Nachschub-Bataillon 559, Einsatzorte

  • Grüß Euch alle von einem kompletten Forenneuling!


    Ich bin mit Unterbrechungen seit mehreren Jahren dabei, die Wege meiner beiden Großväter im II. WK nachzuvollziehen, was ja nicht immer so einfach ist.

    Bei meinen Recherchen habe ich vor kurzem dieses Forum "entdeckt", und bin beeindruckt, was hier an Fach- und Detailwissen vorhanden ist.

    Und vielleicht hat der eine oder andere einen Tip zum NschBtl 559.


    Aber von Anfang an:


    Mein Opa wurde im fortgeschrittenen Alter von knapp 37 Jahren im Februar 1941 zum Heer eingezogen und bekam eine schnelle Ausbildung in München beim 3./KfErsAbtlg 27.

    Danach gings mit der NschKp 337 (5.5.1941- 21.3.1942) nach Frankreich (wo er übrigens den ganzen Krieg verbrachte),

    zunächst nach Vesoul und Dijon. Am 21.3.1942 wurde er (letzter Dienstgrad: SanUffz) zum NschBtl 2./559 versetzt,

    wo er bis zum 17.9.1943 verblieb, Einsatzort(e) unbekannt.

    Vom 18.9. bis 25.10.1943 war er bei der 3./559 gemeldet, mit Stationierungen in Nevers und Rennes.Vom 26.10.1943 bis 22.8.1944 war er dann bei der 5./559,

    wo er in Alet (bei St. Malo) und schließlich Pontivy eingesetzt war.

    In Pontivy war auch gleichzeitig auch der Stab der XXV. Armee stationiert.

    Vom 22.8.1944 an war er einige Zeit lang als vermißt gemeldet - sein Bataillon galt als versprengt.

    Eine Folge des schnellen Vormarsches der Alliierten nach der Landung.

    Schließlich tauchte er als Angehöriger der FestgNschKp in Lorient wieder auf, wo er bis zur Kapitulation am 10.5.1945 verblieb - klar, Lorient war ja eingeschlossen.

    Die Kriegsgefangenschaft (10.5.1945 - 25.12.1946) verbrachte er übrigens auch im alten Einsatzgebiet, im Lager Plestin-les-Greves an der Nordküste.

    Dieser Weg ist relativ gut dokumentiert, zum einen durch die WASt, zum anderen durch Feldpostbriefe und eigene Aufzeichungen meines Opas.

    Allerdings habe ich im Nachlaß auch Dokumente gefunden, die ich überhaupt nicht einordnen kann.

    Es sind handgeschriebene Postkarten an meine Oma zuhause, die aus Orten verschickt wurden, wo Opa (bzw. seine Einheiten) eben nach meinen Informationen gar nicht war(en).

    Diese Postkarten stammen aus Ancy le Franc, Pacy sur Armancon, Carcassonne, Pau, Bayonne, Biarritz, Bordeaux und auch Paris.

    Also Orte in Frankreich, wo weder die NschKp 337 noch das NschBtl 559 auftauchen.


    Mein Opa starb viel zu früh bereits 1966, ihn - und auch meine Großmutter - kann ich nicht mehr fragen.

    Vielleicht hat der eine oder andere von Euch ein paar erhellende Informationen für mich, das wäre super.


    Grüße aus Südbayern,

    Dieter

    LG aus Bayerisch-Schwaben

    Dieter

  • Diese Postkarten stammen aus Ancy le Franc, Pacy sur Armancon, Carcassonne, Pau, Bayonne, Biarritz, Bordeaux und auch Paris.

    Also Orte in Frankreich, wo weder die NschKp 337 noch das NschBtl 559 auftauchen.

    Hallo Dieter!


    Herzlich willkommen hier im Forum! Ich kann Dich beruhigen. Für einen ,kompletten Forenneuling' machst Du das zum Einstieg perfekt.


    Und: Gemessen an den wenigen Informationen, mit denen viele ihre Recherche-Reise hier oft beginnen (müssen), hast Du eine ganze Menge an Vorwissen und Details zusammengetragen.


    Nur für mein Verständnis: Aus den Postkarten beziehungsweise aus ihren Inhalten geht überhaupt nichts dazu hervor, weshalb Dein Opa an diesen Orten war?


