Division z.b.V. 606, Hilfe bei einem Werdegang eines Soldaten

  • Ein herzliches Hallo in die Runde,

    der Vater einer langjährigen Freundin, der schon über 20 Jahre tot ist, war als junger Mann seit, soweit ich verstehe, 1943 im Krieg.

    Er hat quasi nie darüber gesprochen und ich habe ihr angeboten, bei der ehem. WAST nachzufragen und habe mit dem heutigen Tage

    Antwort bekommen.

    Es gibt ein paar Sachen, die mich als Laie mit Fragen zurücklassen.

    Zum einen ist da, und ich hoffe, ich verstehe richtig, eine zweimalige Registierung von ihm. Es hiess immer, er war in Dortmund geboren.

    Einmal steht er dort bei der WAST als geb. in Dortmund, aber er steht da auch noch mal als geb. in Schüren, quasi einem Vorort von Dortmund.

    Eigentlich kein Problem und es scheint sich um die gleiche Person mit gleichem Geburtstdatum zu handeln.

    Aber die eingetragenen Informationen sind manchmal etwas widersprüchlich.

    anbei kurz, was in der Email gestanden hat:


    Der Gesuchte (Träger der Erkennungsmarke - 1862 - Stammkp.K.E.A.6)

    ist erstmals mit einer Meldung vom 07.04.1943 in der Einheit 1. (Panzer-Späh) Kompanie Kradschützen-Ausbildungs-Bataillon 6, Buderich b. Wesel, Zugang: v. Stammkom- panie Kradschützen-Ersatz-Bataillon 6 erfasst.

    In den Verzeichnissen sind folgende weitere Verwendungen genannt:

    Rosenbaum , Georg, geboren am 28.06.1925 in Dortmund (hier in dieser Schreibweise registriert)


    1. (Panzer-Späh) Kompanie Pan- zer-Aufklärungs-Ausbildungs- Abteilung 6, Kassel,

    Abgang: z. Rekruten-Marschkompanie Panzer- Aufklärungs-Ausbildungs-Abteilung 6, Wesel
    gemeldet am: 26.10.1943


    Stabskompanie Panzer- Aufklärungs-Abteilung 12,

    Abgang: z. Panzer-Aufklärungs-Ersatz- Abteilung 3
    gemeldet am: 05.07.1944


    Rosenbaum, Georg, geboren am 28.06.1925 in Schüren (hier in dieser Schreibweise registriert)

    Rekruten-Marschkompanie Panzer- Aufklärungs-Ausbildungs-Abteilung 6, Wesel,

    Zugang: v. 1. Kompanie Panzer-Aufklärungs-Ausbildungs- Abteilung 6
    gemeldet am: 26.10.1943


    Stabskompanie Panzer- Aufklärungs-Abteilung 12,

    gemeldet am: 12.06.1944


    4. Kompanie Panzer-Aufklärungs- Abteilung 103,

    Zugang: v. Marsch-kompanie Panzer-Aufklärungs-Ersatz-Abteilung 3

    gemeldet am: 08.09.1944

    Letztmalig ist der Gesuchte mit dem 01.12.1944 als Angehöriger der Einheit 2. Kompanie Panzer-Aufklärungs-Abteilung 103,

    Abgang: z. Marschkompanie Panzer- Aufklärungs-Ersatz-Abteilung 3 aufgeführt.


    Anbei war da noch folgende Karte (im Anhang), die von der Division z.b.V. 606, bzw. der I.D. 606 und dem Füsilier Bataillon 606 spricht und einer Verletzung in Karlsbiese ( wenn ich richtig lese: Darmdurchschuss ? ) und dem Haupt-Verbands Platz ? Karlsbriese ist wohl ein kleines Dorf so 80 Km vor Berlin und in der Nähe von Küstrin.

    Ich denke, der gute Mann war da in einer brezligen Ecke und wird seinen Horror erlebt haben, über den er nie sprach.

    Gibt es zu den Kämpfen in dieser Ecke Augenzeugenberichte oder Erzählungen ?

