Informationen anhand der Uniform

  • Hallo zusammen,

    mein Großvater ist letztes Jahr leider verstorben und ich habe nun einige ältere Fotos aus seiner Kriegszeit sichten können.Er hat mir zu Lebzeiten nur wenig erzählt, u.a. dass er zuletzt in einem Sonderverband "Friedenthal" bei Oranienburg war, der von Otto Skorzeny geführt wurde und diverse Spezialeinsätze unternommen hat. Er hat ihn dort wohl auch mehrfach persönlich getroffen. Er floh wohl auch aus Gefangenschaft und lebte nach Kriegsende einige Zeit unter falschem Namen. Könnt ihr mir vielleicht anhand seiner Uniform weitere Details verraten (Dienstgrad, etc)


    Vielen Dank

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    • Uniform4.jpg

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  • Grüß Gott ,


    SS Rottenführer/Obergefreiter und wohl Offizersbewerber, in der Leibstandarte LSSAH, keine Infanterieeinheit, augezeichnet mit dem Band zum EK. II. Klasse.

    Die Verleihung dürfte wohl auch der Grund der Aufnahme sein...


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Hallo Eumex, schonmal vielen Dank für die Infos. Das mit der LSSAH ist heftig...

  • Hallo TilleNbg


    Erstmal niemand ist für die eventuellen Taten seiner Vorfahren verantwortlich!

    Diese Truppe waren sicher keine Weisenknaben, es gab schlimmere Einheiten, ohne jetzt etwas relativieren zu wollen!


    Ein bisschen was zum Lesen aus dem Lexikon

    http://www.lexikon-der-wehrmac…rdivisionenSS/1SSPD-R.htm


    Waffenfarbe, der Schulterklappe, ist eventuell rosa das wäre Panzerjäger!

    Leider aus SW Bildern schlecht zu erkennen!


    Wenn du Google oder Metager quälst findest du bestimmt eine Menge


    Gruß Arnd


    PS: ein Vorname wäre schön

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  • Hallo Arnd, da hast du natürlich recht. Es passt halt nur irgendwie nicht zu dem Menschen, den ich seit meiner Kindheit kannte und der mich teilweise groß gezogen hat. Ich habe ihn als zutiefst "links" kennen gelernt, , dem Humanismus verschrieben, die Zeitung "Neues Deutschland" hatte er im Abo. Er malte gern (Skorzeny wollte dass er ihn mal zeichnet), war besessen von Literatur wie Goethe, Hölderlin. Er hat meist nur von diesen Spezialeinsätzen erzählt, in Frankreich, Italien, hinter den feindlichen Linien, teilweise in falscher Uniform, mit SS-Freiwilligen aus Schweden oder Frankreich, Nach dem Krieg lebte er einige Zeit unter falschem Namen und schlug sich irgendwie durch. Später wollte er das ganze in einem Buch verarbeiten, das Manuskript liegt mir vor. Vielleicht lässt sich dieser Wunsch ja noch erfüllen. Mal schauen. Auf jeden Fall vielen Dank für die Informationen.

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  • Hallo Arnd, da hast du natürlich recht. Es passt halt nur irgendwie nicht zu dem Menschen, den seit meiner Kindheit kannte und der mich teilweise groß gezogen hat. Ich habe ihn als zutiefst "links" kennen gelernt, , dem Humanismus verschrieben, die Zeitung "Neues Deutschland" hatte er im Abo.


    P.S. Sein Vorname war Wolfgang

    Hallo TilleNbg


    Die Erlebnisse die Menschen im Krieg hatten können einen Menschen sozusagen auf den Kopf stellen!

    Und die Nazis haben die Leute ja ziemlich heftig belogen, man könnte auch sagen sie haben sie verarscht!

    Der eine Opa meiner Frau hat den Glauben an Gott verloren!

    Er wollte mit dem Himmelskomiker nichts mehr zu tun haben!

    Er wurde 1964 vom Bürgermeister beerdigt.


    Ich meine deinen Vornamen


    Gruß Arnd

  • Guten Abend Thilo,


    Würde es dir etwas ausmachen mehr Informationen über deinen Großvater einzustellen? Mein Vater war Panzerjäger bei der LSSAH.