    Nur ein spontaner Gedanke (ohne erst einmal Einsatzorte oder militärische Hintergründe heranzuziehen): Ist es denkbar, dass er Fronturlaube oder kurze Abstecher zu Erledigungen, wie sie mein Großvater aus seiner Zeit in Frankreich schilderte, genutzt hat, um sich bei Deiner Oma zu melden?


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

  • Hallo Dieter, hallo Frank,


    interessanter Beitrag - Danke für das Einstellen.


    Franks Einschätzung war auch meine spontane Vermutung beim Lesen: für einen im Nachschub eingesetzten Fahrer ( war er das? ) ist es nicht ungewöhnlich, auch in etwas weiter entferntere Orte zu gelangen - je nach dem, was zu erledigen ist. Hierzu wäre es ggfs. hilfreich zu wissen, ob andere Dienststellen in den jeweiligen Orten waren..

    Da in Dieters Auflistung einmal der Dienstgrad "SanUffz" genannt wird, könnte die Suche vielleicht zuerst einmal auf San-Dienststellen beschränkt werden. Wer kennt sich in diesem Bereich aus und kann vllt. helfen ?


    VIel Erfolg und herzliche Grüße

    von einem ehemaligen Nachschiebler ;-)


    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Grüß Euch,

    und erstmal danke für den freundlichen Empfang hier in der Runde und euren Input, Frank und Uwe!

    Nur ein spontaner Gedanke (ohne erst einmal Einsatzorte oder militärische Hintergründe heranzuziehen): Ist es denkbar, dass er Fronturlaube oder kurze Abstecher zu Erledigungen, wie sie mein Großvater aus seiner Zeit in Frankreich schilderte, genutzt hat, um sich bei Deiner Oma zu melden?

    Dieser Gedanke ist mir auch schon gekommen, denn auf einigen dieser Postkarten sind Kreuze eingezeichnet, z.B. mit den Anmerkungen "Hier habe ich geangelt" (Ancy le Franc) oder "in diesem Hotel habe ich übernachtet" (Paris).

    Allerdings scheint mir eine "Rundreise" quer durch den tiefsten Süden bzw. Südwesten Frankreichs (Carcassonne, Pau, Bayonne, Biarritz und Bordeaux) etwas weit hergeholt aufgrund der genannten Stationierungsorte. Man befand sich ja im Krieg, da dürften touristische Rundreisen eher nicht zum Angebotsumfang der "Reiseorganisation Feldgrau" gehört zu haben, vermute ich mal. Andererseits schreibt er auf der Pau-Postkarte (sie zeigt eine hübsche Promenade) etwas vom "Flanieren auf dieser Promenade". Fand ich zumindest interessant...

    Evergreen: Mehr als das oben genannte kann ich den Postkarten nicht entnehmen. Deswegen auch meine Frage, denn wenn ich mir diese "Reiseroute nach Postkarten" so ansehe, ist sie wirklich weit von den bekannten Stationierungsorten weg.

    Opa war mW in erster Linie Sani, ob Fahrer weiß ich nicht. Die Ausbildung in München legt das zwar nahe, aber davon habe ich nie etwas gehört oder gelesen. Den Sani habe ich auch aus den WASt-Unterlagen.

    Da in Dieters Auflistung einmal der Dienstgrad "SanUffz" genannt wird, könnte die Suche vielleicht zuerst einmal auf San-Dienststellen beschränkt werden.

    Nach meinen Unterlagen war der Opa quasi durchgehend in den genannten Nachschubeinheiten, die Kompanien sind bekannt. Welche Funktion er dort jeweils außer "SanUffz" innehatte, ist mir unbekannt. Hatten diese Kompanien eigene San-Dienststellen? War in meiner Bw-Zeit nicht so...

