Verbrechen der Ordnungspolizei

  • Hallo,


    ich bin immer wieder erneut geschockt, welche aktive Rolle die Ordnungspolizei in dem verbrecherischen Vernichtungskrieg gespielt hat.


    Gab es eigentlich aktiven Widerstand gegen diese Massenerschießungen und Morde an Zivilisten? Oder war der Kadavergehorsam in den Reihen der Ordnungspolizei allumfassend?

    Es ist für mich so unbegreiflich, wie Polizisten, die vor Kriegsbeginn bzw im Reich ihren normalen Dienst verrichteten, derart mordend durch die besetzten Gebiete zogen.



    Offiziersenkel

  • Hallo Offiziersenkel


    Ein Artikel aus der Welt, in dem es einen Menschen geht die nicht mitgemacht hat!

    https://www.welt.de/kultur/his…n-mordeten-in-Lidice.html


    Es wurde bis jetzt nicht ein Beleg dafür gefunden dass irgendwer dafür bestraft wurde der nicht mit gemacht hat!

    Es haben mit Sicherheit viele nach Belege dafür gesucht, es wäre der Beweis für den "Zwang" gewesen, den viele Täter angegeben haben!


    Eine sehr gute Quelle zum Komplex Vernichtung von Menschen durch die Nazis in Weissrussland ist das Buch Kalkulierte Morde von Christian Gerlach!

    Das habe ich schon öfter hier als Quelle angeben!


    Gruß Arnd

  • Hallo Offiziersenkel,


    zum Einstieg in diese komplexe Materie kann ich Dir das Buch von Christopher Browning "Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillion 101 und die "Endlösung" in Polen", empfehlen.

    Es gibt davon preiswerte TB-Ausgaben.


    Beste Grüsse

    atlantis

  • Hallo atlantis,


    was denn, bitte, ist an dieser Materie komplex? Es gab viele Tatbeteiligte unterschiedlicher Nationalitäten, aber immer unter Anleitung der NSDAP-Führerkanzlei in Berlin. Die Mörder kamen aus allen Berufen, sie erlagen einer Ideologie, die Andersdenkenden, Andersgläubigen und Andersaussehenden das Existenzrecht absprach, sie als Untermenschen sah. Etliche von ihnen konnten nach dem Kriegsende beachtenswerte Karrieren in der Politik erreichen. Die Literatur hierziu ist fast unendlich. Aber, atlantis, ich verstehe Dich schon.


    Herzliche Grüße


    Hors

  • Hallo Horst,


    vielen Dank für Deine Anmerkungen. Nach meiner Erfahrung mit "Themeneinsteigern", zu denen ich im Bereich "Orpo " auch eher Offiziersenkel verorte (ohne ihm nahezutreten wollen), ist diese Materie für "Anfänger" durchaus komplex.

    Ich beschäftige mich seit dem Beginn meines Geschichtsstudiums vor nun 45 Jahren(=O) u.a. auch mit dieser Facette des 3. Reichs. Dabei war es auch für mich an Anfang schwer zu verstehen, wie "banal" das "Böse" in jedem "normalen" Bürger zum Ausbruch kommen kann.....


    Mit nachdenklichen Grüssen

    Ingo

  • Hallo Offiziersenkel & Interessierte


    ...

    Gab es eigentlich aktiven Widerstand gegen diese Massenerschießungen und Morde an Zivilisten? Oder war der Kadavergehorsam in den Reihen der Ordnungspolizei allumfassend?

    ...

    Ganz so einfach, wie Ingo/Atlantis bereits anmerkte, ist das Thema letztendlich dann doch nicht. Der Begriff facettenreich trifft es eher.


    Vielleicht als kleine Anmerkung meinerseits zu deiner durchaus berechtigten und auch interessanten Frage.

    Sämtliche Quellen sollten grundsätzlich auch kritisch hinterfragt werden. Das gilt ebenfalls für besonders gute wissenschaftliche Arbeiten. Der Vorgang einer kritischen Reflexion sollte somit keineswegs pauschal negativ behaftet sein.


    Fakt ist, eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung zum Thema Befehlsverweigerung und Widerstand in der dt. Ordnungspolizei fehlt bis heute. In der bisher veröfftlichen Fachliteratur war das Thema immer nur eine Randerscheinung (siehe dazu u.a. Klemp, Nicht ermittelt, 2. Auflage, S.55-66). Die Verbrechen waren, sind und bleiben natürlich übermächtig, das steht bei der Fragestellung von Offiziersenkel aber auch gar nicht zur Debatte.


    Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und behaupte: Natürlich gab es Selbstzweifel, Befehlsverweigerung, Widerstand und Strafe, in unterschiedlichen Formen, auch in der dt. Ordnungspolizei. Hier muss auch eine Gegenfrage erlaubt sein. Warum eigentlich nicht? Es war ganz sicher nicht die Regel, aber wir stolpern, wenn auch selten, während unserer Forschungsarbeit immer wieder mal über Strafversetzungen, Degradierungen, Demütigungen etc.