    Darum würde es mich sehr interessieren. Es wundert mich, dass dein Opa mit Otto Skorzeny zu tun hatte, wenn er bei der

    Leibstandarte war.

    Es gibt so einiges in deiner Schilderung über den Großvater, die treffen auch auf meinen Vater zu. Vielleicht können wir uns

    darüber noch einmal austauschen. Das geht auch per PN.


    Herzliche Grüße


    Heidy

  • Hallo Heidy,

    gern kann ich hier noch etwas einstellen. Das mit der LSSAH hat mich auch gewundert, ich kann mich nicht erinnern, dass er das mal erwähnt hat. Die Info kam von Eumex anhand des Fotos. Ich habe mir mal sein Manuskript angeschaut. Die LSSAH wird dort nicht explizit erwähnt. Ich packe hier mal ein paar Auszäge rein. Es ist teilweise sehr literarisch, und diente wohl zur Verarbeitung

    Ab Mitte 1943 war er jedenfalls an der Ostfront:

    "Anrollende sowjetische Panzer mit aufgesessener Infanterie konnten abgewehrt werden. Vor dem tief eingefressenen Panzergraben lagen abgeschossene IS-I und SU 122. Mein eigener Handgranatenvorrat war erschöpft. Neben mir bündelten Pioniere geballte Ladungen, Verwundete schrien, dunkler Rauch der brennenden Panzer nahm die Sicht. Ein Kamerad taumelte durch den Graben, in seinen Augen brannte der Irrsinn, sein linker Arm hing in der Tarnkleidung. Wir zogen ihn in den toten Winkel des Grabens, rissen die Uniform auf und sahen, dass der Arm nur noch an einem Hautfetzen hing. Mit einem Riemen banden wir den Stumpf ab, und mit dem Kabelmesser wurde der Arm vom Körper getrennt.

    Wie sagte doch der Pfarrer von der Kanzel: "Unsere Herzen und Seelen soll jetzt nur ein einziger Gedanke erfüllen: Vorwärts! Mit Gott für Deutschland!"

    Nicht der nackte Selbsterhaltungstrieb, sondern eine andere Gläubigkeit war in mir.

    „Das Leben“, so meinte Nietzsche, „besteht aus seltenen einzelnen Momenten höchster Bedeutsamkeit und unzähligen vielen Intervallen, in denen nur bestenfalls die Schattenbilder jene Momente umschweben.“Wie sagte doch der Pfarrer von der Kanzel: "Unsere Herzen und Seelen soll jetzt nur ein einziger Gedanke erfüllen: Vorwärts! Mit Gott für Deutschland!"

    Unsere Enkel werden Richter sein. Sie werden zu entscheiden haben, ob hier auf diesem Schlachtfeld Helden geboren wurden oder ob hier die Wurzeln nach Nahrung für die Heldensagen der Moderne gefunden werden. Oder es wird ein Urteil gesprochen. Wer dem Tod ins Antlitz sah, vergisst seine Fratze nie"


    Er wurde dann verwundet und kam scheinbar nach Prag:


    "In wenigen Tagen schrieb ich das Stück - war`s ein Drama? - „Konradin. Der letzte der Hohenstaufen“. Es war ein Vorausahnen, das in mir vergraben lag, Schatten, der sich nicht auflöst.

    Mit Konradin, so verstand ich es, löste sich ein deutscher Traum auf. Mit Schauspielern, die in Ersatzeinheiten und Genesungskompanien auffindbar waren, und anderen Spielbegabten, in Kostümen vom Prager Ständetheater entliehen, wurde das Stück mehrmals aufgeführt. Ein in der Abteilung VI tätiger Kamerad, Willi Neu, Musikstudent, schrieb eine Bühnenmusik dazu.

    Ich fühlte mich emporgehoben.

    Nur einige Tage vergingen. Beim Morgenappell wurde verlesen, dass ich auf Grund gezeigter Tapferkeit vorm Feind zum Offiziersanwärter befördert werde. Meine Schulterstücke zeigten von diesem Tag an zwei silbere Streifen."