    LG aus Bayerisch-Schwaben

    Dieter

  • Allerdings scheint mir eine "Rundreise" quer durch den tiefsten Süden bzw. Südwesten Frankreichs (Carcassonne, Pau, Bayonne, Biarritz und Bordeaux) etwas weit hergeholt aufgrund der genannten Stationierungsorte. Man befand sich ja im Krieg, da dürften touristische Rundreisen eher nicht zum Angebotsumfang der "Reiseorganisation Feldgrau" gehört zu haben, vermute ich mal. Andererseits schreibt er auf der Pau-Postkarte (sie zeigt eine hübsche Promenade) etwas vom "Flanieren auf dieser Promenade". Fand ich zumindest interessant... (...) Mehr als das oben genannte kann ich den Postkarten nicht entnehmen. Deswegen auch meine Frage, denn wenn ich mir diese "Reiseroute nach Postkarten" so ansehe, ist sie wirklich weit von den bekannten Stationierungsorten weg.

    Guten Abend Dieter!


    Vielen Dank für Deine Rückmeldung! Ich kenne mich mit den Nachschubtruppen nicht im Detail aus. Aber ich deute es schon so, dass Dein Opa als Angehöriger der Versorgungstruppen beziehungsweise Rückwärtigen Dienste einfach wegen diverser Erledigungen viel herumgekommen ist und sich in der Besatzungszeit den Süden Frankreichs und andere "schöne Ecken" anschauen konnte.


    Du schreibst ja selbst, dass er den gesamten Krieg über "im Westen" stationiert war. Bis zur Landung der Alliierten befand er sich dort - verglichen mit der Ostfront oder anderen Kriegsschauplätzen - über relativ lange Zeit in ruhigen Gefilden und konnte als Besatzungssoldat daher wohl auch angeln oder flanieren, wie er es schreibt.


    Vielleicht hat einer der Experten hier noch eine Einschätzung dazu, wegen welcher Fahrten oder Erledigungen es ihn gerade an die Orte verschlagen haben könnte, von denen aus er die Karten versandte. Aber auf mich wirkt es tatsächlich weiterhin so, als sei er dort in seiner dienstfreien Zeit gewesen oder habe das Dienstliche mit dem Angenehmen verbinden können.


    Stehen auf den Postkarten Datumsangaben? Sie dürften dann aus der Zeit vor dem 6. Juni 1944 stammen, oder?


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

  • Servus Frank,

    nochmals Danke für deine Infos.

    Sie dürften dann aus der Zeit vor dem 6. Juni 1944 stammen, oder?

    ...ja, das stimmt. Die meisten sind undatiert, aber bei zweien ist das Datum "Mai 1941" bzw. "Juli 1941" notiert. Ist also im Prinzip ganz am Anfang der "Frankreichreise" meines Großvaters.

    Wenn das stimmt,

    als sei er dort in seiner dienstfreien Zeit gewesen oder habe das Dienstliche mit dem Angenehmen verbinden können.

    dann hatte er wenigstens einige schöne Tage dort. Seine letzten Feldpostbriefe klangen dann nicht so glücklich, wie man sich denken kann.

    LG aus Bayerisch-Schwaben

    Dieter

  • Wenn das stimmt, dann hatte er wenigstens einige schöne Tage dort. Seine letzten Feldpostbriefe klangen dann nicht so glücklich, wie man sich denken kann.

    Servus Dieter!


    Gemessen an dem langen Zeitraum, der bis zur Landung der Alliierten vergangen ist, hatte er wohl sogar noch ziemlich viele schöne Tage. Wobei "schön" im Krieg relativ ist. Aber gerade mit Blick auf das Geschehen an der Ostfront hatte es Dein Großvater sicher um Längen besser erwischt.


    Die volle Härte des Krieges scheint ihn ja am Ende dennoch getroffen zu haben. Zumindest deute ich Deinen Hinweis auf die Briefe so.


    Es ist allemal etwas Besonderes, sie zu besitzen.


    Ich habe vor vielen Jahren beim Kaffee eher nebenbei von meinen Großeltern erfahren, dass sie alle Feldpostbriefe meines Opas bei ihrem letzten Umzug ins Altpapier geschmissen hatten. Im Glauben, das interessiere doch heute sowieso keinen mehr... Dabei hatte ich zu dieser Zeit schon so viel Interesse signalisiert und war immer wieder im Austausch mit meinem Großvater über seine Zeit als Soldat.