    Um das Thema ein wenig voranzubringen zitiere ich mich jetzt mal selbst aus einem anderen Forumsthread:


    "Beispiel 1

    Polizeibataillon 307 (Lübeck) – Erschießung von 100 bis 200 Juden bei Klitschew oder Goroditschtsche im September/Oktober 1941:

    Im September oder Oktober 1941 führte die 2.Kompanie eine weitere Aktion gegen Juden im Raum Bobruisk und Mogilew durch, und zwar in Klitschew oder Gorodischtschi. Dabei wurde die Ortschaft umstellt, die jüdischen Männer, Frauen und Kinder wurden zusammengetrieben, aus der Ortschaft herausgefahren und zu einer Grube gebracht. Der Zugwachtmeister gab einem Angehörigen des 4.Zuges der 2.Kompanie den Befehl, sich zum Erschießen der Juden zu melden. Als dieser das ablehnte, erklärte jener, er werde ihn zu einer Sonderaufgabe heranziehen. Durch zwei Absperrkommandos an der Grube war eine Flucht unmöglich. Die Juden mussten sich zu jeweils 5 bis 6 Personen mit dem Gesicht zum Exekutionskommando aufstellen und wurden durch eine Salve erschossen, so dass sie rückwärts in die Grube fielen. Wer nicht sofort tot war, erhielt einen Fangschuss. Da die Getöteten kreuz und quer übereinander fielen, erwies sich die Grube als zu klein. Der Angehörige des 4.Zuges, der zu schießen sich geweigert hatte, wurde nun dazu eingeteilt, mit der Stange die toten Menschen zu ordnen und gerade zu legen, damit die Grube mehr Leichen fassen konnte.

    (Quelle: Ausstellungskatalog d. Landespolizei Schleswig-Holstein, "Das Polizeibataillon 307 (Lübeck) im Osteinsatz 1940-1945", S.17)


    Beispiel 2

    Polizeibataillon 91 – Judenexekution in der Nähe von Wolkowysk 1942:

    „Nachdem ich am 1.2.1942 von Grodno zurückgekehrt war, fand in der Nähe von Wolkowysk eine Exekution statt. […] Ich bin bei dieser Exekution nicht zugegen gewesen, da ich nicht eingeteilt worden war. […] Zu der Auswahl der Männer kann ich nur soviel sagen, dass zu diesen Exekutionen, wenigstens im Anfang, die Leute des 1.Zuges bestimmt wurden. Später fand man, nachdem sich die Leute an das Blutbad gewöhnt hatten, genug Freiwillige. […]

    Nach der oben geschilderten Exekution, und zwar in dem Zeitraum zwischen 1.2. und 31.3.1942, fand die zweite mir bekannte Exekution in der Nähe von Wolkowysk statt. Die Kompanie musste antreten. Ahrens forderte 20 Freiwillige für eine beabsichtigte Exekution. Es meldete sich bei seiner Aufforderung keiner. Ahrens wiederholte seine Forderung. Erst nach nochmaliger Wiederholung gingen die ersten Arme zaghaft hoch. Die 20 Mann kamen aber nicht zustande, so dass Ahrens sinngemäß sagte: „Wenn es also so nicht geht, dann muss ich bestimmen.“ Daraufhin ging er an der Front der angetretenen Kompanie entlang und wählte nach Gutdünken die Leute aus. Als er in meine Höhe gekommen war, machte ich eine Bewegung des Versteckens, weil ich unter allen Umständen vermeiden wollte, an einem Exekutionskommando teilzunehmen. Ahrens hatte das sofort erkannt. Er fragte nach meinem Namen, den ich ihm nannte. Daraufhin teilte er auch mich zu dem Exekutionskommando ein. Spontan bat ich ihn, von meiner Teilnahme absehen zu wollen, da ich nicht in der Lage sei, auf wehrlose Menschen zu schießen. […]

    Ahrens nannte mich unter anderem eine feige Memme und ähnliches. Er warf mir unsoldatisches Verhalten vor usw. Erst als Meister Neubauer ihm etwas zuflüsterte, das ich nicht verstehen konnte, erklärte er sich einverstanden, mich vom Exekutionskommando zwar freizustellen, aber um mich hart zu machen, befahl er, dass ich unmittelbar vor dem Loch (Massengrab) Posten zu fassen hatte. Gegen diesen Befehl habe ich nichts mehr unternommen. Es ging Ahrens vermutlich nur darum, mir zu zeigen, dass ein Soldat alles tun muß, was ihm befohlen wird. Abschließend sagte er abfällig: „Der ist ja nicht wert, selbst dahin gestellt zu werden!“, womit er meine Unbrauchbarkeit für „harte Einsätze“ unterstreichen wollte.“