    Wurde hier evtl. das Foto aufgenommen? (Das bestätigt das Feedback von Eumex Eumex )

    "Wieder einige Tage später, Morgenappell. Die Anwesenheit des Standortkommandeurs ließ ahnen, dass etwas Besonderes geschehen wird. Der Kommandeur trat in die Mitte der im Karree aufgestellten Ausbildungseinheit. Nach dem Kommando „Stillgestanden!“, was zu jener Erstarrung des Individuums in einer erstarrten Gemeinschaft führte, aber auch etwas Kompaktes, Kraftvolles symbolisierte, wurde der Befehl verlesen. Er besagte, dass sich Freiwillige für Totaleinsätze melden können. Solche Einsätze könnten eine hundertprozentige Todesgewissheit nicht ausschließen, aber der Krieg mache solche Einsätze erforderlich, wie auch der Feind sich nicht scheue, mit derartigen Taktiken unser Volk zu erweichen. Es könnten Erfolge erzielt werden, die ein Panzerregiment in einem Jahr Fronteinsatz nicht werde vorweisen können."

    "Ich ging zur Schreibstube, meldete mich beim Ausbildungsoffizier und bat um Eintrag in die Liste der Freiwilligen für die Totaleinsätze der Jagdverbände."

    "Meine Freiwilligenmeldung wurde, da ich Offiziersbewerber war,zurückgewiesen."

    "An einem Abend nach getanem Dienst, schrieb ich, alle Dienstvorschriften missachtend und der Deutschen Feldpost vertrauend, einen Brief an den Reichsführer SS, der sinngemäß folgenden Wortlaut hatte: „... ich weiß, dass ich mich eines militärischen Vergehens schuldig mache, indem ich den Dienstweg nicht einhalten kann. Ich bitte um Kommandierung zur Teilnahme an Totaleinsätzen der Jagdverbände! ...“

    Meinen Ausbildungsdienst versehend, wurde ich nach ca. fünf Tagen aus dem Unterricht befohlen. Ich sollte mich bei Kommandeur Beiser melden. Dieser musterte mich streng und übergab mir den Marschbefehl zu den Jagdverbänden."


    Dann kam er nach Friedental:

    "Friedenthal, wer kennt diesen Flecken? Das Gutsschloss und ein größeres Kiefernwäldchen mit einem verzweigten Wegesystem war von einer hohen Mauer umgeben. Ein Durchbruch an der Ostseite ermöglichte den schnellen Zugang zu einigen Baracken auf vorgelagerter Wiese.

    Ich ließ meine Ankunft dokumentieren und wurde einer Stabseinheit zugeteilt. Bislang hatte ich immer in Einheiten gedient, die sich aus Reichs- oder sogenannten Volksdeutschen zusammensetzten. Hier im Areal des alten brandenburg-preußischen Gutsschlosses begegneten mir Angehörige fast aller europäischen Nationen. Mit einem dänischen und einem flämischen Freiwilligen teilte ich eine Stube in einer Baracke, die gegenüber dem Mauerdurchbruch stand."

    "Während einer Kampfschwimmerübung im nahen Kanal wurde ich plötzlich zum IA der Jagdverbände Hauptsturmführer, Ritterkreuzträger von Foelkersam befohlen. Er hatte schon im Rücken der sowjetischen Front erfolgreiche Kommandounternehmen absolviert."
    Dann gab es erste Treffen mit Skorzeny:

    "Skorzeny kam aus dem Führerhauptquartier und wollte sich in der Stabsschreibstube des IA über letzte Meldungen unterrichten. Ich machte Meldung und er sagte: „Sie sind also der Literat und Maler“, und er sah den Hyperion liegen und eine kleine Feldpostausgabe mit Gedichten von Stefan George. Skorzeny nahm den Hyperion, blätterte darin und ich spürte, dass er eine besondere Seite suchte. Dann las er laut: „... du hättest nie das Gleichgewicht der schönen Menschen so rein erkannt, hättest du es nicht so sehr verloren gehabt ...“

    Er ließ sich schwer auf einen Stuhl fallen, sah mich an und sagte: „Mein Junge … wir haben alle, alle viel verloren, deshalb sind wir eine solche Truppe.“

    Er fragte noch, ob ich mein Können beweisen wolle und ich ihn in dienstfreier Zeit malen würde. Bleib sitzen!“ befahl er, als ich Haltung annehmen wollte. „Mensch, mit Stehaufmännchen ist kein Krieg zu gewinnen“, gab mir die Hand und ging.

