Kampfraum Frankfurt/Oder - Fuerstenberg, Februar - April 1945

  • Hallo Roland,


    vielen Dank für diese Hinweise, sind mir schon bekannt.

    Ich hoffte, dass im Tagebuch ev. noch andere Hinweise wären.


    Mal kurz noch nee andere Frage.

    Bei welchem Standesämtern wurde das Todesdatum

    eines Soldaten gemeldet?


    Für Eure Hilfe wäre ich sehr dankbar.


    Schöben Gruß

    Helmut

  • Hallo Helmut,


    der Todesfall wurde m. W. immer an das Standesamt des letzten Wohnortes gemeldet

    und dort beurkundet.

    In deinem Fall ist aber eher unwahrscheinlich, dass noch irgendeine Dienststelle solche

    Meldungen machen konnte.

    Die Sterbefälle wurde in 1945 häufig auch in den Orten beurkundet, in dem die Gefallenen

    aufgefunden wurden.

    Spätere Todeserklärungen durch Gerichte wurde meist an den Geburtsort und wenn bekannt

    an den letzten Wohnort übermittelt. Falls diese Orte sich in Deutschland befanden.


    Gruß Roland

    Als ich hätte fragen sollen, war ich zu jung.
    Als ich hätte fragen wollen, waren Sie zu alt.

  • Hallo Roland,


    danke für den Hinweis. Habe alles schon versucht.

    Bin dann wohl am Ende meiner Suche.


    Wünsche Euch weiter vielen Erfolg bei

    Eurer Arbeit.


    Gruß Helmut

  • Hallo Helmut,


    Unwahrscheinlich anzunehmen, aber Koenig wird tatsaechlich im Tagebuch erwaehnt. Der Eintrag vom 15. Februar 1945 beschreibt die Umstaende unter denen K. gefallen ist.


    Hier der Text der betreffenden Seite.


    "Bei uns ist jede Menge Artillerie und Werfer aufgefahren. 6:55 Uhr beginnt der Feuerschlag. Tausende Granaten wuehlen

    in Wiesenau den Boden auf, die Haeuser werden zerschmettert. Um 7:00 Uhr beginnt der Angriff. Von Norden und Sueden

    gleichzeitig wird der Ort angegriffen. Wir liegen noch in Stellung. In der Waldzunge habe ich mich eingenistet und schiesse

    auch nach Wiesenau. Im Norden und Sueden kommt der Angriff anfangs vorwaerts, bleibt dann im Feuer der russ. Scharf-

    . schuetzen und der Granatwerfer liegen. Nachmittag um 14:30 Uhr beginnt der Angriff von neuem. Diesmal tritt auch das

    Pi.Btl. an. Das Btl. besteht meist aus Russen und Ungarn und der Erfolg ist demnach. Der Kp. Fuehrer, die Zug- und

    Gruppenfuehrer weit voraus. Es sind Reichsdeutsche und die Maenner bleiben liegen, weil Scharfschuetzenbeschuss ist.

    Der Angriff bleibt liegen. Die Chefs und der Kdr. Hstuf. Koenig treiben noch einmal die Maenner vor, mit der M.P. hinterher

    treiben sie die 'SS Maenner' vor. Der Adj. muss mithelfen, die SS vortreiben. Armes Deutschland, so gewinnen wir den Krieg

    bestimmt nicht. Es wird Nacht, Wiesenau ist nicht gewonnen worden. So werden wir es nie bekommen. Schweres Granatwerferfeuer

    erstickte den Angriff im Keime. Viel Blut ist heute geflossen. Der Kdr., der Adj. und der Chef der der 1. Kp. des Pi.Btl. ist gefallen.

    Der Spiess der Kp. ist gefallen. Und die Haelfte der Maenner ist gefallen. Nur, weil die Maenner keine Lust haben. Abends ziehen

    wir uns zurueck. Die Infanterie igelt sich ein." --- [Unterstreichungen. von W.]


    Gruss Gert

  • Hallo Gert,


    vielen Dank für die Auszüge.

    Deckt sich mit meinen Unterlagen.

    Eine Frage bleibt noch, ob er am 14. Feb. oder 15. Feb. gefallen ist.


    Danke nochmal für Deine Hilfe.


    Gruß Helmut

  • Hallo Nikolay,


    Noch ein paar Bemerkungen zum Kraftwerk. Das von Dir angehaengte Foto zeigt dieses zu der Zeit, als es noch nicht ganz fertiggestellt war, also im Jahre 1923. Es war damals und auch danach eines der groessten Kraftwerke in ganz Deutschland, bekannt als "Grosskraftwerk Finkenheerd". Nach 75 Jahren seines Betriebes wurde es 1996 stillgelegt und 1998 voellig abgerissen und dem Erdboden gleichgemacht. Damit verlor Brieskow-Finkenheerd etwas, das dem Ort sein besonderes Gepraege gegeben hatte und zu seinem stolzen Wahrzeichen geworden war, naemlich die gewaltigen und weithin ins Land ragenden sechs 100 m-hohen Schornsteine. Was der Krieg nicht fertiggebracht hatte, schaffte nun der Friede.Welch Ironie!


    P.S. Interessanterweise gibt es einen Tagesbefehl des Befehlshabers der Heeresgruppe Weichsel, Reichsfuehrer-SS Heinrich Himmler, vom 8. Februar 1945, in dem er ausdruecklich den besonderen Schutz des Kraftwerks anordnet. Diese Vorsorge erwies sich jedoch bald als unnoetig, denn wie es sich ergab, wurde das Werk weder von der russischen Infanterie noch deren Artillerie je angegriffen. Ausserdem gab es gegen Artilleriebeschuss sowieso keinen Schutz.


    Gruss Gert

  • Guten Abend, Gert.


    Vielen Dank, dass Sie Ihre Erinnerungen mit mir teilen.

    Es ist sehr interessant, Informationen von einem direkten Augenzeugen der Ereignisse zu erhalten.

    Das Foto des Kraftwerks wurde als Anhang zum KTB der russischen 33. Armee im April 1945 gefunden.

    Daher denke ich, dass das Foto im April 1945 und nicht 1923 aufgenommen wurde.


    Viele Grüße Nikolay

  • Hallo Nikolay,


    Das Foto muss dann also nach der russischen Einnahme von Brieskow-Finkenheerd, die am 16. April 1945 stattfand, aufgenommen worden sein. Man sieht darauf, dass es trotz der Kampfhandlungen in der Gegend unbeschaedigt geblieben war.


    Gruss Gert

  • Hallo Freunde!


    Als nachtraegliche Information zu dem im Tagebuch unter dem 15. Februar 1945 erwaehnten Dorf Wiesenau hier folgende Beschreibung [die Quelle liegt mir momentan leider nicht vor]:


    "In Wiesenau gab es Tote nicht nur waehrend der erbitterten, wochenlangen Kaempfe im Fruehjahr 1945, sondern auch noch Wochen nach Kriegsende kamen viele Zivilisten zu Tode. Der Ort wurde am 7. Februar 1945 von der sowjetischen Armee besetzt, in dem Dorf befanden sich noch etwa 500 Einwohner, die von der Einnahme ueberrascht wurden. Bereits in den ersten Tagen wurden 19 Zivilisten erschlagen oder erschossen, ihre Leichen blieben meistens bis zum Herbst unbestattet liegen. Viele Frauen wurden vergewaltigt, einige erlagen den Misshandlungen. Einwohner begangen in ihrer Verzweiflung Selbstmord."


    Hierzu moechte ich noch eine persoenliche Bemerkung anknuepfen. Die in obiger Darstellung aufgefuehrten grausigen Dinge haetten damals genauso auch in meinem Heimatort Brieskow-Finkenheerd geschehen koennen, denn die Entfernung von dort nach Wiesenau betrug ja nur weniger als 3 km. Dass dies aber nicht geschah, war nur dem rettenden Umstand zu verdanken, dass die Brieskower Zivilbevoelkerung am 6. Februar 1945, schockiert von einem ploetzlichen russischen Artilleriebeschuss des Ortes in der Nacht zuvor, voller Angst auf die Flucht gegangen war, darunter auch meine Mutter und ich, und dass die ersten russischen Angriffe auf Brieskow zunaechst abgewehrt werden konnten. Selbst heute noch, wenn ich mich daran erinnere, bin ich dem Schicksal dankbar, dass es damals nicht schlimmer gekommen war.


    Gruss Gert