Dokumente über Einberufungen, etc.

  • Hallo zusammen,


    Ist früher in den Städten oder Dörfer festgehalten worden wann wer in den Krieg ist und wo er sich aufgehalten hat?

    Gibt es da in den Stadtarchiven Dokumente drüber?


    Liebe Grüße

    Celine :)

  • Hallo Celine,


    die örtlichen Parteileitungen führten hierüber recht detailliert Buch, sofern diese Unterlagen noch erhalten sind.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Celine,


    wenigstens in der ersten Kriegshälfte versuchte die "Heimat", meistens in Form der Partei, Kontakt zu den Soldaten an den versch. "Fronten" zu halten. Das geschah häufig mit einem Mitteilungsblatt oder Rundschreiben. Je nach Engagement der Verantwortlichen (später auch nach der Verfügbarkeit von Papier) nur auf Kreisebene, aber manchmal auch bis hinunter zum einzelnen Dorf bzw. wie immer die Partei regional gegliedert war. Für den Bezug konnten sich die Soldaten registrieren lassen oder es geschah nahezu automatisch. Dem Verantwortlichen lagen alle Feldpostnummern der Soldaten für den Versand vor. Es lag in der Verantwortung des einzelnen Soldaten Änderungen der Feldpostnummer dem Verantwortlichen mitzuteilen. Eine Veröffentlichung der Feldpostnummern im Mitteilungsblatt zwecks Briefwechsel unter den Soldaten bzw. mit Daheimgebliebenen war verboten, erfolgte aber dennoch in Einzelfällen. Die Feldpostnummern konnten aber beim Verantwortlichen abgefragt werden.


    Der Verantwortliche fungierte meistens unter dem Begriff "Schriftleiter" und war ein Parteifunktionär. Bei ihm sammelten sich viele Briefe der Soldaten, denn in den Mitteilungsblättern wurde massiv dafür geworben an den "Schriftleiter" zu schreiben um Grüße (an alle Leser) zu übermitteln oder von den Siegen zu berichten. Er veröffentlichte dann auszugsweise.


    Im Laufe der Zeit wird dort ein großer, interessanter Bestand zusammengekommen sein. Einzelne Exemplare oder komplette Sätze der Mitteilungsblätter von der Heimat an die Front sind erhalten und auch in Archiven verfügbar. Hier kann man bereits viele Informationen über einzelne Soldaten gewinnen, denn es heißt häufig: "Erwin Bömmelmann grüßt alle aus der heißen Wüste, er hält Rommel mit seiner Flak die Tommy-Flieger vom Hals" oder dergleichen. Einige Schreiber (darunter auch versetzte Beamte und Funktionäre fern der Heimat) schrieben weniger allgemein. Da berichtet dann Karl-Gustav Schlawuttke: "...von der schlimmen Judenplage im besetzen Polen, aber der Führer würde ja jetzt für Ordnung sorgen". Nach 1945 wollte niemand mehr an solche Äußerungen erinnert werden und diese Mitteilungsblätter wurden vernichtet. Wie geschrieben haben dennoch einige überlebt.

    Mir ist jedoch kein überlebender bzw. archivarisch erhaltener Gesamtbestand eines Schriftleiters bekannt. Als Parteifunktionär wird er sich rechtzeitig von allem frei gemacht haben.


    Übrigens, auch Unternehmen und Verwaltungen hielten auf diese Weise Kontakt zu Ihren Mitarbeitern. Sollte es vor Ort ein größeres Werk oder eine große Verwaltung gegeben haben, so lohnt eventuell auch ein Blick in das jeweilige Archiv dort.


    Viele Grüße

    Andre

  • Moin,

    bis zum 1. WK führten entweder Pastoren oder Hauptlehrer in (kleineren) Dörfern die Dorf-Chronik, in denen sich solche Informationen bisweilen finden lassen. Ob dies auch noch zu Zeiten des 2. WK üblich war, ist mir leider nicht bekannt, aber scheint mir nicht unmöglich.

    Gruß,

    JR