Diskussionsthread zum Besuchsbericht der Gedenkstätten Auschwitz

  • Danke für deine Einschätzung. So pauschal war meine Antwort natürlich keinesfalls gewollt und auch nicht beabsichtigt. Sorry, wenn das so verstanden wurde. In meiner Aufgebrachtheit hätte ich mich vielleicht doch klarer und sensibler ausdrücken sollen, vielleicht auch müssen.

    Hallo Daniel!


    Danke für Deine Rückmeldung! Alles gut! Aufgebrachtheit bringt es eben manchmal mit sich sich, dass die Klarheit oder Sensibilität auf der Strecke bleibt. Ich denke, es gibt Situationen, da ist das mehr als nachvollziehbar. So etwas lässt sich im Austausch ja wieder einordnen oder erklären - auch deswegen wollte ich noch einmal "Laut geben".

    Bis heute halte ich seinen neunstündigen Dokumentarfilm "Shoah" für absolut unerreicht, so ganz ohne authentische Fotos und zeitgenössisches Filmaterial auszukommen und trotzdem zu fesseln. Hat mich persönlich sehr beeindruckt und geprägt, in meiner Arbeit, in meinem Hobby. Auf Grund der zahlreichen Interviews von Opfern und Tätern, teils auch mit versteckter Kamera, ist das Werk ein einzigartiges Filmdokument.

    Claude Lanzmann und "Shoah": Ja, ich habe schon den einen oder anderen Artikel über ihn und den Film gelesen. Sein Werk steht seit geraumer Zeit auf meiner "Filmliste". Ich bin allerdings bis heute nicht dazugekommen, diese neun Stunden zu investieren. Es wird Zeit - das denke ich mir beim Lesen Deines Beitrags gerade wieder.

    Denn ich habe z.B. 2015 negative Erfahrungen in den Gedenkstätten Majdanek und Treblinka gemacht, mit israelischen Jugendgruppen (Enkelgeneration), zu denen ich jetzt lieber nichts sagen möchte.

    Bitte fühl´ dich zu nichts verpflichtet! Ich denke, wir wissen alle, dass Du über jeden Zweifel erhaben bist; und wir könnten alle einordnen, in welchem Zusammenhang Du diese Erlebnisse hier schildern würdest. Vor diesem Hintergrund würde es mich tatsächlich interessieren, was Deine Erfahrungen 2015 waren. Insbesondere, weil dahinter ja möglicherweise auch wieder eine Botschaft oder ein Auftrag an uns alle liegen könnte, nicht nachzulassen im Kampf gegen den Antisemitismus und Vorurteile, die es auch uns Nachkriegsgenerationen gegenüber noch gibt.


    Oder gingen Deine Erlebnisse in eine ganz andere Richtung?


    Viele Grüße, schönen Sonntag!


    Frank/Evergreen

  • Hallo Frank,


    zu Lanzmanns "Shoah":

    Empfehlenswert sind defintiv ruhigere Stunden, damit man sich voll und ganz auf die Bilder und auch auf die Untertitel einlassen kann, wenn machbar natürlich ohne Störung. Ich hatte Teile, etwa um die 2000er rum, nachts im Fernsehen gesehen. Ruhe pur also. Mich hatte damals die doch recht geschickte Interviewführung Lanzmanns, die Reaktionen der Befragten darauf, dermaßen gefesselt, nicht schockiert, dass ich kein Auge zumachen konnte und es zu Ende sehen musste. Dementsprechend problematisch war natürlich das morgentliche Aufstehen, um pünktlich auf Arbeit zu sein. Aber egal, es hatte sich gelohnt und mich selbst ein ganzes Stück weitergebracht. Mittlerweile kann man das Werk relativ günstig als DVD oder sogar auf Bluray erwerben. Damals konnte ich davon nur träumen. Ich hatte für meine VHS-Kassetten (gebraucht) über 100 €uro bezahlt. Wie sich die Zeiten doch ändern. Mittlerweile habe ich die DVD-Studienausgabe von arte im Schrank zu stehen, im Vergleich dazu viel günstiger.


    Zu meinen Erfahrungen mit jungen israelischen Besuchergruppen in Polen:

    Nein, mit Antisemitismus hatte das nichts zu tun. Es ging in eine ganz andere Richtung. Vielmehr meine ich das Benehmen von Holocaust-Nachfahren (Enkelgeneration) aus Israel auf dem Gelände der Gedenkstätten. In mir warf das zwangsläufig weitere Fragen auf, die eher israelische Tagespolitik betreffen. Totz allem war diese Erfahrung sehr verstörend, bis heute.


