Diskussionsthread zum Besuchsbericht der Gedenkstätten Auschwitz

  • Hallo,


    vor Ostern lege ich noch einen nach, auch wenn es manchen sicherlich schon nerven wird. ;)

    Aber keiner Sorge, dies wird mein letzter Beitrag zum Thema Wirths sein, es sein denn, es liegen in Zukunft neue verwertbare Forschungsergebnisse zur Person vor.


    Da in den letzten Beiträgen von Onkel Horst, Rote Kapelle und Jockel überaus großer Wert auf eine wissenschaftliche Rezension gelegt wurde, nehme ich jetzt mal kurz Abstand von Völkleins Arbeit und Kramers dazugehöriger Rezension und wende mich daher ebenfalls einer wissenschaftlichen Rezension zu, nämlich der vom Historiker Sven Keller.


    Dieser kommt in seinem Resumee zu Beischls Arbeit, welche u.a. von Rote Kapelle als Quelle angegeben wurde, zu einer ambivalenten Erkenntnis, und dass obwohl der Buchautor Wirths „zweifellos zu den größten Massenmördern der NS-Zeit“ zählte.


    Selbst Keller sprach in seiner Rezension aus dem Jahr 2006 von einer nur „schwer aufzulösenden Ambivalenz, die den Standortarzt von Auschwitz kennzeichnet“. Weiterhin stimmte er auch „sehr eingeschränkt“ zu, dass Wirths „widerwillig am Vernichtungsprozess mitarbeitete, Verbesserungen für die Häftlinge erreichte und letztlich nur in Auschwitz blieb, um Schlimmeres zu verhüten“.


    Siehe: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-8207


    Ergänzend dazu möchte ich auch noch auf die zahlreichen Ausarbeitungen einer „wirklichen“ Auschwitz-Expertin hinweisen, der polnischen Historikerin Danuta Chech, welche Eduard Wirths und Arthur Liebehenschels Handlungen in der Vergangenheit wesentlich differenzierter betrachtet und ihre Verqickungen zum Lager-Widerstand (Kampfgruppe Auschwitz) veranschaulicht, die bis heute leider nicht wirklich untersucht wurden.


    Siehe dazu exemplarisch:

    Chech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945 etc., weitere Arbeiten von Chech wurden übrigens auch von Völklein verwendet


    Wo genau liegt jetzt eigentlich das Problem in dieser Forums-Kontroverse?


    In den geforderten bzw. gewünschten Desideraten von Kramer und Keller (Stichwort: Abhängigkeitsverhältnis der Funktionshäftlinge Langbein, Lill usw.), die bis heute nicht erschienen sind und auf die wir womöglich nochmal 15 Jahre warten werden, falls wie oben bereits angemerkt, sich einer ihrer Forscherkollegen dem überhaupt jemals annehmen wird?


    In der nicht rezepierten bzw. beachteten Forschungsliteratur, u.a. von Karin Orth, zu der Keller interessanterweise in der Fußnote angemerkt hatte, dass „die Standortärzte in ihrer gruppenbiografischen Studie zum Führungspersonal der Konzentrationslager nicht berücksichtigt“ wurden? Gegenfrage: Warum also dann berücksichtigen, wenn die SS-Standortärzte gar nicht drin vorkamen?


    Des weiteren beleuchtete bis heute niemand kritisch Handlungsweisen der Historiker im Allgemeinen. Es fehlen Studien zur ihrer politischen Gesinnung, Partei-Nähe, Wahlverhalten und der daraus resultierenden Motivation beim Erarbeiten von wissenschaftlichen Texten, Auftragsarbeiten usw. Eine spannende und durchaus berechtigte Frage, gerade zu besonders brisanten Themen, zumal wir danach ihre Arbeiten besser einordnen könnten (Stichwort: Transparenz, durchaus zu vergleichen mit Lobbyarbeit bei Politikern). Mir ist selbstverständlich klar, dass das nicht erwünscht ist. Aber es ist trotzdem ein Punkt der grundsetzlich hinterfragt werden sollte. Denn unvoreingenommen, neutral und ausgewogen zu arbeiten ist nicht so selbstverständlich, wie viele hier glauben.


    Trotz allem schöne Ostern & beste Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

    Edited 2 times, last by Policeman ().

  • Tag allerseits,


    1. November 1944

    Himmler befiehlt, die Vergasung der Juden in Auschwitz einzustellen und die Spuren zu verwischen.


    26. November 1944

    Himmler ordnet die Zerstörung der Gaskammern und Krematorien in Auschwitz an (Czech, Auschwitz-Birkenau, S. 934).


    Grüße

    Bert

  • Tag allerseits,


    27. Januar 1945

    Auschwitz wird von sowjetischen Truppen befreit; etwa 7.000,
    meist kranke Lagerinsassen, die den Todesmärschen entgangen sind, werden noch vorgefunden
    (Czech, Auschwitz, S. 994 f.).


    7.-9. Mai 1945

    Kapitulation Deutschlands vor den Westalliierten in Reims am
    7. Mai und am 9. Mai im sowjetischen Hauptquartier in Berlin.
    Nach Schätzungen überlebten innerhalb Deutschlands ca. 20.000
    Juden, davon etwa 15.000 – 17.000 ohne unterzutauchen (zumeist
    in Mischehen) und 3.000 – 5.000 im Untergrund. Etwa 10.000 weitere deutsche Juden überlebten im Ghetto Theresienstadt oder
    anderen Konzentrationslagern (EH I, S. 342; EH II, S. 785 f.; EH III, S. 1403 f.).


    Grüße

    Bert

  • Guten Tag,


    der israelische Gedenktag an die Opfer des Holocaust, Yom haScho'a, beginnt dieses Jahr am Abend des 7. April.


    In Deutschland beteiligen sich die jüdischen Gemeinden am Gedenken an die mehr als sechs Millionen Ermordeten mit digitalen Gedenkfeiern, aber auch mit Präsenzgottesdiensten und sonstige Veranstaltungen.


    Am 8. April um 10 Uhr ertönen für zwei Minuten im ganzen Land Israel die Sirenen. Währenddessen wird alle Arbeit angehalten, Fußgänger bleiben stehen, Autos halten am Straßenrand, und alles steht still, um den Opfern des Holocaust Respekt zu zollen.


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Hallo Daniel!



    Leider komme ich erst heute dazu, auf deine umfangreichen Eingaben zu antworten. In vielem sind wir anderer Meinung. Dessen ungeachtet respektiere ich deine Bemühungen, uns deinen Standpunkt nachvollziehbarer darzulegen.