    Ich habe das für mich mal folgendermaßen zusammengefasst:

    Georg Rosenbaum geb. 28.06.1925 in Schüren bei Dortmund


    Erkennungsmarke - 1862 - St.Kp.K.E.B.6 Stammkompanie Kradschützen-Ersatz-Bataillon 6 (Stammeinheit, seine erste Einheit )

    07.04.1943:

    1. (Panzer-Späh) Kompanie Kradschützen-Ausbildungs-Bataillon 6, Buderich b. Wesel

    dann

    1. (Panzer-Späh) Kompanie Panzer-Aufklärungs-Ausbildungs- Abteilung 6, Kassel

    hierbei weiss ich nun nicht, ob das einfach zwei verschiedene Eintragungen waren mit verschiedenen Orten oder ob er tatsächlich gewechselt hat ???


    26.10.1943:
    Rekruten-Marschkompanie Panzer- Aufklärungs-Ausbildungs-Abteilung 6, Wesel


    12.06.1944:

    Stabskompanie Panzer- Aufklärungs-Abteilung 12, 12. Panzer Division ?


    05.07.1944:

    Panzer-Aufklärungs-Ersatz- Abteilung 3, Division z.b.V. 606


    08.09.1944:

    4. Kompanie Panzer-Aufklärungs- Abteilung 103 ( dann 2. Kompanie ) 3. Panzergrenadier Division ?

    es steht einmal 4. Komp. und einmal 2. Komp. drin. auch da weiss ich nicht, ob er da gewechselt ist, oder es verschieden eingetragen wurde mit

    verschiedenen infos ??


    01.12.1944:

    Marschkompanie Panzer- Aufklärungs-Ersatz-Abteilung 3, Division z.b.V. 606


    zuletzt war seine Kompanie Teil des Füsilier-Bataillons 606 ( Füs.Btl.606 ) der Division z.b.V. 606, 9. Armee, Heeresgruppe Weichsel


    am 24.03.1945 Darmdurchschuss in Karlsbiese, 70 km vor Berlin.

    Einlieferung zum Hauptverbandsplatz (H.V.Pl.) 606. Infanterie Division ( 606. I.D.)


    Kann da jemand was zu sagen, der mehr weiss als ich ?

    Danke dafür

    ZK Rosenbaum, Georg.pdf

  • Nochmal ein herzliches Hallo in die Runde,

    gibts gar keine Informationen zu diesem Fall ?

    Eventuell Orte oder Zeitzeugenberichte zu der Ecke, wo der Soldat da am Schluss drin steckte ?

    Wollt noch nicht aufgeben :)

    Schönen Tag, Stoffel

  • Hallo Stoffel

    zu den Kämpfen im Oderbruch gibt es zahlreiche Berichte, Schilderungen und Dokumente. Karlsbiese liegt nur wenige Kilometer nördlich von Ortwig. In die diesem Bereich hatte die Rote Armee bereits am 02. oder 03. Februar 1945 die Oder überschritten und konnten sich dann dort auf einem schmalen Streifen dauerhaft festsetzen. Den Angriff am 16.04.1945 und dem Durchbruch nach Berlin bis zum 20.04.1945 hat der derjenige ja dann aufgrund seiner Verwundung nicht mehr vor Ort miterlebt.

    Ich schau mal, was ich dazu finde.

    Grüße

    Ulf

  • Danke Ulf,

    Tatsachen und Erlebnissberichte würden für die Tochter wohl am besten verständlich machen, was ihr Vater da in jungen Jahren an sicherlich amtlichen Erlebnissen hatte und vielleicht deshalb die eine Erklärung wäre für die ein oder andere Macke, die ihr Vater immer mal hatte. Dankbar für alles an Geschichten. Er wurde ja bei Kämpfen am 24.3.45 schwer verletzt. Was war DA eventuell los ? Klasse :)

    Stoffel

  • Hallo Stoffel,

    aus "Brennendes Oderland" von Fritz Kohlase:

    "01. Februar

    ...Ostwärts Wriezen erreichte der rechte Flügel der 5. Stoß-Armee, das 5. Schützen-Korps, die Oder. Fast gleichzeitig forcierte die 230. Schützen-Division bei Güstebiese und die 248. Schützen-Division südlich Zellin den Strom, während die 301. Schützen-Division in der zweiten Staffel verblieb. Sie besetzten Karlsbiese, Kerstenbruch, Neulewin, Gieshof, Mehrin-Graben sowie Groß Neuendorf.und bildeten einen Brückenkopf von 7 km Breite und bis zu 4 km Tiefe. Seine Nordflanke verlief südlich der Alten Oder bis zur Mündung gegenüber Güstebiese..."

