vermutlich Fhj-Uffz oder Fhj-Ufw, das lässt sich schwer erkennen. Das würde der Version des Leutnants nicht mehr widersprechen.


    Grüsse,

    Fsms

  • Hallo Fsms,


    danke für den Hinweis. Den Fahnenjunker hatte ich so gar nicht auf dem Schirm. Das könnte aber hinkommen. Zumindest würde es eher wieder in die Richtung der "Leutnant"-Erzählung gehen, wenn ich den Fähnrich als Offiziersanwärter richtig deute. Und ja, es ist wirklich schwer erkennbar, da gebe ich dir absolut recht.


    Viele Grüße

    Jonas

  • Tag Jonas,


    kleine Korrektur am Rande: der Fahnenjunker ist ein OA, das ist richtig; den Fähnrich aber gab es bei der Wehrmacht nicht. Ansonsten noch viel Erfolg bei deinen Recherchen.


    Grüsse zurück,

    Fsms

    Edited once, last by FSMS ().

  • Hier fehlt eine Anrede....


    Danke für die Korrektur! Ich meinte den Fahnenjunker und nicht den Fähnrich :)


    Eine Rückfrage habe ich noch. Im Nachlass befindet sich ein weiteres Foto, welches meine Großtante mit einem unbekannten Jungen zeigt. Bei einem direkten Vergleich könnte es eine jüngere Version von Otto sein. Der Junge auf dem Bild trägt eine Uniform der HJ und ist - meiner Interpretation nach - Oberrottenführer. Wurde so ein Rang bzw. eine Erfahrung für die spätere Verwendung in der Wehrmacht angerechnet? Wann genau das Foto aufgenommen wurde, ist mir nicht ganz klar. Meine Großtante war Jahrgang 1922. Ich würde sie auf dem Bild vielleicht auf 14-16 schäzen, d. h. es wurde zwischen 1936 und 1938 aufgenommen.


    Der Junge hat zudem an seiner linken Brusttasche eine dunkle Schnur. Kennt das jemand?



    Viele Grüße

    Jonas