    Wenn ich mich in meiner Antwort auf ein paar wesentliche Aspekte beschränke, dann deshalb, weil ich A) mit Blick auf den Threadtitel wenig inhaltlich beizutragen vermag und dir B) deine Meinung selbstverständlich zugestehe. Es war zunächst auch gar nicht meine Absicht, an der Diskussion teilzunehmen. Ich tat es, weil Horsts wichtiger Hinweis durch eine Reihe von Beiträgen überlagert zu werden drohte, die diesem Thema das inhaltliche Gleichgewicht zu nehmen schienen. In diesem Sinne hoffe ich, mit diesen Zeilen meinen Standpunkt hinreichend dargelegt zu haben und den Themenstrang wieder seiner eigentlichen Bestimmung überlassen zu können. Nun denn:


    Deine Einordnung wissenschaftlicher Rezensionen teile ich nicht. Entgegen deiner Implikationen erfüllen sie wichtige Aufgaben in der fachwissenschaftlichen Diskussion, dazu gehört auch die Verortung von Forschungsbeiträgen in einem wissenschaftlichen Umfeld. Da sie inhaltlichen und formalen Regeln folgen, sind sie mit einfachen Meinungsäußerungen nicht vergleichbar. Ich empfinde es daher auch als befremdlich, wenn du Mitglieder implizit dafür kritisierst, solche Rezensionen einzubringen oder sich darauf zu stützen, obwohl sie dadurch zur inhaltlichen Ausgewogenheit dieses Themenstrangs wesentlich beitragen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund deiner Literaturempfehlung, die wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügt.


    Freilich entbindet das alles den Rezipienten nicht davon, sich kritisch mit einem Thema bzw. einer Rezension auseinanderzusetzen. Niemand ist frei von Fehlern.


    Deine Zweifel an der Reputation von Frau Kramer als NS-Täter Forscherin sind für mich ebenfalls nicht nachvollziehbar. Würdest du dein Missfallen substanziieren, könnte man darüber sachlich diskutieren, so aber liest es sich wie ein argumentum ad hominem. Aus dem von dir eingebrachten Link geht nicht nur eindeutig hervor, dass die NS-Täterforschung ein Arbeitsschwerpunkt Kramers war, sondern auch ihre Beschäftigung mit SS-Ärzten in Auschwitz im Allgemeinen und Wirths im Besonderen. Oder anders ausgedrückt: Kramer forschte genau zu jenem Thema, das Völklein durch seine Arbeit bereichern wollte. Hier hat also eine Expertin inhaltlich Stellung genommen. Deinem Urteil folgend bemisst sich die Expertise einer Person aber offenbar streng an der Zahl ihrer Veröffentlichungen und nicht an deren fachlicher Rezeption. Nur so wird deine Empfehlung von Völkleins Wirths-Biografie verständlich, die du ungeachtet deiner eigenen Feststellung - Völklein wäre nicht nur zu Wirths in der Kritik gestanden - aussprichst.


    Das eigentliche Problem ist jedoch ein ganz anderes: Unabhängig von Frau Kramers wie auch immer gearteter Reputation steht ihr belegtes Urteil. In keinem deiner Beiträge gehst du konkret auf eine der zahlreichen - durch Fußnoten belegten - Vorwürfe ein. Doch nur so wird ein Schuh daraus!


    Quote

    Obwohl ich ja selbst bekennender Ernst Klee-Fan bin, wenn man das so sagen kann, muss ich bei Klees Quellenkritik trotzdem leicht schmunzeln. Denn gerade Klee hat in einigen seiner Arbeiten, besonders den frühen, auch nicht gerade immer mit streng wissenschaftlicher Quellenarbeit geglänzt...


    Was hat das alles mit Klees Hinweis zu tun? Klee führt in seiner von mir zitierten Arbeit als Beleg eine Auskunft des damaligen Archivleiters des FBI an. Wieder richten sich deine Zeilen gegen eine Person, anstatt inhaltliche Aspekte in den Blick zu nehmen. Dass du dann noch “bekennender Ernst-Klee-Fan" bist, lässt deine Argumentation in keinem guten Licht erscheinen.

    Quote

    Deine Aussagen suggerieren, dass der Nachlass von Wirths im Archiv nicht existent war bzw. noch ist. Mittlerweile befindet sich der Nachlass der Familie aber im Besitz des Fritz-Bauer-Instituts. Oder irre ich mich da?


    Offenbar liegt heute der Nachlass Wirths’ im FBI, wie aus deinem Link hervorgeht. Vor einigen Jahren war das scheinbar noch nicht der Fall. Das ist ja das Schöne an Belegstellen. Sie lassen sich nachprüfen.


    Quote

    In den geforderten bzw. gewünschten Desideraten von Kramer und Keller...



    Keiner “forderte oder wünschte” ein Desiderat, das ergäbe auch wenig Sinn. Frau Kramer benannte ein Desiderat und folgte damit einer Zielsetzung der wissenschaftlichen Rezension. Indem sie noch zu erbringende Leistungen in einem Forschungsfeld akzentuiert, schafft sie ein Bewusstsein für Forschungslücken.

    Quote

    Des weiteren beleuchtete bis heute niemand kritisch Handlungsweisen der Historiker im Allgemeinen.


    Das ist falsch. Zwei Beispiele in unserem Kontext: Groß, Dominik; Nebe, Julia (Hrsg.): Forschung zwischen Freiheit und Verantwortung. Die wissenschaftshistorische Perspektive, Kassel 2018 bzw. Schulin, Ernst: Deutsche Geschichtswissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1965), Berlin 2009


    Quote

    Mir ist selbstverständlich klar, dass das nicht erwünscht ist. Aber es ist trotzdem ein Punkt der grundsetzlich hinterfragt werden sollte.

    Es ist gerade diese, deine Argumentation der es an Unvoreingenommenheit, Neutralität und Ausgewogenheit mangelt. Die Geschichtswissenschaft verfügt über einen Methodenapparat, der uns die Überprüfbarkeit wissenschaftlicher Theorien und Interpretationen gestattet. Das macht den Prozess transparent und erlaubt eine stete Korrektur oder Ergänzung bestehender Forschungsergebnisse.


    MfG

    Whoever saves one life, saves the world entire.
    Talmud Jeruschalmi

    Edited once, last by Rote-Kapelle ().

  • Hallo zusammen,


    Wilhelm Brasse war ein polnischer Häftling, der in Auschwitz für die SS 40 bis 50 Tausend ankommende Häftlinge für die Lagerkartei fotografieren musste. In seinen Erinnerungen "Der Fotograf von Auschwitz" beschreibt er u.a. auch seine Tätigkeit für den Vorgesetzten aller Ärzte in Auschwitz, Dr. Eduard Wirths:


    Dr. Wirths hatte im Frauenlager Birkenau all jene Frauen auf einer Liste notiert, die unterschiedliche Augenfarben hatten. Brasse und seine Kollegen sollten nur die Augenpartien fotografieren.


    Wilhelm Brasse konnte es kaum ertragen unter welchen Bedingungen die Frauen und Mädchen dort leben mussten. Bis zu zehn Frauen mussten sich eine Schlafpritsche teilen. Es gab Läuse in einer Menge, die sie sich gegenseitig nicht mehr entfernen konnten.


    Vom Wachpersonal wurden sie ständig misshandelt und von Dr. Wirths wurden medizinische und chirurgische Experimente selbst durchgeführt oder angeordnet.


    Einen dieser Versuche musste Wilhelm Brasse fotografisch dokumentieren. In diesem Fall musste der jüdische Häftlingsarzt Dr. Maximilian Samuel die präzisen Anweisungen von Wirths ausführen.


    Es war Anfang 1944, als die erste Gruppe von fünf jüdischen Mädchen und jungen Frauen, die alle aus Griechenland stammten, von Wilhelm Brasse dokumentiert wurden.


    Anweisung von Dr. Samuel an Wilhelm Brasse: "Sobald ich die Frau narkotisiert habe, kannst du dich mit deiner Kamera neben mich stellen. Ich werde der Frau die Gebärmutter entnehmen und du wirst sie fotografieren."