    (Quelle: Klee, Dreßen, Rieß, „Schöne Zeiten – Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer“, S.80)


    Beispiel 3

    Aussage eines SS-Hauptscharführers und Kriminalangestellten (Außenstelle Gorlice des Grenzpolizeikommissariats Jaslo) über eine Judenexekution in der Nähe von Jaslo 1942:

    „Eines Morgens, vermutlich im Sommer 1942 oder im Herbst, erhielt ich von Friedrich den Befehl, mit ihm nach Jaslo zu fahren. […] Von dort sind wir in einer Kolonne mit etlichen Fahrzeugen in eine Ortschaft in der Nähe von Jaslo, jedenfalls im Bereich des Grenzkommissariats Jaslo, gefahren. […] Meines Wissens haben wir uns ohne längeren Aufenthalt im Ort zu einer Stelle außerhalb der Ortschaft begeben, wo eine längliche Grube ausgehoben war. […] Nachdem die Exekution der Juden schon begonnen hatte […] wurde ich durch irgendjemand zu Raschwitz [Leiter des Grenzpolizeikommissariats Jaslo; d. Hrsg.] zitiert. Raschwitz, der zu diesem Zeitpunkt schon stark angetrunken war, erteilte mir den Befehl, zur Grube zu gehen und dort mit meiner Pistole Juden zu erschießen. Ich habe es ihm gegenüber aber abgelehnt, diesem Befehl nachzukommen, und mich zur Begründung meiner Ablehnung einfach darauf beschränkt zu sagen, ich mache das nicht. Raschwitz hat mich dann sehr beschimpft. Ich erinnere mich noch an den Ausdruck „ostmärkisches Schwein“, den er mir gegenüber gebrauchte. Außerdem gebrauchte er meines Wissens die Formulierung „Feigling“ und weitere Schimpfworte.“

    (Quelle: Klee, Dreßen, Rieß, „Schöne Zeiten – Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer“, S.81)


    Einen weiteren interessanten Fall beschreibt Stefan Klemp im Buch „Nicht ermittelt“, 2. Auflage, S.61. Es geht dort um einen Polizeioffizier und Kompaniechef im Polizeibataillon 306. Dieser weigerte sich eine Erschießungen von 800 russischen Kriegsgefangenen vorzunehmen in einem Waldstück zwischen Lublin und Lemberg im Nov. 1941. Weiterhin legte er Beschwerde bei einem ihm bekannten SS-Führer ein. Daraufhin wurde er in die Heimat versetzt und in seiner Wohnung verhaftet. Anschließend folgte ein Gerichtsverfahren wegen Wehrkraftzersetzung und Befehlverweigerung vorm SS- u. Polizeigericht. Das Urteil lautete Gefängnisstrafe, welches aber nicht rechtskräftig wurde und die Einweisung ins KZ Buchenwald.


    Man sieht also, es gab unterschiedliche Arten einer Bestrafung. Man konnte und kann in einer Diktatur auch anders psychischen Druck ausüben. Zum Thema Gruppenzwang und –dynamik von Tätern im Zweiten Weltkrieg gibt es ebenfalls sehr interessante Lektüre. Zu empfehlen wäre hier das Werk von Harald Welzer „Täter - Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden“. Er zeigt, wie auf beunruhigender Weise Tötungsbereitschaft erzeugt wird und wie wenig der eigenen moralischen Überzeugung zu trauen ist."

    (Quelle: Konzentrationslager)


    Beste Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Hallo,


    vielen Dank Policeman für deine Ausführungen.

    In der Tat habe ich bzgl der Orpo nur rudimentäre Kenntnisse. Allerdings bin ich stiller Mitleser im Orpo Forum. Was mir dort immer auffiel: in (nahezu) jedem Thread über dieses oder jenes Bataillon/Regiment werden Verbrechen behandelt. Auch wenn ich für mich beanspruche - zumindest im Vergleich zu meinen Altersgenossen - mir ein solides Wissen über den zweiten Weltkrieg (auch und insb über den Holocaust) angelesen zu haben, so war für mich die Orpo nie im Fokus dieser Vernichtungsmachinerie.


    Gab es zB auch auf höheren Führungsebenen der Orpo Widerstand?


    Grüße,


    Offiziersenkel

  • Hallo Offiziersenkel,


    keine Sorge, ich glaube da bist du nicht der Einzige. Denn es ist bis heute ein sehr spezielles Thema geblieben, besonders in den Köpfen der breiten Bevölkerung, trotz bisher zahlreicher erschienener Fachbücher, gezeigten Ausstellungen und sogar einer Fernsehdokumentation. Beispielhaft wären da zu nennen:


    Fachbücher (Auswahl):

    Heiner Lichtenstein, Himmlers grüne Helfer (1990)


    Christopher Browning, Ganz normale Männer (1992)

    Übrigens 2020 neu erschien, um ein Kapitel erweitert.

    https://www.amazon.de/Ganz-nor…anz&qid=1603476977&sr=8-2


    Stefan Klemp, Nicht ermittelt (2005)

    Mittlerweile gibt es zwei Auflagen. Beide sind vergriffen und somit nur noch gebraucht erhältlich.


