Feldwebel Walter Schulze 9./ JG 302

  • Hallo Community

    Ob das Thema hier richtig ist, ich weiß es ehrlich gesagt als Frischling in diesem Forum nicht aber es wäre meine letzte Hoffnung da nach Abschalten des Luftwaffe Forums jegliche Informationsquelle für mich versiegt ist.
    Ich suche Informationen zum Feldwebel Walter Schulze der als Pilot der 9./ JG 302 am 3. Mai 1944 im Raum Braunschweig tötlich verunglückt sein soll.
    Meine Informationslage ist dabei mehr als dürftig, Reschke als mir einzig zur Verfügung stehende Quelle sagt auch nicht viel mehr aus.

    Das es sich bei diesem Unfall während eines Überführungsfluges um einen "Akt fliegerischer Unzucht" gehandelt haben könnte weil besagter Pilot, aus welchen Gründen auch immer, versucht haben soll mit seiner Bücker Bü 131 eine Brücke zu unterfliegen kann nicht als gesichert sondern eher als hörensagen gewertet werden.

    Ich wäre über jegliche Hinweise dankbar, egal ob zu Pilot, Aussehen des Flugzeuges oder der tatsächlichen Absturz Ursache da mir dieser Absturz neben zwei weiteren noch in meiner persönlichen Orts Chronik fehlt.

    Vielen Dank im Voraus und beste Grüße



    Horrido!

  • Hallo und Willkommen hier im Forum,


    erstmal ein paar Basisdaten zur Person:


    Nachname: Schulze

    Vorname: Walter

    Dienstgrad: Feldwebel

    Geburtsdatum: 26.05.1918

    Geburtsort: Lütenhin

    Todes-/Vermisstendatum: 03.05.1944

    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet


    Walter Schulze ruht auf der Kriegsgräberstätte in Goslar, Stadtfriedhof Hildesheimer Str..Endgrablage: Grab 46


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo zusammen,


    die Gräberkarteikarte von Walter Adolf Schulze, der im übrigen am 26.09.1918 geboren wurde, gibt als Todesursache "Unfall, Flugzeugabsturz, Bruch der Wirbelsäule" an. Schulze ist demnach in Treune bei Wenden, 5 km nördlich von Braunschweig, abgestürzt.


    Ein Ort namens Treune läßt sich nicht lokalisieren. Ob mit Treune vielleicht Thune gemeint ist?


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo,


    Quote


    Das es sich bei diesem Unfall während eines Überführungsfluges um einen "Akt fliegerischer Unzucht" gehandelt haben könnte weil besagter Pilot, aus welchen Gründen auch immer, versucht haben soll mit seiner Bücker Bü 131 eine Brücke zu unterfliegen kann nicht als gesichert sondern eher als hörensagen gewertet werden.

    könnte zu einer Brücke des Mittellandkanals bei Braunschweig-Thune passen.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • ... Ein Ort namens Treune läßt sich nicht lokalisieren. Ob mit Treune vielleicht Thune gemeint ist? ...


    Hallo Diana,


    das läge bestimmt nahe. Den beim Volksbund genannten Geburtsort "Lütenhin" gibt es übrigens auch nicht, vermutlich ist damit der Ort Lütenthien im Kreis Lüchow-Dannenberg gemeint.

    In der Kracker-Datenbank ist dieser Unfall leider nicht verzeichnet.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo,


    aus einer Abschrift der Namentlichen Verlustmeldung (WASt) habe ich:

    - Absturz aus 900 m Höhe, Übungsflug


    Es liegt nahe, dass er übungshalber mal wieder "geturnt" hat (Kunstflugübungen).


    Gruß, Uwe K.

    "Was sprechen die Diesel, Johann? - Die Diesel sind zufrieden, Herr Kaleu."

  • Ihr seit perfekt!

    Treuen ist falsch wie ihr schon richtig bemerkt habt.

    Es handelt sich um die Ortschaft Thune, heute Ortsteil der Stadt Braunschweig.

    Nach " Zeugenaussagen" soll er versucht haben die Eisenbahn Brücke die den Mittellandkanal überspannt zu unterfliegen.

    Es ist, wenn es denn der Wahrheit entspricht, der zweite Unfall solcher Art die in Thune passiert ist.

    Bei dem anderen Unfall, von dem es ein Foto gibt, handelt es sich um einen Zusammenstoß kurz vor Kriegsbeginn.


    Horrido!

  • Hallo,


    wie du aus der Info von Uwe und seinen NVM-Archivalien entnehmen kannst, sind 900m Höhe sicherlich keine Brückenfliegerei; zumindest ist sie so nicht plausibel.


    Grüße Fred

    Halle/Saale: Heeres- und Luftnachrichtenschule // Siebel Flugzeugwerke

  • Hallo,


    schon der Versuch des Unterfliegens einer Brücke wäre ein drastischer Verstoß gegen §91 (Fliegerische Zucht und Ordnung) gewesen.

    Damals wie heute eine Straftat, die den "Täter" bei Entdeckung, Anzeige und zwangsläufigen Verfahren wieder zum Fußgänger zurückbefördert hätte.

    Im Todesfall erfolgte (diverse Beispiele sind belegt) ein Begräbnis komplett ohne militärische Ehren.