    Von dreißig Frauen musste Wilhelm Brasse auf diese Art die Gebärmütter fotografieren. Später erfuhr er, daß die Frauen nach diesen Eingriffen ermordet worden waren.


    Experimente an Gefangenen führten Dr. Wirths und andere Mediziner in Auschwitz auch gegen Honorar und im Auftrag der Arzneimittelfirma Bayer durch. An Flecktyphus- und Tuberkulose-Erkrankten probierten sie neue, noch nicht zugelassene Medikamente aus und infizierten gezielt Frauen mit Krankheitserregern, um an ihnen die Wirkung neuer Medikamente zu testen.


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

    Edited 8 times, last by jockel55 ().

  • Hallo zusammen,


    Gisella Perl war eine jüdische Gynäkologin, die im Mai 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort als Häftlingsärztin eingesetzt wurde.

    Aus ihren Erinnerungen "Ich war eine Ärztin in Auschwitz":


    Von den etwa dreißigtausend Insassinnen aus Lager C wurden siebenhundert Frauen selektiert und in den Block VII getrieben. Wir wussten nicht, ob wir die Auserwählten bemitleiden oder beneiden sollten.


    Etwa vier Wochen später wurden die Ärztinnen des Hospitals in den Block geschickt. Der Anblick, auf den wir bei unserem Eintreffen trafen, überstieg die furchtbarsten Erwartungen. Aus den Verschlägen längs der Wände sahen uns etwa sechshundert, von panischem Schrecken ergriffene, zitternde junge Frauen an, in ihren Augen ein stilles Flehen. Die übrigen hundert Frauen lagen am Boden, bleich schwach, in Lachen von Blut. Ihr Puls war kaum mehr fühlbar, ihr Atem ging angestrengt.


    Große, kräftige SS-Männer gingen von einer zur anderen, stachen gewaltige Nadeln in ihre Venen und beraubten ihre unterernährten, ausgemergelten Körper des letzten Tropfens Blut.

    Das deutsche Heer brauchte Blutplasma! Vergessen Rassenschande oder Kontamination mit "minderwertigem jüdischem Blut". Wir waren zu "minderwertig", um zu leben, doch nicht minderwertig genug, um das deutsche Heer durch unser Blut am Leben zu halten.


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Hallo zusammen,


    Dr. Miklós Nyiszli war Arzt und ungarischer Jude mit rumänischer Staatsbürgerschaft. Seine medizinischen Kenntnisse erwarb er vor allem an deutschen Universitäten.


    Ende Mai 1944 wurde er mit seiner Frau und der 15-jährigen Tochter in das KZ Auschwitz- Birkenau deportiert.


    Ende Juni 1944 wurde er von Lagerarzt Josef Mengele im Sektionsraum des Krematorium II eingesetzt.


    Aus seinen Erinnerungen "Ich war Doktor Mengeles Assistent":


    Jetzt verstehe ich, warum ich Zivilkleidung bekam! Zivilkleidung trägt das Sonderkommando, das Kommando der lebenden Toten.


    Mein Chef verdeutlicht der SS, dass ich dienstlich nur ihm, Dr. Mengele, unterstellt bin. Das SS-Personal des Krematoriums darf in keiner Weise über meine Person verfügen. Um meine Verpflegung kümmert sich die SS-Küche. Meine Kleidung und meine Wäsche kann ich aus dem Lager ergänzen und wechseln. Zum Rasieren und Haarschneiden kann ich den im Krematoriumsgebäude verfügbaren SS-Friseur beanspruchen.


    Neben meiner gerichtsmedizinischen und Laborarbeit bin ich verpflichtet, die zu den vier Krematorien gehörenden 120 SS-Angehörigen und die 860 Mitglieder des Sonderkommandos ärztlich zu betreuen. Die benötigten Medikamente, Instrumente und Verbandsmaterial stehen mir in ausreichender Menge zur Verfügung.


    Die Leichen eines zweijährigen Zwillingspaares liegen zur Obduktion vor mir. In der Zukunft soll, nach den irrsinnigen Rassentheoretikern des Dritten Reiches, jede deutsche Mutter Zwillinge gebären. Mengele: Ich brauche ordentliche Arbeit, denn wir leiten die Protokolle von hier weiter zum Rassenbiologischen und Anthropologischen Institut in Berlin-Dahlem.


    So erfahre ich, daß die hier stattfindenden Untersuchungen von einem der berühmtesten wissenschaftlichen Institute der Welt geleitet werden.


    Ich erhalte neue Zwillingsleichen. Vier Paare aus der Zwillingsgruppe des Zigeunerlagers werden gebracht, die noch nicht einmal zehn Jahre alt sind. Bei der Sektion lüfte ich das dunkelste ärztliche Geheimnis des Dritten Reiches. Hier wird also nicht nur mit Gas, sondern auch durch ins Herz injiziertes Chloroform gemordet!


    Die blutige Vergangenheit liegt schwer auf meinem kranken Herzen. Auf Befehl eines fanatischen, sich für ein Genie haltenden wahnwitzigen Arztes öffnete ich die Leichen von Hunderten von Opfern. Er wollte Nutzen ziehen aus dem Tod von Millionen Opfern für falsche, pseudowissenschaftliche Theorien. Ich schnitt das Fleisch aus den Körpern gesunder Mädchen für Dr. Mengeles Bakterienkulturen. Ich badete die Leichen von Krüppeln und Zwergen in Kalziumchlorid-Lösung und kochte sie in Bottichen, damit die sachgemäß präparierten Skelette in die Museen des Dritten Reiches gelangen konnten, um dort zukünftigen Generationen als Beweis für die Notwendigkeit der Ausrottung "niederer Rassen" zu dienen.


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Hallo zusammen,


    aus Rudolf Höß, Kommandant in Auschwitz, handschriftliche Aufzeichnungen während seiner Krakauer Untersuchungshaft:


    "Wie wirkte nun das gesamte Haftleben in Auschwitz auf die einzelnen Kategorien der Häftlinge?

    Für die Reichsdeutschen aller Farben war es kein Problem. Sie saßen fast ausnahmslos in "gehobenen" Stellungen, hatten dadurch alles, was sie für des Leibes Notdurft brauchten. Was sie auf reellem Wege nicht bekamen, "besorgten" sie sich. Nach dem Anlaufen der Juden-Aktionen gab es praktisch nichts mehr, was man sich hätte nicht besorgen können."


    Die jüdische Sängerin Fania Fénelon kam im Januar 1944 nach Auschwitz. Aus ihrem Buch "Das Mädchenorchester in Auschwitz":


    "Getreu ihrer Zersetzungspolitik zwingt die SS die Gefangenen, gegen ihre eigene Kameraden zu handeln. Blockälteste, Blockowa, Blockschreiberin, Kapo, Lagerälteste, Lagerkapo, Stubendienst sind lauter Posten, die man nur behält, wenn man seine vorgeschriebene Pflicht äußerst gewissenhaft und lobenswert erfüllt, sonst wird man in seine Ausgangsposition zurückgestuft und kann vergast werden."


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

    Edited once, last by jockel55 ().