    Wolfgang Curilla schrieb insgesamt drei Bücher zum Thema:

    Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrussland 1941-1944 (2006)

    https://www.amazon.de/deutsche…lla&qid=1603476102&sr=8-3

    Der Judenmord in Polen und die deutsche Ordnungspolizei 1939-1945 (2011)

    https://www.amazon.de/Judenmor…lla&qid=1603475968&sr=8-1

    Die deutsche Ordnungspolizei im westlichen Europa 1940-1945 (2019)

    https://www.amazon.de/deutsche…lla&qid=1603476131&sr=8-2


    Fernsehdokumentation:

    Hitlers Polizei (2012)

    Abrufbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=GNMyVPPe4Ec


    DVD:

    Das radikal Böse (2014)

    Siehe dazu hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_radikal_B%C3%B6se_(Film)

    Trailer unter: https://www.youtube.com/watch?v=bgvUxrEDL28

    Was ich nochmal damit sagen will? Der Otto Normalverbraucher setzt bis heute nicht zwangsläufig Polizei im NS-Staat mit Verbrechen zusammen. Rudimentäres Wissen reicht dazu einfach nicht aus und das ist auch keine Schande. Jeder weiss, dass das Interesse zur NS-Zeit zusehens erlischt, besonders bei der jungen Bevölkerung.


    ...

    Gab es zB auch auf höheren Führungsebenen der Orpo Widerstand?

    ...

    Um auch in Zukunft nach Antworten auf deine Frage zu suchen, müssten wir zuerst einmal genauer definieren, was mit höherer Führungsebene gemeint ist? Ich würde daher vorschlagen die Dienstränge einzugrenzen, vielleicht ab Major aufwärts. Ist aber nur ein Vorschlag meinerseits.


    Eine interessante, wenn auch zwiespältige Persönlichkeit war z.B. der Kommandeur der Gendarmerie im Distrikt Lublin, Oberstleutnant d.Gend. Ferdinand Hahnzog. Als klassischer Widerständler gilt er allerdings nicht.


    Siehe dazu einführend hier:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Hahnzog


    Aktuell fällt mir spontan noch folgende Frage zum Thema ein. Inwieweit waren eigentlich höhere OrPo-Offiziere am Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 beteiligt?


    Beste Grüße

    Danie

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

    Edited once, last by Policeman ().

  • Hallo Interessierte

    ...

    Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und behaupte: Natürlich gab es Selbstzweifel, Befehlsverweigerung, Widerstand und Strafe, in unterschiedlichen Formen, auch in der dt. Ordnungspolizei. Hier muss auch eine Gegenfrage erlaubt sein. Warum eigentlich nicht? Es war ganz sicher nicht die Regel, aber wir stolpern, wenn auch selten, während unserer Forschungsarbeit immer wieder mal über Strafversetzungen, Degradierungen, Demütigungen etc.

    ...


    Um meine obigen Anmerkungen weiter zu untermauern, werde ich in Zukunft weitere Beispiele von Ordnungspolizisten aufführen, welche sich gegen die Grundsätze des NS-Staates schuldig gemacht hatten und auch bestraft wurden, gemäß der Anfrage von Offiziersenkel. Sämtliche nachfolgende Fallbeispiele, unabhängig welchen Dienstranges, gebe ich nur in gekürzter Form wieder.


    Meister der Schutzpolizei Oswald Bouska, geboren 1907 in Wien, SS-Mitglied, wurde im Juli 1940 zum Kommando der Schutzpolizei Krakau abgeordnet. Während dieser Zeit übte er als SS-Untersturmführer die Funktion des stellv. Polizeichefs im Stadtbezirk Podgorze aus, in dem sich auch das jüdische Ghetto befand. Er erkannte das verbrecherische System und freundete sich im Ghetto mit einem polnischen Apotheker an, half daraufhin Juden und Polen, besorgte fettreiche Lebensmittel, informierte über anstehende Razzien und schläuste zahlreiche Juden aus dem Ghetto, um sie vor der Deportation zu schützen. Anfang 1944 hatte B. weiterhin ein geheimes Liebesverhältnis zu einer Polin. Um der bevorstehenden Einberufung zur Front zu entgehen, tauchte B. während eines Genesungsurlaubes mit seiner Geliebten und zwei jüdischen Kindern unter. Nach zufälliger Entdeckung wurde er wegen Kriegsverrats, Fahnenflucht und Urkundenfälschung durch das SS- und Polizeigericht IV Krakau zum Tode verurteilt. Am 18. September 1944 wurde er im KZ Groß-Rosen erschossen. Bouska wurde 1964 von der Gedenkstätte Yad Vashem sogar der Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen.

