Schiffsgeschütze, Treibladung im Rohr

  • Hallo,


    möchte gerne wissen, wie das Beschicken einer schweren Schiffsartillerie (ab 28 cm) auf dt. Kriegsschiffen stattgefunden hat. Habe in einem Youtube-Video, welches über maritime Kanonenverschlüsse berichtet hat, die Aussage gehört, dass die meisten Nationen fast nur vorportionierte Seidenkartuschen benutzt haben, aber die deutsche Marine wäre eine der wenigen Fälle gewesen, die als letztes noch eine kleine Messinghülse/pfanne? hinzugefügt hätten. Auf der Seite: http://www.navweaps.com/ wird auch erwähnt, das die Deutschen ziemlich häufig diese Messinghülsen als letztes eingesetzt haben.


    https://www.youtube.com/watch?v=UN1tOVzFrWY


    Besitzt Ihr dazu Informationen und könnt diese teilen?


    Viele Grüße


    AG_Wittmann

  • Hallo AG_Wittmann,


    mir ist noch nicht ganz klar, was Du konkret wissen möchtest. Geht es Dir um den eigentlichen Ladevorgang bei den großkalibrigen deutschen Seezielgeschützen oder um die Abwägung der Vor- und Nachteile von Messingkartuschen im Vergleich zu Beutelkartuschen oder vielleicht die zeitliche Entwicklung des Einsatzes von Metallkartuschen in den verschiedenen Marinen weltweit? Was ist unter der von Dir erwähnten „kleine Messinghülse/pfanne“ zu verstehen?


    Mit freundlichen Grüßen
    Schorsch

  • Hallo,


    der Herr im Film sagt, das deutscherseits für jedes Kaliber eine Messingkartusche (brass cartridge case) verwendet wurde. Das bedeutet, die Treibladung wurde in eine Kartusche gesteckt bevor sie ins Rohr geladen wurde, andere Nationen luden die Treibladung ohne Hülse. Vorteil ist u.a. ein Sicherheitsaspekt: Durch glimmende Reste der vorherigen Ladung kann sich die neue Ladung im Rohr entzünden, die Kartuschen verhindern dies.


    Durch so einen Unfall wurde z.B. Turm 2 des Forts Maxim Gorki II der Festung Sewastopol am 17. Dezember 1941 zerstört.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Schorsch, Hallo Thilo,


    Schorsch, Thilo hat meine Frage beantworten können, mein Gehör ist nicht zuverlässig und die automatischen Untertitel geben leider manchmal nicht viel her.


    Hat das deutsche Vorgehen bestimmte Gründe (Unfall/Katastrophe) oder einfach nur aus Vorsicht heraus?


    Viele Grüße


    AG_Wittmann

  • Hallo,


    Quote


    Hat das deutsche Vorgehen bestimmte Gründe (Unfall/Katastrophe) oder einfach nur aus Vorsicht heraus?

    von großen derartigen Unglücken auf deutschen Schiffen ist mir nichts bekannt, allerdings wurden ja Kartuschen verwendet, um genau diese Gefahr abzuwenden.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    hier eine kleine Linksammlung zum Thema Verschlüsse bzw. Kartusche:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Keilverschluss

    Lueger: Lexikon der gesamten Technik (1910) - Verschlüsse der Geschütze [1]


    Digitalisate des Polytechnischen Journals:

    Wilh. Lorenz's Patronenhülsen für schwere Geschütze (1884)

    Der Wettstreit zwischen Geschütz und Panzer - Die Verschlüsse (1906)

    Der Wettstreit zwischen Geschütz und Panzer - Kartuschen (1906)


    Aus letzteren ein kurzer Auszug zur Unsicherheit der kartuschenlosen Verschlüsse:

    Quote

    Trotzdem musste das Rohr nach jedem Schuss ausgewischt werden, einerseits wegen der festen Rückstände des Pulvers, andererseits weil etwa zurückgebliebene, glimmende Kartuschbeutelreste die nächste Kartusche zur Entzündung gebracht hätten. Solche Unfälle sind trotz allen Wischens nur zu oft vorgekommen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der oben erwähnte Unglücksfall an Bord des Missouri statt auf einen Nachflammer auf solche glimmenden Kartuschbeutelreste zurückzuführen ist.


    Das meiste ist vom Ende des 19.Jhd/ Anfang 20.Jhd, aber seit damals hat sich der krupp`sche Keilverschluss dann nicht mehr wesentlich geändert und wurde bei deutschen Geschützen in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts praktisch durchgehend eingesetzt.


    Gruss

    Franz

    Sammle alles über Artillerie!

    Edited 3 times, last by Flavius Belisarius ().

  • Hallo,


    und hier noch die beiden letzten Seiten dazu:


    Verschluss005.jpgVerschluss006.jpg


    ... zur deutschen Marine (siehe Seite 31 des Auszugs):

    Quote

    Im Gegensatz zu fast allen fremden Marinen hat die deutsche Marine mit Einführung der Schnelladekanone die Beutelkartusche verlassen und ist zur Anwendung der Hülsenkartusche bis zu den schwersten Kalibern übergegangen.


    Eventuell findet sich noch genaueres im Werk über die deutsche Schiffsartillerie, das ich derzeit leider nicht zur Hand habe, da ich im Ausland arbeite:

    Paul Schmalenbach: Die Geschichte der deutschen Schiffsartillerie (Herford 1968, 2.ergänzte Auflage; Koehlers Verlagsgesellschaft)


    Gruss

    Franz

  • Hallo Franz,


    auch ich habe den Thread sehr aufmerksam verfolgt und habe zu Deinen Beiträgen nur einen Kommentar:

    Eine Franz´sche Glanzleistung, eben wie gewohnt und von einem "Flavius Belisarius" zu Recht erwartet!


    Gruß Karl