  • Hallo zusammen,


    dieses Forum wird 75 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs als Wissensdatenbank von sehr Vielen genutzt. Das zeigt, wie tief die damaligen Ereignisse noch nachwirken. Was war das Besondere und Einzigartige an diesem Krieg? Warum wurde er von deutscher Seite mit einer solch aussichtslosen Konsequenz bis zur Selbstvernichtung geführt?

    Die Antwort ist wohl: Auschwitz, als Synonym für den Völkermord an den Juden!


    Sebastian Haffner "Anmerkungen zu Hitler":

    "Hitlers Massenmorde wurden im Krieg begangen, aber sie waren keine Kriegshandlungen. Vielmehr kann man sagen, daß er den Krieg zum Vorwand nahm, Massenmorde zu begehen, die mit dem Krieg nichts zu tun hatten, die ihm aber immer schon ein persönliches Bedürfnis gewesen waren. Die Vertilgung von Menschen, die für Hitler Ungeziefer waren, hatte mit dem Krieg nur insofern einen Zusammenhang, als der Krieg die Aufmerksamkeit davon ablenkte. Im übrigen war sie für Hitler Selbstzweck, nicht etwa ein Mittel zum Sieg oder zur Abwendung der Niederlage.

    Im Gegenteil, sie behinderte die Kriegführung, denn die Tausende von kriegstüchtigen SS-Männern, die jahrelang damit beschäftigt waren - alles in allem das Äquivalent mehrerer Divisionen -, fehlten an der Front, und die täglichen Massentransporte quer durch ganz Europa in die Vernichtungslager raubten der kämpfenden Truppe einen erheblichen Teil des knappen rollenden Materials, das sie dringend für ihren Nachschub brauchte. Außerdem machten die Mordaktionen, nachdem der Sieg nicht mehr errungen werden konnte, jeden Kompromißfrieden unmöglich."


    Peter Longerich "Davon haben wir nichts gewusst" aus Goebbels Tagebüchern:

    2.3.43

    "Göring ist sich vollkommen im klaren darüber, was uns allen drohen würde, wenn wir in diesem Krieg schwach würden. Er macht sich darüber keine Illusionen. Vor allem in der Judenfrage sind wir ja so festgelegt, dass es für uns gar kein Entrinnen mehr gibt. Und das ist auch gut so. Eine Bewegung und ein Volk, die die Brücken hinter sich abgebrochen haben, kämpfen erfahrungsgemäß viel vorbehaltloser als die, die noch eine Rückzugsmöglichkeit besitzen.“


    21.3.43:

    "Jedenfalls kommt es nicht in Frage, daß wir hier irgendwelche Kompromisse schließen, denn sollte das Unglück eintreten, dass wir den Krieg verlören, so würden wir nicht nur derohalben, sondern überhaupt absolut vernichtet werden. Mit einer solchen Möglichkeit darf man deshalb überhaupt nicht rechnen und muss seine Politik und Kriegführung darauf abstellen, dass sie niemals eintreten kann. Je konsequenter wir da vorgehen, umso besser fahren wir."


    22.3.43:

    "Die meisten unserer Zeitgenossen machten sich nicht klar, dass die Kriege des 20. Jahrhunderts Rassenkriege seien, und dass es in Rassenkriegen immer nur Überleben oder Vernichten gegeben habe, dass wir uns also klar darüber sein müssten, dass auch dieser Krieg mit diesem Ergebnis enden werde."


    Bernward Dörner "Die Deutschen und der Holocaust":


    "Die Deutschen kämpften verbissen weiter, obwohl die meisten nach der Niederlage in Stalingrad immer deutlicher erkannten, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Nationalismus, Antisemitismus, materielle Motive, Pflichtgefühl und Durchhaltewillen allein hätten als Gründe dafür wohl nicht ausgereicht. Die von den NS-Verbrechen ausgehende Racheangst war bei den Deutschen realer und größer als ihr Vertrauen in eine faire Behandlung durch die Alliierten im Fall einer Niederlage. Folglich hatten sie Angst vor dem Frieden."


    Sebastian Haffner "Von Bismarck zu Hitler":


    "Bereits Ende 1941, als sich zum ersten Mal die Möglichkeit des Scheiterns abzeichnete, hatte Hitler im Privatgespräch mit ausländischen Diplomaten geäußert:

    "Wenn das deutsche Volk einmal nicht mehr stark und opferbereit genug ist, sein Blut für seine Existenz einzusetzen, so soll es vergehen und von einer anderen, stärkeren Macht vernichtet werden. Ich werde dem deutschen Volk keine Träne nachweinen."

    Ein Ausspruch, der im Munde eines deutschen Staatsmann fürwahr einzigartig ist."


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

    Edited once, last by jockel55 ().

  • Hallo Rote Kapelle

    Ich tat es, weil Horsts wichtiger Hinweis durch eine Reihe von Beiträgen überlagert zu werden drohte, die diesem Thema das inhaltliche Gleichgewicht zu nehmen schienen. In diesem Sinne hoffe ich, mit diesen Zeilen meinen Standpunkt hinreichend dargelegt zu haben und den Themenstrang wieder seiner eigentlichen Bestimmung überlassen zu können.


    Um weiterhin für das „inhaltliche Gleichgewicht“ in diesem Thread zu sorgen fehlt mir eigentlich die Zeit und ehrlich gesagt auch die Nerven. Das war definitiv nie meine Intension. Diese Aufgabe überlasse ich in Zukuft gern anderen. Ein ausgewogenes inhaltliches Gleichgewicht? Nicht dein Ernst? Es wird hier mittlerweile ein Beitrag (SD-Berichte, Denkmal/Wirths, generell medizinische Verbrechen usw.) nach dem anderen gepostet, mal nebenbei gesagt, von Anfang an vollkommen an der Themenüberschrift des Threads (Besuchsbericht) vorbei, aber egal. Mittlerweile habe ich eh eher den Eindruck, hier gehts nur noch um eine Art von Wettbewerb, was mir an sich schon zu blöd ist. Übrigens habe ich hier nur reagiert und nicht agiert, falls noch jemand auf die grandiose Idee kommt mir das anzulasten. Das du vieles anders siehst, ok, damit kann ich leben. Aber hierzu muss ich noch etwas schreiben:


    Was hat das alles mit Klees Hinweis zu tun? Klee führt in seiner von mir zitierten Arbeit als Beleg eine Auskunft des damaligen Archivleiters des FBI an. Wieder richten sich deine Zeilen gegen eine Person, anstatt inhaltliche Aspekte in den Blick zu nehmen. Dass du dann noch “bekennender Ernst-Klee-Fan" bist, lässt deine Argumentation in keinem guten Licht erscheinen.


    Offenbar liegt heute der Nachlass Wirths’ im FBI, wie aus deinem Link hervorgeht. Vor einigen Jahren war das scheinbar noch nicht der Fall. Das ist ja das Schöne an Belegstellen. Sie lassen sich nachprüfen.