    (Genthner/Huth, Knochenmänner, S. 332-334)


    Der Gendarm Karl Holl hatte während des Krieges polnischen KZ-Angehörigen und Zwangsarbeitern trotz strengsten Verbots immer wieder Unterstützung zuteil werden lassen. Im Jahr 1944 wurden die Vorfälle durch Anzeige beim SS- und Polizeigericht Posen zur Anklage gebracht. Durch den Vormarsch der Sowjets kam es allerdings zu keiner Verhandlung mehr und H. wurde einer Gendarmerie-Strafkompanie zugeteilt. Während eines sinnlosen Einsatzes verlor er seinen rechten Unterarm und schied somit als aktiver Gendarm aus der Gendarmerie aus. Nach dem Krieg berief sich H. auf drei Polen, eine Frau und zwei Pfarrer, die seine Unterstützungstätigkeiten während seines Einsatzes im Raum Lodz bestätigen könnten.

    (Genthner/Huth, Knochenmänner, S. 345)


    Kurt Müller, geboren 1888 in Pommern, Angehöriger der TN bzw. TeNo (einem Zweig der dt. OrPo) in Königsberg, war von Juni 1944 bis Ende April 1945 Häftling in den Straflagern Danzig-Matzkau, Hersbruck und in Dachau. Er hatte sich geweigert am „Abbruch einer russischen Ortschaft“ teilzunehmen und schrieb daraufhin Reichsminister Lammers einen Brief. Anschließend wurde er wegen regierungsfeindlicher Kritik, militärischen Ungehorsams und unerlaubter Entfernung zu einem Jahr Straflager verurteilt.

    (Genthner/Huth, Knochenmänner, S. 346)


    Sanitäts-Oberwachtmeister Robert Jung, geboren 1915 in Wien, nahm mit einem Polizei-Bataillon am Polenfeldzug teil. Er erklärte dazu später, „dass er „keinen Hehl daraus“ gemacht habe, dass er das rücksichtslose und grausame Vorgehen mancher Polizeifunktionäre gegen die polnische und jüdische Bevölkerung sowie Erschießungen missbilligt habe, weshalb man ihm einen Kameradendiebstahl untergeschoben habe“. Nachdem er in Breslau vor ein SS- und Polizeigericht gestellt, zu einem Jahr Straflager verurteilt und aus dem Polizeidienst ausgestoßen wurde, kam er zunächst ins Straflager Dachau, später nach Danzig-Matzkau. Im Sommer 1943 kam er als „politischer Strafhäftling“ ins KZ Neuengamme. Nach dem Krieg konnte er in Wien wieder in den Polizei-Dienst eintreten. Bald darauf bekam er Probleme, da es ihm nicht gelang, einen Nachweis zu erbringen, dass seine Verurteilung „auf Grund politischer Motive erfolgte“ und so wurde er 1951 erneut aus dem Polizeidienst entlassen.

    (Genthner/Huth, Knochenmänner, S. 347)


    Abschließend für heute möchte ich in diesem Zusammenhang auch nochmal an das Schicksal einiger Luxemburger Ordnungspolizisten erinnern, welche wegen Widerstandes gegen erlassener Befehle ins KZ eingeliefert wurden. Das waren nicht wenige, einige davon starben auch.


    Wäre übrigens schön, wenn das Thema nicht komplett einschläft. Ich bitte daher um weitere Beispiele, sollten sie mal zufällig entdeckt werden. Denn da geht nach meiner bisherigen Erfahrung noch mehr. ;)


    Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

    Edited once, last by Policeman ().

  • Guten Abend zusammen,


    mein lieber Daniel,

    Quote

    Wäre übrigens schön, wenn das Thema nicht komplett einschläft. Ich bitte daher um weitere Beispiele, sollten sie mal zufällig entdeckt werden.

    Klar wäre das schön,

    aber wissen nicht gerade wir beide, wieviele Mitglieder firm im Thema sind,

    wer sich überhaupt dafür interessiert, über ein entsprechendes Portfolio an vorhandenen Informationen verfügt?

    Sollten Ergänzungen kommen, der Personenkreis, der das leisten könnte, wäre bestimmbar.

    Ich liste die Namen jetzt nicht auf...


    Analog der Thematik Allg.SS ist auch der Bereich "Polizei" eine "Spielwiese" weniger,

    daran wird sich auch nichts ändern.

    Ein "Randthema", es fehlt oft das Wissen, um sich am Thema zu beteiligen,

    und wer nicht davon betroffen ist, z.B. Ahnenforschung, dem fehlt halt die Neugier etwas zu erfahren.