    Als sie gemerkt haben, wie sehr mich der Umstand aufgewühlt hatte, dass die Briefe für immer verloren sind, haben sie mir beim nächsten Mal in einer Klarsichtfolie seinen allerletzten Feldpostbrief aus dem Januar 1945 und all seine Karten aus russischer Gefangenschaft überreicht. Davon hatten sie sich nicht getrennt.


    Ich halte den vergilbten Stapel Papier bis heute in Ehren.


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

  • Grüß dich Frank!

    Es ist allemal etwas Besonderes, sie zu besitzen. (...) Ich halte den vergilbten Stapel Papier bis heute in Ehren.

    Da hast du völlig Recht! Von meinem besagten Opa habe ich nach dem Tod der Oma diese Hinterlassenschaften sichten dürfen, weil mein Onkel (der all das im Original verwahrt und nicht herausrückt) wußte, daß mich das alles interessiert. Und so konnte ich die Briefe, Postkarten, Telegramme, Vermißtenmeldungen, etc. erst "übersetzen" (aus der Sütterlinschrift), dann einscannen und auf meinen Festplatten speichern.

    Von meinem anderen Opa, der 90 wurde, ist aus seiner Wehrmachtszeit deutlich weniger erhalten. Er hat mir zwar das Eine oder Andere erzählt, dann aber oft abgebrochen... Nachfragen war etwas schwierig, er wollte "diese Zeit" hinter sich lassen und das relativ gute Leben, das er sich in den Fünfzigern und Sechzigern aufgebaut hatte, genießen. Und dazu gehörte wohl, daß er den "militärischen Ballast" noch selbst entsorgte. Einzig aus seiner Zeit als PdG in Frankreich (obwohl er nahezu die ganze Kriegszeit im Osten verbracht hatte) hat er mir einiges erzählt, insbesondere von der Freundlichkeit seiner französischen "Gastgeber", die ihn wie ein Familienmitglied behandelt haben. Mit dieser Familie hatte er noch weit bis in die Siebziger Jahre engen Kontakt.

    Aber das ist eine andere Geschichte - im Moment beschäftige ich mich mehr mit den Wegen meines Großvaters väterlicherseits.

    Die volle Härte des Krieges scheint ihn ja am Ende dennoch getroffen zu haben

    Ja, er ist als Angehöriger der FestgNschKp Lorient am 10.5.1945 in französische Gefangenschaft gekommen und verblieb dort bis Weihnachten 1946. Wie ich andeutungsweise von meinem Vater gehört habe, "durfte" er in dieser Zeit in der Bretagne mithelfen, deutsche Minenfelder zu räumen. Er ist aber unverletzt zurückgekehrt.

    LG aus Bayerisch-Schwaben

    Dieter

  • Er hat mir zwar das Eine oder Andere erzählt, dann aber oft abgebrochen... Nachfragen war etwas schwierig, er wollte "diese Zeit" hinter sich lassen

    Servus Dieter!


    Ja, jeder ist anders damit umgegangen. Viele haben das mit sich ausgemacht und nie etwas erzählt. Andere haben getrunken, wieder andere haben die Wut auf das Erlebte und den Horror kompensiert, indem sie ihre Kinder "hart angefasst" und in der Erziehung verdroschen haben. Ein befreundeter Psychologe hat das mal so geäußert.


    Und dann gab es die, für die der Krieg wie ein einziges, großes Abenteuer war, wie ein Pfadfinder-Ausflug, der sie auch Jahrzehnte später noch begeistert hat; der sie bei Kameradentreffen in Erinnerungen schwelgen ließ.


    Mein Großvater hat auch Jahrzehnte geschwiegen oder sich nur seiner Frau, meiner Oma, anvertraut. Hin und wieder hat er mir als Kind beim Wandern harmlose, eher amüsante Dinge aus seiner Grundausbildung berichtet. Bis es an Weihnachten 1995 auf einmal den Korken aus der Flasche gedrückt hat - von da an ist es aus ihm rausgesprudelt wie aus einem Wasserhahn. Danach war es eher immer meine Großmutter, die ihn eingebremst hat - aus Sorge, er träume wieder die ganze Nacht davon.


    Dein Opa hat "dann aber oft abgebrochen", schreibst Du. Ich lese aus diesen wenigen Worten heraus, dass er Schlimmes gesehen und erlebt hat.