    Bald meldete ich mich bei Skorzeny und wir saßen uns gegenüber. Mit einem dicken schwarzen Stift arbeitete ich, um später mit Aquarellfarbe das Körperliche zu erhöhen. Die Lichter ließ ich farbfrei, was das Skizzenhafte unterstreichen sollte. Bei diesen drei- oder viermaligen Sitzungen entspann sich eine, alles Dienstliche weit überschreitende Unterhaltung."


    Dann kommen die ersten Einsätze, die ausführlich beschrieben werden. Hier nur ein Auszug:

    "Nach einigen Tagen, es war das späte Frühjahr 1944, wurde ich abgesondert, musste die Legende eines Oberleutnants der Wehrmacht einstudieren, erhielt notwendige Ausbildung und musste mich mit Einsatzmaterial vertraut machen. Kartenmaterial, Luftbildaufnahmen wurden gesichtet, Wetterberichte um die Region von Novi Pazar am Flusse Ibar aufgenommen, wurden über einige Tage studiert.


    In der Nähe dieser Stadt, im Scheidegebiet Serbien-Bosnien-Montenegro, gab es zwei gute Orientierungspunkte, den Berg Golija, der 1.833 Meter an Höhe aufwies; und östlicher, jenseits der Flussniederung war ein 2.017 Meter hohes Massiv erkennbar. In der Niederung verlief eine strategisch wichtige Straße von Belgrad über Kraljevo, Opristina nach Skopje und weiter ins Land der Griechen.

    Seit 1943 wurde die Partisanenbewegung in Jugoslawien zu einem großen Störfaktor. Meine Mission war es, in der Nähe von Raska einen Bosniaken zu treffen, der im Auftrag der deutschen Abwehr bei den Partisanen Dienst tat."

    "Mit einem Fahrzeug ging es bis Agram (heute Zagreb). Dort bestieg ich eine He 111. Im Morgengrauen musste das Absprunggebiet erreicht sein. Es war eine Reise ins Ungewisse. Es hielt sich das Gerücht von missglückten Unternehmungen. Derartiges wurde mit einem Tabu belegt, damit Verunsicherungen zu keiner Belastung wurden. In der Maschine sitzend, die über Berge flog entlang der traumhaften Adriaküste, brachen tausend Gedanken hervor."


    Das Attentat auf Hitler wird auch erwähnt:
    "Mit den erforderlichen Ausweispapieren meldete ich mich beim Adjutanten des Kommandeurs und wurde mit einem offenen Wehrmachtskübelwagen nach Berlin in die Bendlerstraße gefahren. So ich mich recht erinnere, war dies drei oder vier Tage vor dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944.

    Mein Befehl gab vor, eine versiegelte Mappe im Oberkommando des Ersatzheeres abzuliefern. Ohne Beanstandung durchlief ich alle Kontrollen. Im Vorzimmer von General Olbricht übergab ich die Mappe, deren Empfang entsprechend dem Reglement quittiert wurde. Umgehend kehrte ich auf der F 96 in den Norden der Hauptstadt zurück. Erst später erfuhr ich, dass diese Mappe, Standorte von Einheiten der Waffen-SS enthielt, die um Berlin stationiert waren. Offiziere aus dem Oberkommando des Ersatzheeres waren daran interessiert, Informationen über Stärke, Bewaffnung u. a. dieser Verbände einzuholen. Bis zum heutigen Tag, da ich all das dem Papier anvertraue, ist mir bewusst, dass dies zumindest eine Ahnung von dem gewesen sein musste, dass etwas sich andeutete, was dann am 20. Juli geschehen sollte. In irgendeiner Weise muss damit meine Mission in Verbindung gestanden haben."