    Was bleibt sind die erstklassigen Informationen der Wenigen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen,

    Wissen bereit stellen, was es sonstwo nicht gibt.

    Kein Buch, keine "tolle" Inernetseite, aber das ist dir ja bekannt.


    Beste Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Thomas,


    mit der Aufforderung bzw. dem Augenzwinkern habe ich eigentlich die Experten (positiven Sinne) gemeint.


    Liebe Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Hallo Interessierte,


    hier noch ein Zufallsfund von heute Morgen.


    Der Meister der Gendarmerie Max Maurer, geboren 1891 in Bayern, und sein Dienstkollege Josef Kimmerling versteckten mit Hilfe der Bäuerin Anna Gnadl Ende April 1945 mindestens 13 jüdische KZ-Häftlinge und retteten sie somit vor dem sicheren Tod. Die SS hatte M. die Häftlinge zur Erschießung übergeben. M. wurde 1997 ebenfalls der Titel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen.

    (https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Maurer)


    Anmerkung: Hier wäre meines Erachtens aber noch die Kriegsverwendung der beiden Gendarmen zu überprüfen. Ob dies bereits im Zusammenhang mit der Verleihung des Titels geschehen ist, weiß ich leider nicht.


    Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Hallo,


    das folgende interessante Beispiel fand ich in meinem Privatarchiv. Den Namen des Polizei-Offiziers habe ich absichtlich anonymisiert. Bis heute ist nicht klar, ob Teile der Überlieferungen der Wahrheit entsprechen, sie müssten somit noch genauer übergeprüft werden.


    Der Hauptmann der Schutzpolizei Walter G. war bis 1935 Mitglied in der SPD und sollte daraufhin aus der Polizei entlassen werden, da er als politisch unzuverlässig galt. Sein Sohn teilte mir 2013 in einer Mail u.a. folgendes dazu mit:

    „Ein ehemaliger SS-SD-Mann hat mich vor Jahren auf meinen Namen angesprochen. Dabei ist herausgekommen, dass er und mein Vater angeblich mit Hilfe der Resistance im Elsass Juden in die Schweiz gebracht hätten. Dies ist mir von ehemaligen Resistance-Leuten dort bestätigt worden. Mein Vater hat (da war ich zufällig Zeuge) den Posten eines Lager-Kommandanten ausgeschlagen und musste dafür in den Osten. Nach seiner Verwundung fand er sich plötzlich im Stab von Himmler wieder. Und das, obgleich er 1933 Mitglied der SPD war und nur im Dienst bleiben durfte, weil er einen großen Nazi als Schwiegervater hatte, der für ihn gebürgt hat. Er hat dann seine Ablösung betrieben und landete als Major und Batl.-Kommandeur in Wien. Dort wurde er vom NKWD verhaftet und von einem sowjetischen Kriegsgericht wegen Kriegsverbrechen in der Sowjetunion zum Tode verurteilt. Wiener Juden haben ihn aus dem sowjetischen Gewahrsam befreit und in die britische Zone verbracht. Er hat eine Wiener Jüdin geheiratet. Beide haben auf mein Befragen stets gesagt: „Darüber reden wir nicht mehr.“ Mein Vater war kein Parteigenosse, obwohl er mehrfach dazu aufgefordert worden ist. Er war auch nicht in der SS.“


    Nach meinen bisherigen Recherchen ist es richtig, dass G. zumindest kurzzeitig im Osten eingesetzt wurde. Das Polizei-Bataillon ist mir ebenfalls bekannt. Seine Nachkriegsaufzeichnungen lassen auf Verbrechen schließen, die während seiner Einsatzzeit im Zuge der Partisanenbekämpfung in Weißrussland begangen wurden. G. hatte scheinbar (subjektiv meinerseits) damit Probleme. Des weiteren ist auch die Verwendung als Batl.-Kommandeur im Endkampf 1945 in Wien überliefert. Er war zumindest bis Ende 1941 nachweisbar auch kein NSDAP- und SS-Mitglied. Soweit zu den meinerseits bisher überprüften Angaben.


    Diese durchaus auf den ersten Blick abenteuerlich klingende Geschichte war und ist für mich wie ein kleiner Kriminalfall geworden. Leider bin ich aus Zeitmangel bis heute noch nicht dazu gekommen den Fall weiter hartnäckig zu verfolgen und somit ganz aufzuklären.


    Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Guten Tag, Thomas,


    ich empfinde Deine Anmerkung als, mit Verlaub, ziemlich überheblich. Sicherlich sind die Experten für das Thema „Widerstand bei der Orpo“ dünn gesät. Dennoch halte ich den Wunsch Daniels, das Thema nicht komplett zu vernachlässigen, für berechtigt. Ich z.B. bin ursprünglich auch über die von Dir etwas herablassend bezeichnete „Ahnenforschung“ hier im Forum gelandet. Aber natürlich habe ich mich, wie vermutlich viele „Ahnenforscher“, Zeit meines (Berufs)Lebens mit der NS-Zeit beschäftigt. Sollten mir im Zuge meiner Recherchen nicht nur zu meinem Vater Informationen über Widerstandshandlungen bei der Orpo unterkommen, so werde ich die selbstverständlich weitergeben.

    Freundliche Grüße,

    Hans-Joachim

  • Hallo Offiziersenkel, hallo Thomas, hallo Daniel, liebe Forumsgemeinde!


    Ich bin eben erst über diesen Thread gestolpert. Danke, Offiziersenkel, für die interessante Frage, die Du hier aufwirfst. Ich habe mich bis gerade eben durch dieses Thema gelesen.

    ich empfinde Deine Anmerkung als, mit Verlaub, ziemlich überheblich. Sicherlich sind die Experten für das Thema „Widerstand bei der Orpo“ dünn gesät. Dennoch halte ich den Wunsch Daniels, das Thema nicht komplett zu vernachlässigen, für berechtigt.

    Ich habe Thomas da komplett anders erlebt und verstanden. Letztlich hat er in meinen Augen nur sachlich festgestellt, dass es nicht viele Experten gibt, die sich in dieser Detailtiefe, die etwa Daniel hat, mit der Materie auskennen.


    Und letztlich, das denke ich mir bei der Lektüre dieses Threads, ist es ja auch egal, wie viele es sind. Und wenn sich nur eine Hand voll Leute in das Thema/in ein Thema wühlt, ist schon viel geschehen und erreicht.


    Ich kann und möchte ,den wenigen' sagen, dass durch ihre Arbeit trotzdem großes Interesse erwachsen und dass sie ein Ansporn sein kann für andere.


    Ich hatte die Woche telefonisch und per Mail Kontakt zu Daniel. Seine Arbeit und sein Wissen haben mich sehr beeindruckt. So etwas inspiriert und gibt dir selbst neue Anstöße.


    Mich haben die kleinen und großen Beispiele der Menschlichkeit in Zeiten der größten Unmenschlichkeit, die er hier aufführt, sehr bewegt. Speziell das von Oswald Bouska und sein Handeln im Krakauer Stadtbezirk Podgorze.


    Daniel ist einer ,der wenigen', von denen Thomas schreibt, aber dank seiner Arbeit und dieses Forums habe ich von diesen Geschichten erfahren. Einer ,der wenigen' hat damit - ausgelöst von Offiziersenkels Eingangsfrage - schon wieder sehr viel getan, um jemanden (und am Ende ja auch eine größere Öffentlichkeit) für ein vermeintlich abseitiges, eher unbekanntes Thema zu interessieren.


    Ich denke hier nicht an irgendwelche Hollywood-Tränendrüsen-Streifen, habe mir aber beim Lesen dieser kurzen Beiträge eines gedacht: Einige der Akteure wären für sich mit ihrer Geschichte einen Film oder ein Buch wert.


    Hier haben ,im Kleinen' die menschliche Vernunft, das Herz, Mitgefühl und der Mut über die Gewissenlosigkeit, den Gehorsam und das brutale System dahinter triumphiert.


    Hier im Forum habe ich davon erfahren.


    Danke Daniel, für Deine Arbeit! Und danke allen weiteren Mitgliedern, Hans-Joachim, die sich hier noch einbringen.


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

    Edited once, last by Evergreen ().

  • Guten Tag ans Forum,


    "Offiziersenkel", einen Vornamen zu nennen fände ich nett.


    Was ich an bisherigen Beiträgen verfolgt habe, geht es ja nicht um "Verbrechen der Ordnungspolizei" im Allgemeinen, sondern um das Nichtbeteiligen (vom "Enkel" als aktiver Widerstand angefragt) von Polizeiangehörigen an den Verbrechen innerhalb ihrer Polizeieinheiten. Die Verbrechen der Ordnungspolizei als solche sind tatsächlich ein sehr umfangreiches Thema. Das Nichtbeteiligen daran, was nicht gleichbedeutend mit aktivem Widerstand dagegen war, lässt sich meiner Meinung nach als "Teil des Ganzen" präziser diskutieren.

    Die Schwierigkeit liegt meiner Meinung nach darin begründet, Nichtbeteiligen und Beteiligen voneinander abzugrenzen und besonders auf den Grenzbereich einzugehen. Denn beispielsweise eine Erschießung an nachgeordnete Funktionsträger zu delegieren, mag zwar den Namen eines Polizeiangehörigen "rein gehalten" haben und ihm in einem Nachkriegsprozess Vorteile eingebracht haben, aber dadurch ist es kein Nichtbeteiligen oder sogar Widerstand gewesen. Daniel hat die grundsätzliche Problematik der Abgrenzung bereits am Beispiel von Walter G. angesprochen.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter


    ,

    (PH)

  • Guten Tag zusammen,


    ich möchte hier ein paar Dinge klarstellen!