    Und dazu gehörte wohl, daß er den "militärischen Ballast" noch selbst entsorgte.

    Meinst Du das im Sinne von "Er hat den Erinnerungsballast aus seiner Militärzeit weggeworfen"?


    Hast Du vor, die Geschichte Deines Großvaters mütterlicherseits auch noch zu recherchieren?


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

  • Hallo,


    welches Datum tragen die Postkarten aus dem Süden/Südwesten Frankreichs? Ich stutze etwas, weil dieses Gebiet bis November 1942 unter der Kontrolle des Vichy-Regimes stand.


    Gruss

    Kai

  • Ich stutze etwas, weil dieses Gebiet bis November 1942 unter der Kontrolle des Vichy-Regimes stand.

    Hallo Kai!


    Wobei das ja nicht heißt, dass sich deutsche Besatzungssoldaten aus dem Norden und Westen Frankreichs zu dieser Zeit dort nicht hätten aufhalten können - im Urlaub oder für etwaige dienstliche Erledigungen, oder?


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

  • Hallo Frank,


    ja klar. Das ist richtig. Es geht dann ja darum, welche dienstliche Erledigungen dort angefallen sein könnten. Da könnten sich im Südwesten Frankreichs Aspekte aufdrängen....


    Mal warten, bis Dieter was zu den konkreten Daten der Postkarten geschrieben hat.


    Gruss

    Kai

  • Da könnten sich im Südwesten Frankreichs Aspekte aufdrängen....

    Hallo Kai!


    Welche Aspekte gehen Dir durch den Kopf?

    Mal warten, bis Dieter was zu den konkreten Daten der Postkarten geschrieben hat.

    Eigentlich hat er das ja schon. "Die meisten sind undatiert, aber bei zweien ist das Datum "Mai 1941" bzw. "Juli 1941" notiert", hatte er in Post Nummer 7 oben geschrieben.


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

  • Hallo Frank,


    im /Süden Südwesten Frankreichs befanden sich die zahlreichen Internierungslager des Vichy-Regimes, in denen insbesondere deutsche Juden interniert wurden, die urspr. nach Frankreich oder in die Benelux-Staaten geflüchtet waren. Auch die jüdischen Einwohner Badens wurden 1940 dorthin deportiert. Die Lagerverwaltung oblag dem Vichy-Regime. Gleichwohl leisteten Wehrmachts-Einheiten logistische Hilfe, u.a. bei der Verlegung von Insassen.


    http://lernen-aus-der-geschich…rz_internierungslager.png

    https://de.wikipedia.org/wiki/Camp_de_Gurs


    Ob die hier benannten Nachschubeinheiten daran beteiligt waren, ist natürlich offen. Es ist aber - denke ich - ein Aspekt der - neben anderen militär. Aufgaben/Urlaub - ebenfalls Grund für einen Aufenthalt in der offiziell "unbesetzen Zone" Südfrankreichs gewesen sein könnte.


    Gruss

    Kai

  • Ob die hier benannten Nachschubeinheiten daran beteiligt waren, ist natürlich offen.

    Hallo Kai!


    Dazu möchte und muss ich mich bewusst zurückhalten. Dafür habe ich mich viel zu wenig mit diesen Einheiten und ihren Einsatzorten beschäftigt.


    Ich meine aber, dass Du tatsächlich einen interessanten, nachdenkenswerten Ansatz ins Spiel gebracht hast. Das ist noch einmal eine ganz andere Perspektive auf das Thema, wenn auch spekulativ.


    Der Aspekt, den Du aufwirfst, ist natürlich ein sehr sensibler - gerade für Dieter, der sich der Kriegsgeschichte seines Opas plötzlich aus einer ganz neuen Richtung nähern müsste.


    Ich denke, eine fundierte Einschätzung könnte an dieser Stelle des Threads erst einmal nur ein Experte abgeben, der Quellen dafür hat, dass das Bataillon von Dieters Großvater etwa an der Verlegung von Lagerinsassen beteiligt gewesen sein könnte.