    Es werden noch Einsätze in Frankreich und Rom detailliert ausgeführt, auch Köln und Düsseldorf. Das hier hat mich sehr bewegt:

    "Der Befehlsbunker in Düsseldorf wurde mit dem Vorrücken der alliierten Streitkräfte aufgegeben, gesprengt und der Befehlsstand in die Villa Hügel der Familie Krupp in Essen verlegt.

    Es muss Anfang Februar 1945 gewesen sein, da bewegte ich mich mit einem kleinen, schnell zusammengestellten Kommando auf die Frontlinie zu. Uns stand ein Amphibien-VW für diese Aufklärung zur Verfügung. Treibstoff unterlag einer strengen Kontrolle. Wir näherten uns einem Frontabschnitt, wo es keine zusammenhängende Truppenverbindung gab. Plötzlich setzte Artilleriefeuer ein. Wir mussten Deckung suchen. Ein entsetzlicher Aufschrei ließ mich zusammenschrecken. Jetzt bloß keine Verluste, dachte ich.

    In diesem Krieg hatte ich viele Schreie gehört. Mit Schreien verabschiedete sich der Mensch vom Leben. Schreie, die er ausstößt, wenn er vom Entsetzen gepackt wird. Schreie, die in mattes Stöhnen übergehen, das sich durch zusammengepresste Zähne frisst, verschluckt wird und entsetzlich wieder hervorbricht. Augen weiten sich, werden groß, der Blick wird starr und offenbart die so grenzenlose Hilflosigkeit der menschlichen Kreatur.

    Ein junger Freiwilliger, 19 Jahre, aus Wien, lag auf dem Waldboden. Blut floss aus einer großen Wunde, gierig saugte die Erde, trank Leben.

    Eine näherrückende feindliche Vorhut konnte mit Salven aus unseren Maschinenkarabinern aufgehalten werden. Ich sprang zu dem Jungen dort auf dem Waldboden, warf meine Waffe weg, legte mich neben den Verwundeten. Blut floss aus seinem linken Unterleib, sein Bein lag zerfetzt, noch als solches erkennbar, in einiger Entfernung. Ein Baumkrepierer hatte das Bein vom Becken weggesprengt. Er starrte zu mir, seinen Arm hebend, die Hand nach mir zu strecken, so, als wollte er sagen: Komm, hilf mir beim Aufstehen. Er wollte sprechen, kaum vernehmbar hörte ich leise wie durch dicke Mauern: "Was ist, was ist mit mir?" Weiteres konnte er nicht sprechen. Seine Zähne pressten sich zusammen, welche Kraft, letzte Kraft sich so äußert!

    Verbandpäckchen riss ich auf, presste sterilen Mull in die Wunde, suchte die zerfetzte Schlagader, um diese aus einer naiven, stümperhaften Hoffnung heraus zusammenpressen zu können. Das Blut rann unstillbar; meine Hände, Arme und meine Tarnjacke voller Blut.

    Aus mir brüllte ein stummer Schrei. Ich wollte eine aufkommende Hoffnungslosigkeit nicht zulassen. An der Seite dieses Bündel Mensch, auf dem Waldboden, wo erstes Licht eines neuen Tages durch die Bäume sich drängte, wollte, musste ich mir dieses Bild des geschundenen Menschen ins Gedächtnis hämmern, dass es bliebe, unauslöschlich eingebrannt in meine deutsche Seele. Seht, da liegt einer, bereit zum Sprung in das undefinierbare Jenseits!

    Dieser sich zum Nichts auflösende Jüngling starrte mich, den Lebenden, an. Die Augen wurden größer und größer, und ein Schauder erschütterte mich, und ich erkannte: Ja, das ist er, das ist der Tod, der mich anblickt. Und das Gesicht des Todes ward für mich zum Heiligenbild meines Vaterlandes. Dieser Blick, diese starren, weit aufgerissenen Augen, werden mich verfolgen. Aus dem Nichts werden sie kommen und immer da sein. Nie wird ein Verdrängen möglich sein und es wird keine Kraft des Lebens geben, ins Vergessen auszuweichen.

