"Ost-Bataillon 669" während der Ardennenoffensive

  • Ich suche nach Informationen zum "Ost-Bataillon 669" während der Ardennenoffensive. Welcher Einheit war dieses Bataillon unterstellt und gibt es allgemein mehr Informationen dazu ? Die Feldpostnummer des Bataillons war "29986"


    Hier wird kurz erwähnt, dass dieses Bataillon an der Ardennenoffensive teilnahm (einfach nach ganz unten scrollen)


    https://www.axishistory.com/bo…en-units-in-the-wehrmacht


    Grüße

    Edited once, last by Artadev ().

  • Hallo Artadev,


    ich habe während meiner Recherchen über den Einsatz der 326. V.G.D. in den Ardennen folgendes über das Ost-Btl. 669 gefunden. Ich hoffe, Du kannst damit etwas anfangen.


    Beste Grüße

    Timm


    3. Januar 1945:

    Die äußerst bedrohliche Lageentwicklung im Bereich der 12. und 62. Volks-Grenadier-Division zwingt die deutsche Führung dazu, nach allen greifbaren Reserven zu suchen, dabei werden nun auch rigoros Einheiten von anderen, augenscheinlich weniger bedrohten Frontabschnitten abgezogen und Verbände mit zweifelhaftem Ruf zugeführt. Einer dieser Verbände ist das Ost-Bataillon 669.

    Das Ost-Bataillon 669 wird am 01.02.1944 aus russischen Freiwilligen in ANTOING, Nordfrankreich, aufgestellt. Das Offizierskorps des Bataillons setzt sich aus deutschen und russischen Offizieren zusammen. Gliederung: Stab/Stabskompanie, drei Schützenkompanien, eine schwere Kompanie. Die 1.-3. Kompanie verfügen über jeweils vier schwere französische Maschinengewehre. Die 4. (schwere) Kompanie verfügt über 16 russische 50mm Granatwerfer und zwei russische 3,7cm Pak-Geschütze. In den folgenden Monaten wird das Bataillon im Raum LEUZE-EN-HAINAUT zum Bau eines Kanals eingesetzt. Im Rahmen des allgemeinen Rückzuges im September 1944 wird das Bataillon gegen belgische Partisanen eingesetzt und zieht sich kämpfend durch die Ardennen zurück. Um den 15. September herum erreicht das Bataillon den Raum BRANDSCHEID in der Eifel. Zu diesem Zeitpunkt verfügen die Kompanien schon nicht mehr über die schweren französischen Maschinengewehre, die man bereits auf dem Rückzug durch Belgien zurückgelassen hat. Die Moral der russischen Freiwilligen ist auf einem Tiefpunkt angelangt und es kommt um den 17. September zu einer Massendesertation der 2. Kompanie im Raum BRANDSCHEID. Die Kompanie wird danach nicht wieder aufgestellt, wie auch in der gesamten Zeit kein Ersatz zugeführt wird. Am 18. Oktober kommt es südwestlich von Brandscheid erneut zu einem Fall von Desertation, als drei Gruppen des Bataillons zum Feind überlaufen. Das Bataillon ist zunächst der 2. SS-Panzer-Division unterstellt, später dann der 18. Volks-Grenadier-Division und verbleibt bis Ende Dezember im Raum BRANDSCHEID. Dann erhält das Bataillon den Befehl zur Verlegung in die Ardennen. In BRANDSCHEID müssen die beiden Pak-Geschütze zurückgelassen werden, da technische Mängel einen Transport verhindern. Am 30. Dezember erreicht das Bataillon die Ortschaft SCHÖNFELD in der Eifel. Hier müssen die verbliebenen 50mm russischen Granatwerfer an eine SS-Einheit abgegeben werden. Das Bataillon mit seinen drei Kompanien ist nun ein reines Schützenbataillon, lediglich mit Karabinern ausgerüstet und gänzlich ohne schwere Waffen. Es hat eine personelle Gesamtstärke von 150-160 Mann, von denen 9 Mann auf die Stabskompanie, 40 Mann auf die 1. Kompanie, 50 Mann auf die 3. Kompanie und 42 Mann auf die 4. Kompanie entfallen. Am 1. Januar erreicht das Bataillon LOGBIERME, von wo aus am Folgetag weiter nach Westen marschiert wird. Am 3. Januar wird das Dorf MONT erreicht, nachdem man zuvor bei GRAND HALLEUX die Salm über eine hölzernere Kriegsbrücke überquert hat.[1] Das Bataillon erhält den Befehl Straßen instandzusetzen bzw. Stellungen auszubauen. Bedingt durch die allgemeine Lageentwicklung wird das Bataillon in der Nacht zum 4. Januar dem Grenadier-Regiment 190 unterstellt.[2][3][4][5]