    "02. Februar

    ...Obwohl sich die 230. Schützen-Division des 9. Schützen-Korps der 5. Stoß-Armee im Brückenkopf etwas zögerlich verhielt, hatte sie inzwischen auch Neubarnim bestzt. Gegen diese gefährliche Entwicklung wurde das in Werbig entladene III. Bataillon des Panzer-Grenadier-Regiments 35 in Marsch gesetzt..."

    "03. Februar

    Nordwestlich Ortwig drückte das III. Bataillon des Panzer-Grenadier-Regiments 35 im Angriff die südwestliche Ausbeulung des russischen Brückenkopfs Güstebiese ein und besetzt wieder Neubarnim..."

    "04. Februar

    ...Das III. Bataillon des Panzer-Grenadier-Regiments 35 war an diesem Tage in einem Gehöft (Anm. vermutlich Gieshof) nordostwärts Ortwig von Russen mit ca. 40 PaK eingeschlossen worden. Das Bataillon konnte sich im Feuerschuitz der Divisions-Artillerie den Tag über dort halten und in der Nacht das brennende Gehöft bei dichtem Schneefall räumen...

    ...Die gepanzerte Kampfgruppe der 25. Panzer-Grenadier-Division gewann von Neubarnim aus in der Dunkelheit des Abends Gieshof zurück..."

    "05. Februar

    ... Im Oderbruch erreichte am späten Nachmittag ein Angriff der aus Gieshof zurückgeführten Kampfgruppe der 25. Panzer-Grenadier-Division von Neubarnim auf Karlsbiese sein Ziel. Doch anschließend musste der Ort wieder aufgegeben werden , weil die Infanterie-Einheiten der neu zugeführten Division "Döberitz" zu spät antraten und erfolglos blieben..."

    Später muss der Ort wieder zurück erobert worden sein, denn ab dem 18./19.02.verläuft die Front knapp östlich von Karlsbiese und ändert ihren Verlauf bis zum 12./13. April nicht mehr wesentlich. Es kam wohl während des gesamten Zeit immer wieder zu Gefechten, von russischer Seite aus, um den Brückenkopf auszudehnen, von deutscher Seite ihn einzudrücken. Am 21.03. begann ein weiterer Angriff der Roten Armee auf Küstrin der mit der Einschließung der Stadt endete Möglichweise steht die Verwundung mit aufkommenden Gefechten in diesem Zusammenhang.

    Die Wochenschau Nr. 752 enthält Aufnahmen der Kämpfe in und unmittelbar um Ortwig vom den o. g. Februartagen, und zeigt vor allem mit gepanzerte Kräfte und Flak im Erdkampf.

    Grüße

    Ulf

    Karlsbiese Frontverlauf 01. April 1945.jpg Karlsbiese Messtischblatt.jpg

    Edited 3 times, last by Ulf71 (August 23, 2020 at 10:48 PM).

  • Hallo,

    ich würde mich an örtliche Geschichtsvereine und Heimatforscher wenden. Neulewin hat so einen Verein und wenn man zu diesem Thema dort nichts hat, dann kennt man sicher jemanden der sich damit beschäftigt oder die Tage sogar selbst erlebt hat. Oft findet man solche Berichte auch in Heimatkalendern. Ob auch in der Gedenkstätte Seelow Infos vorliegen, kann ich nicht sagen.


    Gruß

    Ulf

  • Hallo Stoffel,

    ich kann dir zum oben benannten Thema noch die Bücher von Gerald Ramm "Gott mit uns" und "Endstation Oderfront" empfehlen. Hier kommen einige Augenzeugen/Teilnehmer der Kämpfe an der Oder (folglich bis Berlin / Halbe) zu Wort. Solltest du Standart-Werke wie Kohlase, Lankowski, Herrmann/Klar, Stich, Tieke sowie Le Tessier bereits gefunden haben, so hast du in Ramm's Sammlung eine ideale Ergänzung zur Thematik.

    VG Nico