    Im Zivilfall (heute) wäre das ein "Gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr" (eine Staftat - Geldstrafe oder Gefängis bis 5 Jahre) - der Fluglizenzenzug und das flugpsychologische Testat der charakterliche Nichteignung zur Teilnahme am Luftverkehr verstehen sich von selbst. Damit gekoppelt auch die Kfz-Fahrerlaubnis.


    Im Mai 1944 wäre ein solcher Verstoß definitiv mit Fluglizenzenzug, Degradierung und Versetzung in eine Lw-Feld-Bewährungseinheit geahndet worden.

    Also Infanterieeinsatz und Schlammkriechen statt Fliegerei - von der höchsten Form menschlicher Fortbewegung zurück zur niedrigsten Form.


    Mal abgesehen von der dokumentierte Unfallursache - hätte ein derart erfahrener Flugzeugführer wie Fw. Walter Adolf Schulze diese möglichen - und unter den gegebenen Umständen auch sehr wahrscheinliche - Folgen riskiert? Wohl eher nicht.


    Dabei ist zu berücksichtigen:

    - die III./JG 302 lag am 3.5.44 in Braunschweig Völkenrode

    - der Unfallort - und die Brücke - lagen in Sichtweite der Fliegerhorste Völkenrode und Braunschweig-Waggum

    - von beiden Plätzen aus konnte man seinen Fllug vom Boden aus beobachten

    - auf beiden Plätzen herrschte regeger Flugbetrieb - und natürliche beobachtete man die anderen Flugzeuge in der Luft

    - in den umliegenden Ort gab es zahlreiche, mögliche Bodenzeugen (Zivilisten, NS-Funktionäre, Gendarmerie auff Streife) - die allesamt die "Tat" gesehen und evtl. zu Anzeige gebracht hätten könnten (wenn die "fliegerische Unzucht" denn stattgefunden hätte) - das ist genauso wie wenn ich tagsüber in meinem Mercedes mit 100 durch die Fußgängerzone der naheliegenden Großstadt brettere. Da wäre ich schön dumm - und sicherlich psychisch ungeeignet als KFZ-Führer.

    - da sucht man sich doch bessere Gelegenheiten aus, wo das Entdeckungsrisiko weit, weit geringer ist - oder?

    - für Flugzeugführer im täglichen Feindeinsatz war der Abbau von Adrenalin-Stau gar nicht nötig - die hatten auch im normalen Feindflugbetrieb genügend Gelegenheit zur Selbstbestätigung


    Wieso bitteschön hätte Walter Schulze das machen sollen?

    Abgesehen von all diese Konjunktive, dem hätte, wäre, könnte .... Fw. Schulze ist NICHT in einer Bü 131 (Jungmann) verunglückt.

    Auch in dieser Hinsicht stimmt die Eingangsgeschichte schon mal nicht.


    Aber - ich war nicht dabei und verlasse mich daher auf die überlieferten Dokumente.


    Viel Grüße, Uwe K.

    "Was sprechen die Diesel, Johann? - Die Diesel sind zufrieden, Herr Kaleu."

  • Vielen Dank für deine ausführliche Antwort zum Thema.


    Ich habe in meiner Anfrage lediglich das wiedergegeben was mir von einem ehemaligen Kunden vor Jahren erzählt wurde, den Wahrheitsgehalt kann ich nicht bestätigen und hatte mich bezüglich einer Klärung an das Forum gewandt.

    Über die tatsächlichen Umstände kann ich genau so wenig etwas sagen denn ich war nicht zugegen!

    Dieser Absturz, genau so wie der nur wenig weit entfernte Zusammenstoß zweier deutscher Maschinen, bleibt für mich bis heute ungeklärt in den Details.


    Nur nebenbei bemerkt, einsehbar ist die Absturzstelle weder vom Flugplatz Waggum aus und schon gar nicht von Völkenrode.

    Nichts desto trotz sind deine Ausführungen sehr interessant und fundiert und ich bedanke mich dafür.


    Horrido!

  • Guten Abend,


    > Nur nebenbei bemerkt, einsehbar ist die Absturzstelle weder vom Flugplatz Waggum aus und schon gar nicht von Völkenrode.

    Man sieht, wenn eine Maschine unter die vorgeschriebene Mindestflughöhe geht und aus dem Sichtfeld "verschwindet".

    Das reicht schon.


    V. Grüße, Uwe K.


    Nachtrag:

    auch im Mai 1944 gab es schon Funkmessgeräte - auch in der Umgebung von Braunschweig.

    Und aus der Platzrunde (200 m GND) hat man eine prima Sicht auf alles was im 15 km Radius fliegt.


    P.P.S.:

    - vom nördlichen Platzrand in Waggum zur Eisenbahnbrücke (südl. Meinholz) sind es knapp 3 km

    - vom Ex-Platz Völkenrode sind es 8 km

    - vom Ex-Platz Broitzem sind es 10 km

    - und vom Norden her gesehen, vom ex-Platz Gifhorn sind es 12 km

    Das käme auch heute prima - direkt in Sichtweite vom LBA (Luftfahrbundesamt).

    Wenn mir mal (in hoffentlich noch weiter Ferne) mein Fliegerarzt das Medical verweigert, dann wäre das eine Idee für das Ende meines PPL.

    Man gönnt sich ja sonst nichts - die Geldstrafe dürfte es wert sein.

    "Was sprechen die Diesel, Johann? - Die Diesel sind zufrieden, Herr Kaleu."

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