    Genau das ist doch das Problem! Es lässt sich nämlich in diesem Fall gar nichts nachprüfen. Klees damalige Quellenangabe war gemessen an wissenschaftlichen Standarts, auf die du viel Wert legst, unzureichend. Bei einer solch schweren Anschuldigung hatte er zum angeblich getätigten Telefonat kein Datum angegeben! Jetzt kann man es auch Korinthenkackerei nennen. So kann man aber leider nicht mehr nachvollziehen wann, wo, wie, was hingelangt ist. Im Nachhinein stellte sich seine Anschuldigung/Verdächtigung sogar noch als falsch heraus, was zusätzlich einen faden Beigeschmack hinterließ. Völkleins Buch ist 2005 erschien, Klees Anschuldigung 2013. Demnach liegen ganze acht Jahre dazwischen in denen viel passiert ist. Wann hat Klee also nun angerufen? Schwierig nachzuvollziehen oder? Das können wir uns jetzt so zurechtlegen wie wir es gerade brauchen. Mit Wissenschaftlichkeit hat das in meinen Augen nichts zu tun. Was aber nachhaltig übrig blieb, ist eine ungerechtfertigte Diskreditierung von Völklein in Sachen Quellenarbeit.

    Wenn man der Belegstelle weiter folgt, stößt man übrigens auch auf den Punkt, der das eigentliche Problem von Klee mit Völklein darstellt. Nämlich der gewählte Untertitel des Buches: "Vom Mitläufer zum Widerrstand". Klees Anmerkungen dazu: "Der Untertitel stellt die Absicht dar. Der oberste SS-Mediziner in Auschwitz soll im Widerstand gewesen sein." Für Klee und andere Historiker (u.a. auch Kramer) war das damals ein absolutes No-Go (Tabubruch). Im übrigen teile ich diesen unglücklich gewählten Untertitel ebenfalls nicht, habe ich aber weiter oben bereits artikuliert. Trotzdem ich ein "bekennender Ernst Klee-Fan" bin, ob du das nun glaubst oder nicht, kann ich für meine Begriffe immer noch einschätzen, wann er über ein Ziel hinausgeschossen ist oder wann nicht. Mit dieser Belegstelle und Unterstellung hat er sich jedenfalls keinen Gefallen getan.


    Zum heutigen Abschluss noch etwas fürs "innere Gleichgewicht" zum Thema Wirths. ;) Ich habe mir in der Zwischenzeit das von Kramer hochgelobte Standardwerk über die SS-Mediziner von Auschwitz, Robert Jay Liftons „The Nazi Doctors“, besorgt und war doch sehr über den Inhalt des Buches überrascht. Ein wirklich gutes Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte. Eine klare Literaturempfehlung diesbezüglich meinerseits.:thumbup:Seine Ausführungen bieten des weiteren zahlreiche Erklärungen für Wirths extrem ambivalentes Verhalten als KZ-Arzt. Hier eine kleine selektive Zusammenfassung:

    Wirths kam z.B. aus einer Familie, in der "eine Atmosphäre von Humanismus und demokratischem Sozialismus" herrschte. Ein anderer Häftlingsarzt merkte dazu an, dass er "aus einer anständigen Familie mit gewissen moralischen Grundsätzen kam". Seine "Einstellung zu den Juden muss widersprüchlich gewesen sein." Denn seine Familie war jedenfalls auch nicht antisemitisch. Wirths behandelte sogar noch weiter jüdische Patienten, "als dies arischen Ärzten schon längst verboten war". Seinen ideologischen Antisemitismus deutete Lifton übrigens nur spekulativ mit "anscheinend" vorhanden an. Auf Grund seines hervorragenden Rufes in der Fleckfieberbekämpfung wurde Wirths zum Chefarzt von Auschwitz ernannt. Sein Vorgesetzter, der Chef aller Lagerärzte, Enno Lolling, "gab zu - was er nicht gerne tat - daß W. der beste Arzt aller KL. war". In Auschwitz war Wirths anfangs auch "gegen das Selektieren". "Er sagte, daß die Ärzte nicht dazu da sind, Selektionen durchzuführen, sondern für die Kranken."

    Häftlingsärzte und andere Häftlinge erinnerten sich positiv an ihn. Der polnische Häftlingsarzt Tadeusz S. charaktisierte Wirths "zutreffend als sehr intelektuell ... höchst kultiviert ... anders als die anderen SS-Leute, die primitiv waren, aber ... ein Nazi-Ideologe ... dem die Methode mit der Gaskammer nicht gefiel ... der wollte, daß die Nazis gewinnen, aber nicht auf diese Weise ... Sicherlich ein Nazi im Geiste, aber kein grausamer." Er beschützte Häftlingsärzte und andere Häftlinge, die medizinische Arbeit leisteten. Bei einer Begebenheit herrschte er die berüchtigte Aufseherin Irma Grese, die einen im Krankenbau beschäftigten Häftling schlug, an: "Schlagen sie nicht meine Leute!" Und als eine Blockälteste von Block 10 ihre Mithäftlinge schlug, ließ Wirths sie ablösen. ... Wirths emotionalen Konflikte waren den Häftlingen um ihn ebensoklar wie sein zeitweiliger Wunsch, das Lager zu verlassen.

    (Quelle: Robert Jay Lifton, Kapitel: Der Konflikt von Heilen und Töten: Eduard Wirths, in: Ärzte im Dritten Reich, Klett-Cotta Verlagsgemeinschaft, Stuttgart 1988, S.450-488)


    Ansonsten noch ein paar Anmerkungen zu weiteren unkommentierten Beiträgen.


    Vom Wachpersonal wurden sie ständig misshandelt und von Dr. Wirths wurden medizinische und chirurgische Experimente selbst durchgeführt oder angeordnet.


    Die ehemalige Häftlingsärztin Wanda J. sagte dazu aus: „Er hat niemals selbst operiert ... tat nie ... nichts ... keine Injektionen, nichts.“ Wirths hatte grundsetzlich andere mit Operationen beauftragt. Weiterhin war sein Bruder, der Frauenarzt Helmut Wirths, der Hauptinitiator der gynäkologischen Experimente.

    (Quelle: siehe u. vgl. dazu Robert Jay Lifton, Kapitel: Der Konflikt von Heilen und Töten: Eduard Wirths, in: Ärzte im Dritten Reich, S.450-488 mit Ernst Klee, Auschwitz, NS-Medizin und ihre Opfer, 2001, S.411)


    Auf Befehl eines fanatischen, sich für ein Genie haltenden wahnwitzigen Arztes öffnete ich die Leichen von Hunderten von Opfern. Er wollte Nutzen ziehen aus dem Tod von Millionen Opfern für falsche, pseudowissenschaftliche Theorien.


    "Das Bild von Mengele als wahnsinniger, von Dämonen getriebener Mensch, der groteske und sadistische Impulse auslebte, sollte von etwas vielleicht noch Beunruhigenderem abgelöst werden. Mengele gehörte zur wissenschaftlichen Avantgarde und genoss das Vertrauen und die Förderung der führenden Vertreter seines Felds. Die Wissenschaft, die er in Auschwitz betrieb, war - soweit wir sie rekonstruieren können - nicht anormal, sondern passte zu Forschungen, die von anderen Vertretern des wissenschaftlichen Establishments betrieben wurde. Diese Forschungen waren kriminell - und abscheulich -, weil alle Beschränkungen fehlten, die im Normalfall die Versuchungen und den Ehrgeiz regulierten, die wissenschaftliche Forschungen über ethische Grenzen treiben können. Mengele und seine Forschung als anormal und bizarr einzustufen, ist vielleicht bequemer als zu verstehen, dass er das Produkt - und das Versprechen - eines viel größeren Systems des Denkens und Handelns war. Es ist leichter, jemand als einzelnes Monster abzutun, als anzuerkennen, dass das Montröse auch aus bis dahin respektierten und etablierten Institutioen hervorgehen kann."