    Und Dieter wird sich sicherlich auch noch einmal zu Wort melden. Entsprechende Hinweise, die Deine Theorie stützen könnten, scheint er in den Dokumenten, Aufzeichnungen und Briefen nicht gefunden zu haben, sonst hätte er sich hier nicht auf die Suche begeben, behaupte ich. Und: Ich habe seine bisherigen Wortmeldungen auch nicht so gelesen, dass er Grund zu der Annahme gehabt hätte, sein Verwandter könne in schlimme Taten verwickelt gewesen sein.


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

  • Guten Morgen zusammen!


    Interessant, was sich da im Laufe einer mehrtägigen beruflichen Abwesenheit angesammelt hat. Ich versuche mal, das abzuarbeiten.

    Hast Du vor, die Geschichte Deines Großvaters mütterlicherseits auch noch zu recherchieren?

    Ja, ich habe daran bereits gearbeitet. Da ich aber deutlich weniger Ausgangsinformationen zu diesem Großvater besitze, habe ich vor, dessen Geschichte später anzugehen.

    welches Datum tragen die Postkarten aus dem Süden/Südwesten Frankreichs?

    Dazu habe ich alles, was mir vorliegt, bereits angegeben. Der Aspekt, den Kai hier andeutet, ist durchaus schwerwiegend. Allerdings kann ich mir das aus mehreren Gründen nur schwer vorstellen:

    1) Ist es wirklich denkbar, daß eine Nachschubeinheit mit politisch und militärisch "heiklen" Aufgaben wie der Deportation von Juden beauftragt wurde? Dazu gibt es hier im Forum sicherlich Experten. Nach allem, was ich gelesen habe, gab es für derartige "Sonderaufgaben" aber "geeignetere" Sondereinheiten, wohl insbesondere der SS.

    2) Mir liegen auch Feldpostbriefe meines Opas vor, aus denen sehr eindeutlig hervorgeht, daß er - gelinde gesagt - kein großer Anhänger des Regimes war. Offen gestanden wundert es mich, daß Briefe derartigen Inhalts überhaupt durch die Zensur gegangen sind. Zitat z.B:

    Ist tatsächlich zum verrückt werden und der Teufel soll alle holen die andem ganzen Elend u. Unglück Schuld sind das durch diesen Wahnsin von eimen [original] Krieg über Milionen von Menschen gebracht wurde.

    Das war im Frühjahr 1944.

    3) Die Postkartenmotive und die daruf enthaltenen Nachrichten an meine Großmutter deuten in der Tat auf einen eher unmilitärischen Aufenthalt an den genannten Orten hin. Zitat z.B.:

    Liebste Mutti!
    bin grad auf dem Weg zur Kompanie zurück. Haben die Gelegenheit genützt und sind nach Biaritz hinauf gefahren von Bayone. Bin genau auf dem Platz gewesen den Du auf diesem Bild siehst. Herrlich der Anblick vom Meer. Vielleicht kann ich bis Du diese Karte erhältst zurück sein.
    Seid alle herzlichst gegrüßt von Eurem Vati
    (Rechtschreibfehler im Original)


    Zudem hat mir meine Oma irgendwann erzählt, daß Opa sich ganz bewußt zu den Sanis gemeldet hat. Er war - das hat auch mein Vater erzählt - ein ziemlich sensibler, sanftmütiger Mann.

    Gut, daß muß nichts heißen, aber ich kann´s mir eigentlich nicht vorstellen.


    Nachtrag: Eben sehe ich, daß z.B. die Postkarte aus Carcassonne das Datum "4.12.1942" trägt. Die Postkarte aus Bordeaux datiert vom Januar 1943. Damit war das Gebiet Süd-/Westfrankreich - zumindest den Angaben von Kai zufolge - schon unter deutscher Besatzung. Die 1941er Postkarten stammen aus Vesoul und der Umgebung, das waren nach den Aufzeichnungen meines Großvaters seine allerersten Einsatzorte in Frankreich. Damit dürfte der Südfrankreich-"Ausflug" um die Jahreswende 1942/43 stattgefunden haben.

    LG aus Bayerisch-Schwaben

    Dieter

    Edited once, last by Peregrinus ().

  • Interessant, was sich da im Laufe einer mehrtägigen beruflichen Abwesenheit angesammelt hat.

    Hallo Dieter!


    Ja, im Forum rührt sich was. ;) Bei so vielen Themen und Mitgliedern kommst du oft mit dem Lesen kaum hinterher.