    Frank,


    Quote

    Ich habe Thomas da komplett anders erlebt und verstanden.

    Letztlich hat er in meinen Augen nur sachlich festgestellt, dass es nicht viele Experten gibt, die sich in dieser Detailtiefe, die etwa Daniel hat, mit der Materie auskennen.genau so war es auch gemeint,

    wer sich intensiv mit der Geschichte der Polizei, analog dazu mit der Geschichte der SS, beschäftigt,

    zum Thema ins Detail gehende Fragen stellt,

    der kann im Grunde nur Antworten von den Mitgliedern erwarten,

    die sich eben auch schon lange, ebenfalls intensiv, mit dieser Thematik beschäftigen.


    Und Frank,

    deine Art hier im Forum aufzutreten gefällt mir sehr gut,

    du bist freundlich, versuchst immer einen guten Ton anzuschlagen,

    versuchst selbst hier zu vermitteln....alles gut.

    Aber, nur um dir deine weitere Beteiligung im Forum zu erleichtern,

    du musst nicht als Advokat des Admins auftreten,

    ich mach das schon so lange, glaub mir, ich kann mit solchen Wortmeldungen wie von Mardesche umgehen,

    null Problem.8)


    "Mardesche", Hans-Joachim,


    "überheblich", Herablassend", was soll das?

    Ich sehe es wie Frank, du hast meinen Post absolut nicht verstanden,

    das Forum lebt natürlich auch von all den Fragen der "Ahnenforscher", denen, meiner Meinung nach, auch hier immer und immer wieder geholfen wird.

    Wer von all den Ahnenforschern kann Detailfragen zur Polizei, Allg.SS, beantworten?

    So gut wie keiner, das wird auch gar nicht vorausgesetzt, weil es eben ein Randthema ist,

    ein Randthema, das nur wenige Leute beackern.

    Die meisten haben noch nie Berührungspunkte mir der Polizei oder der SS gehabt.


    Jetzt hier ein Fass aufzumachen, "Ahnenforscher",

    die vielleicht mal in ihrer Recherche mit der Polizei in Berührung kommen,

    könnten bei diesen speziellen Fragen helfen, halte ich für otopisch, an der Sache vorbei.

    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo,


    um wieder zum Thema zurückzukehren ein weiterer Fall.


    Der Gendarm Paul Mayer, geboren 1896 in Roseheim, versteckte zusammen mit seiner Frau drei Jahre lang von 1942 bis 1945 eine nicht verwandte Jüdin in ihrer Wohnung direkt über dem Gendarmerie-Posten Lenggries. Die Gedenkstätte Yad Vashem zeichnete M. und seine Frau daraufhin 1969 ebenfalls als "Gerechte unter den Völkern" aus. 1979 erhielten sie sogar das Bundesverdienstkreuz.

    (https://www.br.de/radio/bayern…aul-mayer-chaussy122.html)


    Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Hallo,


    all diese besonders lobenswerten Rettungsaktionen einzelner Menschen lassen trotzdem den Schluss zu, dass (diesen*) die Tatsache der Tötung der Juden klar war.


    Gruß Karl


    * Ich habe bewusst " diesen" geschrieben, da in diesem Falle die Beweislage klar sein dürfte.

  • Guten Abend ans Forum,


    zur Rassenvernichtung, besonders die der Juden, stellte sich nach dem Kriegsende auch die Frage nach der Kollektivschuld der Deutschen. Denn die Sieger waren über die Leichenberge in den Konzentrationslagern so entsetzt, dass sie von der scheinbar selbstverständlichen Voraussetzung ausgingen, das gesamte deutsche Volk habe von den Ermordungs- und Vernichtungsaktionen Kenntnis haben müssen. Es habe also keine Unkenntnis über die Massenvernichtung gegeben, sondern lediglich die Verdrängung derselben. Eine Folge dieser Einschätzung war offensichtlich das sofort spürbar härtere Verhalten der Siegen gegenüber der deutschen Zivilbevölkerung und den deutschen Kriegsgefangenen.

    Der Umfang der moralischen Kollektivschuld ist nicht mit der juristischen Individualschuld zu verwechseln. Besonders der Ordnungspolizei gelang es nach dem Krieg einer kollektiven Schuldzuweisung zu entgehen, da sie nicht als "verbrecherische Organisation" eingestuft wurde. Und was die juristische Aufarbeitung und Verfolgung der Individualschuld betrifft, so hat Klemp das zutreffend ausgedrückt: "Nicht ermittelt".


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)