    (Quelle: David G. Marwell, Mengele - Biographie eines Massenmörders, wbg/Theiss, 2021, S.128-129)


    Übrigens brandneu erschien, bitte daher auch unbedingt lesen.:thumbup:


    Beste Grüße

    Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Hallo zusammen,


    Justus hat das Thema Auschwitz eröffnet und ich halte die Behandlung dieses Themas in diesem Forum für wichtig.


    Jeder bisherige Beitrag in diesem Diskussionsthread ist für mich interessant und gibt mir neue Anregungen und Hinweise.


    Deshalb möchte auch ich durch meine Beiträge, die mir bekannten Literaturhinweise, möglichst sachlich und sachbezogen, für Interessierte weitergeben.


    Jede und jeder Interessierte ist in der Lage, sich eine eigene Meinung zu bilden.


    Ich bin sehr gespannt auf den von Justus versprochenen Fortsetzungsbericht.


    Grüße

    Jockel

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  • Hallo zusammen,


    aus "Auschwitz in den Augen der SS":


    Tagebuchnotizen von Dr.med., Dr.phil. Johann Paul Kremer, Anatom, Professor Uni Münster, SS-Obersturmführer, vom 29.8.-18.11.1942 als Lagerarzt-Vertretung in Auschwitz:


    "2. September 1942:

    Zum 1. Male draußen um 3 Uhr früh bei einer Sonderaktion zugegen. Im Vergleich hierzu erscheint mir das Dante'sche Inferno fast wie eine Komödie. Umsonst wird Auschwitz nicht das Lager der Vernichtung genannt!

    .....

    5.September 1942:

    Heutemittag bei einer Sonderaktion aus dem F.K.L. ("Muselmänner"): das Schrecklichste der Schrecken. Hschf. Thilo hat Recht, wenn er mir heute sagte, wir befänden uns hier am anus mundi. Abends gegen 8 Uhr wieder bei einer Sonderaktion aus Holland. Wegen der dabei abfallenden Sonderverpflegung, bestehend aus einem fünftel Liter Schnaps, 5 Cigaretten, 100 g Wurst und Brot, drängen sich die Männer zu solchen Aktionen."


    Die Notiz über eine Sonderaktion steht oft direkt neben einer eingehenden Beschreibung des Menüs in der SS-Kantine. Weder die aktive Anwesenheit bei den Ereignissen am "Anus mundi" (After der Welt) noch das "Schrecklichste der Schrecken" haben dem Doktor der Philosophie und der Medizin aus Münster den Appetit genommen.


    Eine unvollständige Aufzählung der RSHA-Transporte, an deren Selektion Kremer beteiligt war zeigt, daß es ihm gelungen ist, in der kurzen Zeit seines Aufenthalts in Auschwitz von 12.291 Deportierten 10.717 Männer, Frauen und Kinder in den Gastod zu schicken. Die von Kremer zum Vergasen oder zum "Abspritzen" ausgewählten Häftlings-Muselmänner sind in dieser Zahl nicht enthalten.


    Bericht von Pery Broad, SS-Unterscharführer, Politische Abteilung, Lager-Gestapo:


    "Keiner der SS-Ärzte empfand die Experimente im Block 10 als das, was sie darstellten, nämlich als ein bestialisches Verbrechen. Die Versuchsobjekte waren ja Juden, die vogelfrei waren und kein Lebensrecht besaßen.

    ....

    Genauso, wie die SS-Leute von Auschwitz mit System und Freude mordeten, waren sie aber auch eifrig dahinter her, ihre Kassen zu füllen.

    ....

    Himmler war unzufrieden geworden mit den Auschwitzer Vernichtungsmethoden. Es ging in erster Linie viel zu langsam. Auf der anderen Seite verbreiteten die großen Scheiterhaufen einen solchen Gestank, daß die Gegend im Umkreis von vielen Kilometern verpestet wurde. .....Die Wachtruppe hatte einen zu tiefen Einblick in die Vergasungsaktionen erhalten, die ja eigentlich nur das Sonderkommando wissen sollte. ....Immer wieder hörte man aus dem Munde einfacher Wachsoldaten, daß sie sich nicht vorstellen könnten, jemals wieder entlassen und freie Menschen zu werden. Um das Geheimnis zu wahren, würden sie wohl als letzte in die Gaskammern marschieren, mutmaßten einige."


    Aufzeichnungen von Rudolf Höß, Kommandant von Auschwitz 1940-1943:


    "Ob diese Massenvernichtung der Juden notwendig war oder nicht, darüber konnte ich mir kein Urteil erlauben, soweit konnte ich nicht sehen. Wenn der Führer selbst die "Endlösung der Judenfrage" befohlen hatte, gab es für einen alten Nationalsozialisten keine Überlegungen, noch weniger für einen SS-Führer.

    .....

    Mit Eichmann sprach ich vielmals und ausführlich über all das, was mit der Endlösung der Judenfrage zusammenhing, ohne aber je meine inneren Nöte kundzutun. Ich habe versucht, aus Eichmann dessen innerste, wirklichste Überzeugung über diese "Endlösung" herauszubekommen. Mit allen Mitteln. Doch auch in der fortgeschrittensten Alkoholauflockerung -nur unter uns- trat er, besessen geradezu, für die Vernichtung aller erreichbaren Juden ein. Ohne Erbarmen, eiskalt mußten wir so schnell wie möglich die Vernichtung betreiben. Jede Rücksicht, auch die geringste, würde sich später bitter rächen. Dieser harten Konsequenz gegenüber mußte ich meine menschlichen "Hemmungen" zutiefst begraben."


    Aussage von Stanislaw Dubiel, polnischer KZ-Häftling, Gärtner und Hilfe im Haushalt von Rudolf Höß:


    "Indem Höß auf diese Weise Häftlingsarbeit und Lagergut für private Zwecke nutzte, richtete er sein Haus so prachtvoll ein, daß seine Frau erklärte:"Hier will ich leben und sterben.

    ....

    Es ist also nicht verwunderlich, daß sich bei dieser Vorsorge der Hößens im sogenannten Hause Höß so viele Güter befanden, daß für ihren Abtransport vier Eisenbahnwaggons nötig waren."


    Grüße

    Jockel

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  • Hallo zusammen,


    aus "Wir weinten tränenlos... " Augenzeugenberichte des jüdischen "Sonderkommandos" in Auschwitz:


    Jaacov Gabai:

    "Ich mußte stark bleiben, um überleben und weitererzählen zu können, was in dieser Hölle geschah. Die Realität beweist, daß der Mensch grausamer ist als Tiere.

    ....

    Kann man diese Dinge glauben, kann man glauben, was die Deutschen gemacht haben? Das ist schwer zu glauben. Eigentlich kann man das alles gar nicht glauben. Aber trotz alledem, das ist passiert.

    ....

    Wie kann ein Mensch dies alles überstehen und erleiden? Ein Mensch ist stärker als Eisen, glauben Sie mir. Stärker als Eisen."


    Saul Chasan:

    "Unser Vorgesetzter, der SS-Mann Moll, war so neidisch und verrückt, daß er selbst bei den Verbrennungen mitmachte. Einmal hörte man ihn sagen, daß er seine eigene Familie verbrennen würde, wenn Eichmann es ihm befehlen würde.