    Ich schreib dir sehr gern dazu eine PN; von mir aus kann man auch kurz telefonieren, offen im Forum möchte ich das aber nicht diskutieren, ist nicht böse gemeint.


    Beste Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

    Edited 2 times, last by Policeman ().

  • Hallo Thomas,


    zwischenzeitlich habe ich mir das hier angesehen.

    Das Panorama-Intervier ist durchaus objektiv moderiert worden und da kommt einige Aussagen, die mich aus dem Sessel hochreißen, vor:


    In Auschwitz habe es keine Gaskammer gegeben, nein, aber das Perfides war ja die Duschen dafür zu mißbrauchen;


    In Auschwitz tätig gewesene habe die Vergasungen nicht bestätig, sondern ganz was Anderes gesagt haben, sie hätten dort Bordellzuweisungen ausgestellt, na ja, wenn man mich fragen würden, ob ich der Verbrecher bin, der eine Wohnung viel zu teuer vermietet, könnte meine Antwort heißen "Nein, ich sitze den ganzen Tag da und rechne." Ich bin nämlich der Verbrecher, der die Betriebskostenabrechnung schickt!


    Es läge aus Amerika eine Beurteilung vor, wonach mit Zyklon B so viele Menschen nicht töten könne, die hätte ich gerne gesehen;


    Sie habe auf ihre Anfrage nicht einmal vom Zentralrat der Juden keine Antwort erhalten, na ja, wenn ihre Anfrage so neben der Sache war, wie ihre o.a. Ausführungen, dann kann sie natürlich lange warten, bis sie eine Antwort erhält;


    Sie ist ja wegen Volksverhetzung angeklagt worden, ihre ewig langen Ausführungen dazu belastet dieses Interview, die soll dem Strafgericht überlassen, ob sie diesen Tatbestand erfüllt hat. M. E. schon und man kann mit dieser Frau nicht vernünftig diskutieren: Es habe in Auschwitz keine Gaskammer gegeben, folglich (?) war Auschwiz ein reines Arbeitslager. (so, so?) und das sehr großes Krematorium?


    Gruß Wolfgang

  • Hallo,

    da fällt mir ein das ich vor einigen Jahren einmal irgendwo gelesen hatte,

    der Gestank in und um Ausschwitz käme davon das die IG Farben dort chemische

    Stoffe produziert hat und dadurch der fürchterliche Gestank entstanden wäre.

    Man kann natürlich alles irgendwie erklären damit es für solche Menschen passt.


    Vor drei Jahren war ich im KZ Mathhausen und ich muss sagen das mich dieser Besuche

    doch tief beeindruckt hat. Wer schon einmal dort war, man kommt den Berg rauf durch einen kleinen

    Wald und sieht das imposante Hauptgebäude, das ist sehr beeindruckend.

    Bei meinem Besuch war der Steinbruch selbst nicht zugänglich, war aber auch so ziemlich erschütternd.


    Als ich vor vierzig Jahren mit der Schule in Dachau war muss ich ehrlich zugeben hat mich das wenig beeindruckt.

    Wie es eben meist bei 14 oder 15 jährigen so ist werden zum Teil dumme Spässe gerissen und der eine

    will den anderen noch überbieten. War auch alles irgendwie so "unscheinbar", gab keine grossartige

    Erklärung bzw. Führung, gut dann gabs noch den Film im KZ, aber die meisten von uns hatten wohl andere

    Dinge im Kopf und sahen nur so nebenbei zu.


    Vielleicht sollte ein Schulbesuch von ganzen Klassen bereits auch vorher im Unterricht irgenwie besser

    vorbereitet werden. Mehr darauf eingegangen werden, den Schülern die ganze Sachlage näher gebracht

    werden.


    Bei meinem Besuch in Mauthausen sah ich auch einige Schulklassen, war alles zu einem grossen Teil für

    die ziemlich lustig oder zumindest nebensächlich, war halt für die meisten eine Schulveranstaltung.


    servus

    uwys

    Keine Macht den doofen!

  • Moin,


    ich möchte vorschlagen, dass wir diese verirrte Person, Fr. H., nicht weiter an unserem Diskussionsthread teilhaben lassen. Sie ist keinerlei Erwähnung wert, auch keine Verlinkung o.ä.