    Der Aspekt, den Kai hier andeutet, ist durchaus schwerwiegend. Allerdings kann ich mir das aus mehreren Gründen nur schwer vorstellen:

    Ja, Kai hat definitiv ein sensibles Thema ins Spiel gebracht. Aber nachdem Du die Frage nach den Orten aufgeworfen hattest, an denen Dein Opa war, war aus seiner Sicht auch dieser Aspekt zu beleuchten. Ich denke, bei solchen Recherchen gilt es wirklich, sich einem Thema von allen Seiten zu nähern.


    Ich möchte Dir gerade sagen, dass Du nach meinem Empfinden sehr gut und sachlich mit diesem Einwurf und dem schwerwiegenden Hintergrund umgegangen bist.


    Wie gesagt: Zur Einheit Deines Großvaters und etwaigen Sondereinsätzen, zu denen diese Truppenteile herangezogen worden sein könnten, weiß ich zu wenig. Hier werde ich mich nicht an Spekulationen beteiligen.


    Aber: Nach allem, was Du schreibst und weißt, nach allem, was in Deinen Quellen und Auswertungen steht, hätte ich erst einmal keinen Grund zur Annahme, dass Dein Opa als Sanitäter damals an Verbrechen dieser Art beteiligt gewesen sein könnte.


    Ausschließen kannst du für diese Zeit wahrscheinlich nichts (deswegen sicher auch der Zuruf von Kai), aber Du kannst und musst natürlich erst einmal mit dem Material arbeiten, das dir vorliegt. Und das spricht eine andere Sprache.


    Ich denke und hoffe, hier wird sich noch ein Experte zu Wort melden, der Dir mit einer fundierten Auskunft zur Einheit Deines Opas und möglichen ,Sonderaufgaben' weiterhelfen kann.


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen

  • Hallo zusammen,


    Quote

    Ausschließen kannst du für diese Zeit wahrscheinlich nichts

    nein das sicher nicht aber eine Sonderaufgabe ist ja nicht mit Shoha und Deportation gleichzusetzen.

    Eine Sonderaufgabe ist für sich erst mal nur etwas was was sich aus dem normalen Dienstbetrieb herausragt.

    Allein die Reise nach/durch Südfrankreich war besonders weil bei Problemen und Widrigkeiten war die Einheit

    erst mal auf sich allein gestellt. Auch das ganze Thema staatlich sanktionierter/initiierte Schmuggel,

    z.B. Wolfram aus Spanien, solchen Sachen waren definitiv auch >Sonder<

    Gruss Dieter

  • nein das sicher nicht aber eine Sonderaufgabe ist ja nicht mit Shoha und Deportation gleichzusetzen.

    Eine Sonderaufgabe ist für sich erst mal nur etwas was was sich aus dem normalen Dienstbetrieb herausragt.

    Hallo Dieter!


    Da bin ich ganz bei Dir.


    Wie gesagt: Ich fand es nicht unwichtig, sich mit dem Aspekt zu beschäftigen, den Kai ins Spiel gebracht hatte; das Ganze quasi zumindest in Erwägung zu ziehen. Aber Dieter (Peregrinus) hat in seinen Briefen, Unterlagen und Dokumenten ja auch nichts gefunden, was hier irgendeinen Verdacht erhärten würde.


    Von daher würde auch ich erst einmal bei meiner Einschätzung bleiben, die ich oben geäußert hatte - dass sein Großvater Urlaube oder Erledigungen "außer der Reihe" (welche auch immer das waren -> und den extremsten Fall spreche ich jetzt explizit nicht an) nutzen konnte, um sich Städte in Frankreich anzuschauen und seine Postkarten zu schreiben.


    Ich hatte es eingangs ja in meiner ersten Reaktion auch geschrieben: Dieters Schilderungen haben mich spontan an Erzählungen meines Opas aus seiner Grundausbildungszeit in Frankreich erinnert, als ihn sein Spieß immer wieder mit Sonderaufträgen in die nähere und weitere Umgebung losschickte, um etwa spezielle Zündschnur für Sprengladungen oder Stoff für Hosen zu organisieren/kaufen.


    Viele Grüße!


    Frank/Evergreen