Schützengräben, Aufbau und Geschichte

  • Schönen Nachmittag,


    hat jemand Georg Ortenburg, Waffen und Waffengebrauch die Einigungskriege bei der hand da könne etwas ddrinnen Stehen.

    In meiner Ausgabe Kabinetskriege gibt es einige Seite zum Thema Feldbefestigungen.


    Grüße

    Ralf

  • N'Abend Ralf,


    besten Dank für den Hinweis.


    Ich hatte letzte Woche Gelegenheit, in der hiesigen Uni-Bibliothek einen Blick in das Buch von Ortenburg und in das Buch von Fiedler (Kriegswesen und Kriegführung im Zeitalter der Einigungskriege) zu werfen - die beiden Bücher geben leider auch nix her :(


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo Karl,


    sehr interessante Quelle - herzlichen Dank dafür.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo zusammen,


    bei der Suche im Netz zu einem anderen Thema bin ich über einen Querverweis auf ein höchstinteressantes 9-bändiges (!) Werk gestoßen, dessen Einzelbände einen Inhalt von jeweils rund 450 Seiten aufweisen (von B. Poten herausgegeben zwischen 1877 und 1880):


    Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften mit erläuternden Abbildungen


    Eine absolute Fundgrube zum Stand des militärischen Wissens und Könnens zu dieser Zeit! In Band 8 bin ich auch zum Thema Schützengraben fündig geworden: hier wird nicht nur der Begriff erläutert, sondern es werden auch deutsche, französische, italienische und österreichische Profile der Gräben gezeigt!


    Die beste Nachricht: Google-Books-Digitalisate der einzelnen Bände aus dem Bestand der Stanford University Libraries sind online verfügbar über -> Internet Archive


    Ich wünsche interessantes Stöbern ;)


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Moin Thilo,


    besten Dank für's Einstellen der entsprechenden Seite - ist bei mir irgendwie untergegangen 8)


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

    Edited once, last by stefan_reuter ().

  • Hallo,


    da in dem o. a. Seitenauszug von Thilo der Begriff " Schuhwerk" auftaucht möchte ich hier im Zusammenhang mit dem Einsatz in Schützengräben und nassen Füßen auf die besonders im I. WK aufgetretenen sog. "Schützengrabenfüsse", hervorgerufen durch schlechtes Schuhwerk, ständige Nässe/Wasser und längere Zeit kein Schuh- und Strümpfewechsel für trockene Füße. Eine schlimme Erscheinung mit weitreichenden gesundheitlichen Folgen für den Betroffenen ( U. U. eine Amputation).


    Gruß Karl

  • N'Abend Karl,


    gut, dass Du auf diese Fußerkrankung im Zusammenhang mit Schützengräben hinweist.


    Erstmals beschrieben wurde diese Erkrankung von einem Arzt der napoleonischen Armee, die bei ihrem Rückzug aus den Weiten Russlands bereits damit zu kämpfen hatte. Als Folge des Grabenkriegs im Ersten Weltkrieg wurde dieses Krankheitsbild dann recht bekannt.


    Weniger bekannt ist allerdings, dass vor allem amerikanische Truppen im Zweiten Weltkrieg erhebliche Ausfälle durch den bei ihnen so bezeichneten "trench foot" zu beklagen hatten! So hatte bei den Kämpfen im Brückenkopf Dillingen im Dezember 1944 besonders das 357th Infantry Regiment (90th Infantry Division) schwer darunter zu leiden, da die Männer in der Anfangsphase tagelang quasi schutzlos in ihren hastig gegrabenen Mulden bei nasskalter Witterung in offenem Wiesengelände lagen und tagsüber zur Bewegungsunfähigkeit verdammt waren - Bewegungen waren allenfalls in der Dunkelheit möglich. In den After-Action-Reports ist sogar die Rede davon, dass manche Männer zur Behandlung und Erholung bei Einbruch der Dunkelheit aus ihren Stellungen in geschützte Deckungen getragen wurden und vor Morgengrauen wieder auf die gleiche Art und Weise in ihre Stellungen zurück gebracht wurden! Ich hatte deshalb im Glossar meines Buchs "Dillingen im Zweiten Weltkrieg" (Dillingen 2002) auf den Seiten 345-347 den "Schützengrabenfuß" thematisiert. Hier ein Auszug aus dem Eintrag:


    Quote

    Während der Monate November und Dezember waren es vor allem die Fronttruppen der 3. US-Armee, die davon am schwersten betroffen waren. Um den 10. November erreichten die Ausfälle durch den »trench foot« erstmals epidemische Ausmaße innerhalb der amerikanischen Armeen an der Westfront. Gerade in der 3. US-Armee, die den Anfang der November-Offensive machte, trat die Erkrankung in stärkerem Maße auf, als in jeder anderen amerikanischen Armee. Vom 16. November bis Mitte Dezember gingen die Ausfälle durch den »trench foot« langsam, aber stetig zurück, wobei der Rückgang am auffälligsten wiederum in den Divisionen der 3. US-Armee zu beobachten war. Neue Bestimmungen hinsichtlich der Wäsche von Kleidung, die häufigere Ausgabe von frischen Socken sowie verstärkte Aufklärungskampagnen und strengere Disziplinarmaßnahmen halfen dabei, die Zahl der »trench foot«-Fälle zu reduzieren. Es zeigte sich allerdings auch, daß das Auftreten der Krankheit in direktem Zusammenhang mit der taktischen Situation im jeweiligen Abschnitt stand: Waren die Soldaten in Frontabschnitten eingesetzt, in denen es keine Deckung gab, so daß die Männer in ihren Schützenmulden lange Zeit nicht abgelöst werden konnten, stieg die Zahl der krankheitsbedingten Ausfälle. Nachdem den Amerikanern Aufzeichnungen der deutschen Einheiten in die Hände gefallen waren, die der 3. US-Armee gegenüberlagen, begannen sie sofort mit Nachforschungen darüber, wie die deutsche Wehrmacht mit diesem Problem umging. Erstaunt mußten die Amerikaner jedoch feststellen, daß sich die erbeuteten Unterlagen nirgendwo mit der Krankheit auseinandersetzten – offenbar stellte diese Erkrankung auf deutscher Seite kein Problem dar. Hugh M. Cole (»United States Army in World War II – The European Theater of Operations – The Lorraine Campaign«, Washington (DC), USA, 1950, S. 592ff) versucht eine Erklärung dafür zu finden, warum die Deutschen von der Krankheit verschont blieben, während die 3. US-Armee zur gleichen Zeit schwer davon betroffen war. Seinen Ausführungen zufolge brachten zeitgenössische Befragungen von deutschem Sanitätspersonal nur wenig zutage, mit Ausnahme der Tatsache, daß die Wehrmacht den »Schützengrabenfuß« nicht als Problem ansah. Die Amerikaner suchten akribisch nach den möglichen Ursachen für die augenscheinliche Immunität der deutschen Soldaten gegenüber dieser Erkrankung.

    Eine Untersuchung der deutschen Stiefel und der Fußlappen, mit denen sich die Soldaten ihre Füße umwickelten verlief negativ; selbst die Untersuchung der von den deutschen Sanitätern ausgegebenen Fußsalbe brachte keinerlei verwertbare Ergebnisse. Mangels anderer Erkenntnisse gingen die Amerikaner schließlich davon aus, daß es wohl zwei Faktoren gewesen sein müssen, die die Deutschen vor dem gefürchteten »trench foot« bewahrte:

    1. Viele der Truppen, die der 3. US-Armee gegenüber lagen, bestanden aus altgedienten Veteranen der Kämpfe an der Ostfront. Während des Winters 1941/42 hatten die deutschen Armeen in Russland, schlecht vorbereitet auf die Strenge des russischen Winters, sehr unter Erfrierungen und Unterkühlungen zu leiden – aus diesen Erfahrungen hatte die Wehrmacht offenbar sehr schnell ihre Lehren gezogen.

    2. Im Gegensatz zu den alliierten Truppen, kam der deutsche Soldat im Herbst und im Winter 1944 kaum noch in den Genuß, seine Märsche mit Fahrzeugen zurückzulegen, dazu gab es auf deutscher Seite zu diesem Zeitpunkt nicht mehr genügend Fahrzeuge und Treibstoff. An lange Fußmärsche gewöhnt, war der deutsche Soldat einerseits wohl nicht mehr so anfällig gegen Fußkrankheiten und andererseits auch erfahren in der Vorbeugung derartiger Erkrankungen.


    Ob die Schlussfolgerungen von Hugh Cole heute noch aktuell sind, kann ich natürlich nicht beurteilen.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo Stefan,

    die Amerikaner haben aber ziemlich schnell einen Gummiüberschuh entwickelt, der sehr schnell eingesetzt worden sein soll. Im Koreakrieg fand er auch Verwendung.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • N'Abend Rainer,


    vielen Dank für den Hinweis.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo,


    ein weiterer Aspekt, der den Stellungsbau beeinflusste, war die Weiterentwicklung der Gewehre: Bei Vorderladern war Laden nur im Stehen möglich, eine flache, schnell zu erstellende Deckung war daher nutzlos.

    Die Mitte des 19. Jahrhunderts eingeführten Hinterladen ermöglichten ein Laden in jeder Position und damit flachere Deckungen.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Stefan,


    Ob die Schlussfolgerungen von Hugh Cole heute noch aktuell sind, kann ich natürlich nicht beurteilen.

    Eines ist aber sicher: In der Wehrmacht wurde großer Wert auf die Fußpflege gelegt.

    Der Reibert: "Der Dienstunterricht im Heere" beschäftigt sich auf einer halben Seite mit der Fußpflege. Die Sanitäter waren angehalten die Füße der Soldaten nach langen Märschen zu überprüfen. ( Zumindest theoretisch in der H.Dv. 59 so festgehalten).


    Gruß Karl

  • Hallo Franz,


    vielen Dank für den Hinweis auf das Saunders-Buch - auf das Werk war ich auch schon gestoßen.


    Zeitlich deckt das Buch zwar auch den Deutsch-Französischen Krieg ab, dient aber mehr als Überblick über die Entwicklung des Grabenkriegs während der 100 Jahre von 1850-1950.


    Die Details, die ich suche, werde ich wohl nur in den zeitgenössischen oder zumindest zeitnahen militärischen Originalunterlagen finden :(


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)