    ....

    So kamen zwei SS-Offiziere nach unten in den Entkleidungsraum und durchsuchten die Menschen, um ihre Brillanten zu finden. Ich hörte sie untereinander reden und sagen: "Diese Juden, so vernachlässigt, selbst einen Staat haben sie nicht."

    Dann haben sie die Juden ermordet.

    Jetzt, da wir einen Staat haben, werde ich ihn niemals verlassen. Denn ich habe am eigenen Leib erfahren, daß ein Volk ohne Staat nichts wert ist. Man muß in einem eigenen Staat leben können, und dieser Staat muß stark sein. Das ist die Lehre, die ich bei meiner Arbeit im Sonderkommando in Auschwitz-Birkenau gelernt habe."


    Leon Cohen:

    "Einmal konnte ich ein wenig mit jemandem von den Transporten sprechen. Ich fragte ihn: Glauben Sie, daß die Deutschen jemals für ihre Verbrechen büßen werden?

    Der Mann antwortete:

    "Welche naive Frage. Denke immer daran, was ich jetzt sagen werde: Das ist wie in einem Krämerladen, in dem man Kredit vom Ladenbesitzer erhält. Er schreibt die Schulden in ein Büchlein. Eines Tages wird vielleicht Tinte über die Schuldenlisten geschüttet, und es gibt keine Möglichkeit mehr, die Aufzeichnungen zu lesen. Die Schulden sind für immer aufgehoben. So wird es auch mit den Deutschen sein. Sie werden alles unternehmen, um ihre Verbrechen zu vertuschen. In einigen Jahren wird man nicht mehr viel über Auschwitz wissen. Auschwitz wird langsam aus dem Bewußtsein der Öffentlichkeit verschwinden. Die Welt wird sich auch um die Juden nicht zu sehr kümmern. Diese Katastrophe wird verschwinden, die Verbrechen der Deutschen werden vergessen werden. Alles wird verschwinden."

    Das hat mir einmal ein kluger Jude gesagt, wenige Minuten bevor er mit Zyklon B im Krematorium II ermordet wurde."


    Grüße

    Jockel

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  • Hallo zusammen,


    aus "900 Tage in Auschwitz" von Mordechai Papirblat:


    Ende Juli besuchte SS-Reichsführer Heinrich Himmler höchstpersönlich Auschwitz, um bei der "Lösung" der so schmerzhaften Frage mitzuhelfen. Es wurde selektiert. Dazu mussten wir uns nackt aufstellen und vor Himmler und einigen Offizieren strammstehen. Einer der Offiziere trug einen weißen Kittel und bestimmte mit dem Wink eines Fingers, wer aus der Reihe zu treten hatte. Mein Herz stand still. Erst als sie an mir vorbeigegangen waren, begann ich wieder zu atmen.

    ....

    Ich habe überlebt und eine Familie gegründet. Das ist meine Rache.

    ....

    Wenn Mordechai Papirblat gefragt wird, wie er das alles überleben konnte, antwortet er: "Du brauchst jeden Tag ein Wunder, an manchen Tagen auch zwei." Er weiß sehr genau, dass Millionen andere diese "Wunder" nicht erlebt haben. Sie wurden ermordet, wie seine Familie und der Großteil seiner Verwandten - annähernd 200 Personen.



    Aus "Gehängt in Auschwitz" von Sim Kessel, Berufsboxer, Franzose, Jude:


    ...ganze Vermögen, Geld, Schmuck, Kleidung stapelten sich in den Magazinen von Auschwitz. Die höherrangigen Kapos, verurteilte Kriminelle, in den Befehlsrang erhoben und damit betraut, die Beute dieses enormen Raubzugs zu sammeln und zu verwalten, versäumten natürlich nicht, einen Anteil zu ihrem eigenen Vorteil und zum Vorteil der SS-Männer, deren Komplizenschaft erkauft werden musste, zu unterschlagen. Jeder stahl, trieb Schleichhandel, bereicherte sich, jeder war kompromittiert, niemand konnte irgendjemanden denunzieren.

    ....

    Wir gelangen in den Sektor der Krematorien. Man lässt uns an einer Mauer warten. Wir stehen nackt im Schnee. In meiner Nähe steht ein SS-Unteroffizier. Ich kenne dieses Gesicht nicht, aber es gibt etwas, was ich sofort wiedererkenne, nämlich das Aussehen eines Boxers. Ich trete splitterfasernackt näher und frage ihn einfach auf Deutsch: Boxer? Zwischen uns entsteht ein geheimnisvoller Kontakt, trotz all der beachtlichen Unterschiede, die uns trennen. Zwei Schritt von uns entfernt vergessen nackte, abgezehrte, vor Kälte zitternde Männer für einen Augenblick ihren nahen Tod und starren uns an. Das Wunder ist geschehen. Der Mann hat sein Motorrad geholt, den Motor gestartet. Er deutet auf den Rücksitz: Steig auf.

    Und noch einmal war ich gerettet. Der SS-Mann mit der gebrochenen Nase rettet mich in letzter Minute, knapp bevor ich die Gaskammer betrat, und er brachte mich geradewegs in den Krankenbau.

    ....

    Im Dezember 1944 wurde ich in Auschwitz gehängt. Eine außergewöhnliche Konstellation besonderer Umstände rettete mir das Leben.

    ....

    Alle, die Auschwitz überlebt haben, wissen, dass das gesamte Wachpersonal dort ohne Ausnahme schuldig und gleichermaßen niederträchtig war, selbst wenn man die unablässig vorgebrachte Entschuldigung, die Täter hätten ja nur ihre Pflicht getan und Befehlen gehorcht, vorbehaltlos akzeptieren würde."


    Grüße

    Jockel

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  • Hallo zusammen,


    aus "Zofia Posmysz Die Schreiberin 7566 Auschwitz 1942-1945".


    Zofia Posmysz, katholisch, polnischer politischer Häftling, ab 30.5.1942 in Auschwitz.


    "Häufiger waren aber die Fluchten, die innerhalb des Lagers stattfanden und immer ein tragisches Ende hatten. Eines Tages, als wir ausrückten, sah ich von der Lagerstraße aus die Gestalt einer Gefangenen im Draht hängen. Sie hatte die Lagerwirklichkeit nicht ausgehalten und Selbstmord begangen, indem sie in den Draht gegriffen hatte, der unter Strom stand. Mit den Händen über dem Kopf verharrte sie in einer dramatischen Haltung. Es war ein grausamer Anblick. Häufig hörten wir nachts entsetzliche Schreie - die Selbstmorde geschahen meist nachts -, die uns aus dem Schlaf rissen. Bis dahin hatte ich keine Ahnung gehabt, dass ein Mensch, der einen Stromschlag bekommt, einen so fürchterlichen Schrei von sich gibt.

    ....

    Eines Tages stand einer der SS-Männer zu nahe am Zaun - entweder hatte er es nicht gemerkt oder er war betrunken -, auf jeden Fall lehnte er sich an den Draht, der noch mit Strom geladen war. Lorenzowa und ich saßen ziemlich nahe, wir konnten also genau beobachten, wie sein Körper hin und her geworfen und vom Strom immer wieder gegen den Boden geklopft wurde. Ich fuhr hoch und rief erschrocken:

    "So rette ihn doch jemand!"