    [1] Laut Aussage eines Gefangenen der 4./ Ost-Bataillon 669 hat diese Brücke keine ausreichende Tragfähigkeit um das Gewicht eines Panzers auszuhalten (NARA R218-2.1. - G-2 Berichte XVIII. US AB Corps, 05.01.45).

    [2] NARA R218-2.1. - G-2 Berichte XVIII. US AB Corps, 05.01.45.

    [3] NARA R218-2.1. - G-2 Berichte XVIII. US AB Corps, 06.01.45.

    [4] NARA R218-2.1. - G-2 Berichte XVIII. US AB Corps, 07.01.45.

    [5] NARA – G-2 Berichte V. US Corps, 19.09.44, NARA – G-2 Berichte 4th US Inf Div, 17.09.44, NARA - T311, R278, Ic Abendmeldung AOK 7 vom 19.10.1944, Frame 000168.


    4. Januar 1945:

    Gegen 02.30 Uhr werden in ST. JACQUES drei gepanzerte deutsche Fahrzeuge erkannt, welche um 08.00 Uhr einen deutschen Gegenangriff auf DAIROMONT unterstützen. Dieser Gegenangriff wird durch einen weiteren deutschen Gegenangriff aus südöstlicher Richtung unterstützt. Von diesem Angriff berichtet später ein gefangener Unteroffizier des Ost-Bataillons 669. Demnach hat die Stabskompanie des Bataillons am Morgen des 4. Januar den Befehl erhalten, die Ortschaft DAIROMONT anzugreifen, Angriffsbeginn 07.30 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt besteht die Stabskompanie lediglich aus zwei Offizieren, zwei Unteroffizieren und fünf Mannschaftsdienstgraden. Als Bewaffnung stehen den Soldaten lediglich Pistolen zur Verfügung. Zur Unterstützung wird ihnen ein Sturmgeschütz zugeteilt. Es bleibt unklar, weshalb die drei Schützenkompanien des Ost-Bataillons 669 an diesem Tag nicht eingesetzt werden, sondern lediglich Stellungen in MONT (1. und 3. Kompanie) und nördlich von MONT (4. Kompanie) beziehen. Der Vormarsch der kleinen Angriffsgruppe von MONT aus erfolgt durch den Wald bis zur freien Fläche vor der Ortschaft DAIROMONT. Dort setzt amerikanisches Abwehrfeuer aus Mörsern und Handfeuerwaffen ein. Einer der beiden Unteroffiziere wird verwundet. Die fünf Mannschaftsdienstgrade rennen daraufhin davon, während die Offiziere und Unteroffiziere am Waldrand in Deckung gehen. Der befehlshabende Offizier weigert sich einen Rückzugsbefehl zu erteilen und will die erreichte Position unbedingt halten. Kurz darauf werden die vier Soldaten von den Amerikanern gefangen genommen. Um 09.00 Uhr greifen die Amerikaner ihrerseits wieder an und drücken die Front des Grenadier-Regiments 190 weiter zurück. Überall stoßen die Amerikaner in diesem Abschnitt auf amerikanische Minen, welche von den Deutschen für ihre Zwecke verlegt wurden. Die Fallschirmjäger der 82nd US AB Div stoßen nun auch von FOSSE aus in die Wälder südlich und östlich der Ortschaft vor und erzielen sofort großen Raumgewinn, da in diesem Bereich nur sehr schwache Sicherungen des Regiments stehen. Zwei Widerstandsnester mit jeweils 30 Mann halten, obwohl von den rückwärtigen Linien abgeschnitten, auf dem Höhenzug von FOSSE aus. Am späten Nachmittag werden ein oder zwei Panzer bei DAIROMONT erkannt,[1] die aber nicht in die Kampfhandlungen eingreifen.[2][3][4][5]


    [1] Vermutlich dieselben Panzerfahrzeuge, die zuvor in St. Jacques eingesetzt wurden. Die Zugehörigkeit dieser Panzerfahrzeuge konnte nicht geklärt werden. Die Berichte sprechen sowohl von gepanzerten Aufklärungsfahrzeugen, Panzern bzw. Sturmgeschützen.

    [2] MS # B-028, General Knittel: Einsatzbericht 62. V.G.D. in der Ardennenoffensive, S. 21.

    [3] R. A. Schäfer: Die Mondschein-Division, S. 209 f.

    [4] NARA R218-2.1. - G-2 Berichte XVIII. US AB Corps, 04.01.45.

    [5] NARA R218-2.1. - G-2 Berichte XVIII. US AB Corps, 05.01.45.


    5. Januar 1945:

    Dann treten auch hier die Amerikaner zum Angriff an und stoßen aus westlicher und nordwestlicher Richtung vor, nehmen DAIROMONT ein und gehen durch den Wald auf MONT vor. Einzelne deutsche Widerstandsnester werden im Zusammenwirken mit der Artillerie schnell ausgeschaltet. Eine deutsche Versorgungskolonne kann sich noch rechtzeitig vor dem Eintreffen der Amerikaner in MONT nach Südosten absetzen. Das in MONT eingesetzte Ost-Bataillon 669 leistet kaum noch Widerstand und löst sich quasi von selbst auf, sieben Russen der 4. Kompanie ergeben sich nördlich von MONT, in der Ortschaft selbst ergeben sich weitere 31 Angehörige der 1. und 3. Kompanie. Unterwegs befindlicher Ersatz für das Grenadier-Regiment 190 leistet ebenso wenig Widerstand und ergibt sich den vorstoßenden Amerikanern. Der Weg ins Salm-Tal scheint frei. Dagegen halten die beiden Widerstandsnester des Grenadier-Regiments 190 weiterhin auf dem Höhenzug bei FOSSE aus. Am Nachmittag werden im Raum östlich von GRAND HALLEUX und PETIT HALLEUX deutsche Truppenbewegungen (Panzer und Fahrzeuge) erkannt, die von Jagdbombern und der Artillerie bekämpft werden. Diese Bewegungen stehen vermutlich in Zusammenhang mit dem deutschen Rückzug aus dem Raum von TROIS PONTS. Gut 200 deutsche Soldaten mit Handkarren bewegen sich am Nachmittag im Salm-Tal von Norden in Richtung GRAND HALLEUX.[1][2][3] Das in diesem Abschnitt neben dem 551st US Para Inf Regt eingesetzte 517th US Parachute Regimental Combat Team meldet an diesem Tag folgende Gefangene:

    • II./ Grenadier-Regiment 183 (inkl. 14./ 183): 17
    • Ost-Bataillon 669: 38
    • Feld-Ersatz-Bataillon 162: 18[4]

    [1] MS # B-028, General Knittel: Einsatzbericht 62. V.G.D. in der Ardennenoffensive, S. 21 f.

    [2] R. A. Schäfer: Die Mondschein-Division, S. 209 f.

    [3] NARA R218-2.1. - G-2 Berichte XVIII. US AB Corps, 05.01.45.

    [4] NARA R218-2.1. - G-2 Berichte XVIII. US AB Corps, 05.01.45.

  • Hallo,


    Ich möchte mich bei Eumex und besonders bei Timm bedanken. Hätte nicht gedacht solch detaillierte Informationen zu bekommen. Hat mir sehr weiter geholfen !


    Grüße