    Dort, auf dem Waldboden liegend, an der Stätte unerbittlicher Grausamkeit, begriff ich urplötzlich: Von nun an wird der Tod immer an meiner Seite gehen!

    Alle Vorsicht missachtend, jegliches militärisches Reglement beiseite schiebend, rief ich den Fahrer. Wir schleppten unseren Kameraden, die eine Hand in die grässliche Wunde pressend, um das Bluten gleich einem Wunder zum Stehen zu bringen, zum Kübelwagen, legten ihn vorn auf die Blechverkleidung und warfen den Motor an, der erbarmungslos aufheulte.

    Die beiden anderen Freiwilligen riefen in das Aufheulen des Motors: "Haut ab, los fort!" Wie wild schossen sie ihre Magazine leer, warfen Handgranaten, deren Gebrüll Abschied war. Mit ihren Leibern gaben sie uns Schutz, Deckung für einen Sterbenden. Irgendwo werden ihre Gräber sein oder sie liegen unter einer dünnen Schicht des Waldbodens. Ein aus dem Nichts auftauchender US-Panzerspähwagen schoss. Querschläger sangen ihr schrecklich pfeifendes Lied.

    Wir fuhren, wurden durchgeschüttelt, ich warf mich über den jungen Kameraden, hielt ihn fest. Der Vorderbau des Kübelwagens färbte sich rot.

    Wir erreichten einen Verbandsplatz. Verwundete lagen in der Morgensonne. Tote wurden fortgetragen. Der Fahrer rief nach dem Feldarzt. Unseren Kameraden legten wir auf die Erde, in das Gras, in dem noch der Tau der Nacht hing.

    Der Feldarzt sah auf den Verwundeten, sah die Wunde, drückte die Augenlider auf, legte die Hand auf den Hals, sah zu uns auf, schüttelte den Kopf. "Aus, da ist nichts mehr zu machen." Der Fahrer trommelte wie wahnsinnig auf das blutrot gefärbte Blech seines Wagens: "Nein, nein, das darf nicht ...", er konnte nicht weitersprechen. Immer noch rann das Blut aus dem jungen Körper. Wir sahen, wie unser Kamerad sich quälte, die Augen zu öffnen, nun schmal, weißgelblich schimmerte der Augapfel, die Lippen zitterten und durch die Zähne pressten sich Worte. Wir beugten uns, knieten nieder, um hören zu können, was der Sterbende noch uns nachrufen wollte. Er musste uns erkannt haben. Eine Traurigkeit überdeckte sein Gesicht. Wir konnten hören, auch verstehen, was da aus seinem Munde kam: "Schade, dass ich nichts mehr für Deutschland tun kann."


    Später:
    "In einer Haftanstalt, irgendwo am Rande der Stadt, der Stadt, die vor Jahrhunderten den Stedingern Existenz verweigerte, saß ich in einer Zelle.

    Dieses Geviert teilte ich mit dem vormaligen Kommandanten des Katapultschiffes „Schwabenland“.


    Sorry für den vielen Text. Ich dachte das könnte evtl. interessant sein. Bei Interesse kann ich auch noch mehr Infos bereitstellen. Mein Plan ist es, dieses Buch irgendwann einmal zu veröffentlich.
    Mein Opa scheint zu Lebzeiten auch in Kontakt mit anderen Autoren gestanden zu haben. Wenn ich bei Google schaue, wird er als Quelle in einigen Passagen in zwei Büchern angegeben. EInes ist ein englisch-sprachiges Buch zur Skorzeny, ein anderes ist ein deutsches Buch zu Walter Girg.

    Edited once, last by TilleNbg ().

  • Guten Tag Thilo,


    Vielen Dank dafür, dass du die schönen Berichte deines Großvaters mit uns teilst. Es wundert mich ein wenig, dass du noch nicht mehr Zuspruch

    erhalten hast. Aber das kommt sicher noch.

    Ich werde mich noch per PN bei dir melden.


    Herzliche Grüße


    Heidy