    "Setz dich wieder, du Dummkopf! Ein Hurensohn weniger!"

    Das war eine bittere Lektion in Sachen Dehumanisierung.

    ....

    Das Überleben im Lager war zu einem großen Teil davon abhängig, auf welchen SS-Mann, Kapo oder welche Aufseherin man traf. Nicht weniger wichtig waren die Beziehungen untereinander."


    Grüße

    Jockel

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  • Hallo zusammen,


    aus "Promises Kept" von Ernest. W. Michel, deutscher Jude, Ankunft in Auschwitz im März 1943:


    "In diesem Moment nahm ich mir vor, dass ich mir jedes Detail, alles was passierte, merken würde. Damit ich, wenn diese Hölle vorüber sein und ich überleben würde, mich daran erinnern, vielleicht auch darüber schreiben könnte. Was ich fühlte, was ich sah. Alles. Was auch immer es war, es war auch Geschichte. Menschheitsgeschichte. Jüdische Geschichte.

    ....

    Wir erfuhren auch, dass einige Häftlinge privilegiert waren. Die mit dem grünen Winkel waren besser dran. Viele,dieser Kriminellen waren jahrelang im Gefängnis gewesen und es schien so, als habe man mit einem grünen Winkel gewisse Privilegien. Auch mussten sie die Gaskammer nicht fürchten.

    ...

    Es lief immer nach demselben Muster ab: Dr. König*, immer elegant gekleidet in seinem langen Ledermantel, nickte und hatte die Hände hinter dem Rücken. Er blieb an einigen Pritschen stehen, um die Patienten und den Krankenbericht anzusehen, dann deutete er schnell auf einige der kranken Häftlinge und ging weiter. Eine Stunde später kam der Lastwagen und wir luden die auf, auf die Dr. König gezeigt hatte.

    ....

    In dem Raum waren einige SS-Ärzte, unter ihnen auch der berüchtigte Dr. Josef Mengele. Ich konnte mich noch an ihn erinnern, wie er an den Gleisen, am Tag unserer Ankunft, eine Selektion durchgeführt hatte.

    Sie führten medizinische Experimente an den Frauen durch!

    Mengele und die anderen Ärzte standen in einer Ecke und unterhielten sich. Wir konnten einige Gesprächsfetzen ihrer Unterhaltung hören.

    "Gedacht...schneller tot...wenn man die Voltzahl in Betracht zieht...beim nächsten Mal eine höhere."

    Zwei Pfleger trugen eine Frau heraus. Sie war eiskalt, tot.

    "Hat es nicht ausgehalten", sagte einer der Pfleger und nickte ihr zu. "Sie haben ihr zu viel gegeben."

    Einer der Ärzte kam dazu, um sich von ihrem Tod zu vergewissern. "Eine weniger. Kein Problem. Wir haben ja noch genug!"

    Dr. König und Dr. Mengele, die offensichtlich ihre Experimente beendet hatten, kamen herein und tauschten sich über ihre Beobachtungen aus.

    "Beim nächsten Mal, denke ich, sollten wir die Voltzahl erhöhen", sagte einer der beiden, als sie das Zimmer wieder verließen. Sie würdigten uns nicht eines Blickes. Wir existierten einfach nicht.

    ....

    Am späten Nachmittag des 18. Januar 1945 marschierte ich ein letztes Mal durch das Lagertor.

    Ich hatte 674 Tage in dieser von Menschen geschaffenen Hölle verbracht. Sechshundertvierumdsiebzig endlose Tage und Nächte. Sechshundertvierumdsiebzig Nächte in der Finsternis."



    *Dr. Hans Wilhelm König, geb. 13.5.1912 in Stuttgart, SS-Obersturmführer, September 1943 bis Januar 1945 Lagerarzt in Auschwitz. Beteiligt an Versuchen mit Elektroschocks.

    Häftlingsärztin Irina Konieczna: "König ließ alle Kranken [Frauen] der Reihe nach an ihm [nackt] vorbeigehen und entschied dann, wer von Ihnen ins Gas gehen musste."

    Arztschreiberin Sosnowska über Mengele und König: "Fast kann man sagen, daß sie Freude oder Genugtuung bei solchen Selektionen empfanden."

    Nach Kriegsende meldete ihn (Dr. König) seine aus Schweden stammende Ehefrau bei den Behörden als tot und verzog noch Ende 1945 mit den gemeinsamen Kindern nach Schweden. Unter dem Pseudonym Dr. med. Ernst Peltz verzog König nach Holtorf, Gemeinde Colnrade im Landkreis Oldenburg, und erhielt dort durch die britischen Behörden eine Niederlassungsgenehmigung als Landarzt. Nachdem Gerüchte über König kursierten, forderte die örtliche Ärztekammer ihn Anfang der 1960er Jahre auf, entsprechende Unterlagen zum Nachweis seiner Approbation vorzulegen. König, alias Peltz, schloss im April 1962 "gesundheitsbedingt" seine Praxis und verzog an einen unbekannten Ort. Sein weiterer Verbleib ist bis heute unbekannt.


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Hallo Jockel,


    wir haben uns hier in unserem Forum angewöhnt, auf Emotionen zu verzichten und auf der sachlichen Ebene zu verbleiben. Aber die von Dir hier eingestellten Berichte der Zeugen der NS-Mordindustrie lassen dieses nicht zu. Alle hier im Forum wissen, welche Menschheitsverbrechen die nationalsozialistische Ideologie ausgelöst hat, aber dann konkrete Aussagen der Zeitzeugen zu lesen, das nimmt den Atem. Wir dürfen das alles niemals vergessen und damit ist das erste Ziel dieses Forums genannt. Deine Beiträge sind sehr hilfreich, danke.


    Beste Grüße


    Horst

  • Hallo Horst,


    vielen Dank für Deine Worte. Obwohl ich mich schon lange mit dem Thema beschäftige, kommen mir beim Lesen der Berichte immer noch die Tränen. Diese Überlebenden berichten mit einer Sachlichkeit über ihre Erlebnisse in der Hölle, die ich nur bewundern kann. Mit ihrer Menschlichkeit sind sie Vorbilder.


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Guten Abend zusammen,


    Jockel,

    auch ich möchte dir für deine Schilderungen danken,

    es führt gnadenlos all den "Rechten", den Revisionisten vor Augen,

    wie verbrecherisch das Deutsche Reich agiert hat.

    Quote

    kommen mir beim Lesen der Berichte immer noch die Tränen.

    da geht es dir wie mir, und wir beide dürften auch nicht die einzigen sein, denen solche Berichte an die Nieren gehen.


    Horst,

    Quote

    Wir dürfen das alles niemals vergessen und damit ist das erste Ziel dieses Forums genannt.

    ich würde es nicht Ziel nennen, wir kämen eh nie an, eher einen beschwerlichen Weg ohne Ende.

    Aber das Forum ist seit Jahren dabei genau das zu tun, Aufarbeitung, Erinnern, Aufklärung,

    ein guter Weg.

    Ein weiterer Eckpunkt, gar elementar, der diesen Weg möglich macht, gemacht hat,

    war es all die Jahre die rechten Spacken fern zu halten, das sollte mir gelungen sein.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!