    Viele Grüße,

    Justus

  • Lieber Justus,


    ich möchte vorschlagen, dass wir diese verirrte Person, Fr. H., nicht weiter an unserem Diskussionsthread teilhaben lassen. Sie ist keinerlei Erwähnung wert, auch keine Verlinkung o.ä.

    Völlig richtig, zumal wir da ja in der aktuellen Politik bewegen würden und das dürfen wir nach der LdW-Regel #2 nicht.


    Gruß Wolfgang

    Edited once, last by Lobito060454: Ergänzung der LdW-Regelnr ().

  • zu Lanzmanns "Shoah": Empfehlenswert sind defintiv ruhigere Stunden, damit man sich voll und ganz auf die Bilder und auch auf die Untertitel einlassen kann, wenn machbar natürlich ohne Störung. Ich hatte Teile, etwa um die 2000er rum, nachts im Fernsehen gesehen. Ruhe pur also. Mich hatte damals die doch recht geschickte Interviewführung Lanzmanns, die Reaktionen der Befragten darauf, dermaßen gefesselt, nicht schockiert, dass ich kein Auge zumachen konnte und es zu Ende sehen musste. Dementsprechend problematisch war natürlich das morgentliche Aufstehen, um pünktlich auf Arbeit zu sein. Aber egal, es hatte sich gelohnt und mich selbst ein ganzes Stück weitergebracht.

    Hallo Daniel!


    Danke für Deine kurze Rezension und Deine Erfahrungswerte! Ich werde und muss mir das Werk anschauen! Allein die ruhigeren Stunden... ;) Das war und ist bei einem solchen Filmprojekt tatsächlich ein Problem. Drei kleine beziehungsweise heranwachsende Kinder, der Job, der Alltag - da musst du dir diese neun Stunden vor dem Fernseher erst einmal freischaufeln und hart erkämpfen. Aber: Es gibt für alles einen Vorwand und eine Entschuldigung. Wird und muss klappen - danke!


    Zu meinen Erfahrungen mit jungen israelischen Besuchergruppen in Polen: Nein, mit Antisemitismus hatte das nichts zu tun. Es ging in eine ganz andere Richtung. Vielmehr meine ich das Benehmen von Holocaust-Nachfahren (Enkelgeneration) aus Israel auf dem Gelände der Gedenkstätten. In mir warf das zwangsläufig weitere Fragen auf, die eher israelische Tagespolitik betreffen. Totz allem war diese Erfahrung sehr verstörend, bis heute.


    Ich schreib dir sehr gern dazu eine PN; von mir aus kann man auch kurz telefonieren, offen im Forum möchte ich das aber nicht diskutieren, ist nicht böse gemeint.

    In Ordnung! Auch das respektiere ich! Ich würde mich über eine PN freuen - und wenn es nur zum Austausch von Telefonnummern ist.


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

  • Moin,


    diese unsägliche Figur ist völlig zu Recht Dauergast in deutschen Knästen, wobei Besserung auszuschließen ist. Ich teile die Auffassung von Justus, diese hochgradige Revisionistin in den weiteren Beiträgen nicht zu erwähnen.


    Beste Grüße

    Horst

  • Hallo Justus,


    ich hatte Fr. H. deswegen erwähnt, weil sie bis Heute den Holocaust leugnet und Auschwitz als "Arbeitslager" bezeichnet.


    Auch bin ich einverstanden, sie nicht mehr zu erwähnen.

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Hallo Eisenbahner Gerd,


    die unsinnigen Argumente der Frau H. kriegt Ihr doch klein, Ihr wißt doch wann und wer nach Auschwitz transportiert wurde und umgekehrt wann und wer hat Auschwitz verlassen.


    So und nun ist genug über dieses ärgerliche Weibstück geschrieben.


    Gruß Wolfgang

  • Hallo,


    hier habe ich ein Artikel, wer die Kampfmittelbeseitigung zahlt, erst einmal der Grundstückseigentümer!

    Dann die Länder und schließlich der Bund.


    Wer ein Haus bauen will, sollte über diesen Artikel nachdenken.

    Kampfmittelbeseitigung kann richtig ins Geld gehen, also vor dem Grundstückskauf abklären, was da drin liegen könnte.


    Gruß Wolfgang

  • Guten Tag zusammen,


    Wolfgang,


    magst du uns allen erklären, was der Kampfmittelräumdienst,

    oder zukünftige Häuslebauer mit diesem Thema, Auschwitz, zu tun haben?


    Danke.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo zusammen,


    Es gibt mehr Informationen.


    Freigegebene historische Dokumente: https://function.mil.ru/news_p…tm?id=12006359@egNews#txt

    (Leider nur in russischer Sprache und im JPEG-Format. Diese Dokumente existieren nicht auf Deutsch.)


    Dokumentarfilm 1945:

    Sowjetischer Film: https://www.net-film.ru/film-56993/?search=1940-1945ft3|4

    Material Nr 1329: http://www.archiv-akh.de/filme#1291


    Nachkriegsdokumentarfilme:

    Material Nr 1438: http://www.archiv-akh.de/filme#1117

    Material Nr 1777: http://www.archiv-akh.de/filme#1427

    Material Nr 1778: http://www.archiv-akh.de/filme#1428

    Material Nr 1779: http://www.archiv-akh.de/filme#1429

    Material Nr 1780: http://www.archiv-akh.de/filme#1430

    Material Nr 1781: http://www.archiv-akh.de/filme#1431

    Material Nr 1788: http://www.archiv-akh.de/filme#1436

    Material Nr 1789: http://www.archiv-akh.de/filme#1437

    Material Nr 1790: http://www.archiv-akh.de/filme#1438

    Gruß Dmitry

  • Hallo zusammen,


    ich möchte in diesem Thema auf die bei Youtube verfügbare Dokumentation -> Alex Deutsch - Ich habe Auschwitz überlebt (2007) hinweisen, die (fast) das ganze Leben eines Holocaust-Überlebenden erzählt.


    Der Wahl-Saarländer -> Alex Deutsch hat bis zuletzt Vorträge über sein (Er-)Leben vor Schülern gehalten und auch bei Veranstaltungen im Gelände des ehemaligen Lagers Neue Bremm bei Saarbrücken gesprochen.


    Dass man trotz einer solchen Vergangenheit in der Lage ist, später wieder ein zumindest äußerlich "normales" Leben zu führen, ist für mich eine unglaubliche Leistung.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo Stefan,


    ähnlich verhält es sich mit den Erinnerungen der noch lebenden Österreicherin Gertrude Pressburger. Ich habe es als Hörbuch gehört und war besonders beeindruckt von dem festen Willen, sich von Ausschwitz nicht das Leben nehmen zu lassen. Während der KZ-Zeit, aber vor allem auch danach.
    Ich habe seit meinem Besuch im Oktober so viel gelesen, dass der eigentliche Thread arg ins Stocken geraten ist.

    Einige Texte sind fertig. Aber es ist schwer, sie in die richtigen Reihenfolge zu bringen.

    Demnächst also mehr. Und vielen Dank für Deinen Beitrag!


    Liebe Grüße,

    Justus

  • Guten Abend Stefan, guten Abend Justus!


    Vielen Dank für Eure Beiträge!


    So, wie Justus an Gertrude Pressburger denken musste, kam mir sofort Max Mannheimer in den Sinn, der 2016 im Alter von 96 Jahren in München gestorbene Holocaust-Überlebende.


    Auch er trat bis wenige Monate vor seinem Tod unermüdlich als Mahner und eindringlicher Erzähler auf. Bei unzähligen Besuchen an Schulen - viele davon hier in der Oberpfalz - rief er vor allem jungen Menschen die Schrecken der Nazi-Herrschaft in Erinnerung. Er tat das, was mich immer wieder aufs Neue sehr beeindruckt hat, ohne Vorwurf und Anklage an die jungen Generationen.

    Dass man trotz einer solchen Vergangenheit in der Lage ist, später wieder ein zumindest äußerlich "normales" Leben zu führen, ist für mich eine unglaubliche Leistung.

    Mannheimer - das passt in diesen Kontext - hat gesagt beziehungsweise geschrieben: ,Ich hatte keinen Hass auf die Deutschen. Hatte nie Hass empfunden. Er ist meinem Wesen fremd. Ich weiß, dass es eine Utopie ist, die Menschen verbessern zu wollen. Dennoch glaube ich an das Gute im Menschen. Trotz allem.'


    Es ist so ziemlich das kraftvollste ,trotz allem', das ich je gelesen habe.


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen